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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-01 · Heft 13 (1.4.1898) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Im düsteren, schmucklosen Betlokal hatten sich die Juden Roms zum Abendgebet versammelt. Dumpf und eintönig erschallten die Gebete aus ihrer Brust. Kein freudiger Gesang, kein jauchzender Sabbathgruß ertönte, wie sonst am Freitag Abend. Tiefe Trauer lagerte auf den Gemüthern, und statt des freudigen Gesanges, womit das Nahen des Sabbaths sonst begrüßt wurde, drangen heiße Bittgebete zu dem Herrn empor, auf daß er sie erlöse aus der Pein und Bedrängniß und von ihrem Haupte das drohende Unheil wende. Heute — sie wußten es — wurde ihr Loos entschieden. Im Senat sollte heute die Vertilgung der Juden feierlich beschlossen werden, und der Morgen des nächsten Tages mußte für sie zum Anbeginn eines sicheren Todes werden. Sicher, Domitian zögerte nicht, wenn es galt, seinen Rachedurst zu befriedigen, seine Blutgier duldete kein Zaudern: Die, die sein grausamer Beschluß zum Tode verdammte, hatten sich für ihren Tod nicht gar zu lange vorzubereite». Dem Beschluß folgte auch rasch die Ausführung, und nun gar in ihrem Falle, wo des Cäsars Grausamkeit von den mannigfachsten Begierden aufgestachelt ward. Sie waren verloren, ihr Geschick besiegelt, wenn nicht im letzten Augenblick ein Wunder geschähe und der Allmächtige seinem heimgesuchten Volke einen rettenden Engel sende. Und darum erhoben sich heute heißer und bangender die Gebete aus den Herzen der Gläubigen. Hatten sie ihres Gottes ja auch nicht vergeffen, so lange ihnen die Freiheit winkte und ihr Leben nicht von Mörderhand bedroht war. Heute aber, in dieser entscheidenden Stunde, nahten sie nochmals und inbrünstig flehend dem Throne des Ewigen, auf daß er ihnen gnädig sei. Gesenkten Hauptes schritten die Versammelten jetzt dem Ausgange zu. Nur der Patriarch mit den anderen Rabbinern verharrte noch; er und seine Genossen wollten den Sabbath im Gotteshause erwarten und die ganze Nacht in Buße und Gebet verbringen. Da erscholl seltsames Geräusch vom Eingang her. Ein Gewirr von Stimmen tönte an ihr Ohr, ein freudiges Durcheinander von abgerissenen Worten schwirrte durch die Stille des Tenipels. Was war das? Welch ungewohnter Lärm? — Befremdet erhob der Patriarch sein Haupt und sah scharf nach jener Richtung hin, ans der jetzt das Geräusch merklich näher kam. Wie eine vom Sturm bewegte Welle kam es daher. Schiebend und stoßend, lachend und frohlockend, niit lebhaft gerötheten Wangen und freudigen Geberden. „Gerettet! Gerettet!" erscholl es in wirrem Durcheinander, und Alles drängte und schob sich um einen Menschen, der, eingekeilt in ihrer Mitte, sich nur schwer vom Platze bewegen konnte. Jetzt waren sie vor dem Sitze der Rabbinen angelangt. Befrenidet erhob Rabbi Gamaliel den Blick, da trat aus der Mitte des sich drängenden Volkes ein Mann hervor. „Zürne nicht, wenn ich Dich im Gebet störe, o Rabbi", begann er, „aber, meine Herrin, die göttliche Domitia, sendet mich, Dir und Deinem Volke Nachricht zu bringen von dem, was zu dieser Stunde ganz Rom in Athem hält. . ." „Willst Du mir von dem bevorstehenden Ende meiner Glaubensbrüder erzählen, und fügt Deine große Kaiserin auch noch Hohn zu der Grausamkeit ihres Gatten?" unterbrach ihn vorwurfsvoll der Rabbi. „Du irrst, Rabbi!" antwortete der Bote, „meine erhabene Herrin sendet mich hierher, Dir Nachricht zu bringen von Eurer Rettung. Und in fliegender Hast berichtet er von den Vorgängen im Senat. Er konnte nicht zu Ende sprechen. Wie ein Jubelruf drang es aus der Kehle der Zuhörer, brauste es ihm entgegen, den Saal erfüllend mit seinem jauchzenden Triumphe. „Rettung! Rettung!" Und ausjauchzend vor Glück und neuerwachtem Lebensmuthe sanken sie einander in die Arme und jubelten und frohlockten. Da tönte mitten in das Frohlocken und Jubeln hinein ein dumpfer Klagelaut. „Weh! Weh' mir! Weh Jsmael! Ihr jubelt, ihr frohlocket uitb freut Euch Eurer Rettung und denkt meiner armen, gottesfürchtigen Eltern nicht, die in der Gefangenschaft des Tyrannen noch schmachten. . „Gemach, Josua, hadre nicht, und erhebe Deine Stimme nicht, der Wille des Herrn sei gelobt!" verwies ihn mit sanftem Zuspruch Rabbi Josua den Chananja. „Wollt Ihr es ruhig mitansehen?" begann Josua von Neuem, „daß mein armer Vater im Gefängniß zu Grunde geht? Was wollt Ihr thun zu seiner Befreiung?" „In Gott vertrauen, o Jüngling!" sprach Rabbi Eleasar. „Der Ewige hat die Stimme seines Volkes gehört, als es sich in der ärgsten Noth an ihn wendete, er wird auch Dein Flehen erhören..." „Und dann, mein Josua," ergriff jetzt zum ersten Male Rabbi Gamaliel das Wort, „was gilt der Einzelne, wenn es das Wohl des Volkes gilt! Das Beispiel jenes Edlen, der nun an den Stufen des göttlichen Thrones seinen Lohn empfängt, sei Dir ein Zeichen der Gottergebung und der Frömmigkeit! Kommt," wandte er sich an die Versammelten, „lasset uns dem Ewigen danken für seine Gnade! Der Name des Herrn sei gelobt!" (Schluß folgt.) Sprertzfaat. Sehr geehrter Herr Doktor! (F^T^ollen Sie gefälligst nachfolgende t hat sächlichen Berichtigungen zu dem Briefe aus Ostpreußen von Moritz Scherbe! in Nr. 12 Ihrer geschätzten Zeitung in nächster Nummer bringen: 1. Die 15. Generalversammlung des Verbandes der Synagogen- Gemeinden Ostpreußens tagte in Insterburg nicht am 29., sondern am 31. Januar d. I. Es ist diese Richtigstellung insofern von Wichtigkeit, als der 29. Januar ein Sabbath war, und aus dem irrthümlich angegebenen Datum falsche Schlußfolgerungen gezogen werden könnten. 2. Die Synagogengemeinde Königsberg gehört dem Verbände bereits seit dem Jahre 1888 (also seit 10 Jahren) mit einem Jahresbeiträge von 150 Mark an; die Mitbegründer des Verbandes, des ersten Provinzialverbandes in Preußen, waren der verewigte Rabbiner Dr. Bamberger und der Unterzeichnete. 3. Nicht Herr Rechtsanwalt Cohn-Tilsit, sondern der Unterzeichnete unterzog sich im Aufträge des Vorstandes der Synagogengemeinde zu Königsberg, in Gemeinschaft mit dem delegirten Vorstandsmitgliede Herrn Julius Lazar, der Aufgabe, gegen die Gründung einer neuen Versorgungs- und Unterstützungskasse zu sprechen und den Anschluß an die bereits bestehende Hilfskasse für Beamte der Synagogengemeinden in den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen mit dem Sitze in Danzig auf das Wärmste zu empfehlen, umsomehr, als auch letztere Kasse auf Anregung des Ostpreußischen Verbandes im Jahre 1882 ins Leben gerufen worden und ihre Aufgabe bislang in ausreichender Weise gelöst hat. Königsberg i.Pr., 25. März. Mit vorzüglicher Hochachtung M. Klein, Sekretär der Synagogengemeinde. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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