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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-25 · Heft 12 (25.3.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Thorn, 13. März. Kaum, daß sich der Grabhügel über Herrn M. Rosenfeld gewölbt, so haben wir innerhalb 14 Tagen schon wieder den Verlust eines treu bewährten Gemeindemitgliedes zu beklagen. Herr Jacob Goldschmidt ist am 11. d. M. nach längerer Krankheit in dem Atter von 69 Jahren am Herzschlag verschieden. Der Verewigte war seit 29 Jahren Generalagent einer der größten Versicherungs-Gesellschaften „der Norddeutschen Hagel-Versicherungsgesellschaft" und erfreute sich durch sein pflichttreues Wirken und seine exakte Geschäftsführung des größten Vertrauens der Direktion, die dies den Hinterbliebenen in einem höchst anerkennenden Schreiben zum Ausdruck brachte. In unserer Gemeinde war Herr Jacob Goldschmidt bis vor Kurzem viele Jahre hindurch ein thätiges Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und der Schulkommission. Ganz besonders aber war sein Ressort das der Armenverwaltung, in der er als langjähriger Vorsitzender des hiesigen Armenvereins bis zu feiner vor Jahresfrist erfolgten Erkrankung segensreich wirkte. Ein sehr zahlreiches Gefolge aus allen Ständen und Konfessionen gab dem Herrn Goldschmidt das letzte Geleite, und die allgemeine Theilnahme bewies, welcher Beliebtheit und Achtung sich der Verblichene erfreute. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde fortleben. o. Insterburg, 18. März. Am 4. d. Mts. verschied nach langen Leiden in seinem 74. Lebensjahre unser verehrter Rabbiner M. A. Weinberg. Der Vorstand und die Repräsentanz sowie diverse jüdische Bereinigungen, deren Mitbegründer und eifriger Förderer der Verstorbene gewesen, weihten ihm lang gehaltene, warme Nachrufe, in welchen sie besonders die Treue und Hingebung rühmten, mit welchen der Verewigte in 35jähriger Amtsthätigkeit allen Zweigen seines vielseitigen Berufes obgelegen hat. Durch seinen frommen, mustergiltigen Lebenswandel war er seiner Gemeinde zum lebendigen Vorbild eines edlen Menschen und guten Juden geworden. Die hiesigen politischen Zeitungen charakterisirten sein Wesen, indem sie sagten, sein Leben sei stets die Betätigung des Dichterwortes gewesen: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. — Wie nach all dem nicht anders zu erwarten war, gestaltete sich die Beisetzung des verehrten Rabbiners, die am 7. d. Mts. stattfand, zu einer imposanten Kundgebung allgemeiner Trauer. Die ganze Gemeinde folgte seinem Sarge, daneben auch viele hochgestellte Personen anderen Glaubens. Bon den engeren Berufsgenossen des Verstorbenen waren zur Beisetzung erschienen Herr Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilstt, Herr Rabbiner Dr. Pick-Königsberg und Herr Prediger Scherbel-Gumbinney. Letzterer sprach zunächst im Trauerhause herzliche Worte, welche der Trauer um den langjährigen Freund und Kollegen Ausdruck gaben. In der Friedhofshalle nahm Herr Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit dgs Wort, um Namens der trauernden Gemeinde, rückschauend über das nun abgeschlossene Leben des verehrten geistlichen Führers, aller Welt noch einmal zu bekunden, wie theuer ihnen der Entschlafene gewesen uüd wie groß der Schmerz sei, den sein Heimgang allen Gliedern seiner Gemeinde bereitet. — Einen tiefen Eindruck machte auf die Trauelrversammlung die gehaltvolle Rede des Herrn Rabbiners Dr. Pick- Königsberg, der, als Delegirter des ostpreußischen Religionslehrer- Vereins, den letzten Scheidegruß überbrachte, den die engeren Berufsgenossen ihm, ihrem alten, lieben, theuren, für die gemeinsamen idealen Bestrebungen allezeit jugendlich erglühten Freund weihten. — Die Rede, mit warmer Beredsamkeit gesprochen, brachte manch zurückgehaltene Thräne zum freien Ergießen. Der Hügel wölbte sich über der Gruft, und Diejenigen, welche sie umstanden, empfanden, daß die Menschheit um einen bravin Mann ärmer geworden ist. Lp. Aus der Provinz Posen, im März. Die israelitische Gemeinde in Schneide mühl wird in diesem Jahre die auf dem Wilhelmsplatz stehende Synagoge durch einen Anbau bedeutend erweitern, auch soll die alte Fassade mit Ziegelkunststeinen verblendet werden. Die Synagoge wird alsdann 500 Sitzplätze im Schiff sowie auf beiden Seiten je 120 Sitzplätze für den Frauenchor und eine Abtheilung für den Sängerchor enthalten. Die Baukosten belaufen sich auf 30- bis 35000 Mk. — Der bisherige Kantor Gostynski in Schwersenz ist als zweiter Kantor und Schächter der Synagogengemeinde in Kempen gewählt worden. Zu seinem Nachfolger in Schwersenz ist bereits Kantyr Alfred Lewin aus Briefen i. Westpr. bestimmt worden. — Der israelitische Mildthätigkeitsverein in Ostrowo hat seinen bisherigen Borfltzendey, Herrn Rentier Sina Holzmann, Vater des Seminardirektors Dr. Holzmann in Berlin, zum Ehrenmitgliede ernannt und beschlossen, demselben ein diesbezügliches Diplom zu überreichen. — Der Kaufmann Macholl in Mrotschen feierte jüngst mit seiner Ehefrau das Fest der Silberhochzeit, aus welchem Anlässe derselbe für die dortigen Armen 100 Mk. und der Synagoge ein werthvolles Geschenk spendete. — Kaufmann Abr. Brandt in Ostrowo, langjähriges Mitglied des dortigen Synagogen-Gemeindevorstands, feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag, an welchem ihm von Nah und Fern zahlreiche Aufmerksamkeiten und Glückwünsche zugingen. — Die „Chewra Kadischa" in Pleschen beging neulich das Jubiläum ihres 25 jährigen Bestehens. — Kürzlich ist in Mrotschen ein jüdischer Frauenverein gegründet worden; es traten demselben gleich 35 Damen bei. In den Vorstand wurden die Damen Johanna Salomon, Rosa Pinkus, zum Schriftführer Kaufmann Liebstädter und zum Kassirer Lehrer Fenster gewählt. — Lehrer Lewin in Kolmar i. P. ist an Stelle des verstorbenen Lehrers Joseph als erster Lehrer an die zweiklassige israelitische Schule in Schneidemühl berufen worden. — Dr. med. Goldbaum in Janowitz ist zum Stadtverordneten jener Kommune gewählt worden. N. Lobsens, 17. März. Der hiesige israelitische Frauen- Verein feierte am 1. d. Mts. sein 25jähriges Bestehen. Da der Bikar Cholim-Berein alljährlich am 7. Adar, der diesmal gerade auf den 1 März traf, das übliche Fest abhätt, so beschlossen die beiden Vereine, dasselbe gemeinsam zu feiern. Um 5 Uhr Nachmittags versammelten sich sämmtliche Vereinsmitglieder im Bet Hamidrasch zu einem Gottesdienst, wobei eine würdige Seelenfeier abgehalten wurde. Dann ging es nach dem Lewinski'schen Hotel, woselbst ein Festessen stattfand. Musikalische Vorträge, Theater und lebende Bilder, die durch einen Prolog eröffnet wurden, wechselten mit einander ab. Den Schluß bildete ein Tanzvergnügen. Noch besonders erwähnenswerth ist, daß Frau Casper Behr hier als Mitbegründerin des Frauen-Vereins anläßlich dieser Feier zwei prächtige dreiarmige Leuchter der Synagoge geschenkt hat. a Magdeburg, 21. März. Behufs Bildung eines Verbandes der Synagogen-Gemeinden der Provinz Sachsen waren am 6. d. Mts. auf Einladung des Vorstandes der hiesigen Gemeinde Delegirte nachstehender Gemeinden hier erschienen: Halberstadt, die Herren Benj. Hirsch und S. Redelmeyer; Erfurt, Rabbiner Dr. Salzberger; Schönebeck, D. Stein; Nordhausen, Halle a. S., Stendal, Quedlinburg und Egeln. Die Verhandlungen fanden im Sitzungssaals des neuerbauten Gemeindehauses statt. Als Delegirte des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes waren anwesend die Herren D. Appelt-Halle, B. Hirsch- Halberfiadt und L. Sperling-Magbeburg. In einstimmigem Beschluß wurde die Konstituirung des Verbandes vollzogen und der Vorstand gewählt, welcher aus den Herren S. Singer-Magdeburg als erstem und Benj. Hirsch als zweitem Vorsitzenden besteht. Hierauf wurden die vom Vorstand der hiesigen Gemeinde vorgelegten Satzungen durchberathen und mit geringen Aenderungen angenommen. Der wichtigste Gegenstand, die Ertheilung des Religionsunterrichts an sämmtliche schulpflichtigen Kinder der Provinz, wird den nächsten Delegirtentag beschäftigen. Magdeburg, 14. März. Der israelitische Wittwen- und Waisen-Unterstützungs-Berein beging den 8. d. M., im Prunksaale des Cafe Hohenzollern die Feier seines 25jährigen Bestehens. Ander Festtafel nahmen über 220 Personen Theil, unter denen fast sämmtliche Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung mit ihren Damen bemerkt wurden. Gleich zu Beginn des Festmahls hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal, eine Ansprache, die, an den menschenfreundlichen Zweck des Vereins anknüpfend, zunächst das Grundgesetz der ganzen Sittenlehre, die Nächstenliebe, hervorhob, dann auf die biblischen Vorschriften der Treue und Liebe zum Baterlande und dessen Herrscher überging, um schließlich einen Trinkspruch auf den Kaiser auszubringen, in den die Versammelten begeistert einstimmten. Hierauf folgte eine poetische Begrüßung der Anwesenden durch eine junge Dame (Fräulein Erna Beer) in einem schwungvollen, die Thaten barmherziger Menschenliebe feiernden Gedichte; alsdann ergiff der Verfasser des letzteren, der Begründer des israelitischen Wittwen- und Waisenvereins, Herr Rabbiner Dr. Ra hmer, das Wort, um nach einem umfassenden Rückblick auf die Entstehung, Entwickelung und das bisherige Wirken des Vereins, anknüpfend an die Wohlthätigkeits-Jdee des Purimfestes (Schlachmones), den Wünschen für sein ferneres Blühen und Gedeihen Ausdruck zu geben. Ein ferneres Hoch, vom Gemeindevorsteher Herrn S. Singer

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