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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-25 · Heft 12 (25.3.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Jahrgang. Nr. 12. Dev Gemeindebote. HSeikage zur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 21. März. Am letzten Freitag Abend fand zum ersten Male in der Oranienburger straßen-Synagoge ein Gottesdienst mit Predigt statt. Der Gottesdienst begann in üblicher Weife um 6^4 Uhr mit den Gebeten für den Sabbatheingang. Dann folgte um 7 Uhr die Predigt des Herrn Rabbiners Dr. Stier, die, anschließend an den Wochenabschnitt, auf die Zuhörer durch ihren Inhalt und die Begeisterung, mit der ste vorgetragen wurde, einen tiefen und begeisternden Eindruck hinterließ. Die große Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt, und zwar durchweg von einem Publikum aus guten Kreisen. Man sah es: diese Männer und Jünglinge waren nicht aus Neugierde gekommen, sondern um zu beten. Alles in allem kann das Experiment als ein entschieden geglücktes bezeichnet werden. Der nächste Gottesdienst findet am Freitag den 25. d. Mts. statt. Die Predigt wird Herr Rabbiner Dr. Weisse halten. Allgemein hörte man den einen Wunsch, daß der Beginn des Gottesdienstes nur etwa um eine halbe Stunde noch hinausgeschoben werde. Wer da weiß, wie gering die religionsgesetzlichen Bedenken find, die der Erfüllung dieses Wunsches gegenüberstehen, der wird es kaum begreifen, wenn man von maßgebender Seite nicht auf diese Anregung eingehen sollte. F. Berlin, 28. März. In ihrer Sitzung vom 12. d. Mts. trat die „WissenschaftlicheBereinigung jüdischerSchulmänner zu Berlin" nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten und nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes in die Spezialdiskussion über die Thesen ein, welche die gewählte Kommission im Anschluß an den Vortrag des Kollegen Hanff, „Nothwendige Reformen im Religionsschulwesen", aufgestellt hatte. Kollege Hanff empfahl Namens der Kommission die Annahme der Thesen. Die sehr zahlreich anwesenden Mitglieder und Gäste betheiligten stch aufs Lebhafteste an der Debatte über die beiden ersten Thesen, welche von der Aufgabe und den Lehrgegenständen der Religionsschule handeln; wie lebhaft die Diskussion fich gestaltete, geht daraus hervor, daß nach Abschluß der Berathung über die zweite These die Sitzung abgebrochen werden mußte, da die Mitternachtsstunde bereits herangenaht war. Die Fortsetzung der Besprechung wurde auf die nächste Sitzung verschoben. Am 26. d. Mts., Abends 8>/2 Uhr, findet das dritte Stiftungsfest der Vereinigung in den Räumen von Cassels Hotel, Burgstraße, statt, bei dem auch von Mitgliedern eingeführte Gäste herzlich willkommen sind. — Am 4. April wird im Bereinslokal, Restaurant Wittner, Königstraße 29, eine außerordentliche Generalversammlung stattstnden, welche stch mit einigen vom Vorstand vorzuschlagenden Statutenänderungen beschäftigen wird. §2 Berlin, 20. März. Der vierte Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zeigt, daß derselbe auch in dem verflossenen Jahre eine von Erfolgen begleitete Thätigkeit entwickelt hat. Er hat jetzt 19 Schwestern zur Verfügung, welche, in allen Fächern der Krankenpflege ausgebildet, allen gerechten Ansprüchen genügen und stch wiederholt glänzend bewährt haben. Im Berichtsjahre wurden von 48 Meldungen nur 13 Schülerinnen ausgenommen, von diesen aber 3 wieder entlassen, so daß dem Verein außer den vorerwähnten 19 Schwestern augenblicklich 10 Schülerinnen angehören, welche in bisheriger Weise im Krankenhause der jüdischen Gemeinde sowie später in der königlichen Charite (für Wöchnerinnen- und Säuglingspflege) ihre praktische und theoretische Ausbildung durch die Herren Anstaltsärzte erhalten. Auch in diesem Jahre ist der Verein in der Lage, aus den Ueberschüffen an Honoraren für bezahlte Pflegen und durch mannigfache Zuwendungen dem eisernen Fonds einen Betrag von 13 917,20 Mark hinzufügen zu können, so daß derselbe die Höhe von 42170,70 Mark erreicht hat. Den Anträgen einiger süddeutschen Gemeinden entsprechend, hat der Verein zunächst für München 2 Schülerinnen und für Nürnberg 1 Schülerin zur Ausbildung übernommen. Späterhin sollen sowohl in München als auch in Nürnberg eine Filial-Anstalt des hiesigen Mutterhauses begründet werden. Die Gesuche um unentgeltliche und ermäßigte Krankenpflege waren auch im verflossenen Jahre sehr zahlreich. Die Zahl der Mitglieder, welch am 31. Dezember des Vorjahres 1279 betrug und einen Jahresbeitrag von 12 941,50 Mark erreicht hatte, hat stch mit Ende des Jahres 1897 auf 1331. Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 13 433,60 Mark erhöht, an welchem die 307 auswärtigen Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von 1919 Mark betheiligt sind. Die Zahl der immerwährenden Mitglieder ist von acht des Vorjahres auf elf gestiegen. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre 33 369,56 Mark die Ausgaben 26 614,14 Mark. Das Baarvermögen 47 633,67 Mark. Der Vorstand besteht aus den folgenden Herren und Damen: Alb. Ph. Meyer. Frau Julie Gerson- Liebermann, Rechtsanwalt Dr. Eugen Apolant. Frau Dr. Frankl. M. Metzenberg. Frau Henriette Rathenau. Privatdozent Dr. M. Mendelsohn. Frau Mathilde Weigert. Geh. Med.-Rath Professor Dr. Senator. Stadtverordneter L. Sachs. Stadtverordneter H. Witkowski. Möge diesem Verein auch ferner eine gleich gedeihliche Wirksamkeit beschieden sein! Berlin, 22. März. Nach dem eben versandten 8. Jahresbericht des Jüdischen Mädchenstifts, Münzstraße 23, welches unbemittelte jüdische Mädchen hauswirthschaftlich heranbildet und für den Dienstbotenberuf vorbereitet, erzieht die Anstalt gegen anfänglich sechs Zöglinge jetzt deren sechzehn. Im abgelaufenen Jahr sind sechs und im Ganzen bisher 28 Zöglinge nach beendigter Ausbildung, die von der Hausmutter Frau Baer geleitet und von den Vorstandsdamen überwacht wird, in den Dienst getreten und erfreuen sich fast durchweg völliger Zufriedenheit ihrer Herrschaften. Der Vorstand unter dem Vorsitz des Waisenhaus-Direktors Dr. Strelitz und der Frau Julie Neumann ist darauf bedacht, den Rahmen für seine Bestrebungen zu erweitern und ein eigenes Heim für das Stift zu erwerben, zu welchem ein Grundstock bereits gebildet ist. Die Zahl der Mitglieder ist von 435 am Schluß des Vorjahres auf 525, die Summe der Jahresbeiträge von 4676 Mark auf 5002 Mark, das Gesammtvermögen von 21 700 Mark auf 27 300 Mark gestiegen 2*2 Berlin, 20. März. Die Bne Berith-Logen in Deutschland haben in der letzten Sitzung des Generalkomitees an Stelle des seit mehr als zwölf Jahren an der Spitze des deutschen Distrikts stehenden Herrn Sanitätsraths Dr. Maretzki Herrn Rechtsanwalt Timendorfer hier zum Präsidenten der deutschen Großloge einstimmig gewählt. Der scheidende Präsident hat sich um die Entwickelung des Logenwesens in Deutschland und um die Förderung der Gedanken, denen der Orden seine Wirksamkeit widmet, große und allseitig anerkannte Verdienste erworben. — Im Uebrigen find kürzlich zwei neue Logen in Karlsruhe und in Würzburg begründet worden. L2 Berlin, 11. März. Im hiesigen Verein für Volkskunde hielt am 25 v. Mts. Herr Syndikus Dr. Georg Minden einen sehr interessanten Vortrag über Balladenstoffe in älterer jüdisch-deutscher Fassung. Nach einer orientirenden Einleitung über das Judendeutsch, über das Studium bei den Juden im Mittelalter, kam der Vortragende zu seinem Thema, das er in sehr fesselnder Weise behandelte, indem er nachwies, daß die Erzählungen, die man bei den germanischen Völkern in Balladen behandelt, sich in diesem Schriftthum wiederfinden. Der Vortragende gab eine Reihe von Beispielen hierfür, u. a. eine längere, noch nicht in deutscher Sprache veröffentlichte Erzählung „Der Lautenfchläger". Ferner theilte er die jüdisch-deutsche Fassung der im Ring des Polykrates, den Kranichen des Jbikus u. a. m. verewigten Stoffe mit. Der Bortrag fand allgemeinen Beifall. Hoffentlich werden wir in die Lage kommen, denselben unseren Lesern bald im Wortlaut mittheilen zu können.

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