Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1898)
- Date
- 1898-03-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228269--54458-3290594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WMWW auch die Frauen-Chewra sowie der Frauen-Berein betheiligten. Das Fest wurde durch die Fest-Ouvertüre vdn Leutner eröffnet, der ein von Kindern aufgeführter Zigeunertanz folgte; hierauf wechselten 2 Theaterstücke mit Gesangsvorträgen ab, und zum Schluß kam die Haydn'sche Kinder-Symphonie zur Aufführung. — Hierauf sprach Herr Kantor Lewithan über Wohlthätigkeit im Allgemeinen, insbesondere aber über die Ziele unserer Wohlthätigkeitsvereine, und indem er den Leitern und Mitgliedern derselben für ihren stets bewiesenen regen Wohlthätigkeitssinn dankte, ermahnte er, in diesem Sinne weiter zu beharren. Nachdem noch eine Verloosung stattfand, begann der Tanz, der bis 3 Uhr Morgens die Versammelten zusammenhielt. X. Wreschen, 9. März. Am heutigen Tage beging Rentier Abraham Zucker hier ein doppeltes Fest, die Feier seines 80. Geburtstages und des 50 jährigen Jubiläums als Kultusvorsteher der hiesigen Synagogengemeinde. Anläßlich dieser Feier war der Jubilar Gegenstand herzlicher Ovationen. Gemeinderabbiner Dr. Lew in hielt im Festhause eine längere Ansprache, in welcher er betonte, welche Verdienste der Jubilar sich um die Gemeinde erworben. Im Namen des Gemeindevorstandes überbrachten die Herren Hermann Ziegel und Hermann Mirels Glückwünsche und überreichten dem Gefeierten einen filbernen Pokal mit Inschrift; diesen Wünschen schloß sich der Vorsitzende der Repräsentanten, Herr Hugo Ehrenfried, an, der mit der ganzen Körperschaft erschienen war. Herr Abraham Kantorowicz übermittelte für den Armenverein dem Jubilar die Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins. Für den Krankenverein war als Redner Herr Sigismund Pollak delegirt; auch der Frauenverein ließ durch seinen Vorstand gratuliren. Am Abend fand im Kreise der Kinder und Enkelkinder ein Festessen statt. Der greise Jubilar, der sich in hiesiger Gemeinde allgemeiner Werthschätzung erfreut, ist körperlich und geistig noch sehr rüstig. Möge er aus dem Born der Thora, an der er seit einem Menschenalter treulich amtirt, frischen Lebensmuth für einen sonnigen Lebensabend schöpfen! X. Hannover, im März. Die für das laufende Jahr vorgenommenen Neuwahlen der ausscheidenden Vorstandsmitglieder und Repräsentanten ergaben die Wiederwahl der Herren Js. Hirsch und Justizrath Benfey, resp. der Herren Federlein, Behrend und Jacobsohn; auch die zweite Vorsteherin des israelitischen Frauenvereins, Frau Kommerzienrath I. Herzfeld, wurde als solche von Neuem gewählt. — Herrn Direktor Benfey wurde der Titel Justizrath verliehen, was in weilen jüdischen und nichtjüdischen Kreisen freudig begrüßt wurde, da derselbe durch seine langjährige erfolgreiche Thätigkeit in der Gemeindeverwaltung und in jüdischen und allgemeinen Wohlthätigkeitsvereinen sich zahlreiche Freunde erworben hat. — Eine nur zu billigende Art und Weise wird in letzter Zeit bei Stiftungen eingeschlagen, indem die Stifter davon abstehen, neue und dann meistens nothleidende Stiftungen zu errichten, sondern es vorziehen, die bestehenden durch größere Zuwendungen zu stützen und aufzubessern. So sind aus dem Nachlaß des vor Kurzem verstorbenen Fräulein Minna Meyer, der Enkelin des langjährigen Vorstehers der hiesigen Gemeinde Peretz, einer großen Anzahl jüdischer und christlicher Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine größere Summen zugewandt. Ebenso verfahren die Herren Bankier Emil und Siegmund L. Meyer bei Bertheilung der Zinsen aus der zum Andenken des sel. Geh. Kommerzienrath Louis E. Meyer von ihnen in Verbindung mit ihren Brüdern gemachten Stiftung. Und demgemäß wurden auch am diesjährigen Jahrzeitstag diese Summen Vereinen und Behörden überwiesen. — Die Jewish Colonisation Association in London hat auf ein Gesuch des Vorstandes der Erziehungsanstalt in Ahlem ein Hypothekendarlehen von 150000 Mark zu sehr mäßigem Zinsfuß und Amortisation bewilligt, wodurch die schwierigen Verhältnisse, unter denen die Anstalt zu arbeiten hatte, gemildert sind. Bei der stetig fortschreitenden Erkenntniß von der hohen kulturellen Bedeutung dieser Anstalt ist das Entgegenkommen der Jewish Colonisation Association freudig zu begrüßen und dankbar anzuerkennen, und es berechtigt zugleich zu der Hoffnung, daß Gemeinden, Vereine sowie Private es an thatkräftiger Unterstützung nicht ferner werden fehlen lassen. Mit ganz besonderer Freude wollen wir hier erwähnen, daß in der letzten Sitzung des Verbandes der jüdischen Gemeinden Oldenburgs auf Antrag des Herrn Gustav Schwabe in Barel ein Beitrag für diese Anstalt auf das Budget übernommen wurde. z -- (D Leipzig, 10. März. In einer großen Trauer erbebten die Herzen Tausender bei der Feier, die in der hiesigen Synagoge heute zum Gedächtniß des am 6. d. Mts. dahingeschiedenen Vorstehers unserer Gemeinde, Alexander Werthauer, stattfand. In der schwarz ausgeschlagenen Synagoge war, unter Blumenspenden aus Nah und Fern fast vergraben, der Sarg mit der Leiche des Entschlafenen aufgestellt, dem die letzte Ehre zu erweisen sich fast die ganze Gemeinde eingefunden hatte. Allen war er ein Freund und Berather gewesen, und Alle trauerten um feinen Hingang, wie man über den Tod eines väterlichen Freundes klagt. — Orgelpräludium des Herrn Paul Homeyer und Gesang des Vereins „Psalterion" leiteten die ernst erhebende Feier ein. In begeisterter Rede, von Herzen kommend und zu Herzen gehend, gedachte dann Herr Rabbiner Dr. Porges des edlen Charakters, der hohen Tugenden und seltenen Verdienste des Verblichenen. Er schilderte sein aufopferndes, unermüdliches Wirken für die Gemeinde, der er sei 50 Jahren, seit 16 Jahren als erster Vorsteher, angehörte; er zeigte ihn als zärtlichen Familienvater, als treuen Freund, als Helfer und Berather Aller, die sich an ihn wandten, als einen weisen, gerechten, wahren und edlen Menschen. Der heißeste Dank seiner Gemeinde begleitet ihn, und das Andenken seiner Liebe und Treue wird ewig bewahrt bleiben — Hierauf sprach im Namen des Gemeindevorstandes Herr D. Magnus. Auch er hob sowohl die Herzens- und Geistesgaben des Verstorbenen wie seine großen und zahlreichen Verdienste um die Gemeinde hervor und bezeichnete es als heilige Pflicht, in seinem Sinne weiter zu wirken. Es sprachen dann der Verordnetenvorsteher Herr George Meyer, welcher dem Verstorbenen innigen Dank für seine stete Opferwilligkeit und Pflichttreue nachrief, und die Vertreter der israelitischen Gemeinden zu Dresden und Halle. Im Namen des Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bundes, dem Herr Werthauer als Ausschußmitglied angehört hatte, ergriff das Wort Herr Gustav Nathan, um dem Dank dafür, was dieser für die Gesammtheit der deutschen Juden gethan, Ausdruck zu geben. — Des langjährigen Ehrenmitgliedes, das besonders die wohlthätigen Bestrebungen des Vereins allzeit unterstützte, gedachte für die „Gesellschaft der Freunde" Herr Max Levy. Hierauf begaben sich die Anwesenden, dem Sarge folgend, auf den Friedhof. Am Grabe sprach noch Herr Alphons Jacobson; in tief empfundenen, warmen Worten gedachte er der edlen Wohlthätigkeit des theuren Verstorbenen, der den Armen und Unterdrückten ein wahrer Vater gewesen. Alexander Werthauer wird Allen, die ihn gekannt, stets ein leuchtendes Vorbild bleiben. g. Würzburg, 13. März. „Das Judenthum und seine Theilnahme an der Bodenkultur" lautete das Thema, das am 2. d. Mts. von Herrn Dr. Finkel im neuen Saalbau des Herrn Hotelier Goldschmidt behandelt wurde. Alle Kreise der jüdischen Bevölkerung waren vertreten und lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen des Redners. Als der lebhafte Beifall verklungen war, entspann sich eine anregende Diskussion, die erkennen lieh, daß man erfaßt hatte, der Beruf des Gärtners und Landwirthes sei von größter Wichtigkeit, und gerade ihm müßte die jüdische Jugend mehr als bisher zugeführt werden. Als Musteranstalt für die Heranbildung junger Leute zu tüchtigen Gärtnern und Landwirthen wurde die bekannte landwirthschaftliche Schulein Ahlem erwähnt. Da beiden meisten der anwesenden Herren und Damen doch die Existenz dieser Anstalt als unbekannt vorauszusetzen war, so übernahm es ein anwesender Prediger, der einige Jahre vorher, einer Einladung des hochherzigen Gründers jener Schule folgend, diese eingehend besichtigt, eine eingehende Schilderung derselben zu geben. Die Diskussion förderte die sofortige Gründung eines Lokalkomitees, welches sich zur Aufgabe macht, für Erweiterung und entsprechende Unterstützung der landwirthschaftlichen Schule in Ahlem nach Kräften thätig zu sein. Das Komitee besteht vorläufig aus den Herren: Fröhlich sen., Hanauer, Jakobi, Apotheker Landauer, Rechtsanwalt Dr. Alfred Oppenheimer, Vorsitzender der neugegründeten Loge, Rosenheim, Rechtsanwalt Dr. Stern, 1. Vorsitzender hiesiger Gemeinde, Seminarlehrer Weißbart. Herr Baron v. Hirsch erklärte im Verlaufe der Diskussion in bereitwilligster Weise, dem wichtigen Gegenstände sein Interesse fernerhin bekunden zu wollen. Auch in anderen Städten, die der Redner mit einem Vortrage bedacht, zeigte sich der Erfolg in der Bildung eines Komitees in unmittelbarem Anschluß an den Vortrag. Ein solches setzte sich in Stuttgart-Cannstatt zusammen aus den Herren: S. Ettlinger, Gustav Gottschalk, Dr. A. Gut-