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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-18 · Heft 11 (18.3.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 11 (18.3.1898)
Date
1898-03-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 mann, Veit Kahn. Kirchenrath Dr- Kroner, Rabbiner Dr. Stößel, Jsak Strauß. Ferner in Heilbronn aus den Herren: I. Erlanger, Bankier'Gumpel, Rabbiner Kahn, Adolf Oppenheimer, Rechtsanwalt Schloß, M. Wachs. Möge es Herrn Dr. Kinkel gelingen, auch in andere Gemeinden die Ueberzeugung zu bringen, daß er einem überaus wichtigen Faktor für die Weiterentwickelung des Judenthums das Wort redet.' Oesterreich - Ungar«. Wien, 14. März. In der Gemeinderathssitzung vom 8. d. Mts. hat die antisemitische Majorität unter Führung des ehemaligen Demokraten und Volksmannes Lueger die Betheiligung an der M ä r z s e i e r 1848—1898 abgelehnt. Dr. Lueger erblickt in der damaligen freiheitlichen Bewegung nichts als — die Judenemanzipation! — Ja, unsere Antisemiten sind konsequente Leute! Im niederösterreichischen Landtag haben 17 christlich-soziale Abgeordnete einen Antrag eingebracht, in dem es u. a. heißt: „Alle getauften und ungetansten Juden, alle Personen, welche nachweislich von Juden abstammen, sowie Arier, welche mit Personen verheirathet sind, die nachweislich von Juden abstammen, sind sowohl vom aktiven Personenwie auch vom passiven Wahlrechte ausgeschlossen. Jede Wahlbeeinflufsung, deren sich ein Jude oder Judenabkömmling, sei es durch Wort oder Schrift oder wie immer sonst nachweislich schuldig macht, verfällt einer Freiheitsstrafe von nicht weniger als sechs Monaten." Dieser Antrag ist ebenso naiv wie frech und bedarf keines Kommentars. — Der Bethausverein in der Brigittenau hat den früheren Bezirksrabbiner in Alt-Aussee, Herrn Dr. Bernhard Templer, nach einem mit allseitigem Beifall aufgenommenen Probevortrag als Vereinsprediger angestellt. — Am letzten Montag hat hier Herr'Geh. Regierungsrath Professor Dr. Hermann Cohen aus Marburg im „Politischen Volksverein" einen ebenso bedeutenden als hochinteressanten Bortrag über die Entwickelung der Messiasidee im Judenthum gehalten. Man darf dem rührigen Vorstand des Vereins aufrichtig dafür dankbar sein, daß er uns die Bekanntschaft dieses ausgezeichneten Gelehrten vermittelt hat. — Der Sultan hat dem Direktor des Wiener Bankvereins, Herrn Moriz Bauer, den Großkordon des Medschidje-Ordens verliehen. Von Nah und Fern. — Nach der neuesten Statistik wurden die höheren Unterrichrsanstalten in Berlin im Sommer 1896 besucht von 103109 Evangelischen, 33 073 Katholiken, 11745 Juden, 373 Dissidenten. Im Winter 1896/97 stellte sich das Verhältniß so: 100752 Evangelische, 32 374 Katholiken, 11456 Juden, 354 Dissidenten. Mit dem Zeugniß der Reife wurden entlassen: 3701 evangelische, 1438 katholische, 380 jüdische, 15 difsidentische Schüler-Abiturienten. — Herr Ahlwardt ist am Dienstag in einer öffentlichen Versammlung geohrfeigt worden von einem Buchdruckereibesitzer Ludwig Blankenburg. Später betheuerte Herr Ahlwardt, daß er gar nicht geohrfeigt worden sei, allenfalls läge ein Mißverständniß vor, indem die Ohrfeige nur Bodeck habe gelten können, der sein Schwiegersohn ist. — In Hamburg wurde eine Versammlung, wo Ahlwardt über die Gemeingefährlichkeit des Judenthums mit Bezug auf den Zolaprozeß sprechen wollte, polizeilich verboten. — Sein sünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Lehrer der hiesigen Universität feierte am 16. d. Mts. Dr. Ludwig Geiger, Professor der Geschichte, der durch vielseitiges Schaffen als Geschichtsforscher, Kultur- und Litterarhistoriker sich verdient und bekannt gemacht hat. — Der Religionslehrer Mannheim Auerbach in Dresden wird am 1. April d. I. sein 25jähriges Jubiläum als Religionslehrer bei der dortigen israelitischen Religionsgemeinde begehen. — In Wieliczka fanden in den letzten Tagen Ausschreitungen gegen die Juden statt infolge des Gerüchts, daß die Juden den Reichsrathsabgeordneten Pater Szonder, der antisemitische Schriften verbreitet hatte, erschlagen wollen! Am Freitag Abend belagerte die Menge die Synagoge und bewarf sie und viele jüdische Häuser mit Steinen. Am Sonntag erneuerten sich die Tumulte. — Im abgelaufenen Jahre hat das ungarische Judenthum 220 Mitglieder durch Austritte verloren, 137 gewonnen. Unter Denen, die sich konfessionslos erklärten, waren nur 28 ehemalige Juden. — In Agram hat sich ein „merkwürdiger" Fall ereignet. Während der Dr. Marian Derencstn, ein Führer der Antisemiten in Kroatien, für seine Partei Anhänger warb und gegen die Juden loszog, gab seine Tochter ihren Sympathien für die Juden dadurch Ausdruck, daß sie zum Judenthum übertrat und die Gattin eines jüdischen Zahnarztes wurde. — Dr. Eduard Pollak, Legationsrath in Detta, ist mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone, Hugo B. Taussig in Maros-Bäsärhely mit dem Titel eines königlichen Rathes ausgezeichnet worden. — Die Zeitung „Moskowski Listok^ berichtet, daß die Körperschaft der Kaufleute von M oskau eine Eingabe an die Regierung gerichtet hat, in der sie um die Rückkehr der jüdischen Kommissionäre bittet. Indem sie ganz bestimmte, durch Zahlen erwiesene Angaben machten, beweisen die Bittsteller, daß sich seit der Ausweisung der Juden nach dem Territorium der Umsatz der moskowitischen Fabrikanten und Geschäftsleute um ein Bedeutendes vermindert hat. — In Warschau ist der bekannte hebräische Schriftsteller H. Neimanowitz im 55. Lebensjahre gestorben. — Da Esterhazy, wie man weiß, den Wunsch ausgesprochen hat, mit 1000 Juden allein in einem Saale eingeschlossen zu werden, damit er sie bis auf den letzten Mann mit einem Knüppel todtschlagen könne, so hat ein jüdischer Turner in Amsterdam, der in allen Waffen, Stock, Degen, Säbel und Pistole, das Meisterdiplom erworben hat, ihm eine schriftliche Herausforderung geschickt, sich mit ihm an der französischen Grenze, gleichgiltig auf welche Waffe, zu schlagen. Die Echtheit des Schreibens wurde auf dem Stadthause vom Bürgermeister beurkundet; Esterhazy wird , in dem Brief ein elender Feigling genannt, wenn er sich nicht stelle und zur verabredeten Stunde sich an der vereinbarten Stelle befinde. Am Freitag reiste der betreffende Turner mit zwei Zeugen nach der französischen Grenze ab. — Paris bietet das Beispiel einer der ersten kontinentalen Börsen, vielleicht der ersten, dar, die grundsätzlich keinen Juden als amtlich bestellten Makler zuläßt. Das hat diese Börse nicht vor wilden Schwindelspekulationen gerade im Parket, vor ungeheueren Zusammenbrüchen gerade in Parketwerthen und vor Gaunereien der Maklerfirmen bewahrt. — Am 12. und 13. d. Mts. hielt George THiebaud in Vesoul und Dijon antisemitische Versammlungen ab, zu denen in beiden Städten die Stadtbehörden den größten Saal ihres Rathhauses zur Verfügung gestellt hatten. Die erste Gesellschaft beider Städte wohnte den Versammlungen bei, und die Damen zeichneten sich durch die besondere Begeisterung aus, womit sie Thiebaud Beifall klatschten, als er ausführte, daß alle Juden Verräther seien und Frankreich sich von ihnen befreien müsse! — In Paris ist Dr. H. Bergson, Professor der Philosophie am Lyceum Henri IV., gestorben. — Wie aus vatikanischer Quelle verlautet, bereitet der Papst eine Eneyclica über den Antisemitismus vor. Den Antisemitismus bezeichnet der Papst als der Civilisation und den Doktrinen der katholischen Kirche entgegenlaufend. Dementsprechend werden die Katholiken vor dem Antisemitismus gewarnt werden. — In Padua ist die durch ihre Wohlthätigkeit ausgezeichnete Baronin Adele Todros dei Bonfili Treves am 24. v. Mts. gestorben. — Der Unteroffizier Samaja David hat die silberne Medaille für militärische Tüchtigkeit im Kampfe gegen die Derwische von Kaffala erhalten. — In Venedig ist ein Veteran von 1648, Silvio Olper, im Alter von 73 Jahren gestorben. — Ein feierlicher Dankgottesdienst wurde in allen Synagogen Griechenlands für die glückliche Rettung des Königs abgehalten, dem die Juden mit inniger Treue ergeben sind. Man erzählt, daß der König Georg beim Empfang des Großrabbiners von Korfu wörtlich gesagt habe, einer der glücklichsten Tage seines Lebens werde der sein, an dem ein Jude im Parlament fitzen werde. — In Konstantinopel ist am 24. v. M. ein Rabbinerseminar unter Leitung von A. Danon mit 10 Hörern eröffnet worden. Die Kosten trägt zum Theil die Alliance Israelite Universelle, zum Theil eine Gesellschaft türkischer Juden. — In Pittsburg bekommt die neue Synagoge einen Thurm, auf dem eine große Uhr prangen wird, die Nachts elektrisch erleuchtet werden soll. —- Wie eine Drahtung des „Bür. Reuter" aus Johannesburg meldet, ist der Mitinhaber der Firma Barnato Freres Wolf Joel am 14. d. M. früh in seinem Geschäftszimmer erschossen worden. Der Mörder, ein Neffe Barnatos, wurde verhaftet. — Unter der Besatzung des vor Havana in die Luft geflogenen Kriegsschiffes befand sich auch eine Anzahl Juden. Es waren nicht weniger als elf, nämlich Henry Baum, Charles Bergman, Leon Barmer, Josef Gordon, William Robinson, Jacob Becker, Fred Blumberg, Louis Fleischmann, Daniel Paul, Henry Groß und George Schwarz. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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