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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-18 · Heft 11 (18.3.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 11 (18.3.1898)
Date
1898-03-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Jahrgang. «Ir* 11. ♦ iöerün, 18. Mär? l8S8. /Meikage zur: „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. CA) Berlin, 16. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt gestern Herr Rabbiner Dr. W erner aus München den letzten der öffentlichen Borträge vor einemsehr zahlreich versammelten Publikum über „Sekten im Judenthum". Der Vortragende schilderte in hochinteressanter Weise die Samaritaner, Essäer, Karäer und Sabbathianer und wußte das Auditorium durch seine geistvollen Ausführungen lebhaft zu fesseln. Der Vortrag fand rauschenden Beifall. — In Tilsit sprach Rabb. Dr. Ehrlich über Salomo Gabirol, Rabb. Dr. Silberstein-Elbing über Heinrich Heine, Prof. Cornill über das Buch Hiob als religiöses und politisches Kunstwerk, in Thorn Rabb. Dr. Wreschner-Samter über das „Für und wider den Talmud", Herr Albert Katz-Berlin über den Chassidismus, in Schivelbein Rabb. Dr. Königsberger-Pasewalk über Proselyten im Judenthum, Rabb. Dr. Grabowski-Könitz über einen Gang durch die jüdische Geschichte, in Krotoschin Rabb. Dr. Berger über Jehuda Halevi, Hauptlehrer Berger-Ries über das Thema: Was hat das Jndenthum Moses Mendelssohn zu danken?, in Ostromo, wo der Verein am 29. vorigen Monats sein Stiftungsfest mit einer Festrede, lebenden Bildern aus dem Buche Esther mit begleitendem Text von Frau M. Weiß feierte, Dozent Dr. Brann-Breslau über Freude und Leid im Ghetto, Rechtsanwalt Gold sch midt über Geselligkeit im Judenthum und Lehrer Margolius-Krotoschin über die Berliner Salon-Aera, in Kolmar i. P. Rabb. Dr. Zolinski über Schule und Lehrer im Lichte von Bibel und Talmud, in Ratibor Prof. Geiger über den Esther- Stoff in der neueren Litteratur, Zahnarzt Berger-Neiffe über Gabriel Rießer, Rabb. Dr. Kisch-Prag über die Prager Judenstadt am Ende des 16. Jahrhunderts, in Neisse Rabb. Dr. Blumenthal-Ratibor über weltliche Klänge in der hebräischen Poesie, in Leipzig Rabb. Dr. Porges über einen kaiserlichen Oberhoffaktor und Oberrabbiner vor 200 Jahren, in Eisenach Herr I. Neuhaus über die Makkabäer, Prediger E. Meyer über Maimonides, Herr I. Blüth über Spinoza und Herr Stadtrath Weinstein über eine russische Reise, in Köln Dr. Simchowitz über den Ackerbau und die Juden, in Meckenheim Lehrer Halberstadt über die Freudentage des jüdischen Volkes, in Worms Rabb. Dr. Bamberg er-Schildberg über die Juden in China. Neue Vereine wurden begründet in Höxter in Westfalen, in Naugard i. P. und in Meckenheim bei Köln. A. L. Berlin, 11. März. DerAkademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur feierte am 25. v. M. in den Räumen der Berliner Ressource sein 15. Stiftungsfest durch Festkommers und Fahnenweihe. Der über 500 Personen fassende Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Von auswärtigen alten Herren waren erschienen die Herren Dr. med. Levy, Danzig, Dr. med. Blorde, Nürnberg, Dr. med. Wolf, München. Die befreundeten Korporationen: der Akademisch-wissenschaftliche Verein, der Akademisch-juristische Verein, die freie wissenschaftliche Vereinigung, die gesellig-wissenschaftliche Bereinigung und der sozialwissenschaftliche Studentenverein waren in corpore mit Chargirten und Fahnen erschienen. Um 91/2 Uhr eröffnete der Vorsitzende Stud. jur. Jaeobsohn den Kommers durch einen Salamander auf Se. Majestät den Kaiser. In seiner Begrüßungsrede wies er noch einmal auf die Tendenzen des Vereins hin und zeigte, wie der A. I. G. V. sich immer bemüht habe, dieselben hoch zu halten, und nunmehr mit voller Befriedigung auf die 15 Jahre seines Bestehens zurückblicken könne. Der zweite Chargirte Stud. jur. A. Levy, begrüßtedie anwesenden Ehrengäste und Korporationen. Er betonte, wie der Verein stets besonderes Gewicht darauf gelegt hätte mit den Männern der Wissenschaft wie auch mit der Studentenschaft in gutem Einvernehmen zu stehen. Hierauf übergab A. H. Lipschitz dem Verein eine vom Verbände der alten Herren gestiftete Fahne, wobei er in kurzen Worten einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins gab. Alter Herr Dr. Loewenthal übergab im Namen der Vereins-Schwestern und Frauen ein prachtvolles Fahnenband. Mit einem Umzug um den Saal, dem sich die anderen Vereine mit ihren Fahnen anschlossen, endete die Fahnenweihe. Es folgte eine Rede auf die alten Herren von Stud. med. G. Arndt. Hierauf überreichte der A. H. Dr. med. Levy, der Mitbegründer des Vereins, in seinem und des A. H. Dr. Blumenthal, Danzig, Namen das Werk von Winter & Wünsche: Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanon. Dr. phil. Warschauer begrüßte die zahlreich erschienenen Damen in launiger Rede. Nachdem auch die Vertreter der studentischen Vereine Dank und Glückwünsche ausgesprochen hatten, fand die Mimik statt. Erst um 2 Uhr Nachts begann die Fidelität. Am folgenden Tage fand ein Frühschoppen statt, am 27. veranstalteten die Alten Herren ein Festessen mit Ball. So verlief das Fest in schöner und würdiger Weise, und es steht zu hoffen, daß der Verein sich auch weiterhin kräftig entfalten und, die hohen Ziele, die er sich gesteckt hat, fördernd, unter der Berliner Studentenschaft wirken werde. Berlin, 11. März. Der „Verband für jüdische Wohlthätigkeitspflege zu Berlin" hielt gestern Abend im Sitzungssaale Oranienburgerstraße 29 seine zahlreich besuchte Delegirtenversammlung, zu welcher 34 Vereine und Institute Vertreter entsandt hatten. An Stelle des durch Heiserkeit verhinderten ersten Vorsitzenden, Herrn Martin Simon, leitete Herr Rechtsanwalt B. Breslauer die Verhandlungen. Bei den zunächst vorgenommenen Wahlen von vier Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Frau Rabbiner Dr. Maybaum, Frau Julie Neumann, Herr Syndikus Dr. Minden und Herr Siegfried Sachs durch Akklamation wiedergewählt. Hierauf erstattete Herr Rechtsanwalt Breslauer eingehenden Bericht über die bisherige Wirksamkeit des Verbandes, welche sich in jeder Hinsicht als eine segensreiche erwiesen und den letzten Zweifel über die Ersprießlichkeit, ja, man könne sagen, Nothwendigkeit eines Zusammenschlusses der Einzelvereine zu einem Verband beseitigt habe. Während der letzten drei Jahre seien von 40 Vereinen insgesammt 15 238 Anfragen an die „Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten der jüdischen Gemeinde" gerichtet und von letzterer 17 600 Berichte erstattet worden, sicherlich eine namhafte Leistung, da die „Centralstelle für städtische Armenpflege" durchschnittlich im Jahre nur 32 000 Berichte ausgiebt. Es sei der Mitwirkung des Verbandes, namentlich den Bemühungen des Vorsitzenden, zu danken, daß das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde und die Armenkommission beschlossen haben, gemeinsam ein Rekonvalescentenheim in dem benachbarten Birkenwerder zu errichten, wodurch nicht nur an sich ausgiebigere Hilfe gebracht, sondern zugleich Gewähr geleistet werde, daß die den Heilungs- und Erholungsbedürftigen bewilligten Beträge wirklich für diesen Zweck verwendet werden. Die in gesündester Gegend belegene Anstalt werde streng rituell geführt und der ständigen Aufsicht eines Arztes unterstellt sein. Die Versammlung votirte den gedachten Instituten auf Antrag des Vorsitzenden ihren Dank für dieses segenverheißende Unternehmen. An den interessanten Bericht knüpfte sich ein sehr angeregter Gedankenaustausch über Fragen der Wohlthätigkeitspflege, namentlich darüber, ob für Jeden, der ein Unterstützungsgesuch einreicht, sofort seitens der „Centralstelle" ein Recherchebogen angelegt werden soll. Wie der Vorsitzende mittheilte, wird in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung des „Verbandes" sich Gelegenheit bieten, über die Fragen und darüber, wie recherchirt werden soll, eingehender zu diskutiren. r. Berlin, 14. März. Zum ersten Male seit seinem Bestehen hatte der von Frau Rabbiner Dr. Maybaum begründete Verein „Jüdisches Kinderheim" seine Mitglieder und Förderer zu einer Versammlung geladen, die unter reger Betheiligung am Purimlage in der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde stattfand. Die Vorsitzende gab zunächst ihrem Danke für die thatkräftige Mitwirkung so zahlreicher Glaubensgenossen an dem schönen Werke Ausdruck, das den Zweck verfolgt, den Kindern

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