Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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MW nicht daran denkt, seine Stellung in Budapest zu verlassen. — Neuerdings heißt es, daß mit dem Rektor der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien, Herrn Dr. Adolf Schwarz', Unterhandlungen gepflogen wurden, die sich leider aber auch schon wieder zerschlagen haben sollen. 22 Berlin, 6. März. Zum 1. April a. o. sind in der hiesigen Dina-Zaduck-Nauen-Cohn'schen Stiftung, in welcher bisher 16 Knaben stiftungsgemäß erzogen werden, 3 Freistellen zu besetzend Aufnahme finden Knaben hiesiger Gemeinde-Angehöriger, nicht unter" 8 Jahren, die gesund und kräftig entwickelt sind und zu besseren Berufszrbeigen erzogen werden sollen. Anmeldungen mit Impfschein, Geburtsattest und Schulzeugnissen versehen, sind zu richten an den Oberkurator, Rabbiner Dr. May bäum, hier. Lp. Aus der Provinz Posen, im März. Sein 150jähriges Stiftungsfest beging kürzlich der innerhalb der israelitischen Gemeinde in, Wollstein bestehende Krankenpflege-und Beerdigungsverein. Nachdem von dttn Bereinsvorsitzenden, Buchdruckereibesitzer Wolfsohn, erstatteten Rechenschaftsbericht hat dev Verein ein bei der Sparkasse daselbst zinsbar angelegtes Vermögen von 1195,85 Mark, wozu noch die Einnahmen des letzten Jahres in Höhe von 225,70 Mark kommen. Der Verein trat im verflossenen Jahre bei 10 Sterbesällen in Thätigkeit. Ihm gehören zur Zeit im Ganzen 43 Mitglieder, darunter 4 auswärtige, an. — Zum zweiten Kantor der Synagogengemeinde Kempen ist der Kantor und Schächter Gostynski aus Schwersenz berufen worden. — Der Rechtsanwalt Cohn in Rogasen ist zum ersten Vorsteher der dortigen Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. — Der früher in- Lissa, jetzt in Berlin wohnende Kaufmann und Stadtrath Nürnberg hat jüngst dem Magistrat in Lissa ein Kapital von 1500 Mark mit der Bestimmung übersandt, daß die Zinsen dieser Summe alljährlich, am 2. Januar, dem Sterbetage seiner Ehefrau, an sechs würdige Arme, ohne Unterschied der Konfession, vertheilt werden sollen. — Nach Einführung der jüngst neugewählten Repräsentanten Max Kraft und David. Reinhold in Miloslaw sind von dem Repräsentantenkollegium daselbst, an Stelle des Kaufmanns Gabriel Kaphan, der viele Jahre hindurch, das Amt verwaltet hat, Kaufmann Max Lewinski zum ersten Vorsteher, der Synagogengemeinde daselbst, die Kaufleute Elias Kaphan und David Leßner zu Beisitzern und Kaufmann Hermann Cohn zu deren Stell-, Vertreter gewählt. — Am 25. v. M. verstarb der Rentier und Rathmann Kaufmann Cohn in Neu mark im Alter von 74 Jahren. Bereits im Jahre 1856 wurde der Verstorbene durch das Vertrauen seiner Mitbürger in die Stadtverordnetenversammlung berufen und wirkte in derselben ununterbrochen 20 Jahre. Demnächst in den Magistrat gewählt, gehörte er demselben ohne Unterbrechung bis zu seinem Ableben an. . Er war jederzeit bereit, für alles Gemeinnützige und Wahre einzutreten. Der Verblichene war auch eine Reihe von Jahren Vorsteher des dortigen Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins. — Der israelitische Frauenverein in Fraustadl, welcher die Pflege mildthätiger Zwecke verfolgt, hielt kürzlich seine statutengemäße Generalversammlung ab. Bei der in derselben erfolgten Wahl des Vorstandes wurden die Damen Frau Rabbiner Groß, Frau Dampfziegeleibesttzer Wolff und Fran Kaufmann H. Wehlau gewählt. Kr. Thorn, 7. März. Durch das am 22. v. M. erfolgte plötzliche Hinscheiden des Kaufmanns Moritz Rosenfeld haben unsere Gemeinde und Stadt eins ihrer geachtetsten Mitglieder verloren. Der Verblichene hat hier seit mehr als 30 Jahren ein umfangreiches Speditionsgeschäft betrieben und war in Folge seiner Sach- und Fachkenntniß fast 25 Jahre ein mit Erfolg thätiges Mitglied der hiesigen Handels- , kammer. Namentlich vertrat er diese in dem Bezirks-Eisenbahnrath und hat fich auf dem Gebiete des Tarifwesens hervorragende Verdienste um die hiesigen geschäftlichen Beziehungen zu Rußland erworben. In dem von der Handelskammer gewidmeten Nachrufe heißt es u. A.: „Er hat t sich während dieser langjährigen Zeit seinem Amte mit größter Pflichttreue gewidmet, in selbstloser Weife war seine Thätigkeit auf die Wahr-; nehmung der Interessen des Handels gerichtet und werden seine wichtigen Dienste allezeit bei der Kammer in dankbarer Erinnerung bleibend Nicht minder schwer trifft dieser Verlust unsere Gemeinde. Der Ver-. storbene war seit mehr als 20 Jahren in der Gemeinde-Vertretung und seit 16 Jahren Mitglied des Vorstandes. Hier wußte er durch seinem liebenswürdige Persönlichkeit und sein konziliantes Wesen manchen 2 - Gegensatz auszugleichen und die sich oft bekämpfenden Meinungen zu vermitteln. Besonderes Verdienst hatte er sich als Vorsitzender der Schulkommisston um die Religionsschule erworben. Er suchte deren materielle und geistige Interessen zu fördern, war ein warmer Freund der Schuljugend und ihrer Leiter. In wie hoher Achtung der Verblichene stand, legte die bei der am Freitag stattgehabten Beerdigung erfolgte überaus große Betheiligung aus allen Schichten der Bevölkerung Zeugniß ab. Seine Verdienste um den Handelsstand und die Gemeinde werden unvergessen bleiben. Breslau, 6. März. In der Synagoge des jüdisch-theologischen Seminars fand am 2. d. Mts. die Gedächtnißfeier für den vor 23 Jahren Heimgegangenen ersten Seminardirektor Dr. Zacharias Frankel statt. Aus diesem Anlasse hielt der kürzlich mit dem Rabbinatsdiplom entlassene Dr. Moses Fried die Gedächtnißrede, der er eine Arbeit des Gefeierten „über palästinensische und alexandrinische Schriftforschung" zu Grunde legte.?. Sohrau (O.-S.), 3. März. Am 27. v. Mts. wurde das Stiftungsfest der vereinigten „Chewrah-Kadischah" und „Chewrah-Bikur-cholim", Hierselbst feierlich abgehalten. Um 12l/2 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder zu dem gemeinsamen Gottesdienste in der Synagoge, woselbst Herr Rabbiner Dr. Deutsch die Festrede hielt. In warmen Worten, anknüpfend an den Text des Wochenabschnittes 2. Buch Mosis, Kap. 25, B. 2 und 8, entrollte er den schönen Zweck und die erhabenen Ziele des Vereins. Diese von Herzen kommenden Worte, in schwungvoller Weise vorgetragen, verfehlten nicht, bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck zu hinterlassen. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der größere Theil der Vereinsmitglieder, die zur Weihe des Tages gefastet hatten, im Sitzungssaal der Gemeinde mit Kaffee und Kuchen bewirthet. Abends 6l/2 Uhr fand in Zweigs Hotel ein großes Festessen statt, das den Charakter eines Abschiedsdiners zu Ehren des von hier scheidenden Rabbiners Herrn Dr. Deutsch tragen sollte. Den Reigen der zahlreichen Toaste und Reden eröffnete der Vorsteher der Gemeinde, Herr Hotelbesitzer Zweig. In kernigen Worten gab er dem lebhaften Bedauern über das Scheiden des Herrn Dr. Deutsch Ausdruck. „Fast 25 Jahre", so etwa führte der Redner aus, „hat Herr Dr. Deutsch als Rabbiner in unserer Gemeinde fungirt und ist derselben stets ein treuer Führer und Berather gewesen. Durch sein Scheiden, das allgemein schmerzlich empfunden werde, sei die Gemeinde ihres schönsten Schmuckes, ihrer Krone beraubt." Er schloß mit dem Wunsche, daß Herr Dr. Deutsch auch in der Ferne, wenn auch räumlich getrennt, stets einer der Unsrigen bleiben möchte und ernannte ihn Namens des Vorstandes und des Repräsentanten- Kollegiums zum Ehrenmitgliede der Gemeinde. Sichtlich bewegt und tief ergriffen dankte Herr Dr. Deutsch für das ihm entgegengebrachte Wohlwollen. Er werde nach wie vor stets seiner Vaterstadt und seinem bisherigen Wirkungskreise auch in der Ferne mit allen Fasern seines Herzens angehören. Zum Schluffe toastete er auf das fernere Blühen und Gedeihen der Gemeinde und ihrer dem Werke der Humanität dienenden Vereine. Herr M. Prager, welcher sodann das Wort ergriff, schilderte die hervorragenden Verdienste des Scheidenden. Letzterer habe das Amt, daß er von seinem gottseligen Vater hier in seiner Vaterstadt als Erbschaft angetreten, treu und gewissenhaft fast 25 Jahre verwaltet. Durch sein Fortgehen entstehe eine Lücke in unserem Gemeindeleben, die nicht wieder ausgefüllt werden könnte. Herr Prager schloß seine, allseitig mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommene Rede mit dem Wunsche, daß Herr Dr. Deutsch in seinem neuen Wirkungskreise (Lissa) d as finden möge, was er suche: „lernen und lehren" zu können in umfangreicherem Maße, als dies hier der Fall gewesen. Herr Lehrer Plaut sprach Namens der jüdischen Volksschule. Er dankte dem Scheidenden, der 24 Jahre ununterbrochen den Religionsunterricht an unserer Schule segensreich leitete und durch sein begeisterndes Wort und leuchtendes Vorbild das Ideal eines wahrhaften Religionslehrers verwirklicht habe. Außerdem wurden noch von mehreren Herren Toaste ausgebracht, von welchen noch der des Herrn A. Hahn und des Herrn Fröhlich aus Oppeln auf die Gemahlin des Herrn Dr. Deutsch erwähnt werden möge. Herr Hotelbesitzer Zweig hatte für ein treffliches Mahl bestens Sorge getragen. Lange noch blieben die Bereinsmitglieder in reger und gemüthlicher Unterhaltung beisammen. Als man sich spät in der Nacht von einander trennte, theilten wohl alle denselben Wunsch: daß wir in