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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-04 · Heft 9 (4.3.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 weilern), einem Weimarer Puppenspiel, c. 1830, Grillparzer. Von den drei Letzteren gab er Analysen, von Racines Drama Proben in eigener metrischer Uebersetzung. Bei jeder Periode suchte er nachzuweisen, apie der Geist der Zeit auf Auffassung und Gestaltung des Stoffes wirksam gewesen sei. Er wies auf die unbedeutenden jüdischen Purimspiele hin und schloß mit der Mahnung an jüdische Dichter, sich einen derartigen Stoff, dem eine wahrhaft poetische Behandlung gebühre, nicht entgehen zu lassen. Der hochinteressante Vortrag fand bei dem sehr zahlreich versammelten Auditorium lebhaften und wohlverdienten Beifall. Berlin, 1. März. Unter dem Namen „Spar- und Hilfsverein der Beamten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" ist ein Verein begründet worden, der in erster Reihe den Zweck hat — wie es im Statut heißt —, „seinen Mitgliedern durch Ansammlung pnd Verzinsung von Beiträgen ein gewisses Kapital zu sichern". Die Kapitalfonds sollen nach Ermessen des Vorstandes zur Gewährung zinsfreier Darlehen an Mitglieder verwendet werden. Den Vorstand bildet zur Zeit Generalsekretär A. Budwig als Vorsitzender und Kasstrer Rosenberg als Rendant. S£S Berlin, 1. März. Der Militärverein „Deutsches Vaterland" hat soeben den Berwaltungsbericht über sein drittes Geschäftsjahr herausgegeben. Die Zahl der Mitglieder hat sich von 500 aus 550 erhöht. Darunter befinden sich 19 Kameraden, welche den Offiziersrang besitzen. 215 Veteranen aus den Feldzügen von 1849 bis 1870/71 gehören dem Verein an, 10 von diesen sind mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 27. Januar 1897 im Vereinslokal festlich begangen. Anfang Februar 1897 begann der Verein die Vorbereitungen für die Centenarfeier; um dieselbe möglichst würdig zu begehen, wurde die Anschaffung einer Fahne beschlossen. In der Versammlung am 17. März 1897 wurde das Banner dem Verein in feierlicher Weise übergeben. Am 21. März begab sich der Verein in geschlossenem Zuge zum Festgottesdienst in der Neuen Synagoge. An dem Kommers der hiesigen Kriegervereine am Abend des 22. März nahm der Verein gleichfalls Theil. Für den Fefizug am 23. März war der Verein dem Kriegerbund Berlin zugetheilt. Den Abschluß der Festlichkeiten bildete eine Feier am Abend des 23. März bei Buggenhagen. Am 15. Dezember hat der Verein an den Prinzen Heinrich folgendes Telegramm gesandt: „Ew. königlichen Hoheit sendet zur Fahrt für Deutschlands Ruhm und Ehre die besten Glück- und Segenswünsche im Namen des Militärvereins Deutsches Vaterland der Vorsitzende". Am 16. Dezember wurde der Verein durch folgendes Antwortschreiben hoch erfreut: „Seine königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen lassen vielen Dank sagen. Auf höchsten Befehl (gez.) von Seckendorff. ggg Königsberg i. P.,24. Februar. Das israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz versendet soeben seinen 37. Jahresbericht, der sich in der Vorrede über den im Ganzen ruhigen Verlauf des letzten Berwaltungsjahres ausspricht und sich am Ende an die wohlthätigen Glaubensgenossen in der Provinz mit der Bitte wendet, dem Waisenhause in vermehrter Zahl als bisher als Mitglieder beizutreten, zumal die Wohlthal desselben vornehmlich den Armen in der Provinz zu gute kommt. — Die Anstalt zählte am Ende des Jahres 33 Zöglinge, und zwar 24 schulpflichtige Knaben, 3 schulpflichtige Mädchen, 5 Handwerkslehrlinge und I in seiner beruflichen Ausbildung begriffenes Mädchen. Letztere lernt noch während ihres Aufenthaltes in der Anstalt die Putzarbeit. Von den Handwerkslehrlingen, die ebenfalls bis zur beendeten Lehrzeit zwar in besonderen Pensionen, aber doch immer unter Aufsicht und in vollständiger Pflege des Waisenhauses gehalten werden, lernt einer» die Zahntechnik, einer wird Goldarbeiter, einer Lithograph, einer Photograph und einer Schlosser. — Die Anstalt verließen 8 Kinder, von denen sich 2 Knaben dem Handwerk, 2 dem Kaufmannsstande zugewendet haben. Ein Mädchen wurde zur Kindergärtnerin ausgebildet, 2 wurden ihren Angehörigen zurückgegeben. Ein Knabe ist in der Anstalt gestorben. Einer der entlassenen Handwerker hat bei der Lehrlingsausstellung des ostpreußischen Gewerbevereins den zweiten Preis erhalten. Neu ausgenommen wurden 5 Kinder: 4 Knaben und 1 Mädchen. — Der Bericht enthält eine lange Liste von Liebesgaben, die der Anstalt im vergangenen Jahre z. Th. in Baar, z. Th. in werthvollen Gegenständen zugewendet wurden. Unter den Spenden findet sich auch ein namhafter Betrag von zwei Freunden der Anstalt, zum Unterricht der Zöglinge im Gartenbau bestimmt. Die verwendbaren Jahreseinnahmen betrugen 20099,59 Mark, dazu kommen 6360 Mark, die an neuen Legaten und Beiträgen behufs Erwerbung der immerwährenden Mitgliedschaft gespendet wurden. Die Ausgaben beliefen sich auf 20607,75 Mark, so daß sich das Vermögen der Anstalt um 5778,14 Mark vermehrt hat. Dasselbe beträgt jetzt in Baar 325227,34 Mark. Dazu kommt ein schuldenfreies Grundstück, versichert mit 71200 Mark, und einige kleine Fonds in Summa von 3203,22 Mark. — Die Zahl der Spezialsliftungen der Anstalt beläuft sich auf 38. Durch ordentliche Mitglieder werden jährlich über 4000 Mark an Beiträgen geleistet — Den Erläuterungen des Ausgabe-Etats entnehmen wir, daß die Verpflegungskosten pro Kopf und Kind im vergangenen Jahre auf 43,08 Mark zu stehen kamen, die Gefammtunkosten für ein Kind pro Jahr auf 584 Mark. — Der Vorstand des Waisenhauses setzt sich zusammen aus: Herrn Professor Dr. L. Saalschutz, Vorsitzender, Herrn Alexander Magnus, Kasstrer, Herrn Selmar Mathias, Schriftführer, und den Herren A. Aron, Dr A. Friedländer, Julius Lazar, I. Eichelbaum- Jnsterburg und M. Wasbutzki-Tilsit. Ehrendamen der Anstalt sind: Frau Fried. Behrendt, Frau Rahel Josephsohn, Frau Emilie Magnus. Frau Jda Levy. Die Leitung der Anstalt liegt in den Händen des Herrn Inspektors Ad. Peritz. Aus dem Vorstandskollegium schied im Laufe des Jahres Herr Professor Dr. Lassar-Cohn, der, zum Direktor der Liebig-Akademie nach München berufen, seinen Wohnsitz dorthin verlegt hat. Auch der langjährige Hausarzt der Anstalt, Herr Professor Dr. Falkenheim, hat mit seiner sonstigen Privatpraxis auch sein Ehrenamt beim Waisenhause niedergelegt. Der Bericht spricht beiden, um die Förderung der Anstalt verdienten Herren in warmen Worten den Dank des Vorstandes aus. E. Z. Posen, 25. Februar. Kaum ist die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Dr. Friedländer verklungen, so erschüttert eine neue die Gemüther unserer hiesigen Glaubensgenossen. Am 23. d. M. starb im Alter von 67 Jahren der Buchhändler Louis Türk. Seit genau 31 Jahren gehörte der Verstorbene der Stadtverordneten-Bersammlung an. Seit dem Jahre 1873 gehörte er auch zur Schuldeputation. Diese lange Reihe von Jahren hindurch hat er ununterbrochen in beiden Ehrenämtern erfolgreich und mit voller Hingebung zum Besten der Stadt Posen gewirkt und sich ganz besonders auch um unser Schulwesen in hohem Grade verdient gemacht. Seit 1894 leitete er auch als Vorsitzender die Geschäfte des Posener Provinzial- Buchhändler-Vereins Seit der Begründung der israelitischen Brüder- Gemeinde gehörte der Verstorbene dem Vorstande derselben an. Durch seine hervorragenden Geistesgaben, seine reiche Erfahrung und edle Denkweise war er der .Gemeinde auch in schwierigen Lagen eine feste Stütze. Stets war er eifrig bemüht, an der Ausgestaltung eines der Zeit entsprechenden Gottesdienstes und der religiösen Erziehung der Heranwachsenden Jugend mitzuwirken. So wird das Andenken an diesen trefflichen Mann stets bei Allen wach erhalten bleiben. M. B. Wollin i. Pom., 26. Februar. Am 30. v. M. feierte die hiesige Gemeinde das 23jährige Stiftungsfest der „Chewra-Kadischa", welches einen glänzenden Verlauf genommen hat. Um 4 Uhr Nachmittags fand in der festlich geschmückten Synagoge ein erhebender Gottesdienst, verbunden mit Seelenfeier, statt. Nach dem üblichen Mincha-Gebet wurde vom Knaben-Chor das vom Kantor einstudirte Lied: „Lieblich wie mit Himmelstönen" eingeleitet. Darauf bestieg der Kultusbeamte die Kanzel und hielt die Festrede über die Entwickelung des Vereins und über dessen Liebeswerke. Redner ermahnte die Gemeinde, den heiligen Namen des Vereins zu erhalten, daß er nie durch Zwietracht und Unfriede entweihet werde. In besonderer Feier wurde der im Laufe der letzten drei Jahre zu Grabe geleiteten Mitglieder gedacht und mit einem Gebet für Kaiser und Reich wurde der Festgottesdienst beendet. Um 7 Uhr Abends versammelten sich sämmtliche Mitglieder im Saale des Herrn Strack zu einem solennen Abendessen. Die Festtafel wurde durch einen Prolog eröffnet. Nachdem das Hoch für den Kaiser ausgebracht und die Nationalhymne verklungen war, ergriff der Gemeindevorstand, Herr M. A. Herrmann, das Wort, begrüßte die Anwesenden und schloß mit einem Hoch auf die Gemeinde. Der Kultusbeamte der Gemeinde sprach hierauf, anlehnend an den Text Jesaias, Kapitel 60, 4, 5, über die guten Zwecke des Vereins und die Bedeutung des Tages, worauf ein Hoch auf den Verein ausgebracht wurde. Alsdann forderte der Vorstand der Ehewra, Herr S. Morgenstern, die Anwesenden auf, auch der Mitglieder durch Erheben von den Plätzen zu gedenken, welche

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