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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-04 · Heft 9 (4.3.1898) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Und wahrlich, sie hatte treu ergebene Diener genug, die Kaiserin, die für sie zu allem bereit wären; da war vor allein dieser Stephanus, der ihm schon lange widerlich war. und den er bereits im StMn verurtheilt hatte. Nun war ein Grund mehr, und wahrlich, er wollte nicht länger zögern. Er wollte seinen Römern beweisen, daß er Gerechtigkeit übe, und daß er Miffethaten sühne, selbst wenn diese von hohen Personen verübt wurden, wie es in diesem Falle den Anschein hatte. Domitia falle meiner Rache, sie und ihr Knecht. Erregt war er auf und ab geschritten, sein Fuß stampfte den Boden, und wilde Flüche entfuhren seinem Munde. Doch jetzt hatte der Oberstkämmerer auf seinen Befehl die ersten Audienz - Besucher eingelaffen, und mit freundlichem Lächeln auf den Lippen begrüßte sie der Imperator. (Fortsetzung folgt.) Fitterarifche Mitteilungen. — M. Kayserling: Ludwig Philippson. Eine Biographie mit Porträt und Facstmiles. Leipzig 1898. Hermann Mendelssohn. Die Kunst der Biographik hat bis jetzt in unserer Litteratur nicht allzu große Triumphe gefeiert. Wir besitzen nicht viele Biographien, die man als Muster der Gattung aufstellen könnte. Die Einen verstehen nicht Maß zu halten. Andere haben keine Ahnung von der Biographie als Kunstwerk, welches die genaueste Kenntniß der Lebensumstände des Helden und seines Zeitalters, sodann strenge Wahrheitsliebe und einen möglichst parteilosen Standpunkt erfordert. Alle diese Forderungen zu erfüllen, wird freilich nur sehr Wenigen möglich sein, aber schon das Streben nach Objektivität auf diesem Gebiete ist mit vollem Lob anzuerkennen. Das Buch Kayserlings wird sicher überall mit großem Interesse ausgenommen und mit ebensolcher Theilnahme gelesen werden. Die edle Wärme seiner Begeisterung für den Mann, dem das moderne Judenthum so vieles zu danken hat, seine feste und treue Gesinnung adeln es. Der musterhaften Darstellung, der Strenge und Treue der Forschung, so weit sie bei den nicht leicht zu bewältigenden Massen der Quellen möglich war. müssen wir vor allem mit dem Lobe gedenken, das wir schon oft über die Schriften dieses Autors aussprachen. Freilich war diesmal seine Aufgabe eine besonders schwierige. Während er in dem Buche über Moses Mendelssohn, das ja zu einem 8tariäarä work geworden ist, einen Mann zu schildern hatte, dessen Lebenswerk ein durchaus einheitliches und streng objektives war, galt es hier einen Mann darzustellen, der nach vielen Richtungen hin, als Politiker, als Gelehrter, als Dichter, als Prediger und als Journalist, Hervorragendes, ja Bahnbrechendes geleistet hat. Das war sicher keine leichte Aufgabe. Die Schwierigkeit derselben wurde aber noch wesentlich dadurch erhöht, daß der Autor durch seine nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Helden seiner Darstellung beständig auf der Hut sein mußte, die Grenzen der Objektivität nicht zu überschreiten. Daß ihm dieses durchweg gelungen, kann wohl als das höchste Lob der Arbeit gelten. In zehn Bücher hat Kayserling sein Werk eingetheilt; sie schildern die Jugend, die erste Zeit öffentlicher Wirksamkeit, das Verwenden für seine Glaubensgenossen, die innere Wiedergeburt, die religionswissenschaftlichen Schriften, den Aufenthalt in Magdeburg, die belletristischen Schriften, die Anregungen und Schöpfungen Philippsons, die litterarische und öffentliche Thätigkeit im Ruhestand und schließlich die letzten zehn Jahre seines Lebens. Ueberschauen wir dieses Lebenswerk, so erfüllt es uns mit Stolz, daß dieser Mann uns angehört hat. Welch ein reicher und fruchtbarer Geist, welch eine Fülle von Gedanken und Anregungen, von Thaten und Werken! Und doch, welche Einheitlichkeit in all diesen verschiedenartigen Richtungen, welch ein bestimmter Plan, an dem Werk.der Kultur und Aufklärung seiner Glaubensgenossen zu arbeiten! In der That, Ludwig Philippson war einer der bedeutendsten Faktoren in der Neugestaltung des Judenthums. Seine Lebensgeschichte ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte überhaupt. In dieser Beziehung 1 hat Kayserling auch nicht ein Wort zu viel gesagt, wenn er behauptet, daß Philippson die jüdischen Massen aus der religiösen Erschlaffung geweckt, den Kampf gegen die Geislesträgheit und den religiösen Jndifferentismus ausgenommen und zugleich mit der in allen Ländern von ihm angestrebten bürgerlichen Gleichstellung der Juden die Verjüngung des religiösen Lebens und die wissenschaftliche Durcharbeitung des Judenthums muthig und unerschrocken trotz aller Kämpfe eifrig gefördert habe. Aber nicht blos den Gelehrten und den Mann des öffentlichen Lebens, auch den Menschen lernen wir kennen und lieben. „Liebe war der Grundzug seines ganzen Lebens; Liebe und Wohlwollen trug er allen Menschen entgegen." Nichts Menschliches war ihm fremd, alles Große, Schöne und Edle nahm er freudig in sich auf und vermählte es in seinem Geiste mit der Weltanschauung des Judenthums. Das war seine Größe und seine Kraft, das war der Quell, aus dem er schöpfte, und darum gewährt auch die Geschichte seines Lebens einen reinen und ungetrübten Genuß, den Genuß eines Kunstwerkes, das nach einem einheitlichen Plane aufgebaut und wie nach ewigen Kunstgesetzen in voller Harmonie sich aus gelebt hat. Sprerhsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! f ie Mittheilung unter „Von Nah und Fern" in Nr. 4 Ihrer Zeitung, betreffend die Wahl des Herrn Kommissions-Rath Cappel in Solingen zum Beigeordneten daselbst, bedarf hinsichtlich des Schlußsatzes, daß Herr Cappel wohl der einzige jüdische Beigeordnete in der Rheinprovinz sei, einer Berichtigung. Der erste Vorsteher hiesiger Synagogen-Gemeinde, Herr S. Rindskopf, bekleidet die gleiche Stellung hier seit mehr als 20 Jahren und ist noch heute Vorsitzender der Finanzkommission. In den Jahren 1877—79 verwaltete derselbe sogar interimistisch das Amt des Bürgermeisters Hierselbst. Hochachtungsvoll Steele, 22. Februar. Lilienfeld, Lehrer. * Geehrter Herr Redakteur! n dem guten Glauben, daß es Ihrem geschätzten Blatte dienen könne, erlaube ich mir mit Folgendem aufzuwarten, veranlaßt durch das Für und Wider in der Zionsfrage. Beim Ausbruch der Angriffe gegen das Judenthum wagte ich's im heiligen Eifer, mich an unseren einzigen, unvergeßlichen Herrn Dr. Philippson in Bonn, gesegneten Andenkens, zu wenden, ob es nicht gerathen sei, an eine durchgreifende Organisation des sozialen Judenthums, engeres Anschließen nach Innen und Gründung einzelner Kolonien in Nord-Amerika, als das dem jüdischen Geiste entsprechendste Land, zu denken. Hauptsache ist nun, das, was der edle Dahingeschiedene die Güte hatte, mir zu erwiedern, mitzutheilen, wie folgt: Bonn, 4. März 1881. Geehrter Herr! Besten Dank für Ihr werthes Schreiben. Stimmen, die aus warmem Herzen fließen und aus unmittelbarer Erfahrung reden, sind mir stets willkommen. Allein Ihre Ideen scheinen mir nicht realisirbar. „Eine soziale Organisation der Juden" zu schaffen, ist nicht möglich, da die Juden sich nicht dazu herbeilaffen, und wäre auch gefährlich, weil „ein Staat im Staate". In Amerika hat mau schon mehrfach versucht, jüdische Kolonien zu schaffen, ist aber nie weiter als — zum Wort gekommen. Meine Zeit gestattet mir nicht, ausführlicher zu sein, und füge ich daher nur hinzu die Versicherung meiner Werthschätzung, mit der ich zeichne Ihr ergebenster Philippson. Ottweiler (Rheinpr.), 22. Febr. Sam. Buxbaum. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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