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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-03-04 · Heft 9 (4.3.1898) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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Noch einmal Solomon Pleßner. Bon Rabbiner Dr. B. Ziemlich in Nürnberg. ar Salomon Pleßner ein Anhänger der Kabbala? war er überhaupt ei» Mystiker? Diese Frage wäre nach dem Artikel des Herr» Dr. E. Pleßner in Nr. 52 der „Zeitung des Jndenthnms" entschieden zu verneinen. In demselben heißt es: „Wo findet inan in Pleßners Schriften, in den „wissenschaftlichen" wie in den „homiletischen" etwas, das an Mystik oder Mystizismus streift"? Schreiber dieser Zeilen kennt viel zu wenig von Pleßners Schriften, als daß er sich über den wegen seiner seltenen Gelehrsamkeit wie Frömmigkeit hochgeschätzten Mann ein maßgebendes Urtheil erlauben dürfte. Aber angesichts der apodiktischen Frage seines Sohnes sei hier auf ein Werk Pleßners hingewiese», das in weiteren Kreisen bekannt ist, cs ist das NVv Dl oder „Jüdisch-Mosaischer Religionsunterricht für die israelitische Jugend. — Ein für den öffentlichen, auch Privat- oder Selbstunterricht sich eignendes Lehrbuch der Hauptreligionswahrheiten und Lehren des Judenthums". (Berlin, L. Fernbach jun. 1838.) Hören wir Pleßner selbst: 8 173, S. 46: „Welches sind wohl die Schriften, in welchen die höhere oder geheime Auslegung der heiligen Schriften enthalte» ist? Die deutlichsten Spuren solcher Geheimlehre finden sich schon im Talmud und Midraschim; indeß sind die besonderen Schriften derselben das Buch Jezira, Bahir und dergleichen. besonders das Buch Sohar, welche Wiffenschaft jedoch immer nur die Beschäftigung besonders ausgezeichneter Männer war. Anmerkung 1. Diese Frage gehört in vorliegenden Abschnitt, als in demselben von der Tradition (nbap) die Rede ist, welcher Ausdruck aber im engeren Sinne bekanntlich die Gehe imwissen schüft bezeichnet. Anmerkung 2. Ich rede hier von dieser Wissenschaft blos als wahrhafter Theologie und sehr wichtiger Quelle für Bibelauslegung und hebräischer Sprachkunde, keineswegs aber von der praktischen Kabbala. Das Buch Sohar ist für die Bibelexegese von unendlicher Wichtigkeit. So z. B. über Synonima. 8 174: Sollte es denn aber im göttlichen Wort solche Geheimnisse geben? Allerdings, und nicht das scheinbar Geringste darin ist bedeutungslos." Am Schluffe einer weiteren zu 8 173 gehörigen, sehr gelehrten Anmerkung über die Effäer ist zu lesen: ,,R' Simon b. Jochai war der größte und gottbegünstigste Wundermann seiner Zeit, und so war er denn wohl auch das Oberhaupt des Effäer-Ordens. Wer konnte auch besser als er in seiner vieljährigen Einsamkeit jenen hohen Untersuchungen leben und der höheren Erleuchtung, die dazu nöthig ist, fähig werden und den Grund zu dem größten Theile des Buches Sohar legen? Daß man aber jene Einsamkeit nicht benutzte, um ihm das Buch Sohar unterznschieben, dafür sprechen sehr viele Gründe; und verdient wahrlich jene bekannte Verdächtigung im Juchasin in Bezug ans den Verfasser des Sohars ebenso wenig wie alle andere Gegnerschaft der Gelehrten gegen die Kabbala eine Widerlegung. Ein einziges Werk schon wie R. Joseph Jrgas D’JÄN "VäW schlägt alle die faden Einwürfe zu Boden." Schon aus diesen Stellen dürfte sich für den „oberflächlichen Beurtheiler" folgendes ergeben: 1. Salomon Pleßner war der Ueberzeugung, daß eine Geheimwiffenschaft, wie sie in den Büchern Jezira, Bahir und besonders Sohar nicdergelegt ist, zu den Hauptreligionswahrheiten und Lehren des Judenthums (s. Titel) gehören. Diese Wissenschaft ist „wahrhafte Theologie und sehr wichtige Quelle für Bibelauslegung und hebräische Sprachkunde". Nur die praktische Kabbala ÜTtPJ?» nbap) ist davon ausgeschloffen. 2. Nach Ansicht Pleßners „bedarf die Gegnerschaft der Gelehrten gegen die Kabbala keiner Widerlegung". Wem ist demnach Pleßner selbst zuzuzählen: den Gegnern oder den Anhängern der Kabbala? Möge der Leser selber darüber entscheiden. Man vergleiche ferner, was Pleßner in dem citirten Lehrbuche S. 89 Anmerkung über das Erscheinen des Propheten Elia, S. 92 Anmerkung über den Messias in zweifacher Gestalt, S. 147 über Mesusa, S. 162 und 186 über miV NVV2 ausführt. An diesen und vielen anderen Stellen wird der Sohar nicht blos zu sprachlichen, sondern auch zu sachlichen Erklärungen herangezogen. Der Satz Hirschfelds aus Pleßners Biographie: „Das Buch Sohar bezeichnet er als „Fundgrube für das hebräische Sprachstudium", aber weiter nichts", läßt sich damit schwer in Einklang bringen, weit eher der andere Ausspruch Pleßners, wo er von der im Jezira, Bahir und Sohar niedergelegten Wissenschaft als von „wahrhafter Theologie" redet. Dieser für unsere Frage entscheidende Ausspruch wird durch den späteren Satz nicht abgeschwächt: „Das Buch Sohar ist für die Bibelexegese von unendlicher Wichtigkeit". Selbstverständlich liegt es dem Schreiber dieser Zeilen durchaus fern, das Ansehen der eigenartigen, bedeutenden Gestalt Pleßners verkleinern und seine Angehörigen „in ihren heiligsten Gefühlen verletzen" zu wollen. Aber die Frage muß doch in wiffenschaftlichem Jntereffe gestattet sein: Wie will man die oben angeführten Stellen erklären, wenn man den stark mystischen Zug aus Pleßners Lebensbild, wie er bisher allgemein angenommen wurde lind auch von seinem Schüler Moritz Veit bezeugt wird, sich hinwegdenken soll? EUILLETON Aus bangen Tagen. historische Erzählung aus der römischen Raiserzeit. Bon Carl Griot. (Fortsetzung.) #ier lud der Sizilier sein Korn, der Aegypter seine Glaswaaren, seineLeinwand und Papyrusballen aus, dort brachte der Spanier seinen Gluthwein und seine Wolle ans Land, dann wurden riesige Marmorblöcke herangeschafft, die in dem kunstliebende» Rom, wo mit den Bildsäulen der Götter wie der Menschen nicht gespart wurde, die weiteste Verwendung fanden; in Vorderasien wurden sie gebrochen und unter unsäglichen Mühe» nach Rom geschafft, um dort, von Künfllerhcmd geformt, Plätze und Paläste zu verschönern. Da brachte der Araber ganze Ballen von wohlriechenden Kräutern herbei, an denen die schwelgerische Römerin ihr Wohlgefallen empfand, Indien sandte sein Elfenbein und Schildkrötenschalen, die dann, zu kunstvollen Kämmen und Nadeln geformt, das duftende Haar der vornehmen Damen schmückten. Der Jude aus Palästina brachte glitzernde Juwelen, milchweiße Perlenschnüre und ganze Ladungen voll köstlicher Früchte. Bisher hatten die Männer aus dem Morgenlande blos Aug' und Ohr für ihre Geschäfte gehabt, und ihre Aufmerksamkeit richtete sich nur darauf, daß nichts von den reichen Schätzen bei der Aus-

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