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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-15 · Heft 20 (15.2.1838) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 20 (15.2.1838)
Date
1838-02-15
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 Markus Löwe unbemerkt einzutreten: Dies nemlich war das Zimmer, aus welchem jener einsame Lichtstrahl auf die Straße hinabglitt, der uns nun den engen Raum und die vielen darin gehäuften Gegenstände spärlich erleuchtet. Denn ringsum haben die großen und kleinen Ausgeburten großer und kleiner Autoren an den Wanden einen willkommnen, doch nicht ununterbrochenen Ruheplatz gewonnen — nur an den Fensterpfeilern hatten die körperlichen Conterfeie etlicher Schriftsteller über ihre geistigen gesiegt, und ein geübter Blick konnte schnell insbesondere die markirten Gesichter eines Spinoza, Mendelssohn, Eibschützer, Cologna u. A. erkennen. Auch über den Repositorien waren die Büsten antiker und neuerer deutschen Scribenten aufgestellt, und Socrates stand ruhig neben Wieland, Herder bestritt Platon und Demosthenes den Platz nicht, Göthe und Schiller neigten die starken Nasen und todten Augen sich zu. Diese Halbmesser der menschlichen Leichname, die wol die Freude des Besitzers bei der Ausstaffirung des Zimmers gewesen sein mochten, trugen jetzt, unbeachtet die Last des zur Ruhe gekommenen Staubes auf ihren weißen Schultern und Häuptern. An die Bücher selbst lehnten ringsum mathematische Instrumente, Globen und Ferngläser, die jedoch willig einer Guitarre und Violine den Platz vergönnten. Aber es würde uns gewiß ängstlich zu Muthe sein, liebe Leser, sollten wir um so späte Stunde die todten Menschen allein um uns sehen; diese waren jedoch zum Glück nur die Diener und Herolde jener lebendigen Personen, von denen die eine, ein ernster, hochgewachsener, junger Mann, die wenigen Schritte, welche die Bücher und Instrumente erlaubten, unermüdet hin- und zurückthut, die andere sich behaglich auf dem Sopha streckte. „Es ist mir schon seit geraumerZeit aufgefallen," sprach eben der Candidat beider Rechte, Ludolph, zu dem wandelnden .'Jüngling, mit dem jener in traulichem Gespräch vertieft war, so daß sie die Schritte der leise hinschleichenden Nacht nicht bemerkten: „es ist mir schon seit geraumer Zeit ausgefallen, daß jene erhabenen Griechen, denen du wahrend deiner Universitätsstudien alle deine Zeit und Kraft zuwandest, immer mehr von deinem Schreibe- und Lesetische verschwinden, und ihre Stelle von der ältesten, auch von mir hochgeachteten, doch jenen nicht gleichgestellten Urkunde, der hebräischen Bibel, eingenommen wird. Auch sehe ich, Freund, mit einem gewissen Schauder, eure alten Rabbinen, die während jener Zeit in den hintersten Winkeln deiner Bibliothek verstaubten, allmälig hervorrücken, sie, die mir mit ihren kleinen krausen Lettern ohne Vokale immer die beredtesten Zeugen der Dunkelheit und Verworrenheit des Mittelalters schienen. Ich gestehe, daß ich den GruntzMtser bedeutsamen Veränderung deiner Richtung wol kennen möchte. Darum thue ich diese Frage, die mir längst schon auf der Zunge schwebte, jetzt an dich." „Die Frage kommt mir nich unerwartet, Ludolf," antwortete der Andre, „und da ich gewohnt bin, dir über meine Beschäftigungen Rede zu stehen, will ich dir den Grund deiner richtigen Bemerkung angeben. Die Griechen und Römer, Freund, und die Bibel, verhalten sich für mich, wie eben Universität und Familie. So lange ich an jener weilte, fern von derHeimath, von den geliebten Meinigen, allein stehend, ohne jene Genüffe, welche dem edlen Herzeu die theuersten sind, die Genüffe des häuslichen Glücks und der Familienfreuden: so lange gab ich mich auch dem fremden Kreise hin, und dem Zuge widerstehend, der mich an den verlassenen Vaterheerd zurückrief, mochte ich mich auch von dem heimathlichen Leben in unserm göttlichen Religionsbuche fern halten. Das ist nun vorüber. Zurückgekehrt bin ich an die Platze meiner Kindheit, und nun wieder ganz heimisch zu werden, eilt mein Geist auch wieder zu dem unerschöpflichen Buche zurück, das das Buch meiner erwachenden Seele war." „Gut gesprochen, Jonathan, aber noch wenig befriedigend. Denn einen alten lieben Freund wiederzusehen, kehrt man wohl dann und wann bei ihm ein, läßt aber doch nicht alle seine sonstigen Bekannten in Stich, und wirft sie mit einem Male fort. Bei deinem festen Geiste, und bei dem klaren Bewußtsein, mit welchem du alle deine Schritte beachtest und leitest, wirst du mir es nicht verdenken, wenn ich deine Antwort noch nicht für erschöpfend halte?" (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Königsberg, Dec. 1837. Noch ein Wort aus und über Königsberg. Antworte dem Thoren nach seiner Thorheit, damit er sich nicht weise dünke. Spr.. Salom. Als ich meine Berichtigung in Nr. 44. niederschrieb, setzte ich Leser voraus, die des Denkens fähig sind. Für diese habe ich nun wol genug gesagt, um die Anklagepunkte des Herrn I. L., oder wie wiv jetzt in Nr. 89. erfahren, Julius Lebegott, in ihrem völligen Nichts darzustellen. Doch eingedenk jenes weisen Spruches, will ich mich zur Auffaffungsweise des Herrn I. L. und seiner lieben Freunde herabbequemen, und mit Berücksichtigung seiner versuchten Selbstvenheidigung in klaren, einem Kinde ver^ stündlichen Worten meine Behauptungen wiederholen und von Neuem zu begründen suchen. Unwahr ist es, was er von der Volksbildung unserer Juden sagt; unwahr ist die Beschuldigung des hiesigen achtbaren Vorstandes; unwahr der Vorwurf der hier herrschenden Gleichgültigkeit gegen bürgerliche Gleichstellung und jüdische Literatur. Oberflächlich hingegen, d. h. — Herr I. L. scheint dies Wort nicht zu verstehen — zum Lheil wahr,

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