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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-25 · Heft 8 (25.2.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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WMWWWIMW 3 Sinne, daß jetzt an jedem Sabbath aus der Sidra verlesen wird, die dem Sabbath den Namen gegeben. Die Tempelgemeinde war auch die erste hiesige Gemeinde, unter deren Aegide vor nunmehr acht Jahren eine Religionsschule ins Leben trat, die eine erfreuliche Wirksamkeit entfaltet und ein Geschlecht heranzuziehen verspricht, das von warmer Liebe zum Judenthum erfüllt ist. Jetzt hat der Tempel auch einen Jugendgottesdienst eingerichtet, der einstweilen, bis er sich eingebürgert haben wird, alle vier Wochen am Sabbath Nachmittag stattfindet. Im Sommer soll dieser Jugendgottesdienst in Verbindung mit dem Freitagabendgottesdienst stattfinden, damit den Kindern auch dieser Gottesdienst lieb und geläufig werde. Der erste Jugendgottesdienst war von etwa 200 Kindern, Knaben und Mädchen, besucht. Auch viele Erwachsene nahmen Antheil und erfreuten sich an der sichtbaren Andacht der Kinder. Die ganze Liturgie ist so eingerichtet, daß sie als Einführung in den Gottesdienst der Erwachsenen dienen soll. In seiner Predigt erläuterte der fungirende Prediger Dr. Leimdörfer den Kindern in schöner Weise den Inhalt des Schriftabschnittes und führte ihnen zu Gemüthe, daß sie den Geist der Eltern in sich lebendig erhalten sollen. Nach Schluß des Gottesdienstes erfreute auch noch der Vorsitzende der Tempeldirektion, Herr I. Schönfeld, die Kinder mit einer Ansprache, in der er hervorhob, daß sie die künftige Gemeinde bilden werden und daß der Tempel große Hoffnungen auf die Heranwachsende Jugend setze. — Die Fortbildungskurse des israelitischen Humanitären Frauenvereins sind in dieser Woche eröffnet worden, eine Dame hat in bereitwilliger Weise ihre Räume dem Vorstand des Vereins vorläufig zur Verfügung gestellt, bis derselbe in der Lage sein wird, ein eigenes Lokal zu erwerben. Eingeleitet wurde die Feier durch Gesang, dann hielt Fräulein Sidonie Werner (Schwester des Rabbiners Dr. Werner, München) eine Ansprache, worin sie die Ziele und Zwecke des Vereins hervorhob. Die Rednerin begrüßte die jungen Damen und sprach ihre Freude darüber aus, daß dieselben so zahlreich erschienen waren. Die Kurse und Unterhaltungsabende sollen den Zweck haben, nach geschehener Tagesmühe und Arbeit den Geist zu kräftigen für den schweren Kampf mit dem Leben. Eure Seele soll sich laben am Guten, Wahren und Schönen, damit Euch in des Lebens Alltäglichkeiten die heiligsten Güter nicht verloren gehen. Der Verein will die Theilnehmerinnen der Kurse befähigen, im Staate der Arbeit keine Drohnen, sondern Bienen zu sein. Hier an dieser Stätte sollen den jungen Mädchen die Wege gewiesen werden, die zur Veredlung des Geistes und zum Glücke führen. Was die Dichter gefühlt, die Denker gedacht, die Maler festgehalten, soll den Theilnehmerinnen in echter Münze, wenn auch in kleiner Münze, hier verabreicht werden. Die jungen Mädchen, welche in einer Anzahl von mehr als 30 erschienen waren, wurden hierauf in die einzelnen Unterrichtskurse eingereiht, hierauf fanden noch vorzügliche Mustkvorträge statt, worauf zur Feier der Eröffnung eine solenne Bewirthung der Theilnehmerinnen stattfand. Es möge noch erwähnt sein, daß außer bedeutenden Lehrkräften noch Damen und Herren der Gesellschaft sich dem Vorstand des Vereins zum Unterrichtgeben zur Verfügung gestellt haben. Möge das lobenswerthe Streben des Vorstandes von bestem Erfolge begleitet sein. (D Hildesheim, 17. Februar. Der Verein zur Förderung von Handwerken und sonstigen bürgerlichen Berufsarten unter den Juden der Synagogengemeinde und des Landrabbinatsbezirks Hildesheim theilt in seinem Bericht für das Jahr 1896 mit, daß nunmehr außer den in den früheren Berichten genannten Synagogengemeinden auch die Gemeinde Goslar durch Bewilligung eines Jahresbeitrages die Vereinsinteressen bereitwilligst fördert. Die Direktion giebt der Hoffnung Ausdruck, daß auch diejenigen Gemeinden, aus deren Mitte bisher keine Beiträge der Vereinskaffe zugefloffen, in richtiger Erkenntniß der Vereinsbestrebungen denselben ihre thatkräftige Theilnahme in Zukunft nicht verweigern werden. Die Einnahmen betrugen 777,81 Mark, die Ausgaben 626,42 Mark; Kassenbestand am 31. Dezember 1896 151,39 Mark. Das Kapitalvermögen des Vereins inkl. Kaffenbestand betrug am 31. Dezember 1896: 8608,31 Mark. Es erhielten Beihilfen im Betrage von 50 bis 100 Mark: ein Tabakspinnerlehrling und ein Maschinenfabrik - Schlosserlehrling aus Hannov. - Münden, ein Mechanikerlehrling aus Göttingen, ein Buchdruckerlehrling aus Dassel, ein Malergehilfe, der die städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Hannover besuchte, aus Mackensen, ein Zögling der israelitischen Erziehungsanstalt für Bodenkultur in Ahlem und ein Zögling der Berliner Schneider-Akademie aus Hildesheim. Es wurden zwei Prämien aus den Zinsen des von dem weil. H. Meyersfeld in Braunschweig testamentarisch vermachten Kapitals den beiden besten Lehrlingen gewährt. Die Direktion besieht aus den Herren: Landrabbiner Dr. Lewinsky, Rechtsanwalt Oppenheimer, Gustav Sabel, M. Friedheim, D. Goldberg. - l. Aachen, 18. Februar. Der Jahresbericht des Sparbüchsen- Bereins zu Aachen hat das erfreuliche Resultat zu verzeichnen, 194 Mitglieder zu besitzen. Es fand nicht allein der wohlthätige Zweck des Vereins allgemeinen Beifall, sondern auch das Bestreben desselben, durch die Art des Einsammelns den Sinn der Mohlthätigkeit in den Herzen der Jugend zu wecken, sie dazu anzuhalten, daß die vom Glück begünstigten Kinder sich stets der weniger glücklichen Kinder erinnern und bei jeder geeigneten Gelegenheit daran denken, denselben von ihrem Taschengelde eine kleine Spende zu geben. Mit dem Sommersemester wurde die Einrichtung getroffen, daß die Kinder jeden Morgen in .der 10 Uhr-Pause ein großes Glas frisch gekochter Milch erhielten. Auch hierbei wurde den Bemittelten freigeste.llt, sich durch Bezahlung zu betheiligen, was auch von einer Anzahl der Schüler monatlich geschah. Es ist hierbei jedoch durch eine vorsichtige Einrichtung gelungen, daß vor den Augen der Kinder selbst keinerlei Unterschied zwischen Zahlenden und Nichtzahlenden zu Tage tritt. Jedes Kind erlegt für sein Glas Milch eine Milchmarke, deren es monatlich 20 Stück oder mehr erhält, und kein Kind erfährt, welche Eltern diese Marken bezahlt haben und welche nicht. In allen Fällen geht das Bestreben des Komitees dahin, das Zartgefühl der Kinder nicht zu verletzen. Der Verein vertheilte im Mai 2393/4, im Juni 267^, im Juli 27272, im August 1853/4 Liter Milch. Von Oktober bis Januar ist das Milchlrinken in der Schule und das Baden in der Schwimm-Anstalt wieder regelmäßig fortgesetzt worden, es wurden ca. 3ö0 Liter Milch verabreicht und von Knaben und Mädchen ca. 210 Bäder genommen. Der Schul-Vorstand hatte in diesem Jahre, aus mancherlei Gründen von einer Chanukah-Bescheerung der Schulkinder absehen müssen, dies gab dem Sparbüchsen - Verein Veranlassung, den bedürftigen Kindern eine Chanukah-Feier zu veranstalten. Das Komitee des Sparbüchsen- Vereins besteht aus den Damen: Frau Eduard Meyer, Vorsitzende, Frau Rabbiner Dr. Jaulus, Kasstrerin, Frau Adolf Rothschild, Schriftführerin. 8. Aus Baden, im Februar. Den Mitgliedern des „Landesvereins der israelitischen Religionslehrer in Baden" werden die von Seiten der Behörde bereits genehmigten Statuten demnächst zugehen. In Vorbereitung befindet sich eine Petition an den Gr. Oberrath und an die im Laufe dieses Jahres zusammentretende Synode; Gegenstand der Petition werden die auf der Landesversammlung ausgesprochenen Wünsche der Lehrerschaft fein. Die diesjährige Generalversammlung wird jedenfalls vor dem Zusammentritt der Synode stattfinden. Oesterreich - Ungar». □ Wien, 21. Februar. Wie aus allen Welttheilen, so gehen auch von dem Gros der Wiener gebildeten Bevölkerung Zustimmungs¬ und Huldigungs-Adressen an Zola ab. Um jedoch von der gebildeten Welt vortheilhaft abzustechen, haben die antisemitischen Wienerinnen beschlossen, das Gegentheil zu thun, und zwar an Drumond einen Protest zu senden, in dem es unter Anderm heißt: „Die in der Volkshalle des Wiener Rathhauses versammelten Wiener christlichen Frauen und Mädchen sprechen ihre Entrüstung aus über die von etwa 500 hiesigen jungen Mädchen an Emile Zola abgeschickte Zustimmungsadresse. Wir wirklichen Wienerinnen drücken vielmehr Herrn Emile Zola unsere Entrüstung aus, daß er offenbar dem Judenthum und der Dreyfus-Clique zu Diensten die Ehre der französischen Armee und ihres Kriegsgerichtes herabgesetzt hat." — In Karlsbad wurden bei der Gemeindewahl im zweiten Wahlkörper 255 von 294 Stimmen abgegeben. Dr. Fleischner, Führer der hiesigen jüdischen Wählerschaft, wurde wiedergewählt, dagegen endigten die allgemeinen Wahlen durchwegs mit dem Siege der Antisemiten, was für Karlsbad, das ja auch von jüdischen Badegästen häufig frequentirt wird, bezeichnend ist. — In Pilsen wurde der antisemitische Kaufmann Josef Erndt wegen betrügerischer Krida verhaftet, in Czernowitz defraudirte der reine Antisemit Andreas Geleezynski zum Nachtheile der städtischen Kassen 28000 fl., und in Bruck

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