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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-25 · Heft 8 (25.2.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 standes der freigewählten Kassenärzte, vieljähriger Abgeordneter zum deutschen Aerztetage. In Kalischer verliert auch das Judenthum in Berlin einen verdienten und rührigen Vertreter. Friede seinem Geiste! Z Kolberg, 13. Februar. Der vierundzwanzigste Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kurhospitals im See-, Sool- und Moorbade Kolberg im Jahre 1897 ist soeben erschienen. Nachdem das Komitee für den Neubau, bestehend aus den Herren: Kommerzienrath Julius Jsaac, Vorsitzender, Dr. I. Ginsberg, Hermann N. Israel, James Simon und Martin Simon, im November vorigen Jahres sich mit einem warmherzigen Aufruf an die Glaubensgenossen unseres Vaterlandes gewendet, war noch kein Jahr seit seinem Zusammenschluß verflossen, als es dem thalkräftigen, zielbewußten Eifer seiner Mitglieder gelang, den überwiegend größten Theil derjenigen Summe aufzubringen, die zum Neubau erforderlich erscheint. Zwar fehlt noch nach den Kostenanschlägen der immerhin nicht unansehnliche Betrag von 50 000 Mark, der, wenn unvorhergesehene, bei einem Neubau nur selten ausgeschlossene Ueberraschungen eintreten sollten, vielleicht sogar bis auf 75 000 Mark steigen dürfte, um die Höhe der ganzen erforderlichen Bausumme zu erreichen. Trotzdem sah die Anstalts- Verwaltung und das Bau-Komitee durch den ganz unhaltbaren Zustand der alten Gebäude sich gezwungen, schon in diesem Herbste den Neubau zu beginnen. Es darf freilich nicht verschwiegen werden,' daß die bis jetzt in kurzer Zeit gesammelten Baugelder mit Ausnahme einer hochherzigen Spende der edlen Frau Baronin Hirsch-Gereuth zu Paris, ferner von Beiträgen aus Frankfurt a. M., Posen, Leipzig, Dresden, Stettin und Görlitz und noch einzelnen kleinen Spenden aus wenigen Gemeinden fast ausschließlich in Berlin aufgebracht worden sind, während die Namen sämmtlicher übrigen Groß- und Mittelgemeinden unseres Vaterlandes in den Listen noch schmerzlich vermißt werden. Die Vollendung des Neubaues ist für den Frühling 1899 in Aussicht genommen, so daß im Beginne der Badesaison desselben Jahres die Einweihung des neuen Hauses mit der fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier der Anstalt wird verbunden werden können. Die Einnahmen des Berichtsjahres schließen mit 21 169,82 Mark, die Ausgaben mit 12 251,18 Mark. Da zu den Einnahmen noch ein Kassenbestand von 541,59 Mark gehört, so betragen die eigentlichen Einnahmen 20628,23 Mark gegen 20 380,76 Mark im Vorjahre, während die Ausgaben um 1300,14 Mark gegen das Vorjahr zurückgeblieben sind. Vom Ueberschuß sind 4700 Mark dem Grundkapital zugeführt, und zwar 2200 Mark, die als Schenkungen und Vermächtnisse statutengemäß ins Grundvermögen abfließen müssen, und 2500 Mark aus dem eigentlichen Ueberschuß am Jahresschlüsse; ferner sind 3000 Mark zur Verfügung des Baufonds und 1000 Mark der Bestimmung des Geschenkgebers gemäß für die innere Einrichtung des neuen Hauses zurückgestellt. Der Rest von 218,64 Mark bleibt als Kassenbestand und wird den Einnahmen des nächsten Jahres vorgetragen. Nach der Mitgliederliste haben 901 Personen fortlaufende Jahresbeiträge in Höhe von 7795,50 Mark gezahlt; die Zahl der ordentlichen Mitglieder hat sich demnach um 2i Personen und die der Beitragshöhe um 8,75 Mark gegen das Vorjahr vermindert. Die Bilanz des Grundkapitals stellt sich nach der letzten Bauperiode auf 82 500 Mark. Die Anstalt war vom 26. Mai bis 26. September im Betriebe. Von 655 Personen, welche die Aufnahme in diese Anstalt nachgesucht haben, empfingen 170 Personen aus den ärmeren Volksklassen, und zwar 61 männlichen und 109 weiblichen Geschlechts die Wohlthaten des Hauses, nämlich Obdach, Verpflegung, Bäder, Arzeneien und Kurmittel zum Behufe einer Sool- und Seebadekur ganz unentgeltlich. Zu den Pfleglingen des Hauses gehörten 68 kränkliche, skrophulöse oder rhachitische Kinder. Im Ganzen wurden 3070 Soolbäder in der Anstalt unentgeltlich abgegeben, und zwar 2632 an Pfleglinge des Hauses und 438 an mittellose Personen, die im Hause Aufnahme nicht gefunden haben. Herr Dr. Heinrichsdorff wirkte als Anstaltsarzt mit Treue und Hingebung. Der Vorstand besteht aus den Herren: H. Bernhard, Vorsitzender, Rabbiner Dr. S. Goldschmidt, Schriftführer, M. Friedlaender, G. Paechter, N. Jacoby, Kassenführer, Stadtrath Paul Lindenhayn, Dr Heinrichsdorff, Anstaltsarzt, Vorsitzender des Kuratoriums ist Herr G. Loewenberg. E. Z. Posen, 18. Februar. Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde und im weiteren Sinne unsere Vaterstadt durch das Hinscheiden eines Mannes erlitten, der wie selten einer es verstand, sich durch hervorragende Geistes- und Herzensgaben die Liebe seiner Mitbürger zu erwerben. Am Sonnabend Abend starb Dr. Ludwig Friedländer. Sein Tod hat in der Verwaltung unserer Gemeinde eine große Lücke entstehen lassen, ebenso in der Fortschrittspartei, deren langjähriger Führer er gewesen. Die Armen beider Konfessionen betrauern in ihm einen hilfreichen Freund, der in Krankheit ihnen half, sogar ihnen noch das Geld für Speise und Medizin verabreichte. So konnte er keine irdischen Güter sammeln. Doch hat er sich ein Denkmal in den Herzen Aller gesichert. Friede seiner Asche! X. B. Jnowrazlaw, im Februar. Der jüdische Frauen - Verein, der hier seit zehn Jahren besteht, hielt am 31. Januar, dem zehnten Jahrestag seiner Gründung, unter Vorsitz der ersten Vorsteherin, Frau Eva Levy, seine Generalversammlung ab. Eine freudige Ueberraschung wurde der zahlreichen Versammlung durch die Mittheilung, daß der Vorstand die Gründung eines Siechenhauses — vorläufig für zehn arme, alte Frauen —, beschlossen, zutheil. Nachdem die Vorsteherin Frau Levy ^die Versammlung begrüßt und das rege Interesse der ganzen Gemeinde an dem Gedeihen des Vereins mit warmen Dankesworten anerkannt, ertheilte sie das Wort der Krankenpflege- Vorsteherin Frau Auerbach, die ihren Rechenschaftsbericht vorträgt und von der Versammlung Entlastung erhält. Bevor man zur Neuwahl des Vorstandes, dem Hauptzweck der Generalversammlung, schreitet, ertheilt die Vorsitzende dem Protektor des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. Kohn, das Wort. Herr Dr. Kohn stellt den Frauenverein als „kriegführende Macht" dar. Wir führen Krieg, führte der Redner auS, gegen Noth, Armuth, Elend, Dürftigkeit, gegen Krankheit, Siechthum, Ohnmacht, Hinfälligkeit, Krieg gegen den Tod, wenn er uns die Wittwen und Waisen mit ihren blutigen Thränen, mit ihren zerissenen Herzen, mit ihrem Gram und Kummer, mit ihrer Verlassenheit und Hilflosigkeit vor Augen führt. Zum Kriege bedürfen wir aber vor allem Anderen der Feldherren, Generäle, Offiziere, die an der Spitze des Heeres stehen, zu denen das Heer mit Stolz und Vertrauen emporblickt, die dem Heer Muth und Tapferkeit einflößen, das heilige Feuer der Begeisterung in dessen Herzen entflammen und entzünden und mit dem Beispiele der Hingebung und Aufopferung vorangehen und voranleuchten. Hätten wir nicht solch tapfere Offiziere an der Spitze unseres Vereins, wahrlich, wir hätten nicht so herrliche Siege über Noth und Armuth, über Krankheit und Siechthum errungen, nicht so viel Sonne und Licht in die düsteren, finsteren Hütten und Herzen der Armen und Elenden gebracht, als es wirklich der Fall gewesen. Sie sollen nun edle, würdige Frauen aus Ihrer Mitte als Vorsteherinnen des Vereins wählen. Schreiten Sie im Namen der Nächstenliebe, die auf Geheiß des Herrn der Heerschaaren die ewige und unwandelbare Parole unseres Lebens bildet, zur Wahl, und der Allbarmherzige wird Ihr Werk segnen. Darauf wird auf Antrag der Frau Levy der ganze Vorstand per Akklamation wiedergewählt. — Eine Gedenkfeier fand am 29. Januar im hiesigen jüdischen Wolffsohn'schen Waisenhause statt, an welcher sämmtliche Zöglinge der Anstalt Theil nahmen. Herr Rabbiner Dr. Kohn hielt eine Ansprache an die Zöglinge, in der er auf das Werk des Stifters näher einging. s. Militsch, 11. Februar. Am 29. Januar hielt Herr Rabbiner Dr. Chodowski aus Oels im hiesigen Mendelssohn-Verein einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über den Talmud. — Am 30. Januar hielt der hiesige Frauen-Ver^in seine diesjährige General- Versammlung ab, bestehend in Rechnungslegung und Neuwahl des Vorstandes. Die Rechnungslegung ergab, daß der Verein ein Vermögen von nahezu 800 Mk. besitzt. Die Neuwahl ergab: Frau Stoller jun. (wiedergewählt) als Vorsitzende, neugewählt Frau Lea Romann und Frau Johanna Jungmann. Die Generalversammlung beschloß ferner, von ihrem Vermögen 300 Mk. der Gemeinde als Beihilfe zu der bevorstehenden Renovation der Synagoge zu überweisen. M. Hamburg, im Februar. Die hiesige Tempelgemeinde zeigt seit einiger Zeit eine anerkennenswerthe Rührigkeit, und zwar nach einer bestimmten Richtung hin. So wurden schon seit einer Reihe von Jahren, auf Veranlassung der beiden Prediger Dr. Leimdörfer und Dr. Seligmann, die Beide einer positiveren Richtung huldigen als ihre Vorgänger, verschiedene Neuerungen in der Liturgie des Tempels eingeführt. Das sonst nur alle drei Jahre gefeierte Simchat-Thora wird jetzt jedes Jahr gefeiert; der Modus der Thoravorlesungen erlitt eine Veränderung in dem

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