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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-18 · Heft 7 (18.2.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Verwandten, seiner zahlreichen Freunde und seiner großen Arbeiterschaar. Er hat sich um unseren Ort große Verdienste erworben; die große Steinbruchindustrie, die Gipsfabrikation, die blühende Leinenweberei hat er hier ins Leben gerufen, und wenn diese Betriebe vielen Leuten Beschäftigung geben, wenn durch sie der Wohlstand des ganzen Ortes und der ganzen Gegend gehoben wurde, so ist das seiner Initiative zu verdanken. Auch um die jüdische Gemeinde hat sich Rothschild sehr verdient gemacht. Die Teilnehmer des letzten Gemeindetags erinnern sich der Erscheinung des rüstigen, geistig frischen und für alles Gute begeisterten Greises sicher noch mit Vergnügen Möge es ihm beschieden sein, auch den 100. Geburtstag in derselben Frische zu erleben. ** Kassel, 10. Februar. Am 6. d. M. verschied Hierselbst der Seminardirigent a. D. Dr. Jacob Stein. In ihm verlieren wir einen in vielfacher Hinsicht ausgezeichneten Mann, der sich in den weitesten Kreisen hohen Ansehens und großer Beliebtheit erfreut hat. Geboren 1835 in dem Dorfe Holzhausen bei Marburg, zeigte er früh lebhafte Neigung und natürliche Anlage zum Lehrerberuf, dem er denn auch sein ganzes Leben treu geblieben ist. Nachdem er zuerst in Roppershausen und Adelebsen gewirkt hatte, kam er 1862 nach Göttingen, wo er sich neben seinem Lehramte mit eisernem Fleiße akademischen Studien widmete, die er mit einer Arbeit über den Koran abschloß. Von Göttingen wurde er als Lehrer an die Jacobsonschule nach Seesen berufen, und von dort folgte er 1666 einem Rufe nach Kassel, um die Leitung des israelitischen Seminars zu übernehmen- Dieses Amt hat er bis 1897 verwaltet und demnach fast ein Menschenalter im Dienste der Volksschule unserer Provinz gewirkt. Eine große Anzahl israelitischer Lehrer Hessens und der Nachbarprovinzen sind seine Schüler gewesen, die mit unbegrenzter Liebe und Verehrung an ihm hingen, da sie in ihm jederzeit ihren besten Freund und weisesten Berather fanden. Bald nach seinem Amtsantritt gab er die thatkräftige Anregung zur Gründung der israelitischen Lehrerkonferenz für Hessen und ist bis zu seinem Tode ununterbrochen ihr Vorsitzender gewesen. Ueberhaupt widmete er sich mit dem größten Eifer allen Bestrebungen zur Förderung der Volksschule, für die er eine Reihe Schulbücher verfaßt hat, wie des Lehrerstandes, dem er mit ganzem Herzen ergeben war. Als im Jahre 1891 das 25 jährige Jubiläum seiner hiesigen Amtsthätigkeit gefeiert wurde, zeigte sich in zahlreichen Kundgebungen, wieviel Liebe er gesäet hatte. Denn so sehr ihn sein Amt in Anspruch nahm, so eifrig betheiligte er sich an zahlreichen humanen und gemeinnützigen Bestrebungen, jedes Amt mit der gleichen Treue und Gewissenhaftigkeit versehend. Eine lange Reihe von Jahren war er u. a. erst Armenpfleger und dann Armenrath der Stadt, für diese Thätigkeit durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, fein sanftes und liebevolles Wesen besonders geeignet. Ein schweres Herzleiden zwang ihn, Ostern 1897 seine Pensionirung nachzusuchen, und bei dieser Gelegenheit wurde er durch Verleihung des Rothen Adlerordens ausgezeichnet. Leider sollte er sich des Ruhestandes nicht erfreuen. Seine Krankheit verschlimmerte sich unaufhaltsam und führte schließlich zu qualvollen Leiden, die er mit der großartigen Ergebung eines Dulders ohne Klagelaut ertrug. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, eine anima candida, wohin er kam, Liebe säend und Segen stiftend, eine Zierde des Lehrerslandes, der Pestalozzi der israelitischen Schule Hessens. Die große Beliebtheit, deren sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, gab sich bei der gestern Nachmittag stattgefundenen Beerdigung kund, die unter überaus zahlreichem Geleite erfolgte. Die Kinder des israelitischen Waisenhauses, denen sich die Zöglinge des hiesigen Seminars anschlossen, welch Letztere den Sarg zur Gruft trugen, eröffneten den langen Zug, in dem auch viele israelitische Lehrer aus der ganzen Provinz, frühere Schüler des Verblichenen, vertreten waren. In warmen Worten hoben bei der Feier auf dem Friedhofe zuerst Herr Landrabbiner Dr. Prager und sodann Herr Rabbiner Dr. Jacob aus Göttingen, der Schwiegersohn des Verstorbenen, seine hohen Tugenden hervor. Möge ihm die» Erde leicht sein; ein treues Andenken ist ihm in weiten Kreisen sicher. 1. Nürnberg, im Februar. Gegenwärtig bereist Herr Dr. Finkel aus Breslau Süddeutschland, um auch in diesem Theile unseres deutschen Vaterlandes der israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover Freunde anzuwerben. Hier hielt Herr Dr. Finkel vor den Mitgliedern der Kultusverwaltung und einem kleineren Kreise geladener Gäste einen mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag, in welchem er in fesselnder Weise den Zweck und die Ziele der Anstalt klar legte. Seitens der Kultusverwaltung wurde erklärt, daß man diesem gemeinnützigen Institute sehr sympathisch gegenüberstehe, und es wurde gleichzeitig ein jährlicher Beitrag aus Gemeindemitteln in sichere Aussicht gestellt. Wie wir hören, haben auch die Gemeinden in Ansbach, Bamberg, Fürth und Regensburg Jahresbeiträge zugesichert. Oesterreich -Ungarn. □ Wien, 14. Februar. Bei den Wahlen in die Wiener Aerztekammer sind trotz der heftigsten Gegenagitation der Antisemiten alle liberalen und jüdischen Kandidaten durchgedrungen. — In einer der letzten Sitzungen des niederösterreichischen Landtages leistete sich Abgeordneter Dr. Geßmann gelegentlich der Debatte über die Einführung des Religionsunterrichtes als obligaten Gegenstand an der Oberrealschule folgenden Ausspruch: „So ist es gekommen, daß an der Alma mater Rudolphina, die doch eine katholische Stiftung ist, zum allergrößten Theile Juden wirken." Dr. Geßmann, Skriptor an der Wiener Universitätsbibliothek, hat hier eine bewußte Unwahrheit ausgesprochen. In diesem Studienjahre zählte die juridische Fakultät 17 ordentliche, 3 außerordentliche Professoren; darunter je zwei Juden. Die medizinische Fakultät 38 Professoren, die dem Professorenkollegium angehören (darunter 13 Juden), 23 Professoren, die außerhalb des Kollegiums stehen, darunter 2 Juden. An der philosophischen Fakultät 47 ordentliche Professoren, darunter 5 Juden, 20 außerordentliche Professoren, darunter 3 Juden. So sieht es also mit der Alma mater Rudolphina aus, an der zum allergrößten Theile Juden wirken. — Die Regierung hat die Wahl des Chocham Papo des türkisch-israelitischen Gemeindeverbandes in Wien zum Gemeinderabbiner bestätigt. — In Mißlitz wurde Dr. Moritz Bauer zum Rabbiner gewählt. — Im zweiten Bezirke in der Schiffgasse wurde gestern bei einer Ausgrabung ein Leichen stein zu Tage gefördert, der, wie aus der hebräischen Inschrift hervorgeht — aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts stammt. — Herr Emanuel Baumgarten wurde von einem schweren Verluste betroffen. Am 10. d. verschied seine Gattin, Frau Lori Baumgarten, eine durch seltene Herzensgüte ausgezeichnete Dame. — Frau Baronin Hirsch-Gereuth hat dem medizinischen Unterstützungsverein ander Wiener Universität 500 Gulden und für das Kaiser - Jubiläums- Jsraeliten-Spital 3000 Gulden gespendet. — In Krakau ist ein Streik der jüdischen Talles-Arbeiter ausgebrochen, welche Erhöhung des Lohnes und Abschaffung der sanitätswidrigen Zustände in ihren Arbeitsstätten verlangen. Bekanntlich kämpfen diese Arbeiter stets mit der bittersten Noth und fristen ihr Leben unter den schwierigsten Bedingungen. Die Arbeiter haben sich an den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Hirsch Landau, mit der Bitte gewendet, er möge in dieser Angelegenheit interoeniren, was derselbe zu thun versprach. Hoffentlich werden die Arbeitgeber die gerechten Wünsche der Arbeiter berücksichtigen und sich ihnen in ihrer schweren Lage entgegenkommend zeigen. Die sozialistische Arbeiterpartei unterstützt die Arbeiter soweit als möglich. — In Agram nahm die Landtagssitzung vom 10. d. Mts. wegen der vom Jmmunitäts - Ausschuß beantragten Auslieferung von drei Abgeordneten einen stürmischen Verlauf. Tuskan hielt eine antisemitische Brandrede, in der er sich namentlich gegen Dr. Frank kehrte, welchen er als Söldling der Alliance israelite hinstellte. Seine, Tuskans, Ahnen haben bereits die kroatische Grenze vertheidigt, er habe daher hier mehr Recht als irgend ein Jude. (Lärm.) Schwarz: Sie Gauner! Ich diene dem Kaiser, dem Sie niemals dienten. Ich protestire, daß ein Jude hier weniger Recht hätte als ein Zögling von Lepoglava. (Anspielung auf die seinerzeitige Verurtheilung Tuskans wegen Meineids.) Mile Starcevie trat für den wegen Krankheit abwesenden Dr. Frank ein. Rußland. L. T. Odessa, 10. Februar. Am 14/26. v. M. verschied nach schwerem, langem Leiden im 64. Jahre seines Lebens einer der besten Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, Bankier Herr Abraham Din in, erblicher Ehrenbürger, Ritter rc. Der Heimgegangene, der ein Vierteljahrhundert lang in Kischineff etablirt war und dort zum Wohle seiner Glaubensgenossen gewirkt hatte, kam vor zehn Jahren nach Odessa und betheiligte sich sofort an allen jüdischen Angelegenheiten. Er war ein sehr kluger

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