Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1898)
- Date
- 1898-02-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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erklärt sich damit einverstanden. Darauf wird das Dankschreiben des Herrn Rabbiners Dr. Jacob-Göttingen verlesen, in dem dieser sich erbietet, im Laufe des Winters einen Vortrag im Verein zu halten. Des Weiteren berichtet der Vorsitzende unter dem Beifall der Versammlung, daß in dem Prozeß des Kollegen Spanier, betr. die Befreiung von Kommunalsteuern, das Oberverwaltungsgericht die ungünstige Entscheidung der Vorinstanzen aufgehoben und die Angelegenheit zur nochmaligen Prüfung an die erste Instanz zurückgewiesen habe, so daß man hoffen dürfe, daß jetzt die Entscheidung zu Gunsten der Steuerfreiheit der Lehrer an öffentlichen jüdischen Schulen fallen werde. Schließlich wird der Vorstand beauftragt, für den 4. April eine außerordentliche Generalversammlung zu berufen. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils erhält Herr Kollege Hanff das Wort zu seinem Referat über das Thema: „Notwendige Reformen im Religionsschulwesen". Da nach Beendigung des Referats, in dem der Vortragende zwei Thesen aufstellte, von der Versammlung beschlossen wird, zunächst in eine Generaldiskusston einzutreten und infolgedessen bei der vorgerückten Zeit die Spezialdiskusston auf die nächste Sitzung verschoben werden muß, so wird ein Bericht über den Vortrag erst nach der nächsten Sitzung erfolgen können. In der Generaldiskussion werden die verschiedensten Petita vorgebracht, von denen an erster Stelle die Forderung, daß der unsicheren Stellung der Religionslehrer ein Ende gemacht werde, erwähnt werden mag. Daneben wird noch eine große Anzahl anderer Gesichtspunkte hervorgehoben, wie die Einführung des Unterrichts im liturgischen Gesang, die Stellung des Barmizwah-Unterrichts, die Forderung des Abschlusses des Religionsunterrichtes durch Einrichtung einer Selekta u. a. m. Schließlich wird eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission eingesetzt mit dem Aufträge, im Anschluß an das Referat des Kollegen Hanff für die nächste Sitzung eine Anzahl Thesen aufzustellen. Erst nach Mitternacht erreichte die auch von Gästen zahlreich besuchte Sitzung ihr Ende. — Die nächste Sitzung findet am 5. März statt; in ihr wird die Versammlung in die Spezialdiskussion über den Vortrag eintreten. Sfi Berlin, 4. Februar. Aus den Litteraturvereinen. In Leipzig sprach Dr. H. Hildesheimer über eine Wanderung durch Palästina, Rabbiner Dr. Kayserling über die Juden als Patrioten, in Brandenburg Kaufmann Julius Loewenthal über Maimonides, in Lissa Rabbiner Dr. Bäck-Oppeln über die Charaktere im „Kaufmann von Venedig", in Beuthen Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz über Kants Philosophie im Geistejüdischer Denker, inKrotoschin Gymnastaloberlehrer Dr. G. Balke-Rogasen über Heinrich Heine, in Samt er Rabbiner Dr. Bloch-Posen über Rabbi Akiba, in Jnowrazlaw Prof. Dr. Horowitz-Thorn über Lesfings Schauspiel „Die Juden", in Bromberg Dr. A. Kohut-Berlin über den jüdischen Salon in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, Dr. C. Pinn über das jüdische Martyrium im Mittelalter. An diesen Vortrag schloß sich die ordentliche Generalversammlung, bei der die Herren Rabbiner Dr. Walter zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Bärwald zum Rendanten, Lehrer Herzberg zum Schriftführer und Rechtsanwalt Fuchs sowie Großberger zu Beisitzern wiedergewählt wurden. In Tilsit sprach Kaufmann Sebba über „die Rettung der Juden" von Manasse ben Israel, Rabbiner Dr. Ehrlich über die Lage der Juden in Deutschland von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und Dr. Adolf Kohut über Alexander von Humboldt und das Judenthum, in Köthen derselbe über die Berliner Gesellschaft im 18. Jahrhundert, in Breslau Rechtsanwalt Samuelsohn über Gabriel Rießer, in Hannover und Braunfchweig Rabbiner Dr. Kayserling über Toledo und Saragossa, in Essen Rabbiner Dr. Silberstein-Wiesbaden über die Juden in Amerika, in Gelsenkirchen Rabbiner Dr. Samuel über die Tage von Lydda und Uscha, in Düsseldorf Oberlehrer Dr. Feilch enfeld-Hamburg über die jüdische Deputirtenversammlung und das Synhedrion unter Napoleon I., in Köln Direktor Dr. I. Löwende rg-Hamburg über den ewigen Juden in Sage und Dichtung und Rabbiner Dr. Cohn - Jchenhausen über die ältesten Anfeindungen des Judenthums und deren Abwehr, Dr. Simchowitz über ein älteres jüdisches Geschichtswerk, in Aachen Dr. C ob lenz -Bielefeld über den Einfluß der französischen Revolution auf die staatsbürgerliche und soziale Stellung der Juden, in Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. L. Rosenthal-Köln über die Unsterblichkeitsidee in der Bibel, in Friedberg i. H. Stadtschullehrer Rothschild-Worms überBerthvld Auerbach, Direktor Elias-Darmsladt über die Freiheitskriege und die Juden, Architekt Hanstmann über H. Heine, in Darmsladt Lehrer M. Krämer-Friedberg über die jüdische Frauenfrage, in Karlsruhe Kantor H. Ziwi-Elberfeld über altjüdische Musik, in Metz Professor Half-Nancy über Shylock und Nathan, in Eisenach Prediger E. Meyer über Humanität im Judenthum. In Duisburg-Ruhrort wurde der neue Verein am 22. v. M. durch einen Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Frank-Köln: „Wanderung durch die jüdische Geschichte und Litteratur" feierlich eröffnet. Den zweiten Bortrag hielt Dr. Adolf Kohut. Neue Vereine sind in Vorbereitung in Gotha, Erfurt und Trier. x. Lissa i. P., 7. Februar. Am 31. Januar verstarb plötzlich auf einer Geschäftsreise in Breslau der Kaufmann und Kürschnermeister Herr Emil Margoles. Der Verstorbene war ein Mann von reichen Erfahrungen, umfassendem Wissen und erfüllt von gemeinnützigem Streben. 23 Jahre bekleidete er das Amt eines Repräsentanten der jüdischen Gemeinde und wa* seit mehreren Jahren auch stellvertretender Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums. Auch war er Mitglied des Kultusvorstandes und des jüdischen Schulvorstandes. All seinen Aemtern hat er mit seltenem Eifer und hohem Interesse obgelegen. Sein Andenken wird stets in Ehren bleiben. A Breslau, im Februar. Dem jüdischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten scheint nun doch von Seiten der königlichen Behörden, die bisher nur wenig Notiz davon genommen, etwas mehr Aufmerksamkeit zugewendet zu werden. Das Provinzial-Schulkollegium zu Breslau versandte unterm 3. Februar ein Schreiben: „An die Herren Direktoren der höheren Lehranstalten in Schlesien. Wir sehen einem baldigen Bericht darüber entgegen, welche Zeugnisse über seine Befähigung für den jüdischen Religionsunterricht der ihn ertheilende Lehrer vor seiner Zulassung vorgelegt hat, und in welchen Klaffen er den Religionsunterricht ertheilt." Man darf jedenfalls annehmen, daß dies Rundschreiben durch eine Verfügung des Ministers veranlaßt und in gleicher Weise von den anderen Provinzial- Schulkollegien erfolgt ist. Die Anregung dazu werden wohl die Verhandlungen des Berliner Gemeindevorstandes mit dem Minister in Betreff des jüdischen Religionsunterrichts gegeben haben, und wollen wir nur wünschen, daß nun mal ganze Arbeit gemacht werde und wir den obligatorischen Unterricht bekommen, was nach meiner Ueberzeugung, wie ich sie in einer 25jährigen Thätigkeit an den höheren Lehranstalten gewonnen habe, der Sache nur ersprießlich sein könnte. — Der am jüdisch-theologischen Seminar bestehende „Litterarische Verein jüdischer Theologen" veranstaltete am 31. v. M. zur Feier seines zehnjährigen Stiftungsfestes im Liebich'schen Etablissement einen glänzenden Kommers. An demselben betheiligten sich etwa achtzig Personen, darunter die Herren Seminardozenten, das gesammte Rabbinat, der Verein jüdischer Theologen „Amieitia", Mitglieder und Vertreter der „Akademischen Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur" und des Vereins „Grätz". Sämmtliche Alten Herren sowie der „Theologische Verein" an der Israelitischtheologischen Lehranstalt in Wien übermittelten telegraphisch ihre Glückwünsche. — Die „Akademische Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur" die sich hierorts mit 12 Mitgliedern rekonstituirt hat, hielt am 24. Januar in den Räumen der früheren Lesstngloge ihre erste Sitzung ab. Zu Beginn der Sitzung begrüßte der Vorsitzende, Herr Stud. phil. I. Goetz, die sehr zahlreich erschienenen Gäste Namens der Gesellschaft und setzte in einer Rede den Werdegang des Vereins, seine Ziele und sein Programm aus einander. Hierauf erhielt das Wort Herr Biberstein, praktischer Arzt, zu seinem Vortrage: „Messtanische Idee und Bestrebungen". Der Vortragende, dessen interessante Ausführungen beifällig ausgenommen wurden, hatte das Thema erschöpfend und geistreich behandelt. Die sich an den Vortrag anschließende Diskussion, an der sich Gäste und Mitglieder eifrig betheiligten, war eine sehr angeregte. Der nächste Bortrag findet Montag den 7. Februar statt. O Stadtoldendorf, 15. Februar. Am 12. Februar feierte einer unserer verdientesten und jedenfalls unser ältester Mitbürger, der in jüdischen Kreisen rühmlichst bekannte Herr Ephraim Rothschild, das seltene Fest seines 90. Geburtstages. Der Jubilar feierte den Tag in vollster geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit im Kreise seiner