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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-18 · Heft 7 (18.2.1898) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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84 rühmten hebräischen Novelle von P. Smolensky, die aus dem Nachlaß von Seligmann Heller stammt, und durch eine tief empfundene Dichtung von B. Placzek. Die?ieee äe resistance des Jahrbuchs aber stnd drei herrliche Gedichte aus dem Nachlaß von Leopold Kompert, die mit den unsterblichen Schöpfungen des Dichters unvergänglich fortleben werden. Schon aus dieser kurzen Inhaltsangabe ersieht man, daß das Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur ein wahrhaft gediegenes Sammelwerk ist, das in der That in keiner gebildeten jüdischen Familie fehlen sollte. ----- Predigten von Dr. E. Kali scher, Rabbiner in Kopenhagen Verlag von Albert Katz, Berlin 1898. Es ist ein bekannter Ausspruch, daß man den wahren Werth und poetischen Gehalt eines Gedichtes dadurch am besten erproben kann, indem man es in Prosa übersetzt. Wenn es dann, des glatten Versmaßes und des gefälligen Reimes ledig, noch immer poetisch wirkt, dann enthält es wahre Poesie; im Nichtfalle war das, was an dem Gedichte uns gefallen hat, nur Reimgeklingel und äußeres Beiwerk. — Ein Aehnliches gilt von der Predigt. — Nicht das Wohlgefallen an der gehörten Predigt entscheidet endgiltig über den wahren Werth derselben, sondern mehr das an der gelesenen. Bei dem gesprochenen Wort wirkt so vieles mit, das selbst den kritisch gebildeten Hörer über Mängel des Inhalts hinwegtäuscht. Geschickte Gesten — gefälliger Tonfall — klangvolle Phonetik — sie bestricken gar oft unsere Sinne und lassen häufig uns am Minderwerthigen, das im schmeichelnden Gewände schnell an unserem Ohr vorüberzieht. Gefallen finden. Anders ist es, wenn wir mit aller Gemüthsruhe, ja mit der Absicht strenger Kritik, wie es ja Pflicht und Beruf des Rezensenten ist, Predigten lesen, wenn wir dann jedes Wort, jede Redewendung auf die Waagschale legen, den Inhalt mit Muße prüfen können. Obiges Bändchen Predigten hält nun die strengste Kritik aus. Mit Befriedigung legen wir es aus der Hand, nachdem wir die eine oder die andere Predigt gelesen haben, und mit dem festen Vorsatze, uns den Genuß noch öfter zu gönnen. Dem Rezensenten ging es damit ganz eigenthümlich. Er nahm das Buch zur Hand, um ganz nüchtern Kritik zu üben, und erbaut wie vom feierlichsten Gottesdienste legte er es wieder hin. Trotzdem nun nicht alle darin enthaltenen Predigten gleichwerthig sind, so ist doch keine darunter, welche nicht durch Gedankenreichthum vielfache Anregung böte, durch Formenschönheit gefiele, durch innere Wärme mit sich fortrisse. Und doch ist auf jeden äußeren Ausputz verzichtet, Phrasengeklingel und sogenannte blumenreiche Sprache scheinbar geflissentlich vermieden. Aber ernste, kernige, einfache und leicht verständliche Worte sind es, die, weil sie augenscheinlich von Herzen kommen, auch zu Herzen gehen. Wenn es gestattet ist, vom Guten das Beste hervorzuheben, so sei ganz besonders auf die Predigten Nr. 5, 7, 8, 9, 14, 15 und 16 aufmerksam gemacht. Wir können aber das Ganze mit gutem Gewissen allen denkenden und aufmerksamen Lesern angelegentlichst empfehlen. Dem Laien wird es eine Quelle der Erbauung und Belehrung sein — Predigern und Lehrern aber mag es als mustergiltiges Vorbild für eigene Arbeiten auf diesem Gebiete dienen. 6. L. Spvechfaat. Sehr geehrter Herr Doktor! c^m Leitartikel der letzten Nummer der Zeitung des Judenthums findet sich die Angabe, daß in Deutschland nur solche Anstalten für zurückgebliebene Kinder existiren, in welchen die Aufnahme jüdischer Kinder nur unter der bestimmten Voraussetzung geschieht, daß diese christlich erzogen werden. Dies beruht auf einem Jrrthum. In der Anstalt zu Idstein, im Regierungsbezirk Wiesbaden, erhalten sämmtliche jüdische Kinder (z. Z. sind dort 11 Juden, das sind 10 pCt. der Gesamrntzahl der Insassen) regelmäßig jüdischen Religionsunterricht sowie infolge der Munifizenz eines bekannten Frankfurter Philanthropen streng rituelle Beköstigung. Ich hatte vor Kurzem Gelegenheit, die Einrichtungen dortselbst kennen zu lernen und mich von den ganz ausgezeichneten Resultaten, welche die Erziehung der geistig zurückgebliebenen resp. der idiotischen Kinder aufzuweisen hat, zu überzeugen. Ich kann den Eltern solcher Kinder nur rathen, dieselben der genannten Erziehungsanstalt anzuvertrauen. Hochachtungsvoll Marburg, 9. Februar. Dr. Munk. tm 1. Mai d. Js. sind fünfundzwanzig Jahre vorüber, da die Zöglinge des Seminar-Kursus 1870/73 der Jüdischen Lehrer- Bildungs-Anstalt in Berlin ins Amt getreten sind, nachdem sie am 8. April die Entlassungs-Prüfung bestanden hatten. Es ist nun der Wunsch laut geworden, aus diesem Anlasse in den ersten Tagen des Juli in Berlin ein gemeinsames Wiedersehen zu feiern, die alten Lehrstätten zu besuchen, und die Erinnerungen eines halben Menschenlebens auszutauschen. Es soll indeß auch den Zöglingen des vorangegangenen und des folgenden Kursus, also den Abiturienten von 1872 und 1874, Gelegenheit gegeben werden, an dieser Zusammenkunft theilzunehmen. Alle lieben alten Kollegen, welche an dieser Wiedersehensfeier theilzunehmen wünschen, werden gebeten, dies dem Unterzeichneten möglichst bald per Karte mitzutheilen, worauf weitere Nachrichten erfolgen. Mit amtsbrüderlichem Gruße Wollstein, Pr. Posen. Lehrer Becker. * Sehr geehrter Herr Redakteur! s dürfte die Leser Ihres geschätzten Blattes vielleicht interesfiren, zu erfahren, daß die Geschichte der „Judenbuche", deren Quellen K. E. Franzos jüngst nachwies, noch heute im Gedächtniß der älteren Leute jener Gegend, in der sie sich zutrug — es ist meine Heimath —, lebt; wie mein Vater mir schreibt, ist sie dort bekannt als die Geschichte von „Mansche Ovenhausen". Siegen, 3. Januar. S. Grünwald, Lehrer. Geehrter Herr Redakteur! ä vocem „Schlemiel", der, wie es scheint, als richtiger Schlemiel, durchaus nicht zur Ruhe kommen kann, wage ich den mehr oder weniger gemachten Konjekturen noch eine mir aus alter Zeit erinnerliche hinzuzufügen, nämlich: „mit dem Gott nicht ist", also der Pechvogel Ln optima korma, ähnlich wie „Schlimmassel" von xfoy) löj? „mit dem das Glück nicht ist", welche beide Lesarten den Vorzug haben, als hebräisch gelten zu können. Eine witzige Deutung des Schlemiel wird Moses Mendelssohn zugeschrieben, der auf die Frage, was eigentlich Schlemiel bedeutet, geantwortet haben soll: Ein Schlemiel sitzt im Gras, Fällt auf den Rücken und zerbricht sich die Nas. Äln meinem kleinen Aufsatze im Sprechsaal Nr. 53. v. I. soll es bei Cder Quellenangabe in dem Schlußcitate: Die Frommen aller Völker u. s. w. nicht heißen: Ab. sarah 10,18 Sanhedrin 96,105, da diese Trennung durch Kommata eine Unterabtheilung,- wie etwa Kapitel und Vers, anzudeuten pflegt. Es sind vielmehr die vier Zahlen, die ich darum durch Punkte getrennt hatte, als ebenso viele selbständige Citate, also denselben Satz viermal bedeuten, was bei dem hier in Betracht kommenden Ausspruche keineswegs gleichgiltig ist, aufzufassen. Hannover, 5. Januar. S. Blumenau. - Hs Lrirfkasten der Redaktion. A. G. „Wo giebt es eine jüdische Haushaltungsschule, wo ein sechzehnjähriges Mädchen sich in allen Fächern des Haushalts ausbilden könnte, für nicht so hohen Pensionspreis?" Vielleicht weiß Jemand aus unserem Leserkreise auf diese Frage Bescheid zu geben. S. S. in S. Auf Ihre Frage finden Sie in der heutigen Nummer eine ansprechende Erklärung. N. N. Die Angelegenheit der Preisaufgabe wird in nächster Zeit definitiv erledigt werden. O. F. in St. Die beiden Erzählungen Bernsteins sind in neuer Auflage bei Freund und Jeckel, hier, erschienen. M. M. in B. Da Rosch Chadosch Nissan in diesem Jahre auf Donnerstag den 24. fällt, der Knabe aber seinen Geburtstag am 2. Nissan hat, so muß er natürlich den Wochenabschnitt Wajikra lesen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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