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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-18 · Heft 7 (18.2.1898) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Pfingstkonferenz gepflogenen Einigungsverhandlungen der beiderseitigen Kontrahenten illusorisch gemacht. Die von jener Majorität geltend gemachten Gründe, daß der Verein der Lehrer Rheinlands und Westfalens vornehmlich Unterstützungskasse sei, daß er stch der für Lehrervereine in erster Linie erforderlichen Pflege der Pädagogik rc. wenig oder gar nicht gewidmet habe, wurden von den Herren Graf, Treu, Lilienfeld energisch bekämpft und insbesondere von Herrn Treu in überzeugender Weise darauf hingewiefen, daß lange vor der Gründung des Kölner Vereins schon Bezirkskonferenzen in Rheinland und Westfalen bestanden haben, daß ferner durch die regelmäßigen pädagogischen Borträge auf den Jahresversammlungen des Vereins der Lehrer Rheinlands und Westfalens diesen Versammlungen der Charakter von Lehrervereins-Bersammlungen deutlich ausgeprägt ist. Wenn auch die Vertreter des Kölner Vereins, die Herren Goldschmidt-Köln und Spier-Wesel, den entgegengesetzten Standpunkt vertraten, so zeigte doch die sachliche Behandlung dieser Frage, daß trotz des Bonner Beschlusses die Hoffnung auf eine baldige Vereinigung beider Vereine wohl berechtigt ist. Dieselbe wird stch alsdann innerhalb der Grenzen des zu Lippstadt ausgearbeiteten Entwurfes vollziehen. Dadurch werden insbesondere die Rechte der Mitglieder an der Kölner Vereinskasse in keiner Weise berührt. Wo ein guter Wille ist, da findet stch auch der rechte Weg. Im Interesse des ganzen Vereinslebens ist die Verschmelzung beider Vereine zu einem Ganzen dringend zu wünschen, damit diese unerquicklichen Debatten einmal aufhören und die Konferenzen stch endlich ungestört der Pflege beruflicher Interessen, der Behandlung pädagogischer Fragen re. widmen können. Der zweite Punkt der Tagesordnung: Kassenbericht, erstattet von Hauptlehrer Graf, gab ein höchst erfreuliches Bild der unter Leitung dieses Herrn thatsächlich sehr erstarkten Unterstützungskaste. Da ein ausführlicher Bericht darüber bald erscheinen wird, so kann hier von Einzelheiten abgesehen werden. Der Dank der Versammlung für die umstchtige Leitung der Kasse wurde Herrn Graf durch Erheben von den Sitzen ausgedrückt. Wegen vorgerückter Zeit mußte von der Verlesung des Referates von Kollegen Ransenberg in Neuwied, gehalten auf der Bonner Konferenz über die Forderung: „Der jüdische Lehrer soll Sitz und Stimme im jüdischen Schulvorstande haben", Abstand genommen werden. Der Schluß der Versammlung gestaltete stch zu einer herzlichen Ovation für den Mitbegründer des Vereins der Lehrer Rheinlands und Westfalens, Herrn Seminarlehrer a. D. Treu, dessen Wirken für die Vereinssache Herr Block rühmend hervorhob. Als Versammlungsort der nächsten Bezirkskonferenz im April wurde Essen gewählt, wo Herr Andorn aus Hattingen einen Vortrag aus dem Gebiete der Schulkunde halten wird. Steele, 23. Jan. 1898. Lilienfeld. Bus Ostpreußen. Von Moritz Scherbel. m 3. Januar fand in Königsberg die diesjährige Konferenz des Vereins der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens statt. Zum Zwecke der Feststellung des Programms für dieselbe sowie zur Berathung der nieder vorjährigen Konferenz in Allenstein zur Regelung der materiellen Verhältnisse der jüdischen Religionslehrer gefaßten Beschlüsse hatten sich schon am 2. Januar Abends im Hotel Masie außer einer großen Anzahl Lehrer auch sonst hervorragende Männer, wir nennen hier blos: Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein als Vertreter der Gemeinde Königsberg, Herrn Rabbiner Dr. Rülf-Memel, Herrn Rabbiner Dr. Munk, ebenfalls Königsberg, Herrn Rabbiner Dr. Olitzki-Allenstein und Herrn Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit, zusammengefunden. Unter dem Vorsitz des Herrn Prediger Sturmann-Osterode begann die Verhandlung über diesen so wichtigen Gegenstand und dauerte bis nach Mitternacht. Der Herr Inspektor des jüdischen Waisenhauses in Königsberg, Lehrer Peritz, entrollte nun den Plan, nach welchem die Mittel aufgebracht werden sollten, die zur Erlangung genannten Zieles nothwendig sind. Der Herr Referent that dies mit einer Ausführlichkeit und Klarheit, die wohl im Stande war, die Zuhörer von der festen Grundlage zu überzeugen, welche er seinem Entwürfe gegegeben. In der darauf folgenden Debatte gingen die Meinungen darin aus einander, ob man einen selbständigen Verein gründen oder sich dem zu gleichem Zwecke gegründeten, in Danzig bereits existirenden „Hilfsverein" anschließen solle. Es tvar besonders Herr Dr. Vogelstein, der für letzteres eintrat, während die Gegenmeinung an der Gründung eines eigenen Vereins festhielt. Von beiden Seiten wurde indeß die Nothwendigkeit anerkannt, vor allem der Mithilfe der Gemeinden sich zu vergewissern, wenn das Projekt überhaupt zur Lebensfähigkeit gelangen soll. Bei dieser Gelegenheit wurde auch von Seiten der Versammlung oder doch wenigstens von Einzelnen in derselben der Wunsch kundgegeben, dahin zu streben, daß bei Gemeindebeschlüflen auch den Beamten das Recht der Mitstimmung zu gewähren sei. Letzteres wird wohl für immer nur ein frommer Wunsch bleiben. Am anderen Tage, Vormittags 10 Uhr, eröffnete der Vorsitzende des Vereins, Herr Prediger Sturmann-Osterode, die Konferenz mit der Begrüßung der Erschienenen, brachte alsdann den schmerzlichen Verlust in Erinnerung, welchen der Ostpreußische Gemeindeverband durch den Tod des sel. Dr. Bamberger als sein leitendes Oberhaupt erlitten, und widmete dabei auch dem Scheiden des Rabbiners Herrn Dr. Rülf aus dem Gemeindeverbande Worte des herzlichen Bedauerns. Tief bewegt erwiederte der Letztere in kurzen, aber offenbar von innerer Erregung sprechenden Worten, worin er sowohl seinen Dank für die ihm gewordene Ehrung als auch den Wunsch für das beste Gedeihen des Verbandes aussprach. Diese Scheideszene verfehlte nicht, die tiefste Rührung bei sämmtlichen Anwesenden zu erzeugen, und erwies deutlich, welche Hochachtung und Werthschätzung Herr Dr. Rülf bei uns hier in Ostpreußen genossen hat. Den Reigen der Vorträge eröffnete Herr Rabbiner Dr. Vogelsteiu mit dem Thema: „Der Religionsunterricht an höheren Lehranstalten". Es konnte nicht ausbleiben, daß im Laufe der darauf folgenden Diskussion der Religionsunterricht überhaupt zur Sprache kam, rmd ausführlich und verschiedentlich alles das, was daran noch fehlte und verbeffert werden müsse, in Erörterung genommen wurde. Es erfolgte dann der zweite Vortrag von Herrn Dr. Olitzki- Allenstein über: „Das Jenseits im Lichte jüdischer Auffassung". Der Herr Redner widerlegte die Behauptung, daß der Unsterblichkeitsglaude bei dem alten Israel nicht gekannt und daß es erst später, von anderer Seite dazu angeregt und hingeleitet, ihn zum Eigenthum sich gemacht habe. Der Redner wies klar und überzeugend das Unrichtige dieser Annahme aus Bibel und Talmud nach und verfehlte nicht, das Interesse der Zuhörer wach und lebendig zu erhalten. Herr Kanter-Königsberg und Herr Weißrock-Lötzen nahmen eben auch nicht weniger die Aufmerksamkeit der Versammlung in Anspruch. Ersterer sprach darüber, wie der hebräische Leseunterricht interessant zu gestalten, Letzterer, wie der grammatische Unterricht in der Religionsschule zu handhaben sei. Beide Herren haben das Verdienst, uns manchen Wink gegeben zu haben, der sicher nicht unbenutzt bleiben wird. Von den gegebenen Lehrproben möchte ich ganz besonders diejenige hervorheben, die von Seiten des Herrn Rosenthal aus der biblischen Geschichte gehalten worden ist. Das Neue und sicherlich sehr Empfehlende darin ist, daß er sich die Anschauungstheorie dabei zu Hilfe nimmt, und zwar nur für die unteren Klassen. Die aufgerollte Karte Palästinas soll den Kindern das Land zeigen, in

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