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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-18 · Heft 7 (18.2.1898) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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t%*rcv^SSreB%B%l!i%?j^!S5^SjBq?jp!pSwg^l5^wSp^p^^!ieS|f^reS^^gl^S|ils 75 Aufgabe dieser Komitees wird es sein, die Subvention zu bestimmen, welche den einzelnen Gemeinden behufs Erhaltung ihrer Schulen gewährt werden soll. Die endgiltige Entscheidung behält sich das Central-Komitee, dessen Sitz in Paris sein soll, vor. Dieses weist den Regional-Komitees in Bukarest und Jassy die bewilligten Summen jährlich an. Zur Regelung aller allgemeinen Angelegenheiten, welche das Schulwesen des ganzen Landes betreffen, soll aus den beiden Regional-Komitees ein Ausschuß, der sich bald in Jassy, bald in Bukarest versammeln wird, eingesetzt werden. Außer den Elementar- oder Volksschulen, die in allen Städten, wo es eine größere Anzahl von Juden giebt, unterstützt werden, sollen in Bukarest eine Lehrerbildungsanstalt und je eine Handwerkerschule in Bukarest und Jassy ins Leben gerufen werden. Für die Errichtung beider Anstalten hat die Bukarester Gemeinde bereits Vorkehrungen getroffen; für die erster« besitzt sie ein schönes, zweckentsprechendes Haus, das vor zwei Jahren gebaut wurde, für die letztere hat man erst in jüngster Zeit ein Grundstück in der Ausdehnung von etwa 16000 Quadratmeter käuflich erworben. Beide Anstalten werden daher, wenn die in Aussicht gestellte Subvention gewährt wird, schon im nächsten Herbst eröffnet werden können. Der Sekretär des Vereins, Dr. Sonnenfeld, hatte auch eine Audienz bei dem Ministerpräsidenten Sturdza, der im Namen der Regierung versprach, dem Werke jede wünschenswerthe Unterstützung und Förderung angedeihen zu lassen; ferner bei dem Verwalter der Krongüter, Jan Kalinderu, der gleichfalls große Sympathien diesen Bestrebungen entgegenbringt und sich bereit erklärte, von denselben dem König Bericht zu erstatten. Auch Herr Carp, das Haupt der Junimisten-Partei, die sich wohl im Augenblick in der Opposition befindet, aber vielleicht schon in nächster Zeit die Zügel der Regierung in die Hand bekommt, hat Herrn Dr. Sonnenfeld sehr wohlwollend empfangen. So wäre denn die Bahn geebnet für ein Kulturwerk, das für die rumänische Judenheit großen Nutzen bringen kann. Die widersprechendsten Nachrichten kommen schon wieder aus dem lieben Rußland. Stellen wir die Hiobsposten voran, so stehen wieder neue Bedrückungen der Juden bevor. Im vorigen November wurde durch ein kaiserliches Dekret Paragraph 3 des Anhanges 31t Sektion 2 des Artikels 12 der Paßregeln vom Jahre 1890 aufgehoben. Hierdurch wurden 10—15 Juden und Jüdinnen betroffen, welche sich als Apotheker, Heilgehilfen und Hebammen ausbildeten, und denen gestattet war, in der Stadt und Provinz Moskau sich aufzuhalten. Diese Maßregel ist nach dem obenerwähnten Gewährsmanne als ein Versuch zur Ausführung eines weitergehenden Planes anzusehen, den der Oberprokuror Pobjedonoszew und der Generalgouverneur von Moskau, Großfürst Sergej, welche die Juden aus Rußland ganz vertreiben wollen, verfolgen. Der genannte Großfürst erfreue sich jetzt großen Einflusses beim Zaren und gehe, wie er sich selbst ausgedrückt habe, „oft nach Zarskoje Selo, um sich in den Strahlen seines kaiserlichen Einflusses zu baden". Ermuthigt durch den Erfolg ihres ersten Versuches hätten die antisemitischen Rathgeber des Großfürsten nun durch den Minister des Innern und den Finanzminister einen Gesetzentwurf unterbreitet, in dem sie die Aufhebung des ganzen Artikels 12 des Paßgesetzes empfehlen. Nach diesem Artikel dürfen nämlich alle Juden, die eine Universitätsbildung erhalten haben, in ganz Rußland leben. Zunächst sollen nur alle Juden der eben erwähnten Kategorie aus Moskau und Umgebung vertrieben werden. Gelinge auch dieser zweite Versuch, dann sollen ähnliche Maßregeln in größerem Maßstabe zu einer massenhaften Austreibung der Juden aus Rußland ergriffen werden. Man wird gut daran thun, diese Nachrichten englischer Blätter mit großer Vorsicht aufzunehmen — aber etwas Wahres wird leider schon daran sein! Ganz anders klingen nun aber freilich die folgenden Nachrichten: In Moskau hatte sich eine jüdische Dame, die in einer Apotheke als Lehrling gearbeitet und nach Verlauf der Lehrzeit das Apothekergehilfenexamen bestanden hatte, an den Rektor der Universität mit der Bitte gewandt, ihr zu gestatten, in die Zahl der Pharmaceuten ausgenommen und nach Absolvirung der Studien zum Provisorexamen zugelafsen zu werden. Der Rektor schlug diese Bitte rundweg ab. Nun wandte sich die Petentin an das Ministerium und erhielt sofort die Erlaubniß, ihre Studien zu beendigen, um hernach ein Provisordiplom erlangen zu können. Dieses ist der erste Präzedenz-Fall. — Der „Syn Otetfchestara" theilt mit, daß das Ministerium des Innern binnen Kurzem die Fragen über das Domizilrecht der jüdischen Handwerker außerhalb des sogenannten „Rayons der beständigen Ansässigkeit der Juden" untersuchen und in allen Einzelheiten klarlegen wird, damit „die Juden zu ihrem Rechte kommen". Es wird thatsächlich immer schwerer, sich in diesem Chaos widersprechender Mittheilungen zurechtzufinden. * Auch in Kreta haben die Juden außer den allgemeinen ihre besonderen Sorgen. Vor Kurzem ist der dortige Chacham-Baschi nach Konstantinopel gereist, um bei der Pforte Schritte zu thun, damit bei der bevorstehenden Reorganisation der Verwaltung und Justiz dieser Insel die Juden ihre bisherige Gerichtsbarkeit noch weiter beibehalten dürfen. Der Chacham-Baschi fand zwar überall freundliche Aufnahme; leider konnte man ihm aber auf sein Ansuchen keine bestimmte Zusage machen, da man dort jetzt andere Sorgen hat. Die türkischen Staatsmänner wiesen alle darauf hin, daß die Insel Kreta schon jetzt zur Hälfte unter der Oberaufsicht und Verwaltung der Vertreter der sechs Großmächte hier stehe, und diese dürften sich kaum dazu herbeilaffen, deu paar Hundert kretensischen Juden eine gerichtliche Ausnahmsstellung einzuräumen. Alles, was die Pforte in dieser Angelegenheit thun könne, bestehe darin, daß sie bei den europäischen Kabineten beantragen werde, die Juden Kretas mögen noch weiter ihre religiöse Gerichtsbarkeit beibehalten, während sie in Bezug auf die kriminelle unter den gewöhnlichen Gerichten stehen werden. Da nun in Zukunft auf der Insel nicht mehr wie bisher das Türkische, sondern das Griechische die Amts- und Gerichtssprache sein wird, so werden selbstverständlich auch die dortigeu Juden nun gezwungen sein, sich das Griechische in Sprache und Schrift vollkommen eigen zu machen. Be;irkskonferrn; der jüdischen Lehrer des unteren Ruhrgedietes. m Sonntag Nachmittag, den 16. Januar, fand in Oberhausen die Bezirkskonferenz der jüdischen Lehrer vom Niederrhein und dem unteren Ruhrgebiete statt, welche von 16 Lehrern besucht war. Kollege Block - Oberhausen hieß die Erschienenen herzlich willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Versammlung dazu beitragen möge, die Differenzen zwischen dem Verein der jüdischen Lehrer Rheinlands und Westfalens, mit dem Sitze der Verwaltung in Essen, und dem Kölner Verein, auszugleichen. Zu diesem Zwecke habe er die anwesenden Vorsitzenden beider Vereine, Hauptlehrer Graf-Essen und Goldschmidt-Köln, eingeladen. Des Weiteren theilte Herr Block den Beschluß der vom Kölner Verein in Bonn vor Kurzem abgehaltenen Versammlung mit, welche über die Auflösung dieses Vereins sich schlüssig zu machen hatte. Bei der Abstimmung aber hatte die Majorität sich gegen die Auflösung erklärt und dadurch die seit der Lippstädter )

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