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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-11 · Heft 6 (11.2.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-- S -- schienen und vorn Vorsitzenden desselben, Herrn Bankier M. Katzenstein in Bielefeld, in beliebiger Anzahl gratis und portofrei bezogen werden kann, ist ein wahres Meisterstück der Rhetorik und wird ohne Zweifel auch solche Gemeinden unserer Provinz anregen, die heute noch ohne sichtbares Interesse der guten und edlen Sache gegenüberstehen. Wohl sind wir uns bewußt, mit welchen Schwierigkeiten zu kämpfen ist, bevor der Plan zur Ausführung gelangen kann, aber wenn in allen Gemeinden mit solchem Muthe und Gottvertrauen ans Werk geschritten wird wie in der unserigen, dann wird und kann der Erfolg nicht ausbleiben. Nachdem auf Beschluß des Synagogen- Vorstandes sich hier vor ca. vierzehn Tagen ein Agitations-Komitee gebildet, hat dasselbe seine Arbeit innerhalb der Gemeinde nunmehr vollendet, und mit Stolz können wir sagen: hier hat Jeder seine Pflicht gethan. Beiträge von 5000, 3000, 600 und 400 Mark figuriren auf der Liste, die ein Gesammtergebniß von 10 590 Mark aufweist. Folgen uns in diesem Verhältniß die mittleren und Großgemeinden (unsere Gemeinde zählt nur 26 Familien), so ist in kurzer Zeit der Bau gesichert, der wiederum Zeugniß ablegen wird, von jüdischem Opferstnn und jüdischer Nächstenliebe, die trotz und alledem noch nicht ausgestorben sind in unserer Mitte. o. Frankfurt a. M., 4. Februar. Dem Jahresbericht des hiesigen Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1897 entnehmen j mir folgende Einzelheiten: Der Verein kann bereits auf einen schönen Stamm tüchtiger Krankenschwestern blicken, und stets findet sich ein reicher Nachwuchs, so daß es auch für die nächste Zukunft an Schülerinnen und Schwestern nicht fehlen wird. Die jüdischen Krankenpflegerinnen haben nunmehr in Familien aller Konfessionen Eingang gefunden und Fuß gefaßt und stehen den Vereinsschwestern als gleichangesehene Korporation nicht nach in der Werthschätzung bei unseren Mitbürgern. Das Beispiel hat auch auswärts Nachahmung gefunden und Anregung für andere Vereine und ähnliche Bestrebungen in anderen Städten gegeben Ein schwerer Verlust hat den Verein durch das Hinscheiden des Herrn Meier Schwarzschild betroffen. Ferner wurde die Schwester Rosa Erna Salinger einige Wochen nachdem sie ihr Lehrjahr mit vorzüglichem Erfolg zurückgelegt hatte und unter die Zahl der Schwestern zu ihrer größten Freude ausgenommen war, von einer tückischen Infektionskrankheit befallen, der sie nach wenigen Tagen erlag. An die Stelle des sel. Schwarzschild wurde Herr Julius Goldschmidt kooptirt. Die Bemühungen, ein neues, für die Zukunft ausreichendes Heim zu schaffen, sind leider bis jetzt noch nicht zu einem günstigen Abschluß gekommen, denn die bisherigen Sammlungen für das künftige Schwesternhaus haben noch nicht die nöthige Höhe erreicht. Die Zahl der Schwestern beträgt am Schluffe des Vereinsjahres 15. Neu ausgenommen wurden nach Ablauf ihrer Lehrzeit drei Schwestern, von denen zwei hier, eine in Köln ausgebildet worden waren. Schülerinnen find augenblicklich vier, während im Laufe des Jahres drei Schülerinnen vor Vollendung ihrer Lehrzeit theils mit Rücksicht auf Familienverhältnisse, theils wegen mangelnder Qualifikation wieder ausschieden. An Anmeldungen war aus allen Gegenden Deutschlands kein Mangel im Laufe dieses Jahres. Es kamen im Ganzen 24 Anmeldungen und acht Anfragen wegen Schülerinnenstellen. Hiervon sind drei noch in Behandlung und werden demnächst zur Entscheidung kommen. Abgelehnt wurden in diesem Jahre 15 Anmeldungen. Der theoretischen und praktischen Ausbildung der Schülerinnen widmete sich im Verein mit den Aerzten des israelitischen Gemeindehospitals wie bisher Herr Dr. Adolf Deutsch. Ueber die Leistungen der Schwestern in der Privatpflege während des abgelausenen Vereinsjahres können wir Folgendes berichten: Es wurden im Ganzen 87 Privatpflegen geleistet, davon sechs außerhalb Frankfurts. Diese Pflegen geschahen unter der Leitung von 36 verschiedenen Aerzten und erforderten im Ganzen 1976 Pflegetage gegen 1727 Pflegetage des Vorjahres. Sie wurden von neun verschiedenen Schwestern ausgeführt, von denen jedoch nicht alle während des ganzen Jahres in der Privatpflege thätig waren. Zu ermäßigten Preisen wurden zwei Fälle mit 147 Tagen und gänzlich unentgeltlich acht Fälle mit 88 Tagen, zusammen zehn Fälle mit 235 Tagen verpflegt. Die Armenschwester hat auch in diesem Jahre ihre vielfältig anerkannte Thätigkeit in gleicher Art fortgesetzt und zwar ergiebt sich ihr Wirken aus folgender Aufstellung: Es wurden vom Oktober 1896 bis Oktober 1897 87 Kranke mit 2688 Einzelbesnchen verpflegt. 52 gehörten der jüdischen, 35 der christlichen Konfession an. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die austretenden Herren Dr. Günzburg und S. Löwenick wiedergewählt. Der Vorstand besteht also aus den Herren: Dr. med. S. Kirchheim, Vorsitzender, Emil Stiebet, stellvertretender Vorsitzender, Philipp Schiff, Schriftführer, Eduard Cohen, Kassirer, Julius Goldschmidt, Dr. med. A. Günzburg, Dr. med. W. Hirsch, Sally Löwenick, Dr. med. H. Schlesinger. E. Darmstadt, 6. Februar. Nachdem durch Beschluß des Gemeindevorstandes das Rabbinat der hiesigen Gemeinde und der mit ihr verbundenen Landgemeinden Herrn Dr. Selver definitiv übertragen worden, wurde derselbe durch großherzogliches Dekret vom 5. v. Mts. zum Rabbiner der „liberalen israelitischen Gemeinden des Rabbinats Darmstadt" ernannt und am 19. v. Mts. von Sr. königlichen Hoheit dem Großherzog in Audienz empfangen. Die feierliche Amtseinführung, bei der Herr Dr. Selver eine erhebende, mit großem Beifall aufgenommene Rede hielt, fand am 23. v. Mts. statt. Das Rabbinat des Herrn Dr. Selver wird amtlich als „Großherzogliches Rabbinat Darmstädt I" bezeichnet, während das Rabbinat der orthodoxen Landgemeinden, das dem Prediger der hiesigen orthodoxen Religionsgesellschaft, Herrn Dr. Marx, übertragen wurde, die Bezeichnung „Großherzogliches Rabbinat Darmstadt II" erhalten hat. Forchheim (Baiern), 8. Februar. Ein in hiesiger Stadt allgemein geachteter und beliebter Mann, Herr Lehrer Kleemann, feierte am 27. v. M. seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde obengenanntem Herrn durch die Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde ein ansehnliches Geschenk sowie eine Adresse der ganzen Kultusgemeinde überreicht. Seitens seiner Herren Kollegen wurde Herr Lehrer Kleemann in angemessener Form gratulirt, so auch von der Schuljugend; von auswärts trafen eine Menge Glückwunschtelegramme, Briefe und Karten ein. Von der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, deren Kassageschäfte Herr Lehrer Kleemann seit nahezu 20 Jahren in mustergiltiger Weise verwaltet, wurde derselbe durch einen veranstalteten Familienabend geehrt, bei welcher Gelegenheit in schwungvollen Reden und Toasten der vielen Verdienste des Siebzigjährigen gedacht und ihm ein Geschenk überreicht wurde. Möge dem wackeren Manne ein noch recht langer und sonniger Lebensabend bescheert sein! Oesterreich - Ungar». □ Wien, 7. Februar. Der israelitische Kultusvorstand hat in seiner letzten öffentlichen Plenarsitzung auf Antrag des Herrn Th. v. Goldschmidt über die Feier des bevorstehenden fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers Berathungen gepflogen und einhellig folgende Beschlüsse gefaßt: Ein feierlicher Gottesdienst soll in allen festlich geschmückten Gotteshäusern am Jubiläumstage abgehalten werden; eine Huldigungs-Adresse, in welcher die Wiener Kultusgemeinde den Gefühlen der unentwegten Treue und Opferwilligkeit gegenüber ihrem angestammten Monarchen, der tiefsten Dankbarkeit an den Spender der Staatsgrundgesetze und dem unerschütterlichen Vertrauen, mit welchem die Wiener Judenschaft auch in schwerer Bedrängniß zu dem erhabenen Monarchen emporblickt, Ausdruck gegeben wird, soll an den Stufen des Thrones niedergelegt werden. Weiter sei die Abfassung einer Geschichte der Wiener Juden, insbesondere mit Berücksichtigung des letzten halben Jahrhunderts, in Angriff zu nehmen, und endlich solle, um den wiederholt kundgegebenen kaiserlichen Intentionen zu entsprechen, das Kaiser- Jubiläum insbesondere durch Akte der Wohlthätigkeit zu feiern, ein Haus der Barmherzigkeit für Unheilbare, ein israelitisches Siechenhaus für mindestens fünfzig Pfleglinge erbaut und eingerichtet werden. Zum Schluffe behält sich der Kultusvorstand vor, noch darüber hinausgehende Anträge wegen Ausgestaltung der Wohlfahrtseinrichtungen der Kultusgemeinde in weitere Erwägung zu ziehen. Der Antrag, vier neue Gotteshäuser zu erbauen, wurde angesichts der Finanzlage der Gemeinde leider abgelehnt! — Anläßlich der fünfundzwanzigjährigen Dienstzeit des Sekretärs der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Theodor Lieben, versammelten sich am 2. d. M. Vormittags der Gesammtvorstand, mit dem Präsidenten kaiserlichen Rath Klinger an der Spitze, zu einer Plenarversammlung, zu welcher auch die Leiter der einzelnen Aemter zugezogen waren. Der Präsident richtete an den Jubilar im Namen des Vorstandes eine Ansprache, in welcher er dem verdienstvollen Wirken

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