Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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r Et; 4 f r I'. £ Dr. Liebens die größte )lnerkennung zollte. Gleichzeitig überreichte er ihm im Namen des Vorstandes einen werthvollen, äußerst kunstvoll ausgeführten silbernen Tafelaufsatz als Ehrengeschenk. Nachmittags erschien der gesammte Beamtenkörper zur Gratulation unv überreichte ebenfalls ein Ehrengeschenk. Auch aus den Kreisen der Wiener Gesellschaft, in welcher sich Dr. Lieben großer Beliebtheit erfreut, gelangten an den Jubilar viele Sympathiekundgebungen. — Im verflossenen Jahre wurde im Kaiserin Elisabeth-Spitale in Rudolfsheim eine eigene Abtheilung für kranke Frauen in einem neuerbauten Pavillon eröffnet, der von Albert Freiherrn v. Rothschild zur Erinnerung an seine frühverstorbene Gattin Bettina gestiftet wurde. Heute Vormittag fand die Enthüllung des daselbst aufgestellten Gedächtnißdenkmals statt. Das Denkmal, das kürzlich im Künstlerhause ausgestellt war, rührt von dem Bildhauer Josef Kasstn her und zeigt in Lebensgröße zwei Marmorgestalten, die leidende Frau und deren mildthätige Pflegerin. Der Sockel ist mit Goethes schönem Spruche: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" geziert. Hinter der Gruppe erhebt sich auf einem Piedestaldie Büste der verblichenen Baronin Bettina v. Rothschild. Der Enthüüungsfeier wohnten der Stifter Albert Freiherr v. Rothschild, Statthalter Graf Kielmannsegg, mehrere höhere Beamte und Fachmänner und die bei dem Bau thätig gewesenen Geschäftsleute bei. — Letzten Montag fand vor einem zahlreichen gewählten Publikum der zweite von der Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums veranstaltete Vortrag statt. Der Vortragende, Universitäts-Dozent Dr. S. E hr mann, schilderte in umfassender und gründlicher Weise die Bedeutung der hygienischen Gesetze und Vorschriften in Bibel und Talmud, ferrier das Leben und Wirken hervorragender jüdischer Aerzte im Alterthüm, im Mittelalter und der Neuzeit und die Verdienste der Juden auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Zur Ausstellung war eine Anzahl von Porträts hervorragender jüdischer Aerzte und Naturforscher gelangt. Der nächste Vortrag findet Donnerstag, den 10. Februar d. I., 7l/2 Uhr Abends, im Festsaale des österreichischen Ingenieurujib Architekten-Vereins I, Eschenbachgasse 9, statt. An diesem Abend wird Herr Architekt Max Fleischer über „Wasserversorgung im alten Jerusalem" sprechen. — Hier wurden drei christlich-soziale Strolche verhaftet, weil sie einen alten jüdischen Ha u sirer überfielen und unter argen Mißhandlungen seiner Maaren beraubten. — Der antisemitische Agitator Anton Stifter wurde vom Budweiser Kreisgericht wegen Verleitung zu falscher Aussage zu drei Monaten Kerkers verurtheilt. — In Prag hat der k. k. Bezirksschulrats dem Religionslehrer Wilhelm FreunA, in Anbetracht des unermüdlichen Fleißes, der allzeit getreuen PfliWerfüllung und der Verdienste, die er sich während seiner mehr als 40jährigen Lehrtätigkeit erworben, in .einem besonderen Dekrets sejne belobende Anerkennung ausgesprochen. — Vor wenigen Tagen erklärte der große „Athener" Graf Adalbert Dzieduszycki unter der^ Beifall seiner Genossen, daß das Gespenst des Antisemitismus in den Reihen des polnischen Volkes niemals Eingang finden dürfe, daß Geschichte und Tradition sich gegen eine solche schmachvolle Befleckung au^ehne^! 6. Budapest, 28. Januar. Der Gesetzentwurf über die Ergänzung der Seelsorgerbezüge wird nach einer Meldung des „Magyar Hirlap" dem Abgeordnetenhaus während der Verhandlung des Voranschlages vorgelegt werden. So sehnsüchtig dieser Entwurf von den Seelsorgern aller Konfessionen erwartet wurde, so enttäuscht find die Rabbiner. Die Ergänzung der Bezüge auf 1200 respektive 1800 Kronen wird nämlich an eine Bedingung^geknüpft, die die Wohlthaken des Gesetzes für die Rabbiner illusorisch macht. Es sollen nämlich nur jene Seelsorger berücksichtigt werden, die einAbiturientenzeugniß aufweisen können. Rabbiner, die auf die staatliche Unterstützung angewiesen find, haben diese Qualifikation nicht. Die orthodoxen Rabbiner, hie durch diese Verfügung am härtesten getroffen wierden, wollen an den Kultusminister eine Abordnung entsenden, die ihm die Bitte vorlegen soll, es möge nur die bisher übliche Qualifikation als Bedingung festgestellt werden. Amerika. - \ G. H, Netv-Aork, im Januar. Nathan Strauß, der bekannte Philanthrop, ist zum Präsidenten des Sanitätsrathes der jetzigen Viermillionenstadt ernannt worden. Sein Bruder, der frühere amerikanische Gesandte bei der Pforte, Oskar Strauß, ist zum Präsidenten der Park- Kommission ausersehen, hat sich aber seine Entscheidung über die Annahme des ihm zugedachten Amtes noch Vorbehalten — Anthony Comstock/ein bekannter Fanatiker, der es fick zur Aufgabe macht, die Polizei fortwährend mit Anzeigen von Übertretungen der Sonntagsgesetze u. s. w. zu behelligen, hat gegen den Buchhändler Meyer Chinskey eine Klage wegen Verbreitung unsittlicher Litteratur gebracht, weil dieser ein Buch „Maase Tolö" im jüdisch-deutschen Jargon verlegte, welches die albernen rationalistischen Märchen über Jesu Geburt enthält. Der Buchhändler ist freigesprochen worden, doch wird es sich empfehlen, die vor fast 100 Jahren anstandslos in Deutschland verlegte Geschichte des Rabbi Jeschua Hanotzri von Benturini oder, selbst des Heidelberger Professors und Antisemiten H. E. G. Paulus' Kommentar zu den drei ersten Evangelien" nicht nach dem Lande der Freiheit zu bringen. — Am 31. Dezember ist hier Dr. Jsaae Meyer im 99. Jahre gestorben. Dr. Jfäac Meyer, ein gebürtiger Elsässer, war früher Rabbiner in Hartford, Connecticut,gewesen und lebte seit Jahren hier im Ruhestande. — Der Klub „ Jud ae ans " gab am 21. Dezember dem berühmten englischen Gelehrten Canon CHeyne ein Banket, an welchem auch hervorragende christliche Gelehrte Theil nahmen. Ansprachen wurden von dem städtischen Schulsuperintendenten Dr. Leipziger, von Professor Gottheil und mehreren geladenen Gästen gehalten. — Die Stadt Chicago ehrte das Andenken des verstorbenen Stadtrathes Charles Kozminski dadurch, daß eine neuerbaute Schule nach ihm genannt wurde. Die Wittwe gab der Schule 1000 Dollars zu einer Schulbibliothek. Von Nah und Fern. ----- Bon den 168 Damen, die in diesem Wintersemester als Hörerinnen an der Universität Berlin zugelassen sind, sind nach der „Nat.- Ztg." 18 verheiratet, 3 Wittwen und 167 unverheirathet. Der Konfession nach sind 120 evangelisch, 6 katholisch, 48 jüdisch, 3 anglikanisch, 8 griechisch-katholisch, 1 freireligiös, und 2 haben nach ihrer Angabe „keine" Religion. — Auch an dem Kgl. Gymnasium zu Deutsch-Krone hat ein jüdischer Schüler, und zwar der Oberprimaner Sally^ohn, das vom Kaiser verliehene Buch „Deutschlands Seemacht" erhalten. — In Naumburg a. Qu. ist der Kaufmann MoritzCohn zum unbesoldeten Rathmann gewählt und von der königlichen Regierung bestätigt worden. — Der Herzog-Regent hatdem Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld in Schwerin die Erinnerungsmedaille an den hochseligen Großherzog Friedrich Franz III. verliehen. Monsieur A hl warbt trägt im Wahlkreise Schwelm gegen Entree seine bekannten Hetzreden vor. In Langerseld machte sich die Versammlung den Scherz und wählte einen anwesenden Juden aus der Versammlung zum Vorsitzenden, was Herrn Ahlwardt nicht wenig verblüffte, da er seinen Vorsitzenden sich schon mitgebracht hatte. — Adolf Frankenthal aus Lübeck ist als Konsul der Vereinigten Staaten von Nordamerika bei der schweizerischen Eidgenossenschaft mit dem Sitze in Bern gewählt worden und wird Anfangs Februar seine Stellung antreten. — Das „Würzburger Journal" hat den Antisemitenführer L. Wengg aus München ebenfalls verklagt, weil er in einer öffentlichen Versammlung behauptete, das Blatt sei in der Dreyfus-Affäre bestochen. — Zum Vorsteher der Gemeinde-Töchterschule in Riga ist an Stelle her früheren Leiterin der Schule, Rosa Levi, der bisherige Lehrer an derselben Schule, L. Fischmann, vom Kurator des Lehrbezirks ernannt worden — Wie man der „Pol. Korr." aus Helsingfors meldet, hat der finländische Senat an den Zaren ein Petition gerichtet, um im Interesse des Handels eine Ausdehnung der den Israeliten eingeränmten Rechte zu erbitten. Der Senat beantragt, daß in allen größeren Städten des Großfürstenthums jüdische Ansiedelungen gestattet und der Bau von Synagogen bewilligt werde. Der Betrieb von Gewerben möge den Israeliten unter den allgemein geltenden gesetzlichen Bestimmungen im ganzen Lande freigegeben werden. Man glaube in Helsingfors, eine günstige Erledigung der Petition erwarten zu können. — Etatsrath Bankdirektor I. Glückstadt, erster Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Kopenhagen, ist vom König von Schweden zum Kommckndeur des St. Olaf-Ordens I. Klasse ernannt worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. * Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.