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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-11 · Heft 6 (11.2.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 A. Berlin, 8. Februar. Von erfreulichem Erfolg sind die Bemühungen des Vorstandes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in einer Angelegenheit begleitet, die von prinzipieller Bedeutung für die Lehrer der Provinzen Hannover und Hessen ist und diese Kreise seit zwei Jahren lebhaft beschäftigt. Im Jahre 1896 wurde plötzlich der Lehrer Sp. in der Provinz Hannover zu den direkten Kommunalabgaben herangezogen, obgleich er an einer öffentlichen jüdischen Schule als Elementarlehrer angestellt ist, und obgleich ferner das Gesetz vom 14. Juli 1893 ausdrücklich die Bestimmungen der Kabinetsordre vom 23. September 1867 bestehen läßt, nach welcher in den sogenannten neuen Provinzen alle weitergehenden Immunitäten nach statutarischen Rechten oder besonderen Privilegien aufrecht erhalten werden. Der Vorstand des Verbandes, den der Lehrer unter Hinweis auf die Verbandssatzungen um Beistand angerufen hatte, ließ durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs die Angelegenheit zum gerichtlichen Austrag bringen, und dem sachverständigen und energischen Einschreiten dieses Herrn ist es zu verdanken, daß das Oberverwaltungsgericht die ablehnenden Entscheidungen der niederen Instanzen, des Kreis- und Bezirksausschusses, aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an den Kreisausschuß zurückgewiesen hat. Es darf nunmehr die zuversichtliche Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Angelegenheit zu einem für die jüdischen Lehrer günstigen Austrag gelangt. A. L. Berlin, 8. Februar. Dem uns zugegangenen Bericht des Komitees für Chanukah-Bescheerung entnehmen wir Folgendes: „Wir empfingen baar 16 987,50 Mark; dazu der Bestand vom 31. Dezember 1896 1038,35 Mark, außerdem werthvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Bücher, Spielzeug und andere Gegenstände. Wir verausgabten 35 874,66 Mark, und soll der Rest für Instandsetzung der Stiefel und Anschaffung von Lehrmitteln im Laufe des Jahres verwendet werden. Nicht weniger als 563 Familien mit 1117 Kindern erbaten die Unter- . stützung, die wir zu gewähren vermögen. Davon durften wir trotz , strengster Nachforschung nur drei Familien mit zehn Kindern abweisen. Für die übrigen 1107 Kinder wurden durchschnittlich je 14,61 Mark verwendet. — Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt." Es konnte so Bedeutendes für die verhältnismäßig so geringe Baarausgabe pro Kind nur dadurch geleistet werden, daß, wie im Bericht bereits erwähnt, viele werthvolle Textilstoffe, die zur Anfertigung von Kleidungsstücken gut verwendet werden konnten, dem Komitee als Spende zugingen. Ferner find die durch Ankauf beschafften Stoffe von den ersten Firmen meist zum Einkaufs- resp. Fabrikpreise geliefert worden. Die in solchen Fällen ganz besonders wichtige und am meisten ins Geld fallende Fußbekleidung ist in der Weise hergestellt worden, daß die Schäfte zu den Knaben- und Mädchenstiefeln von einer sehr leistungsfähigen Fabrik bezogen und den Schuhmachern geliefert wurden. Es hat sich dadurch der Preis der Stiefel bedeutend niedriger gestellt, ohne daß die Qualität derselben im Geringsten gelitten hätte. Es mag noch hervorgehoben werden, daß mit Anfertigung der Stiefel, Kleidungsstücke und Wäsche nur zuverlässige und meist bedürftige Handwerker resp. Arbeiterinnen betraut wurden, denen dadurch in der geschäftsstillen Zeit guter Verdienst zutheil wurde. Den Damen des Komitees ist ganz besonders zu danken, daß sie neben dem wohlthätigen Zwecke den wichtigeren erziehlichen nicht außer Acht gelassen haben. Die Folgen der erziehlichen Thätigkeit treten in den Schulen, die von den bescheerten Kindern besucht werden, immer deutlicher zu Tage. Berlin, 7. Februar. Durch verschiedene politische Zeitungen, ging dieser Tage folgende Notiz unter der Spitzmarke „Religio ns - wechsel", eigentlich hätte es richtiger heißen müssen: „Geschästswechsel". Im Jahre 1897 sind in Berlin 75, vor zwei Jahren 68 Personen aus dem Judenthum ausgetreten. Die Mehrzahl sind Philologen und Juristen. Zwölf Damen aus jüdischen Finanzkreifen haben die Ausnahme ins Christenthum gesucht und gefunden. Hier ist wohl die Rücksicht auf den künftigen Gatten maßgebend gewesen. Umgekehrt sind drei Christen wegen der Heirath mit Jüdinnen zum Judenthum übergetreten. Als Kuriosum mag erwähnt sein, daß die < Tochter eines jüdischen Justizraths in der Provinz, die bereits getauft war, wegen der Heirath mit einem jüdischen Baumeister zum Juden-; thum zurückkehrte. Man sieht daraus, in welch leichtfertiger Weise; hüben wie drüben heute in gewissen Kreisen der Glaubenswechsel vorgenommen wird. F. Breslau, 6. Februar. Der Geheime Regierungsrath Prof. Dr. Ferdinand Cohn, der jüngste Ehrenbürger unserer Stadt, feierte vorige Woche seinen siebzigsten Geburtstag. Da dem berühmten Gelehrten bereits anläßlich seines vor wenigen Monaten begangenen goldenen Doktor-Jubiläums von allen Seiten Ehrungen und Ovationen in erdrückender Fülle dargebracht wurden, trug der Tag mehr das Gepräge eines Familienfestes. Immerhin brachte auch der 70. Geburtstag dem greisen Forscher neue Zeichen der Anerkennung und Schätzung. Zu erwähnen ist ein von 250 Botanikern aller Länder gestiftetes Album, das die Bilder all dieser Mitarbeiter Cohns umschließt, deren größter Theil seine Schüler waren. Die Naturforschende Gesellschaft in Danzig hat den Senior der deutschen Botaniker in Breslau zu ihrem Ehrenmitglied ernannt, eine Auszeichnung, welche die Gesellschaft während ihres mehr als 150 jährigen Bestehens erst 9 mal verliehen hat. Daß zahlreiche Glückwünsche von Nah und Fern einliefen, daß unter den Gratulanten die Stadt und die Universität würdig vertreten waren, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Möge dem um das Wohl der Menschheit so hochverdienten Manne noch eine lange, segensreiche Wirksamkeit beschieden sein. Lp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Anläßlich des 26jährigen Bestehens des in Wongrowitz unter seinen Glaubensgenossen sehr segensreich wirkenden israelitischen Krankenvereins fand am 9. d. M. in Zawady's Hotel ein gemeinschaftliches Festessen statt, an welchem über 70 Personen Theil nahmen. Der Vorsitzende des Vereins, Kaufmann Siegfried Ziegel, toastete mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Lehrer Spiewkowski berichtete dann in längerer Rede über die seitherige Thätigkeit des Vereins und toastete auf dessen weiteres Gedeihen. Kantor Nischkowski beleuchtete in warm empfundenen Worten die wissenschaftliche und religiöse Seite des Vereins und erfreute die Festgenossen durch den Bortrag mehrerer Gesangsstücke mit Musikbegleitung. Abends vereinigten sich die Mitglieder zu einem Tanzkränzchen in Ziegels Hotel. — Bei der in diesem Monat unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Dr. Kohli in Thorn durch die Repräsentanten der Synagogengemeinde daselbst vollzogenen Wahl wurden die Herren D. Wolf, M. Rosenfeld und S. Rawitzki zu Vorstehern und Hermann Löwensohn als Stellvertreter wiedergewählt. — Der im Jahre 1882 -gegründete israelitische Krankenverein in Wreschen, der es sich zur Aufgabe machte. Kranke zu pflegen und Nachtwachen zu stellen, hielt jüngst im Hause des Vorsitzenden, Kaufmanns Ziegel, eine ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein zählt 64 Mitglieder und hatte im abgelaufenen Geschäftsjahre 288,25 M. Einnahme und 293,55 M. Ausgabe und einen früheren Bestand von 591,75 M. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, Kaufleute Hermann Ziegel (Vorsitzender), Pollak (stellvertr. Vorsitzender), Zlotnicki (Rendant), Cantorowicz (Krankenvorsteher) und Engelmann zu dessen Stellvertreter wurden wiedergewählt. Der israelitische Beerdigungsverein, 1892 gegründet, zählt 13 aktive und 5 inaktive Mitglieder. Dessen Einnahmen waren im Vorjahre an Beiträgen 70 M., an Spenden 23.05 M., an Sparfonds 392,85 M. Die Ausgaben betrugen insgesammt 104,88 M. Zum Vorstande gehören die Kaufleute H. Ziegel, S. Pollak und H. Miloslawer. — Eine begüterte Dame aus London, Namens Rosenberg, deren Vater vor Jahren als Kultusbeamter in Grabow fungirt hat, überwies durch einen Bankier in Breslau der Synagogengemeinde daselbst kürzlich einen Betrag von nahezu 2300 M. Die Gemeinde will mit diesem Gelde die dortige Synagoge gründlich renoviren lassen. X. Neuenkirchen, Bez. Minden, 4. Februar. Als vor ca. drei Jahren von einer kleinen Anzahl Männer unserer Gemeinde die Idee angeregt wurde, ein jüdisches Asyl für arme Kranke und Altersschwache in Westfalen zu gründen, da ahnte wohl Niemand, mit welcher Freude, ja geradezu Enthusiasmus, der Plan von der letzt stattgehabten Versammlung der Gemeinden des westfälischen Synagogen-Berbandes ausgenommen werden würde. Die Referate über die Gründung einer solchen Anstalt, die nach dem Zeugnisse Aller als eine Nothwendigkeit in unserer Zeit der rverkthätigen Menschenliebe bezeichnet wurde, in ausführlicher Weise von den Herren Ostwald-Witten und Vorsänger- Neuenkirchen erstattet, wurden mit lautem Bravo und Händeklatschen ausgezeichnet. Der Vortrag des Herrn Ostwald, der behufs Propaganda für das Werk vom Verbände der Synagogen-Gemeinden im Druck er-

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