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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-11 · Heft 6 (11.2.1898) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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Auch jüdische Gelehrte und andere einflußreiche Männer der jüdischen Gemeinde werden oft geschildert, wie denn Ring stets seine Zugehörigkeit zum Judenthum entschieden betont hat. Er macht im Vorwort zu diesen Erinnerungen, das er an seinem 80. Geburtstage niederschrieb, die Bemerkung, Memoiren seien für den Historiker das, was für den Maler die Farbe sei. Trifft dies von irgend einem derartigen Werke zu, so auch von diesen Memoiren. Daß Ring die Anekdote nicht verschmäht, sie im Gegentheil reichlich bringt, ohne sie zur Hauptsache zu machen, sichert ihm einen breiten Leserkreis, schädigt aber gewiß den Werth des Buches nicht. Es sei wärmslens und nach Verdienst empfohlen. r Sprerhsaal. Geehrte Redaktion! <Ux>as im Aufträge der Historische Kommission für Geschichte der Juden <20 in Deutschland von Julius Aron ins bearbeitete Regestenwerk ist unvollendet geblieben. Frühzeitig hat der Tod den gewissenhaften Bearbeiter seiner Forschung entrissen, und die Historische Kommission hat ihn nicht lange überlebt. Es sind im Ganzen 5 Lieferungen erschienen, eine 6. Lieferung sollte außer dem Schluffe die Register und Einleitung bringen. Sollte sich in Deutschland kein Mann finden, der dieses für historische Forschungen unentbehrliche Regestenwerk da aufnimmt und fortsetzt, um es der Vollendung entgegenzuführen, wo es der Bearbeiter bei seinem Tode im Stiche gelassen hat? Dr. A. Eckstein. * Geehrter Herr! 65|\te Ihnen für die vorige Nummer zugegangene Mittheilung über <20 hiesige Kultusverhältnisse bedarf in wesentlichen Punkten der Berichtigung. Thatsache ist nur, daß ein Gemeindemitglied die Orgel gespendet hat, und daß die Gemeindekörperschaften in Rücksichtnahme auf unseren allseitig hochverehrten Rabbiner und in Werthschätzung seiner großen und anerkannten Verdienste um Schule, Gotteshaus und Gemeinde das Spiel der Orgel bis auf Weiteres ruhen ließen. Um die drängenden Wünsche zahlreicher Kreise innerhalb der Gemeinde mit dem Standpunkte unseres streng religiös und zugleich friedlich gesinnten Rabbiners zu versöhnen, fand man einen Ausweg in der Zulassung des Spiels zu weltlichen wochentäglichen Feiern, wie Hochzeiten und Kaisersgeburtstag. Davon, daß die Orgel schon von Ostern ab den Gottesdienst begleiten soll, ist keine Rede. Wir sind fest davon überzeugt, daß das ernste und würdevolle Verhalten der betheiligten Faktoren die hiesige Gemeinde weiter wie bisher zu friedlicher glaudenstreuer Arbeit verbinden wird. Ratibor, 4. Februar. seh. 4 Hochgeehrter Herr Redakteur! ine Notiz in Nummer 63 Ihrer geschätzten Zeitung, die Neuregelung der Gehälter der israelitischen Lehrer in Aachen betreffend, bedarf der Berichtigung. Die hiesige jüdische Schule ist eine öffentliche Volksschule. Die an derselben wirkenden Lehrer sind staatlich angestellt. Eine Gehaltsskala derselben nach Maßgabe des neuen Besoldungsgesetzes trat infolgedessen stillschweigend ein, selbst wenn solche nicht aus der stets fürsorglichen Initiative der hiesigen Gemeindevertretung hervorgegangen wäre. Von einer nicht stattgehabten Rückwirkung des Besoldungsparagraphen auf nicht staatlich angestellte jüdische Lehrer kann daher mit Beziehung auf die jüdischen Lehrer in Aachen nicht wohl die Rede sein. Hochachtungsvoll Aachen, im Januar. Lehrer Hermann Wallach. * Sehr geehrter Herr Redakteur! (s^olgende Mittheilung dürfte manchen Ihrer Leser interessiren: Vor Qr einiger Zeit fand ich in der ersten Ausgabe des Amsterdam 1667, gedruckt bei Uri Phöbos ben Ahron Halewi, den lautend 82 ‘TH p Wtt* der sich selbstverständlich auf den damals sein Unwesen treibenden Sabbathai Zewi bezieht. . Rosenthal, in seinen dem Roeft'schen Katalog beigegebenen werthvollen bibliographischen Abhandlungen ^£8 JHV meint nun, daß demnach der Verfasser jenes Buches ein gläubiger Sabbathianer gewesen sein müsse. Dieser Tage nun kam mir die erste Ausgabe des sN8 'D&W (‘Y'ttf) auf den fcDÖttf 8 pn zur Hand, das Buch ist bei demselben Drucker, Amsterdam 1663, edirt und trägt den ppttfftn W 818* Es ist also bei jenem wie bei diesem Buch offenbar nicht der Verfasser, sondern der Drucker, der sich den Hinweis auf die messtanische Sendung Sabbathai Zewis leistete. Weitere Editionen des Uri Phöbos ben Ahron Halewi mit ähnlichem ft*® find mir nicht bekannt. Vielleicht giebt einer Ihrer geehrten Leser darüber Auskunft. Mit vorzüglicher Hochachtung Hamburg, 18. Januar. S. Goldschmidt. * Geehrter Herr Redakteur! ^^estatten Sie mir, zu dem Aufsatze des Herrn Dr. Tänzer über S. Holdheim eine Ergänzung zu geben, die freilichetwas anders klingt, aber nurvollkommen Thatsächliches enthält, für dessen Authenticität ich einstehe. Holdheim war Hofmeister in einer jüdischen Familie in Nachod, einer Stadt an der Nordgrenze Böhmens. In der Nähe Nachods, in Dobreschka, lebte damals als kaiserlicher Tabakverleger R. Wolf Wertheimer, ein Urenkel Samson Wertheimers, weit und breit gekannt und verehrt, als die größte talmudische Autorität, die es neben R. Aron Kornfeld in Böhmen gab. An einem Peßachfeste kam nun einmal Holdheim zu Wertheimer auf Besuch und wurde, da ihm der Ruf als tüchtiger Talmudist vorausgegangen war, freundlich ausgenommen. Aber als er fich am 7. Peßachtage wegen einer unbedeutenden Indisposition Thee aus der Apotheke holen ließ, wurde Wertheimer, obwohl er nichts darüber sagte, kühl gegen ihn, brach alles talmudische Diskutiren ab und entließ ihn nach dem Feste. Mehrere Jahre später kam Holdheim auch nach Goltsch-Jenikau zu R. Aron Kornfeld, der ihn ebenfalls sehr freundlich bei sich ausnahm und den ganzen Tag mit ihm über talmudische Themata diskutirte. Oft noch spät in der Nacht, wenn ste stch schon getrennt hatten, kam Kornfeld noch zu Holdheim, klopfte an die Thür, um ihm zu sagen, daß er jetzt noch eine Stelle gefunden habe, die für seine Ansicht spreche. Aber während dieses Aufenthaltes kam es doch auch Kornfeld zu Ohren, daß Holdheim ein „Kal" sei, d. h. es mit dem Ceremonialgesetze nicht genau nehme. Kornfeld, der bei all seinem umfassenden Wissen ein rührend kindliches Gemüth hatte, theilte Holdheim sofort diese Gerüchte mit, mit dem Beifügen, er könne es nicht glauben, daß ein Mann von so reichem talmudischen Wissen nicht auch ein gesetzestreuer Jude sei. Holdheim bezeichnete diese Gerüchte als lügenhafte Verdächtigungen und bat ihn, sich bei Wertheimer nach ihm zu erkundigen. Kornfeld that das sofort, bekam aber von Wertheimer keine Antwort. Lange Jahre nachher wollten die Notabeln Böhmens eine jüdischtheologische Lehranstalt errichten und luden die beiden größten talmudischen Autoritäten Böhmens, Wertheimer und Kornfeld, ein, zusammenzukommen, um einen Entwurf auszuarbeiten. Sie trafen wirklich zu diesem Zwecke in Pardubitz zusammen, und bei dieser Gelegenheit sagte Wertheimer zu Kornfeld: „Sie werden sich gewiß gewundert haben, daß ich vor Jahren Ihre Anfrage wegen Holdheim nicht beantwortet habe. Böses wollte ich nicht, Gutes konnte ich nicht sagen, darum schwieg ich lieber und dachte mir *n2*r 8'8'" Ich hatte in meiner Jugend das Glück, die beiden großen Männer kennen zu lernen, und namentlich Wertheimer, in dessen Hause ich die letzten 1*/, Jahre seines Lebens zubrachte, nahe zu treten; von ihm selbst habe ich auch die vorstehende Mittheilung gehört. Wien, 18. Januar. S. Hammerschlag. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. iüiii

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