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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-11 · Heft 6 (11.2.1898) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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«4^!i)p!!«W >»WS»W 65 wird" (2, 20), und „wie des Feuers Zunge Stoppeln verzehrt, wie vor der Flamme das,Heu zusammensinkt, so ihre Wurzel zu Moder werden und ihre Bllithe in Staub aufgehen wird" (4, 24 Kap. 5, 24). Aber Tadel und Drohungen sind ihm nie Selbstzweck; stets schließt er an sie Verheißungen. Bezeichnend für ihn ist die Gedankenfolge in der gewaltigen Rede, die Abschnitt 2 und 3 füllt (= Kap. 2—4, 6). An ihren Anfang stellt er mit den Worten eines alten Propheten (vergl. die Ausleger zu Kap, 2, 1 ff.) die Schilderung des Gottesreiches, der Zeit, da „alle Völker zum Berge des Herrn strömen" werden, beseelt von dem aufrichtigen Verlangen, daß „der Gott Jakobs ihnen seine Wege lehre, und sie in seinen Pfaden wandeln" (Vers 3), die Zeit tiefsten Friedens und höchster Glückseligkeit für die ganze weite Welt. In markigen Worten zeigt er, von diesem Leitmotiv ausgehend, wie sehr gegen dieses Idealbild die entartete Gegenwart absteche. Aber am Schluffe der Rede kehrt er zurück zu dem Gedanken, von dem er ausgegangen ist: 3, 23—27 (Kap. 4, 2—6) füllt eine begeisterte Schilderung der Zeit, da „durch den Geist des Gerichts und durch den Geist der Läuterung die Blutschuld Jerusalems abgewaschen sein wird", da „heilig genannt wird, wer in Zion übrig bleibt" und „über der ganzen Stätte des Berges Zion eine dampfende Wolke des Tages und des flammenden Feuers Schein bei Nacht sein wird". Und je mehr der Prophet sich in seine Aufgabe vertieft, desto klarer wird ihm das Bild der Zukunft Judas, wie sie sich durch das Gelingen seiner prophetischen Arbeit gestalten müsse. Schon in Abschn. 8 (Kap. 9, 1—6) jubelt er einer befferen Zeit entgegen, in der ein frommer König auf dem Thron sitzen und „das Reich durch Recht und Gerechtigkeit gegründet sein wird". In Abschnitt 10 (Kap. 11) entwirft er aber in allen Einzelheiten das Bild der Zukunft, nicht als ein geträumtes Ideal, von dessen Verwirklichung seine Zeit etwa noch weit entfernt wäre, sondern als das naturgemäße Ergebniß seiner reformatorischen Thätigkeit, als den Ertrag seiner Arbeit, wenn nach Vernichtung der Gottlosen nur die durch ihn geschaffene Gemeinde der Frommen im Lande übrig geblieben sein wird. Auf dem Thron wird dann ein gottesfürchtiger, weiser und gerechter König aus Davids Stamm sitzen, es wird eine Zeit tiefsten Friedens sein, frei von jedem Unrechte und jedem bösen Gelüste, das „ganze Land voll der Erkenntniß Gottes, wie Waffer den Meeresgrund bedecken" (10, 9 ----- Kap. 11, 9).') Während die im Vorstehenden genannten Abschnitte des Jesajabuches einer sehr eingehenden Behandlung bedürfen, kann der übrige Inhalt mehr summarisch behandelt werden. Der Unterricht hat folgenden Gang zu nehmen: B. Erfolg von Jesajas Wirksamkeit. — Anfangs erzielt der Prophet in der Oeffentlichkeit keine bedeutenden Erfolge. Zwar bildet er eine Partei aus seinen Hausgenoffen und Schülern (vergl. 7, 14 ---- Kap. 8, 16), aber sein Einfluß auf die leitenden Kreise bleibt zunächst gering. Dies ergiebt sich aus Abschnitt 6 und 7 (Kap. 7 und 8). Damit kommen wir auf Jesajas politische Thätigkeit zu sprechen. Der König Pekach von Israel im Bunde mit dem Könige Rezin von Syrien greift Juda an. Sie erobern, von den Edomitern unterstützt, Elath (2. Könige 13,8 Kap. 16, 6), und wenn sie auch Jerusalem selbst »och nicht „angreifen" können (Jes. 6, 1 Kap. 7, 1), so lebt man in Juda doch in sehr großer Besorgniß (6, 2--Kap. 7, 2). Da setzt Jesaja seine ganze Persönlichkeit ein', um den König Ahas zu bereden, das geplante i) Bon einem Gottesreiche, das noch in weiter Ferne liegt, kann hier keine Rede sein. Der Prophet spricht ausdrücklich nur von Zuständen auf dem „heiligen Berge Gottes". In Bers 9 muß es allerdings „Land" statt „Erde" heißen, wie Auerbach übersetzt. Bündniß mit Affyrien nicht einzugehen, sondern im Bertraue» auf Gott ruhig das Weitere abzuwarten (6, 3—9---Kap. 7, 3—9. „Wenn ihr nicht glaubet, werdet ihr nicht bestehen"). Der Prophet versteigt sich sogar im Eifer der Rede zu den inhaltsschweren Worten: „Fordere dir ein Zeichen von dem Herrn, deinem Gotte; fordere es unten in der Tiefe oder oben in der Höhe!" (6, 11^-Kap. 7, 11). Aber er wird von Ahas schnöde abgewiesen: ,-Jch fordere nichts und will den Herrn nicht versuchen." Ahas ging das Bündniß mit Tiglatpileser von Assyrien ein; dieser kam und besiegte die Verbündeten Reiche Syrien und Israel, machte aber auch Juda von sich abhängig. — Wie hier der Einfluß Jesajas auf politischem Gebiete gleich Null ist, so erzielt er in dieser Zeit auch in religiöser Hinsicht keine Befferung. Im Gegentheil, Ahas, der „sogar seinen Sohn durchs Feuer geführt und nach den Greueln der Völker gethan, welche der Ewige vertrieben vor den Kindern Israels" (2. Könige 13. 6 --- Kap. 16, 3), ließ dem König von Affyrien zu Gefallen allerhand Aenderuugeu im Heiligthum vornehmen (2. Könige 13, 10-^-Kap. 16, 10) und begünstigte jedwede Art von Götzendienst und Aberglauben (Auerbach zu 2. Könige 13, Anm. 3). Anders wurden die Verhältnisse unter Ahas' Nachfolger Hiskia. Schon als Prinz berechtigte dieser zu großen Hoffnungen (Jes. 8, 5 ff. — Kap. 9, 5). Jesaja gewann sehr großen Einfluß auf ihn; Abschnitt 32 (Kap. 38) mag zeigen, welche Vertrauensstellung Jesaja bei ihm einnahm. Diesen Einfluß nutzte der Prophet nach Kräften aus: er hält fortan das Heft fest in Händen, in den inneren und äußeren Angelegenheiten des Staates erkennt man stine umsichtige und zielbewnßte Thätigkeit. Der Erfolg, den er zu verzeichnen hat, zeigt sich bald 1. auf religiösem Gebiete in einer durchgreifenden Kultusreform, die der König Hiskia vornahm: #er schaffte die Höhen weg und ließ die Standbilder zerstören und die Astarte umhauen; auch die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte, ließ er zerschlagen" (2. Könige 15---Kap. 18, 4. vergl. Auerbach zu dieser Stelle Anm. 1). — 2. Auf politischem Gebiete.: Nachdem das Reich Israel mittlerweile von Assyrien zerstört worden war, handelte es sich darum, welche Stellung Juda gegen Affyrien einnehmen sollte. Eine starke Partei neigte zu einem Bunde mit Aegypten gegen Affyrien. Jesaja ist mit Hand und Fuß dagegen, ebenso wie unter Ahas gegen ein Bündniß mit Affyrien. Jii den Abschnitten 12—18 und 20 (Kap. 14—21 und 23) zieht er alle Nachbarvölker in den Kreis seiner Betrachtung: Babel, Moab, Damaskus, Aegypten, Phönicien — sie alle, so lautet sein prophetischer Spruch, haben keinen Bestand, sie alle sind dem Untergange geweiht; keins vermag daher Juda eine zuverlässige Stütze zu sein. Den Eindruck seiner Warnung verstärkt er durch eine sinnbildliche Handlung (Abschn. 17 --- Kap. 20; dies ist von allen ebengenannten Abschnitten der einzige, der gelesen werden mag, auch weil am Schluffe in Vers 6 deutlich gesagt ist, zu welchem Zwecke Jesaja sich so eingehend mit den fremden Völkern beschäftigt). Jesaja dringt mit seiner Ansicht zunächst durch. Beweis: die Absetzung Sebnas, des Hauptes der Aegypten freundlichen Partei (19, 15 Kap. 22, 15). In zwei großen Reden (25—26^-Kap. 30—31) warnt er noch einmal mit aller Entschiedenheit vor einem Bündnisse mit Aegypten: „Durch Ruhe und Stille wird euch geholfen werden; im Stillesein und Vertrauen sei eure Stärke" (25, 15). Dies bleibt auch sein Grundsatz, als die Affyrer Hiskia, der hinter Jesajas Rücken schließlich doch mit Aegypten ein Bündniß eingegangen ist, mit Krieg überziehen und Jerusalem belagern, so daß der König und das ganze Volk in die größte Bestürzung gerathen. Hierher gehören die historischen Abschnitte 30—31

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