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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-11 · Heft 6 (11.2.1898) · p. Seite 64

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 Die neue Einwanderungsvorlage ist, wie befürchtet wurd^, im amerikanischen Senat angenommen worden. In der Sitzung von, 17. v. Mts. nahm der Bundessenat den Gesetzentwurf des Senators Lodge bezüglich der Beschränkung der Einwanderung mit 45 gegen 28 Stimmen an. Mit de» acceptirten Amendirungen, die Senator Spooner aus Wiskonsin einbrachte, lautet das neue Gesetz dahin, daß alle gesunden, über 16 Jahre alten Einwanderer irgend eine Sprache entweder lesen oder schreiben müssen. Ausnahmen machen Eltern oder Großeltern, wenn sie über 50 Jahre alt sind und unterhallungsfähige Kinder in den Vereinigten Staaten haben, Fronen oder minderjährige Kinder, die Gatten oder Vater in den Vereinigten Staaten haben. Das Gesetz trifft die russischen und polnischen Juden, die in Amerika einwandern wollen, sehr hart. Grneral-Nersamrnlirng drs Vereins jüdischer Lehrer und Kultnsdeamten der Provinz Pommern. m 4. Januar d. I., Nachmittags 2 Uhr, versammelte sich in Stettin im Sitzungssaale der Repräsentanten eine größere Anzahl von Mitgliedern des Vereins jüdischer Lehrer usid Kultusbeamten zu einer Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Dr. Josephsohn-Lauenburg, begrüßte die Versammlung und dankte dem Gemeindevorstande, der ebenfalls vertreten war, für die Ueberlassung des Saales. Herr Samuel, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, hieß die Versammlung im Namen des Letzteren willkommen und sprach den Wunsch aus, daß die Verhandlungen, denen die Gemeindebehörden das größte Interesse entgegenbringen. von gutem Erfolge begleitet sein mögen. Nachdem auch Herr Dr. Vogelstein im Namen der Stettiner Beamten die Kollegen begrüßt hatte, wurde in die Tagesordnung eingetreten. 1. Herr Dr. Josephsohn erstattete den Bericht über das abgelaufene Jahr. Hierauf folgte die Prüfung der Bücher und Kasse durch Dr. Norden-Neustettin und Lewy-Kolberg. Dieselbe ergab einen Kassenbestand von 145 Mark. Dem Vorstande wurde auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Hieran schloß sich der wichtigste Theil der Tagesordnung, die Lehrprobe, welche Kollege Katz aus Naugard übernommen hatte. Das Thema lautete: „Uebersetzen der ersten Benediktion des Achtzehngebets". Nach einer kurzen Einleitung, welche Namen und Abfassungszeit hes Achtzehngebets behandelte, wurde mit dem Uebersetzen begonnen. Dasselbe vollzog sich in der Weise, daß der Lehrer kurze Absätze vorübersetzte, welche dann von den Schülern nachübersetzt wurden. Darauf gaben die Schüler die Uebersetzung wieder, ohne zugleich das Hebräische zu wiederholen. Nach dem Uebersetzen eines jeden Absatzes wurde der Inhalt desselben durch Erfragen festgestellt und erläutert. Die Grammatik fand nur geringe Berücksichtigung. Den Schluß bildete die Wiedergabe des Inhalts des ganzen Abschnittes. In der sich anschließenden lebhaften Diskussion, an der auch die anwesenden Mitglieder der Gemeindeverwaltung durch Fragen sich betheiligten, wurden besonders die Grundsätze behandelt, welche beim Uebersetzen der Gebete zu beachten sind. Nach einer einstündigen Pause wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Der Vorsitzende berichtete, daß ein Beamter, der als Schächter und Synagogendiener angestellt ist, sich zur Aufnahme in den Verein gemeldet habe. Es wird einstimmig beschlossen, dieses Aufnahmegesuch abzulehnen und auch in Zukunft nur solche Beamte aufzunehmen, welche in ihrer Gemeinde den Religionsunterricht ertheilen. — Bon Herrn Dr. Norden waren folgende drei Anträge eingegangen: 1. Der Verein hält in jedem Jahre zwei Sitzungen ab. ' 2. Die Lehrproben werden stets von Lehrern abgehalten, die am Versammlungsorte im Amte sind. 3. Der Verein möge dafür Sorge tragen, daß in sämmtlichen Gemeinden auch bei den jüdischen Fleischern das rituell geschlachtete Fleisch mit dem *w2-Stempel versehen wird. Der letzte Antrag wurde, als nicht zu den Aufgaben des Vereins gehörig, ohne Debatte von der Tagesordnung abgefetzt. Die Ausführung des ersten Antrages wurde allseitig für erwünscht, aber aus pekuniären Rücksichten nicht für möglich gehalten. Ueber den zweiten Antrag entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in welcher sich die große Mehrzahl der Anwesenden gegen die Beschränkung aussprach, welche der Antrag einführen will. — Beide Anträge wurden darauf vom Antragsteller zurückgezogen. Der Vorsitzende verlas hieraus eine Einladung zum Beitritt zur Hilfskasse für israelitische Beamte der Synagogengemeinden Pommerns, Ost- und Westpreußen. Herr Dr. Bogelstein empfahl den Kollegen den Beitritt zu dieser Kasse, ebenso Herr Gallandt. Herr Katz wünschte, der Verein möge die Gemeinden ersuchen, den Beamten einen Zuschuß zu den Kosten der Versicherung zu zahlen. Die Versammlung beschloß, daß dies nur auf Antrag des betreffenden Beamten geschehen soll. Herr Dr. Bogelstein sprach den Wunsch aus, daß diejenigen Herren sich melden mögen, welche bereit find, in den kleinen Nachbargemeinden Schulinspektionen zu übernehmen. Ferner wurden die Herren ersucht, Jeder in seiner Gemeinde für den Anschluß an den Verband der Synagogengemeinden Pommerns zu wirken. Die Anregungen, welche von Seiten der Stettiner Gemeinde und von dem Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund in Berlin ausgegangen sind, haben bis jetzt wenig Erfolg zu verzeichnen gehabt. In der nun folgenden Borstandswahl wurden die Herren Dr. Josephsohn, Saul, Sarasohn und Simon wiedergewählt. An Stelle des ausgeschiedenen Herrn Ernst Meyer wurde Herr Dr. Norden gewählt. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Belgard bestimmt. Die Probelektion wird Herr Gallandt über ein Thema aus der systematischen Religionslehre halten. Herr Carlsberg übernimmt einen Vortrag über das Thema: „In welcher Weise ist das Bibellesen in der Schule zu pflegen?" An die Versammlung schloß sich ein gemeinsames Abendessen, welches die Kollegen und einige Mitglieder der Gemeindeverwaltung bis gegen Mitternacht in fröhlicher Stimmung vereinigte. Simon, Protokollführer. Ueber die Lektüre der prophetischen Bücher inr Uetigionsnnterrichte der höheren Schulen. Von Direktor Dr. Tachau in Wolfenbüttel. IV. (ngHutd) eine solche eingehende Behandlung des ersten Kapitels ist der Grund gelegt für das richtige Verständniß der folgenden Abschnitte 2-3; 4.8 und 10 (= Kap. 2-3, 23; 4, 2—6; 5; 9, 1—6 und 11, 1—13). Wie der Prophet schon in Kapitel 1 nur an die Gegenwart anknüpft, um hauptsächlich die Zukunft zu beleuchten (vergl. die Disposition), so erhebt er sich auch in den genannten Abschnitten immer wieder von der Betrachtung der sittenlosen Zustände seiner Zeit zur trostvollen Verkündigung künftigen Heils, das den Frommen beschieden sei. Er geht nicht sparsam um mit Tadel und Vorwürfen. Mit vernichtendem Hohn zieht er her über alle Hoffahrt, die der Menschen Sinn erfüllt (2, 7 ff. --- Kapitel 2, 7 ff.), und allen Tand, dem besonders die Frauen nachjagen (3, 16 ff. — Kap. 3, 16 ff.); wie mit wuchtigen Keulenschlägen trifft er die „Frevler" im Lande, denen er in sechsmaligem „Wehe" schonungslos ihr Spiegelbild vorhält (4, 8 ff. --- Kap. 5, 8 ff.); in Wort und Bild schildert er mit furchtbarer Deutlichkeit die Zerrüttung und den völligen Untergang, dem das Land entgegensteuert (3, 1, ff.; 4, 1 ff.; 4, 24 ff. — Kap. 3, 1; 5, 1; 5, 24), bis der Tag kommen werde, da der „Mensch die silbernen und die goldenen Götzen, die man ihm gemacht hat, daß er sich vor ihnen bücke, den Maulwürfen und beit Fledermäusen hinwerfen

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