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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-04 · Heft 5 (4.2.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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verbeten hatte, erwiederte in seiner liebenswürdigen und herzlichen Weise -n auf jede der Ansprachen. Der Vorstand überreichte Herrn Man heimer einen silberdurchzogenen Lorbeerkranz, auf dessen blauseidenen Schärpen; sich eine entsprechende Widmung befand. 0. Berlin, 31. Januar. Am 25. d. M. hat hier im Saale „Cassels! Hotel" die erste ordentliche Generalversammlung des vor etwa Jahresfrist begründeten „Palästina". Verein zur Unterstützung jüdischer Bauern", stattgefunden, in welcher der Vorsitzende, Herr Wilhelm Goldschmidt, über das Resultat des verflossenen Jahres Bericht erstattete. Wir entnehmen demselben, daß sich der Verein in der kurzen Zeit seines ' Bestehens eine sehr stattliche Mitgliederzahl erworben hat, und daß er bereits über viele Orte Deutschlands ausgebreitet ist. Trotzdem im ersten Jahre seiner Wirksamkeit zu seiner Einführung naturgemäß größere Ausgaben nothwendig waren, belaufen sich die Gesammtkosten auf nur 199,03 Mark, da Kosten für die Verwaltung vollständig erspart blieben. Die Einnahmen betrugen 811,59 Mark, so daß ein Kassenbestand von 612,56 vorhanden ist. In diesem Jahre sind bereits eine ganze Anzahl neuer Mitglieder hinzugetreten, ferner hat ein bekannter süddeutscher Rabbiner größere Beträge, über welche er die Verfügung für Kolonisationszwecke hat, dem Verein zugesichert. §2 Berlin, 1. Februar. Wie alljährlich, veranstaltet auch in diesem Winter das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, welche im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, gehalten werden, sind folgende: Am 14. Februar: Herr Dozent Dr. M. Schreiner: „Was lehrten die Pharisäer?" Am 2l. Februar: Herr Rabbiner Dr. T. Cohn- „Die Frauen im Talmud". Am 28. Februar: Herr Professor Dr. L. Geiger: „Esther in der neueren Litteratur". Am 14. März: Herr Privatdozent Dr. G. Huth: „Meine Reise nach den Goldwäschen des Jenissei". Am 21. März: Herr Rabbiner Dr. S. Weisse: „Geistesleben der Juden am Beginn der Neuzeit". Am 28. März: Herr Rechtsanwalt B. Breslauer: „Hermann Makower". Beginn Abends 8 Uhr. Einlaßkarten ä 5 Mark für den ganzen Cyklus, ä 1 Mark für eine Vorlesung sind zu haben bei Herren Gebr. Friedländer, Unter den Linden 28, und beim Eingang in den Saal. 22 Berlin, 31. Januar. Eine sehr begabte junge Bildhauerin, Else Fürst, Tochter des hiesigen Kinderarztes S.-R. Dr. Livius Fürst, welche sich schon durch einige treffliche Arbeiten bekannt gemacht hat (es sei nur an die Porträtbüste ihres verewigten Großvaters, des berühmten Orientalisten Professor Julius Fürst, in der Bibliothek der Hockschule für die Wissenschaft des Judenthums hierfelbst erinnert), hat gegenwärtig im Schulte'schen Salon ein neues Werk ausgestellt. Es handelt sich um eine Porträtbüste ihrer Schwester Helene Fürst, einer jungen, talentirten Geigerin; das Bildniß verbindet mit größter Aehnlichkeit eine feine und graziöse künstlerische Auffassung, gewiß zum Theil das Ergebniß eines fast ^jährigen Studiums in einem Pariser Atelier. GJ) Lissa, 16. Januar. Am 18. d. Mts. feierte einer der ältesten Vereine unserer Gemeinde, der Kranken-Unterstützungs- V er ein (nttT 1p rPGn) sein Stiftungsfest durch ein Festessen im Kaiserhofsaale. An demselben betheiligten sich etwa 100 Mitglieder unserer Gemeinde. Die Reihe der Trinksprüche eröffnete der Vorsitzende des Vereinsvorstandes, Herr Kaufmann Louis Bieberfeld, der auch Vorsitzender unseres Gemeindevorstandes ist, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, worauf die Nationalhymne stehend unter Begleitung der Artilleriekapelle gesungen wurde. Letztere konzertirte auch während des Festmahles. Hierauf erstattete der Schriftführer des Vereins, Herr Gemeindesekretär Ansorge, den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Bereinsjahr. Aus demselben heben wir Folgendes hervor: Der Verein besitzt ein sicher angelegtes Vermögen von 20 000 Mark. Im Jahre 1897 hat derselbe an laufenden und außerordentlichen Unterstützungen über 1500 Mark verausgabt. Ferner gewährt derselbe bedürftigen Gemeindemitgliedern freien Arzt, Apotheke und chirurgische Instrumente. Durch Zahlung von Beiträgen an die jüdischen Kurhofpitäler zu Kolberg und Warmbrunn ermöglicht er armen Gemeindemitgliedern unentgeltlichen Aufenthalt dortselbst. — Dieser Bericht wurde von den Mitgliedern beifällig ausgenommen. In Hinsicht auf diese segensreiche Thätigkeit des Vereins brachte auch unser verehrter Gemeinderabbiner, Herr Dr. S. Bäck, zum Schluffe seiner darauffolgenden Festrede ein Hoch auf den Vereinsvorstand aus. Im weiteren Verlaufe des Festmahles toasteten Herr Kaufmann Julius Baginski auf unseren Rabbiner I Dr. Bäck. Herr Rechtsanwalt Nürnberg auf das Festkomitee, Herr i Stadtrath Jakubowski auf die Damen, welche beim Arrangement des Festes thätig mithalfen, und Herr Manheim auf den Gemeindevorstand. In heiterster Stimmung blieben die Festtheilnehmer bis gegen 12 Uhr beisammen. 6. Breslau, 31. Januar. Das Jüdisch-Theologische Seminar beging am 27. v. M zum vierundvierzigsten Male die Gedächtnißfeier für seinen Stifter, den verewigten Kommerzienrath Jonas Fränkel. Damit war, wie üblich, die Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers und die Entlassung der Rabbinatskandidaten verbunden, die im Laufe dieses Jahres ihre Examina abgelegt haben. Um 11 Uhr 'fanden sich in der festlich geschmückten Aula die Kuratoren, Lehrer und Hörer des Seminars und eine stattliche Corona geladener Gäste ein. Nach einem einleitenden Gesänge, vorgetragen vom Männerchor der Neuen Synagoge, hielt der zeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums Herr Dr. S. Horovitz die Festrede über die Entwickelung der jüdischen Predigt von den Zeiten der Propheten bis auf Mendelssohn. Durch seine außerordentlich geistvollen und pointenreichen Ausführungen fesselte der Redner das anwesende Publikum. Dann überreichte der Seminarrabbiner Dr. Lewy mit einer kurzen Ansprache den Kandidaten Dr. Fried und Dr. Schornstein die Rabbinatsdiplome. Zum Schluß ergriff Herr Dr. Schornstein das Wort und verabschiedete sich auch namens seines Collegen in ernster und wehmuthsvoller Rede von seinen Lehrern, Freunden und Studiengenossen. — Zur Bewerbung um den Joseph Lehmannschen Preis war die Aufgabe gestellt: Wie verhält sich die Darstellung des Josephus über die makkabäische Erhebung zu den Berichten der beiden ersten Makkabäerbücher? Eingegangen sind zwei Bearbeitungen. Das Lehrerkollegium hat beiden den Preis zuerkannt. Die Oeffnung der Kuverts ergab als Verfasser die Herren cand. phil. Julius Grünthal aus Posen und cand. phil. Robert Kaelter aus Breslau. 8. Rosenberg (Oberschlesien), 2l. Januar. Am 13. d. M. feierte die hiesige Gemeinde das 70. Stiftungsfest der „Chewra-Kadischa". Um 7 Uhr Abends begann im Hotel de Rome (W. Baginsky) die Feier mit dem Maariw-Gottesdienst, dem sich ein inniges Gebet für die verstorbenen Mitglieder der „Chewra" anschloß. Darauf erschienen sämmtliche Mitglieder der „Chewra" — auch der Frauenverein war geladen — zu einem gemeinschaftlichen Abendessen. Herr Hermann Freund begrüßte die Anwesenden durch eine herzergreifende Ansprache. Als zweiter Redner sprach der langjährige Vorsitzende des Repräsentanten- Kollegiums, Herr Kaufmann Adolf May, der den Vorstand, der allezeit seine Pflichten erfülle, mit aufrichtiger Gesinnung, ohne jede Parteilichkeit die gute Sache vertrete, hoch leben ließ. Hierauf hielt der Kultusbeamte und Prediger unserer Gemeinde, Herr Haase, die Festpredigt, in welcher er über die eigentliche Bedeutung einer „Chewra-Kadischa" sprach. Mit der Mahnung an das jüngere Geschlecht: dasjenige, was unsere Vorfahren unter Druck und Leiden geschaffen, stets in Ehren zu halten und nicht nur — wie es heutzutage häufig geschieht — den Steuerzettel zu beachten, sondern mit Herz und Seele dem kranken und abgestorbenen Bruder religiöse und heilige Liebesdienste zu erweisen, schloß der Redner mit einem Hoch auf die „Chewra" und ihre sämmtlichen Mitglieder. Herr Dr. med. Kaliski, Mitglied des Vorstandes der Gemeinde sprach hiernach über die jüdische Pietät. Der Vorsitzende der Gemeinde Herr Meyer Landsberger, ergriff nunmehr das Wort, dankte den Anwesenden für ihr treuliches Zusammenhalten, dafür, daß sie weder Mühe noch Opfer scheuen, der guten Sache ihre Dienste angedeihen zu lassen, worauf ein Hoch den Damen dargebracht wurde. Noch weitere Toaste würzten das Mahl, und auch die Wohlthätigkeit kam zu ihrem Rechte. Möge der Verein noch lange segensreich wirken! g. Ratibor i. O.-S., 31. Januar. Am Kaisersgeburtstage fand hier ein besonders feierlicher Gottesdienst in der Synagoge statt. Es war nämlich gleichzeitig damit die Einweihung der von Herrn Rittergutsbesitzer Jul. Zender geschenkten und von der Firma Schlag u. Söhne-Schweidnitz gebauten Orgel verbunden. Eingeleitet wurde die Feier durch ein von dem Lehrer Leckelt, Dirigent der Singakademie, gespieltes Präludium. Hierauf sang der gemischte Synagogenchor unter Leitung des Herrn Plattnauer: „Wie lieblich sind die Boten, die den

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