Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1898)
- Date
- 1898-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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62. Jahrgang. Ar. 5. Eerlm, 4. Februar 1898. Weikcrge zur „MLgerneinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. S£2 Berlin, 1. Februar. Im Sitzungssaale der Repräsentanten der jüdischen, Gemeinde tagte am 27. v. Mts. die General-Versammlung des „Deutschen Central - Komitees für die russischen Juden". Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Herr Justizrath Meyer, begrüßte die Erschienenen und warf einen Rückblick auf die Thätigkeit des Central - Komitees, welche in jeder Hinsicht voll befriedigen könne: allüberall regte sich die altbewährte Wohlthätigkeit und der werkthätige Hilfseifer, welche namentlich an den Grenzen und in Amerika Großartiges geleistet haben. Redner gedenkt sodann in pietätvoll - rühmenden Worten der beiden Heimgegangenen hervorragenden Förderer und Mitarbeiter an dem Hilfswerk, Baron Hirsch und Rabbiner Dr. Bamberger - Königsberg. Das Deutsche Central - Komitee habe gegenwärtig keine Existenzberechtigung mehr, und seine Thätigkeit offiziell zu beschließen, sei Zweck der Versammlung. Aber es müsse die Erneuerung ähnlicher Nothstände wie die, welche die Begründung des Komitees veranlaßten, befürchtet werden, und der gefchäftsführende Ausschuß sei deshalb der Ansicht, daß nach Abzug der zur Zurückzahlung gelangenden Beträge der Restbestand als ein Fonds unter Verwaltung der jüdischen Gemeinde gestellt werden möge, dessen Zinsen für ähnliche Zwecke zu verwenden seien, während das Kapital aufbewahrt werden möge, um dereinst als Grundstock für Fälle ähnlicher Art zu dienen. Redner verliest ein Schreiben des Frankfurter Komitees, das die Kompetenz der Versammlung, über den Bestand zu verfügen, bestreitet, ferner ein solches des Grenz - Komitees in Königsberg und eine Zuschrift des Herrn Dr. Heinrich Meyer Cohn-Berlin. Hierauf referirt der Schriftführer des Komitees, Herr Rechtsanwalt B. Breslauer, über die Thätigkeit seit der Versendung des letzten Berichts. Während der Jahre 1896 und 1897 wurden 458 Personen mit einem Kostenaufwande von 14 767 Mark, seit Bestehen des Komitees 195 034 Personen (zumeist während der Jahre 189 l—92 nach Amerika) befördert. Die Gesammt- Einnahmen betrugen 2 954 660 Mark, die Ausgaben 2 767 594 Mark, der Bestand 106 322 Mark, darunter 40 837 Mark, die Baron Hirsch der Verfügung des geschäftsführenden Ausschusses überwiesen. Von den verbleibenden 65 485 Mark sollen die Komitees pro rata bestimmte Beträge zurückerhalten. Der Vorsitzende stellt nunmehr die Frage der Auflösung zur Diskussion, und verliest die von auswärtigen Komitees eingegangenen zahlreichen Anträge, welche die Verwendung des Bestandes betreffen. — Herr Sanitätsrath Dr. Neumann beginnt mit Worten des Dankes an das Central-Komitee für dessen hingebungsvolle Thätigkeit, erklärt sich aber mit den jetzigen Anträgen desselben nicht einverstanden. Es liege kein Grund, vor, die Thätigkeit des Komitees einzustellen, denn nicht etwa. zur Beförderung oder Unterstützung der Auswanderung allein sei das Komitee gegründet worden, sondern um den bedrängten russischen Juden zu helfen, und hierzu biete sich in den mannigfachsten Formen Anlaß und Gelegenheit übergenug. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß der einzige Unterschied zwischen der Anschauung des Vorredners und der des geschäftsführenden Ausschusses darin bestehe, daß letzterer nur die Zinsen, Herr Dr. Neumann auch das Kapital verwendet wissen will. — Herr M. W. Hinrichsen-Hamburg erachtet eine Auflösung des Central-Komitees, da die Thätigkeit, zu der es entstanden, aufgehört habe, für natürlich, wünscht aber, daß dasselbe ein Kollegium von drei Herren mit dem Rechte der Kooptation und Selbstergänzung ernennen möge, welche das Kapital der Verwaltung der hiesigen Gemeinde überweisen und die Zinsen für russische Juden verwenden, eventuell auch berechtigt sein solle, über das Kapital zu verfügen. Redner kann das Recht der Komitees, die Beträge zurückzufordern, nicht anerkennen und erachtet das für um so bedenklicher, da es nöthig sei, gegenüber etwaigen Kalamitäten, die jedesmal spontan ausbrachen, rechtzeitig mit namhaften Summen gerüstet zu sein. Herr General-Konsul Eugen Landau hebt die Verdienste der Herren Justizrath Meyer, Rechtsanwalt Breslauer und W. Hinrichsen um das Hilfswerk rühmend hervor und betpnt gleichfalls die Nothwendigkeit, ein Kapital zu referviren. Herr Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen verweist auf die betreffenden Paragraphen des im Jahre 1891 festgestellten Statuts des Central-Komitees und billigt dementsprechend den Antrag auf Auflösung, dessen Berechtigung er in eingehender Rede begründet, um dann für Ueberweisung eines Theiles des Bestandes an das oberschlesische Grenzkomitee zu plädiren. Herr M. A. Klausner glaubt, daß wohl noch ein Thätigkeitsgebiet für das Komitee vorhanden sei, und empfiehlt den Fortbestand. Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin schließt sich dem Anträge Hinrichsen an und wendet sich nachdrücklichst gegen jede Rückzahlung. Herr Dr. Hirsch-Hildesheimer ist gleichfalls für Schaffung irgend einer die Thätigkeit des Komitees fortsetzenden Organisation, etwa nach dem Muster der von Hinrichsen vorgeschlagenen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses auf Auflösung des Komitees genehmigt und sodann beschlossen, daß ein ständiges Komitee von drei Personen mit dem Rechte der Selbstergänzung ernannt werde, welches befugt ist, über das Kapital, das an sicherer Stelle deponirt wird, und über die Zinsen für bedrängte russische Juden zu verfügen. In das Komitee werden gewählt die Herren Rechtsanwalt Breslauer, Regierungsrath Magnus und General-Konsul Landau. Hierauf wird die Frage, ob und in welchem Umfange Rückzahlung zu leisten ist, erörtert. Herr Rechtsanwalt Breslauer verliest den Antrag des geschäftsführenden Ausschusses über Art und Höhe der zurückzuzahlenden Raten. Herr Dr. Vogelstein-Stettin wünscht, daß nur an diejenigen Komitees, welche eine dahingehende Forderung stellen, Rückzahlung erfolgen soll, während die Herren M. Weiß-Berlin und M. W. Hinrichsen-Hamburg derselben überhaupt widersprechen. Letzterer unter Hinweis darauf, daß ja die Thätigkeit fortdauert; jedenfalls soll eventuell das neugewählte Komitee über die Berechtigung der Rückforderungen nach eigenem Ermessen entscheiden. Entsprechend diesem Anträge wird beschlossen, dem neuen Komitee die Prüfung zu überlassen, ob und in welchem Umfange Rückzahlung erfolgen soll. Herr Hinrichsen beantragt, durch Vermittelung des Hamburger Komitees dem dortigen „Israelitischen Unterstützungs- Verein für Obdachlose" (der z. B. im Jahre 1897 23 000 Speiseportionen in der Auswandererhalle verausgabt hat) 5000 Mark aus dem vorhandenen Kapital zu überweisen, was beschlossen wird. Desgleichen werden nach dem Anträge des Ausschusses je 5000 Mark für die Grenzkomitees in Königsberg und in Oberschlesien und 3000 Mark für das in Stettin bewilligt. Herr Hinrichsen spricht dem Vorsitzenden und Schriftführer für die Leitung der Verhandlungen und für ihre unermüdliche Thätigkeit im Dienste des Hilfswerkes in warmen Worten Dank aus, dem die Versammlung durch Erheben von den Sitzen sich anschließt. Nachdem hierauf Herr Rabbiner Dr. Vogelstein dem Wunsche, daß ähnliche Prüfungen, wie die, welche das Entstehen des Central- Komitees nöthig gemacht, von unseren russischen Brüdern abgewehrt bleiben, daß aber, wenn der Rathschluß des Allmächtigen es anders gefügt, sich opferwillige, werkthätige Helfer in Israel finden mögen, Ausdruck gegeben, schließt der Vorsitzende die Versammlung. a. Berlin, 30. Januar. Am Sonntag den 30. Januar gehört Herr Moritz Manheimer der Verwaltung des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde 25 Jahre an. Dieses Jubiläum ist in der letzten, Montag den 24. Januar stattgehabten, Vorstandssitzung des Krankenhauses im Beisein der dirigirenden Aerzte Herrn Professor Dr. Israel und Herrn Sanitätsrath Dr. Lazarus sowie des Delegirten des Gemeindevorstandes Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Boas im engen Kreise durch Ansprachen des Vorsitzenden, Herrn Louis Sachs, sowie des Herrn Geh. Sanitätsralh Dr. Boas und Herrn Professor Dr. Israel gefeiert worden. Der Jubilar, welcher sich jede sonstige Kundgebung