Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1898)
- Date
- 1898-02-04
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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WH^WK8M^WIMW>WM mittle. Das widerlegt aber der Referent mit einem Hinweis auf eine Aeußerung des Ministers, nach welcher die jüdischen Lehrer, wenn sie nicht von den Gemeinden unterstützt werden, wenig Aussicht haben. Es wird beschlossen, die Denkschrift des Referenten sowie den von Katz- Gnesen im Vorjahre gehaltenen Bortrag zu drucken und beide den Gemeindevorständen zu überreichen. Zur Ausführung dieses Beschlusses wird eine Kommission, bestehend aus den Kollegen Becker, Cohn und Katz, gewählt. Hierauf wurden die beiden folgenden Referate von Hopp-Kurnik und Behle-Lissa unter dem zustimmenden Beifall der Versammlung . verlesen. Als Vortrag für die nächstjährige Versammlung, welche am 29. Dezember in Posen stattfinden soll, wird das Verbandsthema: „Wie ist die Volksschule unserer Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt, und was hat sie geleistet?" an erster Stelle angenommen. An die Sitzung schließt sich ein gemeinsames Mahl, welches durch eine Anzahl Trinksprüche gewürzt wird. Mit dem Wunsche: Auf gesundes Wiedersehen im nächsten Jahre! trennten sich nach 4 Uhr die Kollegen. Die Schriftführer: Z a d e k - P osen. B e h l e - Lissa. Uetrer die Lektüre der prophetischen Bücher im Religionsunterrichte der höheren Schuten. Von Direktor Dr. Tachau in Wolfenbüttel. III. Jesaja. as Ziel, das sich Jesaja gesteckt hat. wird am besten klar aus Abschn. 5 (Kap. 6), der seine Berufung zum Propheten schildert. Dieser Abschnitt ist deshalb zuerst zu lesen. Ergebniß: Gott stellt dem Propheten folgende Aufgabe: a) Er soll das Volk ermahnen, aber er wird durch seine Mahnungen nur „ihre Herzen verstocken, ihre Ohren verhärten und ihre Augen verblenden" (V. 9—10).') b) Er soll die bevorstehende Zerstörung, Entvölkerung und Verbannung verkündigen (V. 11—12). c) Er soll verkünden, daß ein „Stamm" als „heiliges Geschlecht" übrig bleibe (V. 13). An den unter a) und b) genannten Aufgaben ist nichts Neues. Auch Amos und Hosca erkannten schon die Hoffnungslosigkeit ihres Redens und den unabwendbaren Untergang des Volkes. Aber e) enthält einen ganz neuen Gesichtspunkt. Zwar läßt auch Amos schon Einzelne aus dem allgemeinen Verderben übrig bleiben. Aber dabei hat es dann sein Bewenden; was aus ihnen werden soll, kümmert Amos nicht. Jesaja dagegen geht bedeutend weiter; er erkennt, daß das Volk als solches zwar nicht mehr gerettet werden kann, aber daß dem Rest der Frommen, der aus einer ungewöhnlich starken „Sichtung" des Volkes übrig bleiben werde (V. 13), die Zukunft gehöre; sie werden der „Stamm" sein, aus dem ein „heiliges Geschlecht" hervorgehen wird. — Mit dieser Erkenntniß ist auch das Ziel seiner prophetischen Thätigkeit bestimmt: er will eine von wahrhafter Frömmigkeit durchdrungene Gemeinde heranbilden. Aufgabe der Lektüre ist es, die Mittel klarzulegen, durch die er dies Ziel zu erreichen sucht und den Erfolg festzustellen, den er erzielt hat. A. Die Mittel, die Jesaja anwendet, sind dieselben wie bei Amos und Hosea. Auch seine Reden sind vierfacher Art: Straf- ') V. 10 muß abweichend von Auerbach lauten: „V er stocke das Herz dieses Volkes, verhärte seine Ohren und blende seine Augen" (vgl. die Uebersetzungen von Philippson. Kautzsch u. a.). T f predigten; Ankündigung des bevorstehenden Unglücks oder Hinweis auf 1 das schon eingetretene Verderben; Ermahnungen und Verheißungen. j Die Eigenart des Propheten, die sich darin zeigt, wie er mit j Rücksicht auf seine Zeit diese Punkte in seinem Buche im Einzelnen j ausführt, ersieht man aus der Lektüre der Abschnitte 1—4, 8 und 10 (Kap. 1 — 5, 9 und 11). Ich halte es für empfehlenswerth, diese Abschnitte sämmtlich zu lesen. Da Kap. 1 alle vier oben aufgeführten Punkte berührt, und an ihm der Gedankengang des Propheten, und wie er sich von seinen Vorgängern unterscheidet, am : besten nachgewiesen werden kann, so beginnt man am besten mit ihm. j Die Lektüre von Kap. 1 ergiebt folgende Disposition: j I. Der Prophet redet über die Gegenwart (V. 2 —17). 1. Er rügt den Abfall von Gott (V. 2 — 4). 2. Er weist auf das schwere Unglück hin, welches das Land bereits betroffen hat (V. 5 — 9). 3. Er mahnt: a) von einem rein äußerlichen Gottesdienste abzulassen (V. 10-15); b) nach wahrhafter Frömmigkeit, die sich in der sittlichen Thal zeige, zu trachten (V. 16 — 17).; II. Der Prophet redet über die Zukunft (V. 18 — 31). 1. Mit Bezug auf seine eben ansgesprochenen Mahnungen (V. 18-20): a) Wer wahrhaft fromm ist, wird Sündenvergebung erlangen (V. 18); b) wer „willig ist und gehorchet", wird „den Segen des Landes genießen"; die Widerstrebenden und Ungehorsamen aber werden völlig untergchen (V. 19—20). 2. Mit Bezug auf die damaligen Zustände (V. 21 — 31): a) Gott wird durch ein Strafgericht eine Sichtung des im Vergleich zu früher (V. 21 — 23) sehr sittenlosen Volkes eintreten lassen und „jede Beimischung ausscheideil" (V. 21 - 25). b) Dann wird wieder Recht und Gerechtigkeit im Lande herrschen (V. 26 —27). c) Die Missethäter werden ein Ende mit Schrecken nehmen (V. 28 — 31). Ergebniß der Betrachtling dieses Gedankenganges: 1. Der Prophet verweilt am eingehendsten bei Punkt I, 3 (mit 7 Versen) und Punkt II (mit 13 Versen). 2. Das Kernstück der Rede bildet die in den Versen 10—17 enthaltene Mahnung zu wahrhafter Frömmigkeit. 3. Der ganze Rest des Kapitels von Vers 17 an enthält, kurz gesagt, die Aufforderung des Propheten, dieser Mahnung zu folgen. Für Vers 18—20 ergiebt sich das ohne Weiteres; bei der Erklärung von Vers 21 ff. ist von vornherein darauf hinzuarbeiten, daß die Schüler erkennen, Laß der Prophet sich mit ihnen an die „Widersacher" und „Feinde" Gottes (V. 24) wendet, — er hat sie in V. 20 „widerstrebend" und „ungehorsam" genannt. Sie sind im Vergleich zu früher sehr zahlreich (V. 21—23). Sie sind die „Schlacken", die ausgeschieden werden müssen. Dies geschieht durch ein Strafgericht (V. 24—25). Nach erfolgter Läuterung wird es nur „Fromme" im Laude geben, und diesen wird eine glückselige Zeit voll von Recht und Gerechtigkeit beschieden sein (V. 26 f.). Also enthalten auch V. 21 ff. indirekt die Aufforderung, den Mahnungen des Propheten zu folgen, um zu "! den „Frommen" gezählt zu werden. Bei dieser Aufforderung ivird eingehend und eindringlich beleuchtet: j a) Der Gewinn, der sich aus einer Befolgung dieser J Mahnungen ergeben wird;