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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-04 · Heft 5 (4.2.1898) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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- 52 - Hierauf ergreift Herr Levy-Hannover das Wort und heißt die Anwesenden im Namen der Lehrer der Stadt Hannover aufs Herzlichste willkommen und drückt Namens aller Kollegen seine Freude darüber aus, daß es den Versammelten vergönnt sei, ihren verehrten Vorsitzenden nach der schweren Krankheit, die ihn befallen hatte, wieder geistig und körperlich frisch an der Spitze zu sehen. Zu Ehren des Vorsitzenden erheben sich sämmtliche Anwesenden von ihren Sitzen. Da Herr Levisohn- Hannover, welcher als Schriftführer des Vereins das Protokoll zü führen hätte, wegen einer Reise am Erscheinen verhindert ist, so ersucht der Vorsitzende Herrn Rofenblatt-Barenburg, dieses Amt zu übernehmen. Alsdann wird folgende Tagesordnung von dem Vorsitzenden festgesetzt: 1. Vorlesung des Protokolls der letzten Versammlung. 2. Berichterstattung über die Entwickelung des Vereins. 3. Lehrprobe: „Das Erkennen". (Kollege Meyer.Hannover.) 4. „Die Bruchrechnung in Bezug auf das praktische Leben." (Kollege Hofmann-Twistringen.) 6. Freie Besprechungen. 1. Auf das Vorlesen des Protokolls wird verzichtet, da dasselbe allen Anwesenden durch die Presse bekannt geworden ist. Ueber Punkt 2 der Tagesordnung erstattete nun der Vorsitzende eingehenden Bericht von der verflossenen Vereinszeit. Der Verein zählt gegenwärtig 18 Mitglieder; einige Kollegen haben sich über ihren Beitritt noch nicht bestimmt erklärt. Der Vorsitzende macht alsdann die Mittheilung, daß auf seine Anfrage die Herren Landrabbiner der Provinz ' schriftlich erklärt haben, daß sie bereit seien, auf ein ev. Gesuch des betreffenden Lehrers, welcher die Konferenz besucht, aber durch ungünstige Verbindung verhindert ist, wieder rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, diesen Tag resp. den anderen freizugeben. Um die Kosten der Konferenztage zu decken, hat sich der Vorsitzende an den Verbandsvorsitzenden Dr. Adler-Berlin wegen eines Zuschusses gewandt. Derselbe wird dem Verein wahrscheinlich in der Form zutheil, daß der Verband der jüdischen Lehrervereine Deutschlands den Zuschuß an unseren Hauptverein erhöht, welcher den Mehrbetrag an die Zweigvereine wieder vertheilt. 3. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung, die von Herrn Meyer-Hannover im Internat des Seminars gehörte Lektion („das Erkennen"), entfpinnt sich eine lebhafte Debatte. Bevor man in dieselbe eintrat, legte Kollege Meyer-Hannover auf Ersuchen des Vorsitzenden den folgenden angewandten Gang dar: 1. Vorbereitung oder Analyse. 2. Darbietung des Neuen. 3. Vertiefung. 4. Anwendung. An der Diskussion, die sich recht lebhaft gestaltet, betheiligen sich alle Kollegen, und aus dem Für und Wider der Debattirenden ersah man wieder einmal,' daß dieser Punkt der Tagesordnung der Centralpunkt der Lehrerversammlungen ist. 4. Nun ertheilte der Vorsitzende dem Kollegen Hofmann-Twistringen das Wort zu seinem Referate: „Die Bruchrechnung in Bezug auf das praktische Leben". Nachdem der Vorsitzende dem Referenten seinen Dank für die ausführliche und gut begründete Arbeit ausgesprochen hat, wird auf Antrag des Kollegen Bachrach-Hameln von einer Generaldebatte abgesehen, weil der Vortrag sachlich den Anschauungen sämmtlicher Konferenzbesucher entsprach. In der nun folgenden Spezialdebatte werden sämmtliche vom Referenten aufgestellte Thesen mit einigen redaktionellen Aenderungen angenommen. Dieselben haben nun folgenden Wortlaut: 1. Die Bruchrechnung ist die bedeutendste und schwierigste Vorbereitung für die bürgerlichen Rechnungsarten. 2. Die Dezimalbruchrechnung und dasjenige aus dem Rechnen mit den gemeinen Brüchen, was zur Aufstellung und Auflösung des Bruchsatzes nothwendig istmuß in der Volksschule durchgenommen werden. 3. Das Rechnen mit gemeinen Brüchen muß der Dezimalbruchrechnung vorangehen. 4. Zu entbehren sind: a) die Addition und Subtraktion langer Bruchreihen mit schwierigen und großen Nummern; b) die Division der Brüche durch Brüche. 5. Die „Freien Besprechungen" drehten sich fast nur um das Besoldungsgesetz. Der Vorsitzende machte davon Mittheilung, daß am 23. Dezember v. Js. eine Vorstandssitzung des „Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover" stattgefunden habe, in der auch die Herren Landrabbiner der Provinz anwesend waren. In derselben wurde das Besoldungsgesetz einer eingehenden Besprechung unterzogen und allgemein zum Ausdruck gebracht, daß die jüdischen Volksschullehrer in der Besoldung ihren christlichen Kollegen gleichgestellt werden müssen. Doch wurden in der heutigen Versammlung Stimmen laut, daß dieses nicht überall der Fall sei. Als nächster Versammlungsort wurde Hannover bestimmt. Die Lehrprobe übernimmt Kollege Bachrach-Hameln, den Bortrag Kollege Apt-Pattensen. Mit einem Hoch auf den Kaiser schließt der Vorsitzende die Versammlung. Hannover, 2. Januar. Der Schriftführer i. B.: I. Rosenblatt, Barenburg Verein rsr. Lehrer der Ostprovinzen. m 30. Dezember v. Js. fand in Keilers Hotel zu Posen die 9. Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen statt. Anwesend waren 42 Mitglieder, darunter 2 Damen, sowie als Vertreter des D.-J. G.-B. Herr Moritz Viktor-Posen und als Vertreter des Gemeindevorstandes zu Posen und des Synagogengemeindeverbandes im Regierungsbezirk Posen Herr Rabbinatsassessor Silberberg. Diese wurden vom Vereinsvorsitzenden im Anschlüsse an seinen Bericht begrüßt und nahmen, hierzu aufgefordert, am Borstandstifche Platz, von wo aus sie einige Worte an die Versammlung richteten. Mit dem Gesänge des 23. Psalms und einem darauffolgenden Hoch auf den Kaiser wurde die Versammlung eröffnet. Der Vorsitzende beginnt seinen Vereinsbericht mit der Mittheilung von einigen eingegangenen Schreiben. Zunächst verliest er eine Zuschrift unseres Ehrenmitgliedes, des Geheimen Sanitätsraths Dr. Kristeller-Berlin, welcher zur Begründung einer Vereinsbücherei ein prachtvolles 9 bündiges Uebersetzungswerk von Wünsche gespendet hat, was von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen wird. Sodann verliest er ein Schreiben des Vorsitzenden des Lehrerverbandes, Dr. Adler, und dann das des Vorsitzenden des D.-J. G.-B. In seinem weiteren Berichte weist der Vorsitzende auf die Erfolge hin, welche das verflossene Jahr uns gebracht hat. So trat das Lehrerbesoldungsgesetz in Kraft, und hierbei haben wir es dem Lehrerverbande zu verdanken, daß uns auch die im Privatschuldienst verbrachte Amtszeit angerechnet wird. Der Lehrerverband selbst ist auf 18 Vereine mit 900 Mitgliedern angewachsen. Die Pensionskasse soll mit dem vorläufig vorhandenen Grundstock von 160 000 Mk. ins Leben treten, und hofft man, noch mehr Zuwendungen hierzu zu erlangen. Auch unser Verein ist gewachsen und zählt jetzt 70 Mitglieder. Abweichend von der bisherigen Gepflogenheit, sind in Hinsicht auf die Wichtigkeit des Vortrages vom Kollegen Becker-Wollstein auch die Vorstände der größeren Gemeinden, insbesondere des Gemeindeverbandes eingeladen worden. Der Rechenschaftsbericht, der von Becker-Wollstein und Spiewkowski- Wongrowitz geprüft worden ist, gelangt, da der Kassenführer durch Erkrankung am Erscheinen behindert ist, durch Becker zur Verlesung und ergiebt einen Kassenbestand von 56 Mk. Dem Kassenführer wird Decharge ertheilt. Es folgt nun 4a der Tagesordnung, der Vortrag des Kollegen Becker: „Wie können wir die bestehenden jüdischen Volksschulen erhalten, wie neue Schulen begründen, und wie ist die Verwendung jüdischer Bolksschullehrer im öffentlichen Schuldienste zu erreichen?" Im Anschlüsse hieran verliest der Referent die Inhaltsangabe der an die Gemeindevorstände zu versendenden Denkschrift. An den Bortrag schließt sich eine sehr rege Debatte, an welcher sich Ksinski-Kempen, Hopp-Kurnik, Sander-Birnbaum, Basch-Grätz, Cohn-Wreschen und Katz-Gnesen sowie Rabbinatsassessor Silberberg- Posen hervorragend betheiligen. Während Basch und Sander. weniger für Konfessionsals Simultanschulen sind, weil an letzteren auch bei wenigen jüdischen Kindern ein jüdischer Lehrer Aussicht auf Anstellung hat, sieht Katz-Gnesen in der jüdischen Volksschule das für uns Erstrebenswerthere und behauptet im ferneren Verlauf seiner Rede, daß man den Vorständen der jüdischen Gemeinde ins Gewissen reden müsse, daß zur Erhaltung des Judenthums die jüdische Volksschule nothwendig sei. Man müsse deshalb jüdische Volksschulen, wo keine sind, neu gründen, aber auch die jüdischen Väter veranlassen, ihre Kinder in die jüdische Volksschule zu schicken. Der letzteren Ansicht des Vorredners widerspricht Cohn-Wreschen, welcher von einem Appell an die Vorstände sich wenig verspricht, vielmehr der Ansicht ist, daß man das gesammte Material dem Lehrerverbande zur Ueberreichung an den Minister über-

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