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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-02-04 · Heft 5 (4.2.1898) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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diesen unnatürlichen Bund ans. So sagt die „Kölnische Volks- Zeitung" unter anderem: „Leider bekommt Zola nachträglich mehr und mehr Recht, wenn er die katholischen Kreise als solche mit hineinzieht in seine Anklagen gegen die zum allgemein antisemitischen Feldzug gewordene Hetze gegen die Freunde des Dreyfus. Schon seit Jahren haben wir auf das Bedenkliche hingewiesen, das in dem Liebäugeln mancher Katholiken mit dem Propheten des Antisemitismus Drumont und seiner „Libre Parole" lag. Der Abb6 Garnier führte eben dieser Richtung die Jugend zu, glaubend, so Frankreich vor der Loge und den Schmarotzern zu retten; man sah nicht und wollte nicht sehen, daß der Antisemitismus auch eine journalistische Erwerbsquelle, der Appell an die judenfeindlichen Instinkte auch etwas anderes als Kampf für eigene Ueberzeugung sein könne. Man steht das auch heute nicht und glaubt den Bethörern, die da lehren, Frankreich werde sich wieder selbst gehören, wenn man die Juden und Protestanten rechtlos mache, vielleicht Hinauswerse. Und nun denke man sich den Marquis Rochefort an der Seite der Bekämpfer der Juden und Protestanten! An der Seite der zahlreichen Geistlichen und bekannten katholischen Männer in der antisemitischen Versammlung des Tivoli-Vauxhall! Scham für diese Franzosen muß Einen ergreifen, daß sie nicht erkennen, wie sie sich entwürdigen, indem sie so irre gehen." Ueber die Verhältnisse in Algier, wo jetzt auch einigermaßen Ruhe eingetreten, spricht sich Max Nordau in seiner Pariser Korrespondenz folgendermaßen aus: „Die Russen werden an ihren französischen Verbündeten ihre Freude haben. Die Brüder an der Seine werden fromm, sie winden sich im Staube vor der hehren, der heiligen, der erhabenen Armee (die Ausdrücke sind vom Abgeordneten de Lanjuinais in einer Erklärung gebraucht worden, die er im „Gaulois" veröffentlichte, da er sie in der jäh unterbrochenen Sonnabendsitzung nicht abgeben konnte), und sie Hetzen die Juden, wie man es nur irgend in Kiew und Charkow thun kann. Im festländischen Frankreich ist es in letzterer Hinsicht bisher freilich bei vergleichsweise zahmen Anfängen geblieben. Dagegen haben die Plünderungen von Läden und Häusern und die Mißhandlung von Personen in Algier einen Umfang angenommen, der jedes russische Antisemitenherz mit Befriedigung erfüllen wird. Für die algerischen Greuel wird man nicht die Franzosen allein verantwortlich machen wollen. Alle Mittelmeerhäfen, und besonders die nordafrikanischen, sind von einem menschlichen Abschaum bevölkert, in dem sich der Unrath aller umwohnenden Stämme zu einem greulichen Gemisch zusammenfindet. In Algier insbesondere herrschen spanische und maltesische Gurgelabschneider neben italienischen Abenteurern und sittlich verkommenen Mischlingen von Negern, Berbern und Türken vor, und die Araber des alten Stadttheils versäumen es auch niemals, an allen Aufläufen theilzunehmen, an deren Ende Diebstahl und Plünderung winken. Die Hauptschuld an den Ausschreitungen gegen die Juden, deren Schauplatz Algier gestern und heute gewesen ist, wird wohl diese Hefe der Einwohnerschaft treffen. Aber auch der rein französische Mittelstand hat bei den räuberischen und blutigen Auftritten seine Rolle gespielt. Der Judenhaß ist in Algier amtlich begünstigt und großgezogen worden. Man weiß heute, daß Herr Cambon der Gönner der algerischen Antisemiten war, und daß er abberufen wurde, weil er es zu arg trieb. Die Saat, die dieser würdige Beamte ausgestreut hat, geht jetzt üppig auf. Herr Lspine, der neue Gouverneur, thut, was er kann, um dem Gesindel Einhalt zu gebieten. Aber er muß zu diesem Zwecke mit seiner Person eintreten, denn seine Untergebenen sehen ein bischen Judenhetze ganz gern und entwickeln keinen besonderen Eifer in der Ausführung seiner Befehle zum Schutze der Bedrängten, und da er nicht überall zugleich sein kann, so bleibt den Plünderern die Möglichkeit, sich stundenlang zu vergnügen, ehe Herr Lepine selbst ihnen in den Arm fällt. In Algier ist das Auge für Rassenmerkmale geschärft, überdies unterscheiden die verschiedenen Bevölkerungsbestandtheile sich auch durch Besonderheiten in der Tracht, im Haar- und Bartschnitt, und man erkennt den Juden auf der Straße, was im festländischen Frankreich nur sehr ausnahmsweise der Fall ist. Die Dinge sind dort so weit gediehen, daß die Juden sich nicht öffentlich zeigen dürfen, um nicht ermordet zu werden. Unter den Deys war es nicht ganz so schlimm. Das ist ein 51 - Zustand, den siebenzig Jahre französischer Herrschaft und Gesittung herbeigeführt haben." * Die Klerisei wittert Morgenluft, und so ist es kein Wunder, daß auch das Organ Norman-Schumanns, der „Osservatore Romano", sich an der Hetze gegen die Juden wacker mit betheiligt. Von irgend einer maßgebenden Seite darob zurechtgewiesen, vertheidigte er sich jüngst gegen den Vorwurf, daß er gegen die Juden gehetzt habe. Im Gegentheil, er habe stets gesucht, die Juden auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die sie bedrohen. Das Blatt sagt dann: „Die Juden bedürften wegen ihrer moralischen Schwäche des Schutzes und der Bertheidigung, zumal sie als Gottesmörder überall Abscheu erregen. Nur um sie zu schützen, habe das Papstthum, dem Beispiele anderer Staaten folgend, sie in Rom in das Ghetto eingeschloffen und stets väterlich ihre wirthschaftliche Wohlfahrt gefördert. Die Emanzipation der Juden habe nur bewirkt, daß die Juden isolirt und dem allgemeinen Haffe ausgeliefert wurden. Der jetzige allgemeine Ausbruch des Antisemitismus sei nur die Folge davon, daß die Juden die bürgerliche Freiheit mißbrauchten, jene Freiheit, auf die sie kein Anrecht hätten, weil sie nur religiös und politisch organisirten Völkern Vorbehalten sei. Das jüdische Volk habe aber diese Organisation nicht, weil es unter dem Fluche des Gottesmordes stehe und vom Christenthum nur aus mitleidigem Entgegenkommen ausgenommen werde." Und das soll nun nicht gehetzt sein! * Nun hat auch Belgien seinen Antisemitismus oder doch wenigstens seine Antisemiten. Einige Persönlichkeiten, die angegangen wurden, sich der Manifestation von Zola für Dreyfus anzuschließen, lehnten dies unter Berufung auf die Judenfrage ab. Der Bedeutendste unter ihnen ist Senator Pidard, der seine Weigerung in einem Briefe motivirt, den das Echo de Paris, das Organ des Kriegsministeriums in Paris, in der Lage ist, zu veröffentlichen. Der edle Herr sagt darin rund heraus, daß er ein Eintreten für Zola resp. Dreyfus nur deshalb ablehnt, weil Dreyfus Jude ist, und ein Erfolg seiner Freunde einen Sieg der Juden bedeuten würde. Einen solchen Sieg will er aber nicht herbeiftthren helfen, selbst auf Kosten der gerechten Sache, denn es würde den beinahe 3000 jährigen Kampf der arischen Rasse gegen eine fremde Rasse nur verschleiern. Er schreibt wörtlich: Auf Dreyfus kommt es mir nicht an, was ist mir Dreyfus, aber er ist Jude, und es handelt sich jetzt darllm, die Juden und ihre Uebermacht zu brechen. Wie man sieht, kennt der belgische Senator schon den ganzen Jargon der Judenhetzer. Protokoll drr 3. Versammlung des „Freien Vereins jüdischer Lehrer Hannover-Bremen". Sie im Oktober 1897 anberaumte 3. Versammlung des „Freien Vereins jüdischer Lehrer Hannover-Bremen" mußte wegen Erkrankung des Vorsitzenden ausfallen und konnte darum erst am 2. Januar 1898 in Hannover stattfinden. Zu derselben sind folgende Herren erschienen: Apt-Pattensen, Bachrach-Hameln, Haas-Gleidingen, Löwenstein-Burgdorf, Spanier-Stolzenau, Hofmann-Twistringen, Levy- Hannover, Meyer-Hannover, Rosenblatt-Barenburg, Rothschild-Achim und Wolf-Geseke als Gast. Ihr Nichterscheinen ließen entschuldigen die Herren: Seminardirektor Dr. Knoller-Hannover, Levisohn-Hannover, Meyer, Meiberg-Begesack und Kapell-Wunstorf, welcher die Versammlung telegraphisch begrüßte. Der zeitige Vorsitzende, Herr Lehrer Spanier-Stolzenau, eröffnete Nachmittags halb 3 Uhr die Versammlung mit einer kurzen, kernigen Ansprache, in der er den Segen der Lehrerkonferenzen schilderte.

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