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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-28 · Heft 4 (28.1.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 4 (28.1.1898)
Date
1898-01-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 - Vorsteher in hohem Grade Werth gelegt. Nicht ohne sehr großes Bedauern sehen wir ihn darum von seinem Platze scheiden. Wenn ich nun auf mehr als ein Menschenatter zurückblicke innerhalb meiner Thätigkeit als Stadtverordneter und im Geiste die Reihe der Stadtverordneten-Vorsteher vorüberziehen lasse, so darf ich das Eine wohl ohne Widerspruch und ohne mich einer Uebertreibung schuldig zu machen sagen: Er hat den Besten derselben sich würdig angereiht. Seine Thätigkeit war eine derartige, daß er uns unvergeßlich sein wird. Nun, meine verehrten Herren Kollegen, wir haben keine Titel, keine Orden zu vertheilen. Aber was wir zu vergeben haben, ist werthvoller. Denn wenn Orden und Titel die äußeren Zeichen und die Sinnbilder der Anerkennung und des Dankes sind, so geben wir die Sache selbst, die Sache, hervorgegangen aus selbständigem Bürgerstolze: den Dank und die Anerkennung. Dieser Dank und diese Anerkennung sind ein kostbarer Schatz für sich und die Nachkommen. Dieses ist ein Gut, das nicht vergeht, nicht im Laufe der Zeiten verbleichen kann. Wir werden seiner gedenken, er soll unserer gedenken, daß wir ihm dankbar gewesen sind. Ich schließe mit der Bitte, Sie, meine verehrten Herren Kollegen, wollen sich als Zeichen der Zustimmung zu meinen Worten von Ihren Plätzen erheben." (Beifall und laute Zustimmung.) Herr Dr. Rosenstock scheidet nur von seinem Ehrenamte als Stadtverordneten- Vorsteher, bleibt aber nach wie vor Mitglied der Versammlung, in der unter 102 Stadtverordneten außer ihm noch 15 andere jüdischen Glaubens ihren Sitz haben, nämlich Kaufmann Max Arendt, Kaufmann Ascher Aron, Bankier Rob. Cohn, Dr. med. Falkson, Kaufmann A. Gottschalk, Rechtsanwalt und Reichstagsabgeordneter Haase, Kaufmann M. Heller, Rechtsanwalt Holz,Kaufmann H. Lachmanski, Rechtsanwalt Lichtenstein, Konsul Litten, Kaufmann G. Michaelis, Kaufmann Oske, Fabrikdirektor Radock und Kaufmann Teppich. Zu dem Magistrats-Kollegium gehören von unseren Glaubensgenossen die Stadträthe L. Adamsohn, L. Leo, S. Magnus und B. Michelly. 8. Aus Westpreutzen, im Januar. In einer politischen Zeitung hieß es kürzlich: Es scheint, daß die Volksschullehrer jüdischen Glaubens zu Bolksschullehrern zweiter Klasse degradirt werden sollen. Ich will Ihnen für die Wahrheit dieses Satzes ein Beispiel, das große Erregung hervorruft, berichten: Alle christlichen Lehrer der Stadtschule zu G. sind bereits um die Mitte des vorigen Monats in den Genuß der Gehaltsbezüge nach dem Besoldungsgesetze gelangt, während die Auszahlung dem jüdischen Lehrer der Stadtschule unter nichtigen Borwänden verweigert wird. Bemerkt sei noch, daß sowohl der Magistrat als auch die Stadtverordnetenversammlung die Auszahlung des Gehalts nach dem neuen Gesetz an alle Lehrer beschlossen hat. Diesen Beschluß hat mit der erwähnten Einschränkung der Magistratsdirigent auch ausgeführt. Man kann es nun schlechterdings nicht einsehen, warum gerade der jüdische Lehrer, der mit den anderen Lehrern gleiche Pflichten hat und auch gleiche Rechte haben sollte, hinter den anderen zurückstehen muß. Lp. Ans der Provinz Posen, im Januar. Der Obersekundaner Feblowicz aus Plesch en hat kürzlich auf dem Gymnasium zu Ostrowo für vorzügliche Leistungen die vom Kaiser gespendete Prämie „Deutschlands Seemacht" erhalten. — Das Rentier S. Krause'sche Ehepaar in Krotoschin feierte jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. — Der Kaufmann Charles Ledermänn in Ohio, Nord-Amerika, gebürtig aus Ostrowo, hat vor Kurzem der dortigen Gemeinde eine namhafte Summe zur Unterstützung von Armen übersandt. — Die israelitischen Gemeinde-Körperschaften in Samt er haben den Neubau eines jüdischen Schulhauses beschlossen. Die zweiklassige Schule ist im Jahre 1697 nach erfolgter Pensionirung des ersten Lehrers Caspari in eine einklassige umgewandelt worden. — An Stelle des Kantors Rehfeld ist von der Synagogengemeinde in Rackwitz der Kultusbeamte Nathan aus Steinau a. O. gewählt worden. — Mitte Januar ist Kommerzienrath Herz in Posen zum Vorsteher der dortigen Repräsentantenversammlung, Kaufmann Israel Friedländer zu seinem Stellvertreter, M. Werner zum Protokollführer und S. Friedenthal zum Stellvertreter desselben gewählt worden. Nach der darauf erfolgten Ergänzungswahl des Synagogen-Gemeinde-Borstandes besteht derselbe nunmehr aus den I Herren Schönlank, Vorsitzender, Rechtsanwalt Salz, Stellvertreter, Moritz Victor, Samuel Silberberg, Wolff Guttmann, Hermann Elkeles, Ignatz Goldschmidt. —Kürzlich hielt der israelitische Wohlthätigkeitsverein in Buck seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, in welcher der Jahresbericht für 1897 erstattet wurde. Nach demselben gehören dem Verein 42 männliche und 23 weibliche Mitglieder an. Die Jahreseinnahme belief sich auf 858,50 Mark, die Ausgabe 610,57 Mark. Der Verein, besitzt ein Vermögen von nahezu 3000 Mark. Der Verein vertheilt in jedem Jahre größere Beträge an unbemittelte Gemeinde - Mitglieder zur Beschaffung von Brennmaterialien. X Schwerin, 22. Januar. Der Herzog-Regent besichtigte gestern Nachmittag die Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde. Am Eingänge empfangen vom Landesrabbiner Dr. Feilchenseld und dem Vorstande, trat derselbe in das Innere der Synagoge und ließ sich alle Einzelheiten erklären. Insbesondere nahm er die Gedenktafel für den seligen Großherzog Friedrich Franz II., sowie die Erinnerungstafel der gefallenen Krieger aus den Jahren 1813, 1870/71 in Augenschein. Die heilige Lade, die Gesetzesrollen sowie die alten Kronen und Bronzen schienen den hohen Herrn ganz besonders zu interessiren. Der Herzog verließ sichtlich befriedigt das Gotteshaus. Zu Ehren des Empfanges war die Synagoge wie an hohen Feiertagen auf das Prächtigste erleuchtet. 8. Gilserberg, 12. Januar. Der heutige Tag war für die hiesige kleine israelitische Gemeinde ein Ehrentag; es wurde nämlich die neue Synagoge eingeweiht, die unter großen Opfern aus eigenen Mitteln der Gemeindeglieder hergerichtet und prächtig ausgestattet worden ist. Der Provinzial-Rabbiner Dr. Munk-Marburg hielt in dem bisherigen Betlokal eine ergreifende Abschiedsrede, die die Zuhörer zu Thränen rührte. In feierlichem Zuge, in welchem wir den Ortsgeistlichen, den Lehrer und den Bürgermeister bemerkten, wurden die Thorarollen nach der neuen Synagoge getragen. Bor derselben überreichte eine Festdame unter paffender Ansprache dem Herrn Dr. Munk den Schlüssel, der dann nach kurzen Worten das Gotteshaus erschloß. Der geräumige Tempel vermochte kaum die große Anzahl von Festtheilnehmern zu fassen, die unter gespanntester Aufmerksamkeit der Festrede des Herrn Dr. Munk lauschten über den Text: „Mose, Mose, ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du siehst, ist heiliger Boden." Nach Beendigung der ergreifenden, zu Herzen dringenden Festpredigt sprach der Ortsgeistliche in seiner Eigenschaft als Lokalschulinspektor zur Weihe des neuen Schulsaales, der in demselben Gebäude sich befindet, herzliche Worte zu Kindern und Eltern. Die Worte dieses Herrn machten auf die Zuhörer einen tiefen, wohlthuenden Eindruck. Die üblichen Gesänge wurden von einem zu diesem Zweck gebildeten Synagogenchor vortrefflich zur Gehör gebracht. Ein Ball endete die erhebende Feier, die der nur zehn Familien zählenden Gemeinde ein ehrendes Zeugniß von Opferwilligkeit, Einigkeit und Gastfreundschaft ausftellt. x. Rheine, 19. Januar. Eine schöne Feier beging am 9. Januar die Synagogengemeinde. Ihr Lehrer und Kultusbeamter, Herr L. Baum, war 25 Jahre segensreich hier thätig gewesen und hatte hervorragend dafür gewirkt, daß Schule und Synagoge neu erbaut und erstere eine öffentliche wurde. Jetzt kamen die Gefühle, welche die Gemeinde, die Freunde und die früheren Schüler beseelten, zum herzlichsten Ausdruck: Liebe, Dankbarkeit und Verehrung. — Am Sonnabend fand ein Festgottesdienst statt. Der Jubilar entwickelte vor der vollzählig erschienenen Gemeinde in ergreifender Rede die Geschichte der Gemeinde der letzten 25 Jahre, „die auch seine eigene Geschichte sei", und schloß mit Dank an Gott und die Gemeinde und mit beredtem Hinweis auf das, was weiter anzustreben sei. Am Sonntag Morgen begann die Feier mit einem Festakte in der Schule; sämmtliche Kinder überreichten unter Vortrag passender Gedichte Blumenspenden. Um 11 Uhr erschien unter Führung des Herrn Bürgermeisters Sprickmann der Gemeinde- und Schulvorstand sowie der Festausschuß. Der Herr Bürgermeister begrüßte in einer längeren, zu Herzen gehenden Rede den Jubilar. Herr Stern überreichte Namens der Gemeinde ein Ehrengeschenk. Hierauf stattete Herr M. Hoffmann - Neuenkirchen die Glückwünsche des Festausschusses, der Festgäste und nicht anwesender früherer Schüler ab und überreichte im Aufträge von Gemeindemitgliedern und früheren Schülern unter herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung ebenfalls ein kostbares Ehrengeschenk. Herr Lokalschulinspektor Pfarrer Heuschkel sprach für sich und in Vertretung des Herrn Kreisschulinspektors Glückwunsch und Dank aus; vteU Kollegen und

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