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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-21 · Heft 3 (21.1.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Lebensauffassung bedingt die Lebensführung. Der Religionsunterricht muß^fich nun in den Dienst dieser drei Lebensäußerungen stellen. Der Grundstein der jüdischen Weltanschauung ist die Erkenntniß Gbttes, wie ste sich in der Geschichte offenbart, von der wir als Juden die Geschichte des jüdischen Volkes bevorzugen, weil in dieser die religiösen Ideen am klarsten als die herrschenden hervortreten. Darum muß ihre Kenntniß jedem jüdischen Kinde vermittelt werden. Wie für die Bildung der Weltanschauung die jüdische Geschichte für uns maßgebend ist, so für die Lebensauffassung die jüdische Lehre, die alles in sich begreift, was innerhalb des Judenthums über Gott und die Welt, über die Menschen und ihre gegenseitigen Beziehungen zu einander und zu Gott zum Ausdruck kommt. Das Ziel der Schule ist nun: die Grundlehren des Judenthums für Glaube und Sitte den Kindern zum Bewußtsein zu bringen und auf der obersten Stufe die historische Religionskunde im Zusammenhang mit Abschluß durch systematischen Aufbau und Rechtfertigung gegen mögliche Einwendungen zu lehren. Für die Lebensführung dienen Muster aller vorkommenden Handlungen, die geeignet sind, hervorragende Momente des Lebens zu weihen und Weltanschauung und Lebensauffassung zur Darstellung zu' bringen. Die Gesammtheit solcher Handlungen nennen wir Kultus, der in Liturgie und Ritus zerfällt. Für ihn ist die hebräische Sprache unerläßlich; doch soll ste in der Schule nicht um ihrer selbst, sondern um des Zweckes - willen getrieben werden, dem ste dient. Der Religionsunterricht bezweckt nach der Richtung des Kultus hin, das Verständniß und die Erkenntniß der gesammten Pflichthandlungen des Israeliten und der Liturgie zu vermitteln. — Dies find die Gedanken, denen der Verfasser im 2. Jahresbericht Ausdruck gegeben hat. In den folgenden Jahresberichten wird gezeigt, wie fich das so aufgebaute System in der Praxis gestaltet. — Alle diese Berichte zeugen nicht nur von dem organisatorischen Talent, sondern auch von dem hervorragenden pädagogischen Takt des Verfassers. Die Vereinigung drückte dem Referenten ihren Dank für die in hohem Grade fesselnden Ausführungen aus. Herr Oberlehrer Dr. Blaschke beantragte, Herrn Dr. Jacob den Dank der Vereinigung für seine reichen Anregungen sowie dafür abzustatten, daß er überhaupt solche Berichte veröffentlicht hat. Dieser Antrag wurde angenommen. Die Diskusston, die fich nunmehr entspann, hielt die Mitglieder noch bis Mitternacht beisammen. Die nächste Bersamnllung findet am 5. Februar im Vereinslokal, Königstr. 29, statte Herr Kollege Hanff wird in derselben über „Notwendige Reformen im Religiynsschulwesen" referiren. Gäste find, wie stets, herzlich willkommen. Berlin, 16. Januar. Die am 12. Januar d. I. unter Leitung des Kommerzienraths Julius Jsaac abgehaltene Sitzung des „Kinder-Spar-Vereins" wählte folgende Mitglieder in den Ausschuß zur Berathung über eingehende Anträge und zur Bewilligung von Unterstützungen. Gewählt wurden dieselben Mitglieder, und zwar: Kommerzienrath I. M. Friedländer zum Vorsitzenden, Bernhard Behrens zu dessen Stellvertreter, ferner die Herren Geh. Sanitätsrath Dr. Blumenthal und A. Ruß sowie die Damen Frau Cäeilie Friedländer, Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam, Frau Dr. Ginsberg , Frau Louis Sachs und Frau Meyerstein. Für das erste Semester d. I. wurden dem Ausschuß 3000 Mark und außerdem dem Israelitischen Kindergarten und dem Frau Dr. Maybaum'schen Kinderheim je 300 Mark bewilligt. Dem Verein bliebe dann noch am 1. Juli ein Bestand von 1227 Mark zu dem eisernen Fonds von ea. 1800 Mark, inkl. 200 Mark, welche Herr B. Behrens gelegentlich seines 70. Geburtstages in diesem Monat überwiesen hat. Das Gleiche that Herr A. Ruß bei gleicher Veranlassung im vorigen Jahre. Die nächste Entleerung der Sparkästchen soll im April, vorausfichtlich zwischen 25. und 30., stättfinden, und wird der Ausschuß den Befitzern von Sparkästchen' s. Z. nähere Mitteilungen hierüber machen. Nach dem Muster dieses Vereins find gleiche Vereine in Vorbereitung in Köln, Dresden, Hamburg, Magdeburg, Heidelberg und Görlitz. Die für das zweite Semester 1897 bewilligten 3000 Mark find fast ganz zur Vertheilung gelangt, und konnten alle Ansprüche, welche an den Verein gestellt wurden, und die nach den eingezogenen Recherchen befürwortet wurden, befriedigt werden. Die Revifion der Kasse wurde von den Herren Kommerzienrath Jsaac, B. Behrens und Moritz Manheimer vorgenommen und ergab einen Bestand von 4827,40 Mark am 1. Januar. Nachdem die Decharge einstimmig ertheilt war, wurden für das laufende Jahr wieder dieselben Herren zu Revisoren gewählt. B. T. Berlin, 18. Januar. Äm 12. d. Mts. würde in den Räumen der jüdischen Knabenschule eine Gedenkfeier für die heimgeg an g e n eu SBohlthater der „Amieitia" abgehalten. Unter der regen Theilnahme geladener Gäste, der gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge der Anstalt nahm dieselbe einen ebenso schlichten wie weihevollen Verlauf. Das Vorstandsmitglied Herr Wedell hielt unter Zugrundelegung des Psalmwortes: „Wahrheit und Gerechtigkeit müssen fich begegnen, Liebe und Friede küssen einander", eine gedankentiese Ansprache, in der er den gemeinsamen Grundzug der entschlafenen Förderer der „Amieitia" in warmtönigen Farben zeichnete. Wie verschieden diese Männer in ihren Anschauungen, Anlagen und Lebensstellungen auch waren, so umschlang sie doch das eine Band idealen Strebens nach Wahrheit und Humanität. „Wahrheit ist das Siegel Gottes", und Wahrheit ist der Werthmeffer auch aller menschlichen Pläne und Ziele. Aber dieses Streben nach hehrer Wahrheit allein würde dem Menschen einen strengen, herben und ehernen Zug verleihen, würde die Liebe, die alles ausgleichende, fich ihm nicht harmonisch vermählen. Bei unseren Verklärten hat fich der Wahrheitsdrang mit der ganzen Kraft der Menschenliebe gepaart, und diese verdoppelte Kraft wurde die Quelle für zahllose edle Handlungen. Männer wie M. I. Bodenstein, Joseph Dorn — seine vor einem Jahre Heimgegangene alles Gemeinnützige hingebungsvoll fördernde Gemahlin nicht zu vergessen —, Dr. M. Lüppschütz, I. Neumann, Geh. Rath Oestreich haben durch hochherzigen Sinn und menschenbeglückendes Wirken auch außerhalb dieses Instituts fich ein dauerndes Denkmal in unzähligen Herzen gefetzt. Aber edler und finniger konnte fich ihr inneres Wesen nicht offenbaren als durch Förderung gerade unserer Ziele. Denn was kann es Humaneres geben, als Menschen ins Kulturleben, ins Reich der Bildung einzuführen und fie mit den Fähigkeiten zu eigenem Erwerbe auszurüsten? Das aber bildet in ihrer 27 jährigen Thätigkeit die Ausgabe der Amieitia, der ste nach dem Maße ihrer bescheidenen Mittel mit allen Kräften obliegt. Der Redner schloß mit der Mahnung, den Hingeschiedenen Gönnern des Instituts in ihrer idealen Betätigung nachzueifern und ihnen für immer eine dankbare Gefinnung zu bewahren. Mit einem von einem Anstaltszögling gesungenen Gebet für die verblichenen Wohlthäter schloß die erhebende Feier. — Der Vorfitzende dieses überaus wohlthätig wirkenden Vereins ist Herr Maler Julius Bodenstein, Taubenstraße 23. 6. Arnswalde, im Januar. Infolge einer Einladung des Kollegen Heidenfeld-Friedeberg versammelten fich am 26. v. M. eine Anzahl Lehrer rc. der Neumark in Arnswalde zur Konstituirung des Bezirks- Vereins jüdischer Lehrer rc. der Neumark. Es hatte fich aus den jährlich zweimal stattfindenden Provinzialversammlungen der Uebelstand gezeigt, daß eine Anzahl von Kollegen aus der Provinz an diesen aus mancherlei oft recht unliebsamen Gründen nicht theilnehmen konnten.' Deshalb wurde auf der letzten Provinzialversammlung im November v. I. die Gründung von Bezirksvereinen beschlossen, um wenigstens in kleinem Kreise das erstrebenswerthe Ziel aller Lehrervereinigungen, geistige Hebung des Lehrerstandes und Pflege der Kollegialität, ausführen zu können. Der Einberufer, als Vorstandsmitglied des Provinzialvereins, eröffnete Mit einer kernigen Ansprache die Versammlung, begrüßte die Anwesenden, unter denen sich als Gäste der Gemeindevorstand von Arnswalde sowie ein Kollege aus Pommern befanden, und schritt hierauf zur Wahl des Vorstandes. Zum Vorfitzenden wurde Altmann-Arnswalde, zum Schriftführer Heidenfeld-Friedeberg und zum Kasstrer Goldmann-Soldin gewählt. Die von Herrn Heidenfeld formulirten Statuten wurden mit der kleinen Aenderung, daß nicht alle zwei, sondern alle drei Monate eine Bezirkskonferenz stattfinden soll, einstimmig angenommen. Nach Austausch von Erlebnissen und Erfahrungen im Amt ging es an das vom Kollegen Altmann gespendete vorzügliche gemeinschaftliche Essen, das durch mehrere ernste sowie heitere Reden noch'mehr gewürzt wurde. Am Abend folgten die Kollegen einer Einladung der Vertretung der Synagogengemeinde zu einem kleinen Kommers nach dem Hotel „Stadt Rom", von dem man fich recht spät oder, besser gesagt, erst früh trennte. Der Einberuser^hätte keine passendere Gemeinde zu seinem Vorhaben wählen können, als es die von Arnswalde war. Hier zeigte es fich so recht, von welch segensreichen Folgen das so selten gefundene gute Einvernehmen zwischen Gemeinde und Beamten begleitet ist. Hier ist das Interesse für die jüdische Schule und ihre Lehrer nicht nur ein oberflächliches, sondern dasselbe wurde und wird stets durch die That bewiesen. So betonte z. B. der erste Vorsteher, Herr I. Gottfeld, in seiner Be-

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