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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-21 · Heft 3 (21.1.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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----- " ----- ' ' w“', •'• *»w"»-' - .. - 62. Jahrgang. Ar. 3. Geriin, 21. Januar 1898. /ZSeikage zur „Mkgemeinen IöMung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 18. Januar. Der Stadtverordnete Baumeister G. WohlgemUth ist in letzter Nacht plötzlich am Herzschlag gestorben, nachdem er am Abend vorher im besten Wohlsein mit Freunden gesellig zusammen gewesen war. Er stand erst im 48. Lebensjahre und war besonders ein außerordentlich thütiges Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung, die durch seinem Tod einer bewährten Arbeitskraft beraubt wird. Stadtverordneter Wohlgemuth gehörte der Baudeputation, der Deputation für die städtische Feuersozietät, der Gewerbedeputätion, dem Kuratorium der Handwerkerschule, der Deputation für Kunstzwecke, der Deputation für die innere Ausschmückung des Rathhauses und der Verkehrsdeputation an, wo er überall fördernd und anregend wirkte. Er war Vertreter der zweiten Abtheilung des 4. Gemeindewahlbezirksund wurde zuerst am 27. Mai 1886 gewählt. Auch verschiedenen jüdischen Vereinen widmete der Verstorbene warmes Interesse. Ehre seinem Andenken! 22 Berlin, 19. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur brachte gestern einen interessanten Gast und einen interessanten Vortrag, nämlich Herrn Rabbiner Dr. Kayserling aus Budapest, der einen Vortrag über die Juden als Patrioten hielt. Wie von dem gelehrten Historiker nicht anders zu erwarten war, brachte der Vortrag eine Fülle neuen und hochinteressanten Materials über das wichtige Thema, das in einem dürftigen Referat kaum wiederzugeben möglich wäre. Glücklicherweise sind wir heute schon in der Lage, mittheilen zu können, daß der Vortrag demnächst im Druck erscheinen wird. Das sehr zahlreich versammelte Publikum nahm den Bortrag mit lebhaftem Beifall auf und brachte dem gefeierten Redner herzliche Ovationen. 22 Berlin, 17.Januar. DerAkademischeBereinfürjüdische Geschichte und Litteratur, der einzige akademische Verein, der cs sich zur Aufgabe gemacht ' hat, die Wissenschaft des Judenthums unter den Studirenden der Berliner Universität objektiv zu verbreiten, ist auch in diesem Winter-Semester, dem XXX., eifrig thätig. Fast an jedem Dienstag Abend findet ein Bortrag, von Mitgliedern oder „Alten Herren" gehalten, im Vereinslokal An der Stadtbahn 40 statt. Kommilitonen sind als Gäste stets willkommen. — In der zweiten Hälfte des Februar veranstaltet der Verein sein XV. Stiftungsfest, das in diesem Jahre durch die.mit der Feier verbundene Fahnenweihe besonders festlich begangen werden soll. A. L. Berlin, 17. Januar. Die Bestrebungen, welche darauf gerichtet sind, die Juden Deutschlands zu einer größeren Betheiligung an der Landwirthschaft überzuleiten, nehmen mehr und mehr feste Gestalt an. Der zu diesem Zweck kürzlich begründete „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" hielt gestern in den Räumen der B'nei Brith Logen, unter dem Vorsitze des Rittergutsbesitzers Oberamtmann Ludwig Cohn seine erste Sitzung ab, in welcher zunächst die Statuten berathen wurden. Der vorgelegte Entwurf fand, nachdem man sich über einige Abänderungen verständigt hatte, einstimmige Annahme. Der Jahresbeitrag beträgt danach nur drei Mark. Die Mitgliedschaft kann ferner durch eine einmalige Zahlung von 100 Mark, die immerwährende Mitgliedschaft durch eine solche von 300 Mark erworben werden. Vereinigungen, Stiftungen, Gemeinden u. s. w. erwerben die Mitgliedschaft durch Zahlung von mindestens 30 Mark oder durch einmalige Leistung von mindestens 500 Mark. Nachdem die provisorische Vereinsleitung damit ihre Aufgaben gelöst hatte, wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereins Herr Rittergutsbesitzer Oberamtmann Ludwig Cohn in Berlin gewählt, welcher unter Hinweis auf das von ihm in einem im ,Aentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gehaltenen Vortrage dargelegte Programm mit Dankesworten die Wahl annahm. Sodann erfolgte durch Akklamation die Wahl der Herren Gustav Tnch-Hamhurg, Konsul M. A. Simon und Rechtsanwalt Heinemann-Hannover, Rabbiner Dr. Plaut-Frankfurt a. M., Alphons Jacobson-Leipzig, Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz und Eugen Rosenstiel in Berlin zu Vorstandsmitgliedern, wobei der Vorstand ersucht wurde, bei der Kooptation weiterer Mitglieder darauf sein Augenmerk zu richten, daß noch mindestens sechs der letzteren ihren Wohnsitz in Berlin haben. Herr Konsul M. A. Simon-Hannover betonte die engen Beziehungen des neuen Vereins zu der „Israelitischen Erziehungsanstalt" in Ahlem und insbesondere die noch zu wenig erkannte Wichtigkeit dieses Instituts für die Berliner Glaubensgenossen. Dies veranlaßte Herrn Kommer^ienrath Julius Jsaae, unter vollster Anerkennung der Bedeutung der Ahlemer Anstalt darauf hinzuweisen, daß man bei der Förderung aller derartigen Bestrebungen sich vor zu großem Optimismus ebenso hüten müsse als vor Verstimmung bei etwas langsamer Antheilnahme. Schließlich verwies Herr Dr. Hirsch Hildesheimer unter allgemeiner Zustimmung auf die Nothwendigkeit, vor allem für den hohen Werth der Ueberleitung eines größeren Theils der jüdischen Jugend zur Bodenkultur unter Mitwirkung der Presse und durch Flugschriften in weiteren Kreisen volles Verständniß zu schaffen. Von den Anwesenden meldeten sich noch vor dem Schluffe der Versammlung die Herren Kommerzienrath Jsaac-Berlin, Alphons Jacobson-Leipzig und Konsul Simon-Hannover zu „immerwährenden Mitgliedschaft". §2 Berlin, 16. Januar. Der Prachtbau der Synagoge in der Lindenstraße vereinigte am gestrigen Abend in seinem weiten Raume eine äußerst zahlreiche, glänzende Festversammlung, welche erschienen wax, um das hundertjährige Bestehen der Miethsunterstützungs-Anstalt der.jüdischen Gemeinde durch ein Festkonzert zu begehen, das eine Reihe erlesener künstlerischer Genüsse bot. Neben Herrn Professor Jos. Joachim, der u. a. im Verein mit Herrn Ferdin. Schleicher ein Adagio von Spohr für zwei Violinen allein und das Largo aus dem Bach'schen Konzert für zwei Violinen mit Orgel spielte, erfreute Fräulein Hiedler durch ihre Gesangsvorträge, darunter die Mendelssohn'sche Arie „Höre Israel" aus dem „Elias". Herr Heinrich Grünfeld betheiligte sich mit dem Bruch'schen Adagio für Violoncellv „Kol Nidrei" und Herr Hermann Deckert mit einigen Orgelvorträgen, die die Tonfülle des prächtigen Werkes vortheilhaft zur Geltung kommen ließen. Die Chorgesänge des A eapella-Chors der königlichen akademischen Hochschule für Musik unter Leitung des Herrn Professor Adolf Schulze fügten sich dem Rahmen des Ganzen würdig ein. . R. Berlin, 17. Januar. Die „Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 8. d. M. ihre statutengemäße Monatssitzung ab. Der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, eröffnete dieselbe mit geschäftlichen Mittheilungen über die Feier des Stiftungsfestes und über das Anerbieten des Herrn Rabbiners Dr. Jacob in Göttingen, im Verein einen Vortrag zu halten. Darauf erhielt Herr Kollege Klein das Wort zu seinem Referat über die sechs Jahresberichte der Religionsschule der Synagogengemeinde Göttingen, verfaßt von Herrn Rabbiner Dr. Jacob. Der Referent führte etwa Folgendes aus: Verfasser habe den Versuch gemacht, den in den verschiedenen öffentlichen Schulen ertheilten Religionsunterricht 'mit dem in der Religionsfchule ertheilten in organische Verbindung zu bringen. Die Vertheilung des Lehrstoffes wurde in der Weise vorgenommen, daß Geschichte und Religionskunde in den öffentlichen Schulen, Hebräisch und Kultus in der Religionsschule gelehrt wird. Hadurch ist eine gegenseitige Ergänzung der beiden Schulgattungen herbeigeführt, die sich in der Praxis sehr zu bewähren scheint. Von besonderem Interesse sind die psychologischen und methodologischen Ausführungen des Verfassers. Derselbe geht davon aus, daß das Judenthum eine besondere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln sei. Das Denken schafft eine besondere Weltanschauung, das Fühlen ergiebt die Stellungnahme zu dieser Weltanschauung und fördert eine eigenartige Lebensauffassung, das Handeln endlich gemäß der Weltanschauung und

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