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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-21 · Heft 3 (21.1.1898) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Verband der jüdischen Lehrervereine im Aeutschen Reiche. A. Bericht über die Thätigkeit des Verbandes für das Jahr 1897. ur Hebung der sozialen und materiellen Lage des jüdischen Lehrerstandes und damit zur Förderung der jüdischen Schule verbanden sich vor nun zwei Jahren die Delegirten der Provinzialvereine jüdischer Lehrer; zur Leitung ihrer Bestrebungen wurden von ihnen die Unterzeichneten bestimmt, die freudigen Herzens dem Rufe folgten und nach Kräften bemüht waren, das erwünschte Ziel herbeizuführen. Mit Genugthuung können wir heute, am Abschluß einer zweijährigen Thätigkeit, konstatiren, daß unsere Arbeit unter Gottes gnädigem Beistand dank der treuen Hilfe zahlreicher Genossen und Lehrerfreunde reichen Segen getragen hat. Auf allen Gebieten unserer Bestrebungen haben wir erfreuliche Erfolge zu verzeichnen, die uns den Muth und die Kraft gewähren, auch fernerhin in gewissenhafter Ausführung der uns durch unsere Satzungen obliegenden Pflichten unseres Amtes zu walten zum Wohle unseres Standes, zum Heile unserer Glaubensgemeinschaft! *) Durch den Beitritt des „Vereins jüdischer Lehrer für das Großherzogthum Hessen" und der „Freien Vereinigung jüdischer Lehrer der Provinz Hessen" hat sich die Zahl der dem Verbände zugehörigen Vereine auf 18 Vereine mit ca. 900 Mitgliedern erhöht; der Verband erstreckt stch nunmehr über das gesummte Norddeutschland. Von den drei süddeutschen Lehrervereinen ist der israelitische Lehrerverein für das Königreich Baiern vorläufig durch landesgesetzliches Verbot an dem Beitritt gehindert, der württembergische Unterstützungsverein für israelitische Lehrer und der neubegründete badische Verein haben sich bisher dem Verbände nicht angeschlosfen. In den Berathungen des Vorstandes wurde als nächstes Ziel unserer Bestrebungen die Besserung der materiellen Lage der jüdischen Lehrer hingestellt. Lebenslängliche Anstellung, Pensionsberechtigung, Wittwen- und WaisenBersorgung seien für diejenigen unserer Genossen, die dieser Benefizien entbehren, mit allem Nachdruck herbeizuführen. Der Berbandsvorstand blieb sich bei diesen Forderungen der thatsächlichen Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden wohl bewußt; es war ihm wohl bekannt, daß die meisten Gemeinden außer Stande find, ihren .Lehrern die geordneten Verhältnisse zu verschaffen, die Staat und Kommunen den Kollegen gewähren, daß die Mittel für das Ruhegehalt der jüdischen Lehrer und für die Versorgung ihrer Hinterbliebenen zum großen Theil auf dem Wege privater Zuwendungen zu schaffen seien. In Verfolg dieser Erwägungen faßte der Verbandsvorstand in der Vorstandssttzung vom 29. Dezember v. I. den einstimmigen Beschluß, die Bildung eines Fonds für eine Centralkasse zu ermöglichen, welche gegen geringe Zuschüsse der Gemeinden beziehungsweise der Mitglieder diesen ein Anrecht auf eine angemessene Pension und auf Versorgung ihrer Hinterbliebenen gewähre. Schon in den ersten Monaten dieses Jahres konnte den Kollegen die Bildung des Grundfonds mitgetheilt werden. In hochherziger Weise hatten Frau Dr. Friederike Barrach zu Berlin und Fräulein Clara Lachmann zu Hamburg dem Verbandsvorfitzenden und dem geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herrn Professor Dr. Philippson, zum ehrenden Andenkerl an den verstorbenen Herrn Joseph Lachmann eine beträchtliche Stimme für die Zwecke der Versorgung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zur freien Verfügung gestellt; dieser Summe fügten Herr Rudolf Mosfe in Berlin 3000 Mark, Herr Alphons Jacobson in Leipzig eine Gabe von je 1000 Mark auf die Dauer von drei Jahren hinzu, so daß gegenwärtig der Betrag von Mark 146,181,85 in 3^ prozentiger Reichsanleihe und preuß. Konsols vorhanden ist. Der erfreuliche Erfolg seiner Bemühungen veranlaßte den Berbandsvorstand, alsbald die Aufstellung von Satzungen für die geplante Kasse vorzunehmen. Diese Thätigkeit, die trotz 'allen Eifers mit der durch die Natur der Angelegenheit gebotenen Gründlichkeit betrieben werden mußte, nahm den größten Theil des Jahres in!) Die Zahl der im Jahre 1897 beim Verbandsvorsitzenden eingegangenen Schreiben betrug 386, die der abgesandten 366, die laufenden Angelegenheiten wurden innerhalb des Verbandsvorstands durch zwei Sitzungen (in Berlin und Göttingen) und 16 Rundschreiben erledigt. Anspruch, sie kann nunmehr als abgeschlossen angesehen werden, Und die diesjährige Borstandssttzung wird sich u. a. mit der eiidgiltigen Feststellung der Satzungen der Kasse zu beschäftigen haben. Unverzüglich soll alsdann bei den zuständigen Behörden die Genehmigung, für unser Werk nachgesucht werden; wir geben uns der Hoffnung hin, dem Verbandstage am Ende des nächsten Jahres bereits von der segenbringenden Thätigkeit der Kasse berichten zu können. Mit innigem Dank und aufrichtiger Anerkennung verzeichnet der Berbandsvorstand die t'-eue Unterstützung, die seinen Bemühungen zur Bildung des Fonds durch die Mitglieder des Lehrervereins „Mendelssohn", insbesondere durch dessen Vorsitzenden, Herrn Kollegen Feiner in Hamburg, zutheil geworden ist; die gleiche dankbare Gesinnung empfindet er für die Mitarbeit und sachkundigen Rathschläge der Herren Professor Dr. .Philippson und Bernhard Croner in Berlin sowie des Kollegen Peritz in Königsberg. Um von dem Umfang und der Gestaltung der geplanten Kasse eine genaue Kenntniß zu gewinnen, hatte der Berbandsvorstand beschlossen, eine statistische Erhebung über die gegenwärtigen Anstellungs-, Besoldungs-, Pensions-Verhältnisse der jüdischen Lehrer zu veranstalten, ferner als Verbandsthema für das Jahr 1897 die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischen Lehrer, ihrer Pensionirung und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen aufzustellen. Für die statistische Erhebung wurde die Mithilfe des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes und der gesummten jüdischen Lehrerschaft in Anspruch genommen. Bereitwilligst übernahm der Deutsch - Israelitische Gemetndebund die nicht unbedeutenden Kosten der Statistik; leider entsprach aber nur die Hälfte der 1000 Lehrer der an sie gerichteten Anfrage. — Diese traurige Thatsache erklärt sich zum Theil aus dem Mangel an Gemeinstnn, der häufig in den Reihen unserer Standesgenossen zu finden ist; zudem haben frühere, erfolglose Bestrebungen viele Kollegen mit solcher Muthlosigkeit und Verzagtheit erfüllt, daß ihnen ein Erfolg unserer Bemühungen nicht möglich erschien, obgleich diese, wie unser Vorgehen ihnen hätte zeigen können, auf ganz anderer Grundlage wie alle früheren Versuche beruhen. Trotz der mangelhaften Auskunft läßt sich doch aus den eingegangenen mehr als 300 Antworten im Allgemeinen ein Bild von der Lage der jüdischen Lehrer geben; Herr Kollege Steinhardt in Magdeburg ist seitens des Verbands-Vorstandes beauftragt, eine Denkschrift unter Zugrundelegung der Ergebnisse der Statistik zu entwerfen, welche die Grundlage für das weitere Vorgehen des Verbandsvorstands bilden und weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden soll. Erwähnt sei schon an dieser Stelle, daß geordnete Verhältnisse, d. h. ein standesgemäßes Einkommen, regelmäßige Alterszulagen, Pensionsberechtigung und Reliktenversorgung nur bei denjenigen jüdischen Lehrern zu finden sind, die an öffentlichen jüdischen oder Simultanschulen oder an den Schulen der Großgemeinden Berlin und Frankfurt a. M. wirken; am gesichertsten sind aus diesem Grunde innerhalb Preußens die Lehrer in diesen beiden Städten sowie innerhalb des Reg.-Bez. Kassel, des größten Theils von Hannover, der Hälfte etwa von Posen, Rheinland und Westfalen, von den anderen Staaten des Deutschen Reiches die Lehrer von Sachsen-Weimar und Sachsen- Meiningen; am ungünstigsten erscheint die Lage der jüdischen Lehrer in dem Reg.-Bez. Wiesbaden, den Provinzen Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Sachsen, theilweise in Posen und der Rheinprovinz sowie im Herzogthum Anhalt. Nur recht wenige Gemeinden, in denen keine öffentlichen jüdischen Schulen'sich befinden, haben aus eigener Initiative ihren Lehrern sämmtliche oder einen Theil der Benefizien urkundlich gesichert, deren sich die Lehrer an öffentlichen Schulen erfreuen. Das traurige Bild von der Lage der meisten jüdischen Lehrer, das die eingegangenen Antworten, besonders aber die zahlreichen an den Berbandsvorstand gelangten Schilderungen der Kollegen entwarfen, wird durch die Einrichtung der Centralkasse in einem Punkte aüfgehellt werden — es wird fernerhin das unausgesetzte Bemühen des Verbandes bleiben müssen, auch die Abhilfe der anderen so berechtigten Klagen der Genossen zu versuchen und von Staat und Gemeinden die Erfüllung der berechtigten Wünsche der jüdischen Lehrerschaft zu erwirken. Das Verbandsthema, das zum Gegenstand (wie im vorigen Jahr) die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischen Lehrer, ihrer Pensionirung und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen hatte, ist in den meisten Vereinen zur Behandlung gelangt; die in den Versammlungen

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