Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1898)
- Date
- 1898-01-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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62. Jahrgang. Nr. 2, GerUn. 14. Januar 1898. Weikage zur „Aktgemeinen Zeitung des ZuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch lau-. 8. Berlin, 9. Januar. In der heutigen ersten Repräsentanten-Bersammlung im neuen Jahre, welche nur eine aus drei Punkten bestehende Tagesordnung aufwies, wurde zunächst, wie üblich, die Neuwahl des Büreaus vollzogen. Die Wahl mußte noch nach dem alten Verfahren in getrennten Wahlgängen vorgenommen werden, doch soll nach Mittheilung des Vorsitzenden in der nächsten Sitzung der Geschäftsordnungskommission ein einfacheres Verfahren Gegenstand der Berathung werden. Die Zusammensetzung des Büreaus blieb dieselbe. Es gingen aus der Wahl als Vorsitzende resp. Stellvertreter hervor die Herren Landsberger, Justizrath Tiktin und Löwenberg, als Schriftführer die Herren Geh. Sanitätsrath Mareuse und Rechtsanwalt Apolant. Zum geschäftlichen Theil lag nur eine Mittheilung des „Centralvereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" vor, betreffend die in den letzten fünf Versammlungen des Vereins übereinstimmend gefaßte Resolution gegen' die Einführung des Sonntagsgottesdienstes. Die Versammlung hat nur von diesem Schreiben Kenntniß zu nehmen. — Die dritte und letzte Vorlage der öffentlichen Sitzung betrifft eine Zuwendung des Herrn Isidor Meyer und Frau an die Altersversorgungsanstalt. Die Stiftung in Höhe von 12000 Mk. ist aus Anlaß der Großjährigkeit des Sohnes errichtet worden. Für die Besetzung des Zimmers wollen die Stifter sich das Vorschlagsrecht behalten, das nach ihrem Tode auf den Sohn übergehen soll. Die Zuwendung findet die Genehmigung der Versammlung. £2 Berlin, 12. Januar. Eine interessante statistische Tabelle über die Anzahl der aus der Gemeinde ausgeschiedenen Personen wird laut amtlicher Mittheilung von der Verwaltung mitgetheilt. Wir entnehmen derselben folgende Daten. Es sind ausgetreten: bis ult. 1885 . , Aus der Gemeinde . . . 72 Aus dem Judenthum 99 Gesammtsumme 171 „ „ 1886 . , . . . 7 17 24 „ 1887 . . . . 5 26 31 n 1888 . . . . 4 26 30 „ 1689 . . . . 3 25 28 „ 1890 . , . . . 14 41 55 1891 . , . . . 4 30 34 „ „ 1892 . . 6 42 48 „ „ 1893 . , . . . 19 78 97 „ 1894 . 5 85 90 „ „ 1895 . . . . 10 89 99 „ „ 1896 . , . . . 12 61 73 „ „ 1897 . . . . 10 68 78 Der Austritt aus dem Judenthum war also hier in den Jahren 1893 bis 1895 am stärksten. Nicht weniger interessant sind die Zahlen über die durch diese Austritte ausfallenden Steuerbeträge. Dieselben belaufen sich für 1893 auf 5041 Mark, 1894 auf 1214 Mark, 1895 auf 3064 Mark, 1896 auf 13 698 Mark, 1897 auf 2630 Mark; die einzelnen Jahrgänge sind in der Tabelle auch nach Personenzahl und Steuerbetrag angegeben. Die hohe Ziffer im Jahre 1896 ist durch den Austritt zweier Personen erklärt, die Steuerbeträge in der Höhe von 9836 und von 1084 Mark gezahlt hatten. Sonst ist nur noch 1893 ein Ausgetretener mit 2400 Mark bezeichnet. Die Gesammtsumme der durch Austritt verloren gegangenen Steuerbeträge beläuft sich für die Jahre 1893 bis 1897 auf 25 647 Mark. £Sj£ Berlin, 12. Januar. Hiesige politische Blätter bringen folgende Nachricht: „DieEinführung des Sonntags-Gottesdienstes in den Berliner Gemeinde-Synagogen wird, trotz der dafür in Szene gesetzten lebhaften Agitation, unterbleiben. Der Gemeindevorstand hatte sich an das hiesige Rabbinat um Begutachtung dieser Frage gewandt. Das Gutachten lautet einstimmig ablehnend. Die Rabbiner erklären, daß die Einrichtung öffentlicher Sonntags-Gottesdienste mit festtäglichem Charakter den religiösen Satzungen sowie den geschichtlichen Ueberlieferungen des Judenthums widerspreche, und sie deshalb außer Stande seien, dazu ihre Zustimmung zu geben. Da diese Ansicht auch von der Mehrheit des Gemeindevorstandes getheilt wird, dürfte die Petition um Einführung von jüdischen Sonntags-Gottesdiensten durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt werden." Soweit die Nachricht, die aber wohl nicht erst dementirt zu werden braucht. Der Wunsch war auch hier der Vater der — Nachricht! £2 Berlin, 10. Januar. Von den Mittheilungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ist soeben Nr. 46 aus - gegeben worden, mit dem Bericht des Ausschusses über die ihm vom siebenten ordentlichen Gemeindetage gestellten Aufgaben. Unter diesen nimmt die Bildung von Gemeinde-Verbänden den ersten Rang ein. Der Gedanke fand überall freudige Zustimmung. Folgende Verbände sind bisher begründet: 1. Verband der Synagogen-Gemeinde im Regierungsbezirk Bromberg (Vorsitzender Stadtrath Aronfohn in Bromberg). 2. Verband der Synagogen-Gemeinde des Regierungsbezirks Posen (Vorsitzender Herr Schönlank in Posen). 3. Verband der Westpreußischen Synagogen - Gemeinden (Vorsitzender Herr Davidsohn in Danzig). 4. Gemeindeverband in der Provinz Pommern (Vorsitzender Herr Samuel in Stettin). 5. Verband der Synagogen - Gemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz (Vorsitzender Herr Stadtrath Pringsheim in Breslau). Andere werden hoffentlich bald folgen. Auch seine nächste Aufgabe, eine Petition an das Kultusministerium in Sachen des jüdischen Religionsunterrichts, hat der Ausschuß erfüllt. Die wohlmotivirte Petition ist bisher noch nicht beantwortet worden. Ebenso hat er betreffs der Ausarbeitung von Lehrplänen und Errichtung von Lehrkursen für akademisch gebildete Religionslehrer und Lehrerinnen bereits die geeigneten Schritte gethan und sowohl bei der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums wie beim Rabbinerseminar volles Entgegenkommen gefunden. Der Ausschuß hat auch diesmal von seinem Kooptationsrecht und zwar in dem Sinne Gebrauch gemacht, daß er die Leiter der dem D.-J. G.-B. beigetretenen Bezirksverbände in sein Kollegium berief. So sind seinem Rufe gefolgt die Herren: Stadtrath I. Eichel bäum für den Ostpreußischen Gemeindeverband, Rechtsanwalt Schüller in Gleiwitz, der Nachfolger des Heimgegangenen Vorsitzenden des Oppelner Verbandes, Herrn Sanitätsrath Dr. Freund, Herr Stadtrath Aronfohn in Bromberg, Leiter des Bromberger Verbandes. Mit dem Präsidenten .. des Gemeindeverbandes in den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz, Herr Stadtrath Pringsheim in Breslau, schweben noch die Verhandlungen wegen seines Eintritts in den Ausschuß. Ein sehr eifriges neues Berliner Mitglied hat der Ausschuß in der Person des Herrn Eugen Rosenstiel gewonnen. Die Gemeinde Hamburg hat in Ausübung ihres statutarischen Rechtes an Stelle des Herrn N. Samson, der seine Delegatur niedergelegt hat, das Vorstandsmitglied Herrn S. M. Nathan in den Ausschuß deputirt. Für die Gemeinde München ist der erste Vorsteher, Herr Rechtsanwalt Ofner, durch Uebernahme des Delegirtenamtes in die durch den Heimgang des Herrn Louis Schwab entstandene Lücke eingetreten. Neben dem bisherigen Tarnowitzer Delegirten, Herrn Amtsgerichtsrath Glogauer, wird fortan der neugewählte Delegirte Herr Felix Rischowsky wirken. Der Delegirte Herr Erda in Detmold hat wegen seines hohen Alters sein Ehrenamt niedergelegt. Durch den Tod wurden mehrere rderthgeschätzte Freunde, die Herren Moritz Meyer in Prenzlau und H Stiebel, entrissen. '*[ £2 Berlin, 12. Januar. Am Montag fand hier die Generalversammlung des „Centralvereins der Staatsbürger jüdischen Glaubens" statt. Oberamtmann Ludwig Cohn hielt einen interessanten Vortrag über Bodenkultur unter den Juden und theilte mit.