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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-14 · Heft 2 (14.1.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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62. Jahrgang. Nr. 2 Berlin» 14. Jannar 1898. » Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner ®r- Ludwig PHMppson Äonn. Verlags-Crpedition: Gerlin, Jerufalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M. Redacteur: Gustav Karpeles. Leitartikelr Die Bne-Berith-Logen. — Die Woche. — Briefe aus Galizien. — Eine alte jüdische Kolonie in China. Von E. M. Kö hler. — Samuel Holdheim als Rabbinatskandidat. Von Dr. A. T än z e r. — FerrMelon r Aus bangen Tagen. II. Von Carl Griot. — Verbindender Text zu sechs lebenden Bildern aus dem altjüdischen Familienleben. Von Julius Barsdorf. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Stettin, Breslau, Aus der Provinz Posen, Wien, Jassy, Petersburg, London, New-York. — Bon Nah und Fern. — Miseellen. We Bnr-Berith-Lsgen. Berlin, 12. Januar. fie Logen des unabhängigen Ordens Bne-Berith bestehen nunmehr seit zwölf Jahren in Deutschland. Sie haben sich über alle Theile des Vaterlandes ausgebreitet und sind ein wichtiger Faktor im Gemeindeleben geworden. Da wird wohl die Frage berechtigt sein: Was haben die Logen innerhalb dieses Zeitraumes geleistet? Und speziell: Was haben sie für das sogenannte „praktische Judenthum", dem sie ja in erster Reihe sich widmeten, geschaffen? Wir wollen an der Hand eines Berichtes, den der Großpräsident des Distrikts über die bisherigen Bestrebungen des Ordens kürzlich oeröffentlicht hat, diese Fragen, so gut es geht, zu beantworten suchen. In rascher Folge stieg seit der Begründung die Zahl der Tochterlogen auf 12 mit 1150 Mitgliedern, als die Groß-Loge eingesetzt wurde, zu der später noch 6 mit 670 Mitgliedern hinzukamen. Bald machte sich ein Stillstand in der Propaganda geltend, der aber jetzt frischerem Leben gewichen ist, so daß heute 3200 Mitglieder in 33 Logen im Dienste des Ordens thätig sind, und die Gründung von 4 großen Logen in naher Aussicht steht. Damit stieg auch die Achtung für den. Orden in den Augen der Außenstehenden und die Werthschätzung seiner Arbeit. Diese Arbeit gilt vor allem der Entfaltung werkthätiger Gesinnung, sofern die Brüder selbst oder ihre Hinterbliebenen Wittwen und Waisen der Hilfe bedurften. Zahlreiche, gut ausgestattete Fonds find in den Logen hierfür vorhanden: Wittwen- und Waisensonds, Aussteuerfonds, Altersversorgungsfonds. Unterstützungsfonds, Hilfsfonds. Es gilt als höchste Pflicht, sich der Wittwen und Waisen anzunehmen;, jeder Wittwe wird ein Pfleger gestellt, der ihr mit Rath und That zur Seite steht, sich um ihr Wohl und das ihrer Kinder kümmeH» deren Schulzeit überwacht, ihren Lebenslauf verfolgt, in der BerÄfswahl sie Anterstützt. Und wg eine Fürsorge nicht nöthkg, sucht der Pfleger die Verbindung zwischen Hinterbliebenen und dem Orden aufrecht zu erhalten. Wo es galt, in ganz besonderen'Fällen einem Bruder zu Hilfe zu kommen, waren die Logen jederzeit , bereit, für ihn einzutreten. Ganz besonders traten die schlesischen Logen in dieser Hinsicht hervor. Glücklicherweise sind solche Fälle vereinzelt geblieben, und die Logen konnten mit um so größerer Bereitwilligkeit der allgemeinen Waisenpflege und Wohlfahrtseinrichtungen ihre Aufmerksamkeit widmen. Es wurden mit namhaften Jahresbeiträgen bedacht: Die Taubstummenanstalt zu Weißensee, die Hospitäler in Jaffa und Jerusalem, das Erziehungshaus für Mädchen in Pankow, das Waisenhaus zu Rybnik, die Heilstätten zu Kolberg, Jastrzemb, das zu bauende Waisenhaus in Ems, die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Verein zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, Unterstützung hilfsbedürftiger Studirender, die Seniinare zu Breslau und Alheim. Für diese schon bestehenden Institute wurden nur Beiträge geleistet, ohne daß die Logen Antheil an der Verwaltung nahmen. Andere Anstalten haben die Logen aus eigenem Antriebe gegründet, in eigene Verwaltung genommen oder besondere Vereine hierfür ins Leben gerufen. So haben die westlichen Logen das Kinderheim zu Metz für Knaben geschaffen, hierfür ein eigenes Haus gebaut, ein« Heilstätte in Nauheim gegründet. Eine der schönsten Einrichtungen, die unter der Aegide der Frankfurt-Loge gegründet worden, ist die israelitische Kuranstalt in Soden, eine Musteranstalt mit großem Hause und herrlichem Garten, ausgerüstet mit allen denkbaren Hilfsmitteln der Ernährung und ärztlichen Behandlung. Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß alle Bestrebungen zur Verbesserung der sozialen Lage unserer Glaubensgenoffen bei dem Heranwachsenden Geschlecht zu beginnen haben, sind im ganzen Distrikt vielfache Veranstaltungen zur Kräftigung der Gesundheit und zur Hebung der geistigen Fähigkeiten der Jugend getroffen worden. Alljährlich zu Chanukah und Purim sind circa 3000 Kinder mit Wäsche und Kleidung beschenkt worden, eine Einrichtung, an der sich fast alle Logen betheiligt haben. Erhebende Festlichkeiten wurden veranstaltet, Ansprachen an die Kinder gerichtet, die in schönster Weise bewirthet wurden. In Berlin und in der Henry Jones-Loge traf man die sinnige Einrichtung, die beschenkten Kinder mit denen der Brüder gesellig zu vereinigen und zu bewirthen, damit den Kindern das drückende Gefühl erspart bliebe. In einigen Logen bestehen gut besuchte Kindergärten unter steter Beaufsichtigung; in einer Loge ist eine Jugendbibliothek eingerichtet; eine andere Loge sorgt für Frühstück für arme Kinder; in einer Loge wird Nachhilfe-Unterricht ertheilt, eine andere Loge theilt Milch aus für schwache Kinder; wiederum eine andere hat Schulbücher angeschafft. Diese hexzerfreuende Wohlthätigkeit erstreckte sich nicht nur auf die Kinder unseres eigenen Landes, auch nach Rumänien wurde eine namhafte Summe zstr Errich^ing und Unterhaltung jüdischer Volksschulen abgesandt. — Einest erfreulichen und 'wesentlichen Antheil/haben die Logen an der Errichtung von Ferienkolonien genommen. m

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