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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-07 · Heft 1 (7.1.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 nach feiner Erklärung nicht beleidigen, sondern nur seiner politischen Gesinnung Ausdruck geben. Dem Ausgang der Civilklage darf man mit Spannung entgegensehen. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 2. Januar. Einer unserer verdienstvollsten Männer, Herr Emanuel Baumgarten, ein treuer Mitarbeiter zugleich Ihres Blattes, feiert am 16. d. seinen siebzigsten Geburtstag, was die zahlreichen Verehrer desselben sicher interesfiren dürfte. — Eine erfreuliche Nachricht für die Gemeindemitglieder hat die letzte Vorstandssttzung gebracht: Das Gemeinde-Defizit hat sich ansehnlich verringert. Die Gesammteinnahmen betrugen im letzten Jahre 765 913 Gulden, die Gesammtausgaben 796 319 Gulden, der Fehlbetrag 30 406 Gulden, das unbedeckte Defizit 38 754 Gulden. Den Grundstock der Einnahmen bilden die Kultussteuern. Sie sind veranschlagt mit 350 000 Gulden. Für 13 000 Steuerzahler und bei einer Quote von 10—3000 Gulden bildet diese Summe noch lange nicht das gerechte, geschweige denn höchste Ausmaß im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Steuerträger. Die Rechnung ist klar. Wien hat keinen gesunden jüdischen Mittelstand; aber''es hat über 100 jüdische Millionäre. Die Besteuerung derselben mit dem Höchstausmaß würde schon allein über 300 000 Gulden einbringen, und dann blieben noch über 12 000 Steuerträger, die das Defizit aus der Welt schaffen könnten. — Dem Grafen Badeni sollen nun auch seine beiden Schleppträger folgen. Vor allem der getaufte Jude Halb an. Dieser „Ritter v. Halban" hat eine sehr große Rolle gespielt. Früher hatte er den klangvolleren Namen Blumenstock. Bor einigen Jahren erhielt er den Orden der Eisernen Krone, mit dem der persönliche Adel verbunden ist. Da ihm der Name v. Blumenstock nicht aristokratisch genug klang, nannte er sich fortan von Halban. Innige Freundschaft verband ihn mit dem Büreauchef im Mirristerprästdium, Hofrath Freyberg, gleichfalls einem getauften Juden. Die Volksstimme, aber nur die antisemitische, sagt Beiden nach, daß sie hinter den Kulissen regiert haben. — Die österreichische Statistik für das Jahr 1894, die eben erschienen, bringt den erfreulichen Nachweis, daß die Quote der an Verbrechen betheiligten Juden wiederum zurückgegangen, wenn auch ihre Zahl absolut ein wenig, nämlich um 29 Personen (von 1012 auf 1041), gestiegen ist. Die Stufenleiter dieser Quote stellt sich wie folgt, wobei immer berücksichtigt werden muß, daß der Prozentsatz der Juden in den Ländern der österreichischen Krone sich auf 4,6 pCt. stellt: 1865: 4,0, 1886: 4,2, 1887: 4,2, 1888: 3,9, 1889:3,5, 1890:3,6, 1891:3,6, 1892: 3,8, 1893: 3,6, 1894:3,4, hat also jetzt den niedrigsten Stand seit Bestehen der Statistik erreicht. Mit anderen Worten heißt dies: Während des Jahres 1894 sind in Oesterreich verurtheilt worden 30133 Verbrecher, da der Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung 4,8 pCt. ist, so durfte man erwarten, daß die Zahl der jüdischen Verbrecher 1446 beträgt, es find aber nur 1041, also fast ein Drittel weniger. Die ständig fallende Quote spricht somit sehr zu Gunsten unserer Glaubensgenossen in Oesterreich. Besonders bemerkt zu werden verdient, daß in dem Sprengel Ostgalizien 493, in Westgalizien 181 Verurtheilungen von Juden vorkamen, zusammen also 674 oder 65 pCt. sämmtlicher bei den österreichischen Israeliten bestraften Delikte, während auf die Juden dieser beiden Provinzen 68 pCt. der Gesammtziffer der Juden in Oesterreich entfallen. Die Juden Galiziens, diese viel verschrieenen, unter den denkbar traurigsten ökonomischen Verhältnissen lebenden Proletarier, sind demnach besser als ihr Ruf, ja besser als ihre Glaubensgenossen im übrigen Oesterreich, namentlich als die Wiener Juden. In dem Gerichtsprengel Niederösterreich wohnen 128 784, also 11,2 pCt. der in der österreichischen Monarchie überhaupt ansässigen Juden. Demnach kämen von den 1041 Bestrafungen von Juden auf sie 117, es sind aber in Wirklichkeit 160, also fast 25 pCt. mehr als der Durchschnitt. Freilich wirkt hierbei der Einfluß der großen Stadt mit, und zur Ehre unserer Glaubensgenossen sei es gesagt, sie erreichen noch lange nicht die Ziffer der Nichtjuden, denn bei diesen kommt auf 729 Seelen eine Bestrafung wegen Verbrechens, bei den Juden derselben Provinz aber nur auf 805 Seelen. — Aus Mährisch-Ostrau berichtet man: In der heutigen Sitzung der Stadtvertretung machte Bürgermeister Dr. Johanny die Mittheilung, daß Baron Albert Rothschild beschlossen habe, anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers zum Zweck der Errichtung und Erhaltung eines Waisenhauses in Mährisch-Ostrau 150 000 Gulden zu widmen. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Prag wird heute vom Ministerpräsidenten empfangen, um ihm die Bitte vorzutragen, die Regierung möge die durch die letzten Exzesse schwer geschädigten Prager Juden entschädigen. Man darf auf die Antwort des Herrn v. Gautsch gespannt sein. 6. Budapest, 31. Dezember. Der vor zwei Jahren verstorbene Adolf Machlup verfügte in seinem Testament, daß von seinem Vermögen die Summe von 400 006 Kronen ungetheilt einem einzigen Humanitären Zwecke zugeführt werde. Die Testamentsvollstrecker haben nun diesen Betrag dem ungarländischen Verein vom Rothen Kreuz mit der Bestimmung übergeben, daß dieses Legat zur Errichtung eines Rekonvalescentenheims verwendet werde, in dem die von der Haupt- und Residenzstadt, der Pester Kultusgemeinde, dem Rothen Kreuz und dem Landesvertheidigungsministerium namhaft gemachten Personen ausgenommen werden sollen. Bemerkenswerth ist es, daß die jüdischen Pfleglinge auf ihren Wunsch rituell verköstigt werden müssen. — Im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses stellte der Minister bei der Verhandlung der zur Unterstützung der Konfessionen aufgenommenen Summen den Antrag, daß in dem Voranschlag für die jüdische Konfession statt 10 000 20 000 Kronen ausgenommen werden mögen. Der Ausschuß nahm den Antrag des Kultusministers einstimmig an. — Die Bereinigung „Fondes Israel", deren Konstituirung das Kultusministerium nicht gestattete, hatte sich an den hauptstädtischen Magistrat mit der Bitte gewendet, im städtischen Schlachthause einige Schächter anstellen zu dürfen. Gegen den abweislichen Bescheid desselben rekurrirte die genannte Vereinigung an das Ministerium. Das aber bestätigte den Bescheid des Magistrats. — Dr. Ludwig Ballai wurde zum Sektionsrathe im Handelsministerium ernannt. Seine Thätigkeit im Direktorium der Millenniumsausstellung, in der Börsenenquete sicherte ihm einen hervorragenden Namen auch außerhalb der engen Mauern des Handelsministeriums. — Die Mitgliederaufnahme des Heiligen Vereins hatte einen glänzenden Erfolg. Es wurden 1413 neue Mitglieder ausgenommen, so daß der Verein 7646 Mitglieder hat. Unter den neuen Mitgliedern sind 35 Advokaten, 48 Aerzte, 24 Professoren und Lehrer, 7 Schriftsteller, 5 Grundbesitzer, 14 Landwirthe, 428 Kaufleute, 166 Industrielle, 267 Beamte, 113 Handlungsgehilfen, 2 Apotheker, 1 Richter, 15 Ingenieure, Baumeister und Bildhauer, 33 Privatiers und 261 sonstiger Beschäftigung. — Eine interessante Angelegenheit wurde dem Kultus- und Unterrichtsminister vorgelegt. In einem hiesigen Staatsgymnasium wurde ein jüdischer Schüler als evangelisch eingetragen und nahm auch an dem evangelischen Religionsunterricht Theil. Nach vier Jahren siel einem Professor auf, daß die Eltern des Gymnasiasten Juden sind und derselbe nie getauft wurde. Es wurde über diesen Fall eine Anzeige erstattet und eine Untersuchung eingeleitet. — Der jüdische Frauenverein in Neupest war gezwungen, die vor Kurzem eröffnete Volksküche aufzulassen, weil er in seinem menschenfreundlichen Streben vom Publikum nicht unterstützt wurde. Der Vorstand der politischen Gemeinde votirte zu diesem Zweck 3000 Kronen, so daß die jüdische Volksküche wieder aufnehmen konnte. — Der klerikale „Magyar All am" verzeichnete mit lebhafter Freude eine im Amtsblatt veröffentlichte Verordnung, laut der das Buch „Nathan der Weise von G. E. Lessing mit Erläuterungen von Dr. Victor Demek" für den Gebrauch der Mittelschulen nicht gestattet wird, weil das Lesen dieses Werkes überhaupt nicht für zeitgemäß gehalten wird. Es genügt, auf die Intention dieser Meldung hinzuweisen, um den Beweis zu erbringen, daß diese in dieser Form unwahr ist. Das oben genannte Werk wurde vielmehr für den Schulgebrauch verboten, weil die Erläuterungen dem Geiste der Dichtung widersprechen und Herr Demek gar nicht Deutsch versteht. — Den Handelsbeisitzern am Budapester Handels¬ und Wechselgerichtshofe Jakob Weitzenfeld und Julius Jungfer wurde der Titel eines Kommerzienraths für Lebensdauer taxfrei verliehen. Schweden. ■A. Stockholm, im Januar. Herr Rabbiner Dr. Ludwig Lewysohn beging am 30. v. M. sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Die philosophische Fakultät der Universität Halle hat nicht verabsäumt, dem Jubilar ein Ehrendiplom in den schmeichelhaftesten Ausdrücken zuzusenden. Dasselbe erwähnt zuerst die früheren Funktionen des Herrn Dr. Lewysohn als Prediger in Frankfurt a. O. und Worms und dann

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