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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-07 · Heft 1 (7.1.1898) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Sultan Solimans, den er auf seinem Feldzuge nach Aleppo begleitete, im Orient erfahren hattet). Aber auch von den Stämmen in Aethiopien, den Falaschas, 18) hat unser Berichterstatter durch den Augenschein sogar Nachrichten erhalten. Auf dem Markte in Trablüs war ihm ein jüdischer Kaufmann aus Aegypten begegnet, der mit Zucker. Reis. Papier und anderen Handelsartikeln, aber auch mit fünfundsiebzig jüdischen Sklaven und Sklavinnen aus Aethiopien erschienen war. Ein anderer Kaufmann in Trablas hatte ihm von seinen Reisen erzählt, die ihn bis zu den Falaschas geführt hätten. Er war über das sogenannte Magnetmeer auf einem.Schiffe, das keinen einzigen eisernen Nagel haben durfte, dahin gekommen. Die Hitze, die er dort antraf, war so furchtbar, daß die Bewohner jener Gegenden nackt zu gehen gezwungen sind. Er wußte sogar von der nur von Juden bewohnten Stadt Sindschel^) zu erzählen, die an den König von Portugal jährlich vierzigtausend Lasten Pfeffer abführen, wofür sie von ihm das Geld, dessen sie sich im Verkehr bedienen, erhalten. Aber auch was sonst von keiner anderen Seite über die Falaschas berichtet wird, daß sie nämlich nur nach dem Codex Maimünis sich richten, ohne die sonstigen Quellen der Tradition zu kennen, sehen wir David dei Rosst zu Ohren kommen. So recht das Bild eines weltmännisch gebildeten italienischen Juden seiner Zeit, hat jedoch David dei Rosst nicht nur für seine konfessionellen Jntereflen, sondern auch für die Vorgänge im Leben der Staaten und Völker draußen Auge und Sinn. Er berichtet von dem Eroberungszuge des großen Sultan Soliman, der Persien, das Reich der Ssüfidynastie, durch seinen Großvezir Ibrahim sich zu Füßen gelegt sah. Am 31. Dezember 1534 hatte der siegreiche Sultan die Schlüffel des ohne Schwertstreich eroberten Bagdad ausgeliefert erhalten. Seinen Titeln konnte er jetzt auch den eines Herrn von Dur us-SalLm, dem Hause des Heiles und Sieges, wie Bagdad genannt wurde, hinzufügen 2«). Auch die Eroberung von Tebris, die schweren Verluste der türkischen Armee, die im Winter von 1534 auf 1535 auf den unwegsamen Straßen ihre Lastthiere fallen sah,^) waren in Safed, wie wir durch David erfahren, ebenso schnell als getreu bekannt geworden. Wenn David so als türkischer Unterthan den Feldzügen seines Grobherrn mit innerem Antheil folgt, so verfehlt er andererseits nicht, auch den politischen Nachrichten aus der Heimath sein Jntereffe ungeschmälert zuzuwenden. Das Schiff aus Ragusa war angekommen und hatte die Nachricht von der neuen Papstwahl mitgebracht. Clemens VII. war nach zwölfjähriger Regierung gestorben und Alexander Farnese nach vierzigjährigem Cardinalate im 67. Jahre seines Lebens aus dem Conclave im Oktober 1534 endlich als Papst Paul III. hervorgegangen ^). David's Erwartung von der auch den Juden günstigen Wahl, die mit seiner Ernennung getroffen worden war, sollte die Folgezeit in der That verwirklichen^). David hatte es bei seiner Ansiedelung in Safed insofern ungünstig getroffen, als die Dürre des Jahres die Preise der Lebensmittel, die dort von unglaublicher Billigkeit zu sein pflegten, sehr empfindlich in die Höhe getrieben hatte. Auch das Obst, das aus 11 * * * * * 7 *) S. Zunz, a. a. O. 184 f. 18) Becgl. A. Epstein. Eldad ha-Dani 188 ff. 19) Vgl. G. Oppert in Kemitio Studiesed. G. A. Kohut. S. 404, 410 und 603-14. 8°) I. v. Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches II*, 114,118. 21) Jb. 114. 22) L. v. Ranke, Die römischen Päpste in den letzten vier Jahrhunderten I9, 186. 28) D. Kaufmann, in Revue des etudes juives XXVII, 209ff. Damaskus gebracht wurde, war infolge von Hagelschlägen vernichtet. Die Weintrauben von Safed, die dort in fabelhafter Größe und Schwere gediehen, ersetzten jedoch den Abgang an anderen Lebensmitteln. Safed war in raschem Aufschwung begriffen. Es war der Centralpunkt der ganzen Kleiderfabrikation weit und breit geworden. Der Handel mit Wolle und die Bearbeitung derselben ernährte die Bewohner reichlich. Die Fertigkeit, die man in der Anfertigung von Kleidern hier erlangt hatte, schlug die Concurrenz der Venezianer aus dem Felde. Das Wachsthum der Stadt, meint David, werde in zehn Jahren sie nicht wiedererkennen lassen. Die Haupthandelsplätze in der Nähe waren Beiruth und Trablus. In die letztere Stadt besonders hatte sich der ganze Handel, der früher in Damaskus blühte, gezogen. Trablus ward der Markt, auf dem der Karawanenhandel zusammenströmte. Von hier aus gehe» die jüdischen Händler nach Aleppo, dem Hauptstapelplatze des Handels der ganzen Türkei wie auch Persiens. Daher war auch für die Juden jener Gegenden nur äußerst selten Veranlassung vorhanden, Venedig aufzusuchen; alle Maaren und Bedarfsartikel wurden eben zu ihnen ins Land gebracht. Voll Dankbarkeit verzeichnet David die Freiheit, mit der seine Glaubensbrüder anders als zu Hause in Italien unter den Arabern leben können. Stehen doch - sogar in Palästina wie in Aegypten Juden an der Spitze der Zollämter. Steuern kannte man fast gar nicht. Nur ausnahmsweise hatte man in diesem Jahre gerade, da der Krieg gegen Persien außerordentliche Ausgaben erforderte, von den Juden Vorschüsse, theils gegen Pfand/ theils auf die städtischen Gefälle, welche die Juden einhoben, ausgenommen. Gelehrte waren nach der von dem ägyptischen Nagid Jsak Cohen Scholal bekräftigten, übrigens alten Einrichtung von jeder Art von Abgaben mit Ausnahme der Kopfsteuer völlig befreit. Ein Verzeichniß der Handelsartikel, die von Safed ausgehen, und das Lob der außerordentlich günstigen Gesundheitsverhältnisse der Stadt, die keinem Arzte Brod giebt lind auch der Gattin Davids, Sarah, die entbehrte Gesundheit gleich nach ihrer Niederlaffung daselbst wiedergab, beschließen den Brief, den es nicht zum mindesten kennzeichnet, daß der Schreiber alle Bewohner seines geliebten Vaterlandes Aegypten in sein Gebet einschließt^). EUILLETON Aus dangen Tagen. Historische Erzählung aus der römischen Äaiserzeit. Von Carl Griot. ■Cjj*n fliegender Hast eilten die Sklaven durch die weiten Gänge ij/y des Kaiserpalastes in Rom. C3-5 Nach allen Richtungen stoben sie aus einander.^um Denjenigen zu finden, den des Cäsars Wille zur Stelle haben wollte. Doch sonderbarerweise war der Mann, der sonst zu jeder Tageszeit in den Räumen des Palastes zu treffen war, nirgends zu sehen. Und doch hatte der Kaiser befohlen, ihn sofort vor sein Angesicht zu bringen. 21) Den Text des Briefes David dei Rossis s. Jewish Quarterly Review IX, 495—99, wo durch ein Versehen der Name des Autors Mose lautet.

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