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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-28 · Heft 52 (28.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ä die .neuen Siddurim „Schaarel» Tefillali und Seplial-Emelli" (Brock- Schweidnitz, Moops-Breslau). Der Verein, der von dem Ghmnasialprosessor Badt als Vorsitzenden geleitet wird, zeigt gegen den. vorjährigen Bestand einen Zuwachs von 15 neuen Mitgliedern; zu bedauern ist es jedoch, daß sich immer noch nicht alte Lehrer der beiden Provinzen - dem Vereine angeschlossen haben. Airs ein besonders reiches Arbeitsjahr kann der Verein zurückblicken. Er hat bereits zum zweitenmal, dank der Bereitwilligkeit des verehrten Lehrkörpers des jüdisch - theologischen Seminars wie anderer Lehrkräfte vor: Ruf, einen Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer eingerichtet, der wieder gut besucht war und von nachhaltendem Einfluß auf die geistige Entwicklung des jüdischen Lehrerstandes 31t werden verspricht. Der Verein beabsichtigt weiter, eine Bibliothek, j besonders religions-wissenschaftlichen Inhalts, zu begründen, um den Kollegen Material zum Privatstudium zu liefern. Durch den erfolgten Beitritt des Vereins als solchen zur Gesellschaft der Förderuug der Wissenschaft des Judentums ist den einzelnen Mitgliedern eine Vergünstigung zugestanden worden, die in hochherziger Weise auf alle Glieder des jüdischen Lehrerstandes im deutschen Reiche ausgedehnt worden ist. Der Vorstand plant für allernächste Zeit die Begründung eines Stellennachweises, besonders für Knltusbeamte, um den Gemeinden in beiden Provinzen bei Anstellung Don geeigneten Beamten behilflich zu fein, wie diesen die Erlangung passender Stellen zu erleichtern. Mit besonderer Befriedigung kann der Verein auf die Wirksamkeit der von ihm begründeten Unterstützungskasse zurückblicken, die bisher einer nickt geringen Zahl von Lehrerveterauen, bezw. von Lehrerwitwen und Lehrerwaisen, an 30000 Mark Unterstützungen auszahlen konnte. Bedauerlich ist es aber, daß Kollegen, namentlich aus dem Posenschen, die Segnungen der Kasse genießen wollen, ohne den geringen Grad der Erkenntlichkeit durch ihre Zugehörigkeit zu dem Vereine, von dem die Gründung ja ausgegangen ist, zu bekunden. Die Kasse weist nach dem letzten Bericht 38 ordentliche Mitglieder auf,' die Zahl der Pensionäre beträgt zehr: mit 23 Köpfen. Unter ihnen befinden sich fünf Emiritierte und fünf Witwen mit zusammen dreizehn Waisen. Die Summe der gewährten Pensionen beträgt für das Jahr 1905 2312,70 Mark, beieinem Vermögensbestand von 52 000 M. Diese Leistungen sind jedoch nur möglich gewesen^ durch den Gemeinsinn und die Hochherzigkeit der Ehrenmitglieder und durch Zuwendung einzelner Gemeinden, vor allem der Breslauer Synagogeugemeinde, ferner der Gemeinden Grünberg, Kempen, Neiße, Ne'ustadt O.-S. und Samotschin. Besonders rühmend hervorzuheben ist die Tätigkeit der Ehrenmitglieder, der Herren Hermann Neustadt und des wackeren Simon Scheye, welche auch wieder bemüht waren, der Kasse Spenden zuzuwenden, wie auch der Gemeinde Czarnikau und ihres wackeren Lehrers Herrn Cohn, der, obwohl erst nur kurze Zeit der Kasse als ordentliches Mitglied zugehörig, es verstauben hat, innerhalb seiner Gemeinde warmes Interesse für das segensreiche Institut zu erwecken. Möge dies Beispiel anspornend wirken auf andere Kollegen und Gemeinden. Eine notwendige Ergänzung zur Nnterstützungskasse bildet der vor einem Jahre geschaffene Jubiläumssonds, der für außerordentliche, nicht bind) die Satzungen vorhergesehene Fälle der Not dem Vorstande zur Disposition gestellt werden soll. Hier bietet sich ein reiches Feld zur Betätigung des Wohltätigkeitssinnes unserer Glaubensgenossen, namentlich in unserer Heimatsprovinz, denn gar oft wird der Vorstand in die Lage versetzt, bedrängten Lehrern und Lehrerwitwen zu Helsen, ohne daß ihm materielle Mittel zur Verfügung ständen. Erfreulicherweise wird der Kasse zu diesem Zwecke in allernächster Zeit ein Legat von 10.00 Mark zufließen, in hochherziger Gesinnung von Frau Berta Schottländer hier gestiftet, dessen Zinsen vorzugslveise bedrängten Witwen in der Provinz Schlesien zugewandt werden sotten. Der Bericht schließt mit Worten des Dankes an den wackeren, unverdrossen tätigen Schatznieister Herrn Simon Pfeffer, der auck) den durch Berussgeschüfte sehr in Anspruch genommenen Schriftführer in gewohnter Liebenswürdigkeit entlastet hat. Möge es der Kasse gelingen, noch recht viele Freunde und Gönner zu finden, damit sie weiter ihrer Aufgabe gerecht werden kann, lindernd und helfend einzutreten bei bedrängten Verhältnissen in jüdischen Lehrersamilien. e. Mainz, 13. Dezember. Wir haben den Verlust eines vortrefflichen Mannes zu beklagen. Ani 11. d. M. ist hier der Geheime Kommerzienrat Hermann Reinach gestorben. Heutesank» das Leichenbegängnis statt. Der Provinzialdirektor, der Gouverneur, der Stadtkommandant, der Oberbürgermeister, die Beigeordneten, viele Stadtverordnete, städtische Beamte und die große Zahl seiner Freunde und Bekannten hatten es sick) nicht nehmen lassen, dem hochgeschätzten Manne die letzte Ehre zu erweisen. In der Andachtshalle des Friedhofes gruppierten sich die Leidtragenden um den Sarg, und Rabbiner Dr. Salfeld nahm mit beredten Worten Abschied von dem edlen, treuen Menschen, dem aufopfernden Familienvater und dem gewissenhaften Arbeiter im Dienste des Edlen und Guten. Er würdigte die hervorragenden Verdienste des Entschlafenen und erinnerte daran, daß der Name Reinach im Buche der israelitischen Gemeinschaft mit unauslöschlichen Zügen eingetragen ist. Schon im Jahre 1763 war es in den Zeiten der damaligen furchtbaren Not ein Reinach, der hunderten Armen beigestauden und ihnen eine Existenzmöglichkeit geschaffen hat. Der Urgroßvater des Entschlafenen, sein Großvater und Vater, und nick)t zuletzt er selbst — für sie alle gab es keinen Zweig bürgerlicher Tugend, der nicht von dieser Familie gepflegt worden wäre. Die Hungrigen haben sie gespeist, die Nackten gekleidet, den Schmerz gelindert und dem Wissensdurstigen den Weg zum Studium geebnet. Des jetzt Da Hingeschiedenen Vater ist es gewesen, der 1847 dahin wirkte, daß jenes schändliche, von der Fremdherrschaft stammende Moralpatent für die Juden aufgehoben ward. Und wie seine Vorfahren, behielt auch der Entschlafene seine große Bescheidenheit und sein vemutsvolles Wirken trotz allen irdischen Besitzes und aller ehrenvollen Würden. Dann schmückte Herr Oberbürgermeister Tr. Göttelmann. den Sarg mit einem prachtvollen Kranzgebinde namens der Stadt, die einen ihrer treuesten Söhne zu beklagen habe. Im April 1871 in den Gemeinderat gewühlt, wurde er kurz darauf zum Beigeordneten ernannt und als solcher in den Jahren 1874, 1881, 1887, 1893 und 1899 mit Einmütigkeit wiedergewählt. 34 Jahre lang hat er das Amt eines Beigeordneten ununterbrochen bekleidet. Seine hohen und bleibenden Verdienste um unser Gemeinwesen, dessen kommerzielle Entwicklung und finanzielles Gedeihen ihm vor allem am Herzen lagen, sind bei vielfachen Anlässen, insbesondere bei seinem unter Teilnahme der ganzen Bürgerschaft gefeierten 25 jährigen Amtsjubiläum, bei seinem Ausscheiden aus dem Amt und jetzt wieder bei seinem Tode allgemein gewürdigt und gepriesen lvorden. Unter Worten der innigsten Dankbarkeit sür das aufopfernde langjährige Wirken legte dann Herr Stadtverordneter Oppenheim einen Kranz am Sarge nieder, den auch die städtischen Beamten pietätvoll geschmückt hatten. v. Stuttgart, 24. Dezember. Der segensreich wirkende Verein israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg hat seinen Rechenschaftsbericht über das Rechnungsjahr 1905 1906 publiziert. Auch diesmal wurde'cheD Bestrebungen des Vereins die Teilnahme des Königs und der Königin zuteil. Zahlreiche außerordentliche Mitglieder leihen ihm ihre Unterstützung, und die ordentlichen Vereinsmitglieder sind eifrig an der Arbeit, um seine Zwecke zu fördern. Nicht leichter geworden ist die Aufgabe in Hinsicht auf die Unterstützung von Lehrerwitwen und Waisen, denn wiederum wurden an die Schützlinge des Vereins 2500 Mark verteilt. Die satzungsmäßige Mitgliederversammlung fand am 1. und 2. Juli hier statt und wurde in diesem Jahre erstmals und versuchsweise auf zwei Tage ausgedehnt. Das Ergebnis läßt den Versuch als durchaus gelungen erscheinen. Die Tagesordnung wies als Hauptpunkte auf: Bericht über die Verbandsvorstandssitzung, Berichterstatter Herr Preßburger-Creglingen; Bericht über neu erschienene Schulbücher; Besprechung der von Herrn Rothschild-Eßlingen aufgestellten Thesen zum Verbandsthema; „Unsere Memorierbuchfrage", Referent Herr Hähnlein-Haü. Voraus gingen Kassen- und Tätigkeitsbericht, erstattet von Herrn Kassierer Metzger-Cannstatt, bezw. Herrn Schriftführer Preßburger-Creglingen. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Berichtsjahr 7558.58 Mark, die Ausgaben 6809,46 Mark, das Gesamtvermögen 62 149,12 Mark. Gesterretch-Nngarn. □ Wien, 24. Dezember. Viel schlimmer als die Ernennung des „schwarzen Prinzen" zum Landtagsmarschall von Niederösterreich wäre es, wenn sich das Gerücht bewahrheiten sollte, daß, nachdem die Wahlreform zustande gekommen, das Kabinett rekonstruier

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