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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-28 · Heft 52 (28.12.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. Nö- 52. Der OeiMlndrbate. b-^“'d—***“• Driisge zur „Allgemeinen Leitung drü Judentums". SorrrlponLrn??» und Machrichtrn. Deutschland. 8. Berlin, 23. Dezember. Auch die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands wird ihre Mitgliederversammlung am Dienstag, den 1. Januar 1907, hier im Konferenzzimmer der jüdischen Gemeinde-Knabenschule (Große Hamburgerstraße) abhalten. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vorstandes (Vogelstein-Stettin). 2. Kassenbericht (Plaut). 3. Vortrag über „Das Priestertum der Ahroniden" (Silberstein--Elbing). 4. Neuwahl des Vorstandes und der Stellvertreter. 5. Eventuelle Anträge. Der Vorstand besteht aus den Herren Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin, Dr. Guttmann-Breslau, Dr. Winter-Dresden, Dr. Plaut-Frankfurta.M., Dr. Steckelmacher-Mannheim. 8. Berlin, 23. Dezember. Im Verein für jüdisch e Geschichte u n d Li t e r a t u r las am Donnerstag im Oberlichtsaale der Philharmonie die rühmlichst bekannte Künstlerin Frau Marie Pospischil vom Hamburger Stadttheater das biblische Drama „Jakob" von Ludwig Klausner-Dawoc -mit außerordentlichem Erfolg vor. Die hohe Meinung, die alle Kunstfreunde von dieser gefeierten Darstellerin seit jeher hegten, wurde durch diese Rezitation von neuem bekräftigt. Mit dramatischer Lebendigkeit, mit feinem Verständnis, ja mit künstlerischer Vollendung las Frau P. die wichtigsten Szenen des interessanten Dramas, das durch psychologische Motivierung die Erzählungen der Bibel vom Patriarchen dem modernen Geiste mit Geschick plausibel zu machen sucht und in den entscheidenden Momenten von hohem Schwung und edler Begeisterung erfüllt ist! Langanhaltender Beifall zeigte der verehrten Künstlerin,welch tiefen Eindruck ihre Rezitation auf alle Zuhörer hervorgerufen. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Schlochau sprach Herr Albert Katz über die moderne hebräische Literatur, in Kattowitz wurden folgende Vorträge gehalten: Dr. Baech-Oppeln: Der Zug ins Exil. Oberkantor de Veer-Beuthen: Gesangsvorträge und Rezitationen; Rabbiner. Dr. Wilensky-Nikolajeff: Die Gegenwartslage der russischen Juden in ökonomischer Hinsicht. In Hannover sprach Dr. Lewinsky-Hildesheim über die Juden in Niedersachsen, in Hamburg Dr. Mannheimer-Oldenburg über den Talmud, Dr. Rieger über „Aus dem Reiche der jüdischen Mystik", in Marburg Dr. Porihkh-Berlin über Rahel, in Marburg Dr. Marek über die Fabel in der jüdischen Literatur, in Cassel Dr. Mannheimer über Judentum und Kultur. — Ein neuer Literaturverein wurde in Koblenz begründet, dem nach einer Propagandarede des Herrn Rabbiner Dr. Grünfeld-Bingen alsbald 60 Mitglieder beitraten. s. Berlin, 24. Dezember. Geheimer Rat Pros. Ernst Bergmann hat sich dem Hilssverein der Deutschen Inden bei so vielen Gelegenheiten als hingebungsvoller Arzt aus reiner Nächstenliebe zur Verfügung gestellt, daß der Hilfsverein mit Freuden den siebzigsten Geburtstag dieses ausgezeichneten Chirurgen zum Anlaß nahm, ihm folgendes Dankschreiben zu senden: Eurer Exzellenz gestattet sich auch der Unterzeichnete Verein zum siebzigsten Geburtstag die allerherzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Eure Exzellenz haben unsere Tätigkeit für unsere bedrängten russischen Glaubensgenossen auf das Liebevollste unterstützt und vielen Kranken und Verwundeten, die durch die Judenmetzeleien des letzten Jahres gelitten haben, die Gesundheit zurückgegeben. Mit Freuden nehmen wir den Ehrentag wahr, um Eurer Exzellenz für die weitgehende Förderung unserer humanitären Bestrebungen unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Mit dem Wunsche, daß das Wirken Eurer Exzellenz noch viele Jahre allen Bedrängten zum Segen gereichen möge, verbleiben wir in ausgezeichneter Hochachtung Hilfsverein der Deutschen Juden, gez. James Simon. 8. Berlin, 20. Dezember. Der Fürsorge-Verein für hilflose jüdische Kinder, e. V., versendet den folgenden empfehlenswerten Aufruf: „Die Erfahrungen einer mehr als dreijährigen Vereinstätigkeit haben uns gezeigt, wie notwendig es ist, ein Heim für hilflose jüdische Kinder zu besitzen. Seine Errichtung durchzuführen, ist jetzt eine Aufgabe unseres Vereins. Es soll eine Zufluchtsstätte für Kinder werden, die plötzlich hilflos geworden sind, und ihnen eine Unterkunft bieten, bis sie in ein Kinderasyl, ein Waisenhaus oder in Privatpflege gebracht werden können. Die Fälle, in denen solche rasche Hilfe notwendig ist, sind leider nicht selten. Sie treten ein, wenn in einer armen, Familie die Mutter stirbt und kleine Kinder zurückläßt, für die der Vater keine Pflegerin beschaffen kann, wenn eine Mutter in ein Krankenhaus gebracht werden ^oder tagsüber der Arbeit nachgehen, ihre Kinder sich selbst überlassen oder in'schlechter Pflege lassen muß. Dies sind nur einige von den zahlreichen traurigen Fällen, die wir in unserer mehrjährigen Tätigkeit 'in der Fürsorge für „hilfsbedürftige jüdische Kinder" kennen gelernt haben. Es ist häufig unmöglich, selbst bei Zahlung eines hohen Pflegegeldes, die verlassenen Kleinen so schnell wie es nötig ist, an einem geeigneten Orte unterzubringen. In unserem Heim sollen diese Kinder zunächst ein Obdach haben, sodann soll dafür gesorgt werden, daß sie weitere und dauernde Hilfe erhalten, insbesondere daß sie in geeigneten jüdischen Familien untergebracht werden. Knaben und Mädchen von den ersten Lebenstagen an werden hier Aufnahme finden; mit den Säuglingen können auch Mütter ausgenommen werden. Die Notwendigkeit, eine solche Anstalt zu errichten, wurde für uns immer dringender, je zahlreicher die Gesuche um Unterstützung bei uns eingingen. Auch die anderen, in dem Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege vertretenen Vereine haben ähnliche Erfahrungen gemacht; auch sie sind zu der Erkenntnis gekommen, daß es notwendig sei, einen Ort zu besitzen, wo die Schützlinge in dringenden Fällen sofort untergebracht werden können. Die Zahl der bei uns eingehenden Gesuche in Fällen dringender Not, in denen wir eingreifen müssen, weil die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde und die private jüdische Wohltätigkeit den wünschenswerten Beistand nicht gewähren können, wächst beständig. Hilfreiche Freunde haben bis jetzt diese stetig wachsenden Ausgaben für unsere Pfleglinge aufgebracht, und das zunehmende Verständnis für die Wichtigkeit unserer Aufgabe hat uns ermutigt, zu unseren bereits vorhandenen Verpflichtungen auch noch die Sorge um die Erhaltung des neuen Heims zu übernehmen. Wir hegen die feste Zuversicht, daß unsere Glaubensgenossen mit uns empfinden und uns die Mittel gewähren, das neue Heim zu erhalten, weiter auszubauen und dadurch schwerer Not hilfloser Mütter und Kinder abzuhelfen. Wir bitten Sie, einen einmaligen größeren Beitrag oder einen laufenden Jahresbeitrag zu zeichnen. Der Vorstand: I Dr. William Levh, Vorsitzender, Oskar Berlin, stellvertr. Vorsitzender. Gustav Gumpert (in Firma Gumpert & Nosenberg, Königstraße 27), Schatzmeister, Professor Dr. Blaschke, Leopold Eber, Rabbiner Dr. I. Eschelbacher, Gustav Fürstenberg, Siegfried Jacob, Justizrat Lilienthal, Emil Stern, E. R. Wolfsohn, Dorothea Wormann. Das Komitee zur Förderung des Vereins: Frau Marcus Adler, Baumeister M. Alterthum, Geh. Med.-Rat Dr. A. Baer, Geh. San.-Rat Dr. Blumenthal, Siegfried Brünn, Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn, Frau Professor Dessau, Rechtsanwalt I. Dzialoszynski, Komm.-Nat Heinrich Eisner, Aron Hirsch, San.-RasiDr. Maretzki, C. L. Netter, Kgl. Handelsrichter, Julius Plachta, Manuel Schwarz, San.-Rat Dr. Stern." 8. Berlin, 21. Dezember. Die Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee veranstaltet für die Kolonisten populäre Vortrüge im Laufe des Dezember und Januar. Der Zutritt ist für jedermann kostenlos. Ganz abgesehen von den Vortragsthematen dürste es für jeden Menschenfreund von Interesse sein, zu beobachten, wie die Kolonisten die ihnen gebotenen geistigen Anregungen ausnehmen. Erfahrungsmäßig wirkt es auf diese günstig ein, wenn sie sehen, daß ihre Wohltäter auch für ihre geistige Förderung Anteilnahme bekunden. Es werden dort folgende Vorträge gehalten: Sonntag, den 16. Dezember 1906, vormittags 11 Uhr: Rabbinatskandidat Dr. Salzberger „Die

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