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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-21 · Heft 51 (21.12.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Köslin, Kolberg, Labes, Neustettin, Polzin, Schivelbein, Stargard, Stolp, Stralsund und Tempelburg. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand der Rosinsche Gesetzentwurf, in dessen Beratung inan, nachdem der Vorsitzende, Justizrat Dr. Lewin, den Geschäftsbericht erstattet hatte, alsbald eintrat. Sowohl der Referent, Justizrat Dr. Ehrenwerth, wie der Korreferent, Rabbiner Dr. Vogelstein. gaben in überaus klarer und sachlicher Weise sowie mit eindringender Kritik ihr Urteil über den Entwurf ab, und obwohl dieser selbst von der Gesamt-Judenheit bereits abgelehnt ist, so sind doch die Leitsätze, zu welchen die beiden Redner gelangten, in hohem Grade beachtenswert und können für den neu vorbereiteten Organisationsentwurf zugleich als Direktive gelten, damit nicht auch dieser das Geschick des früheren teile. (Ein ausführlicher Bericht wird später gedruckt zugänglich sein.) Zum zweiten Punkt der Tagesordnung erhielt Dr. H. Hildesheimer-Berlin das Wort, der eigens hier erschienen war, um über den in Nürnberg stattgehabten Verbandstag der Tierschutzvereine und über die dem Judentum von diesem Verband drohende Gefahr zu berichten und zugleich Verhaltungsbeziehungsweise Abwehrmaßregeln an die Hand zu geben. Noch ein zweiter Redner aus Berlin, Dr. Tau bl er, benutzte unfern Gemeindetag. um sich namens des Vorstandes des „Gesamtarchivs der deutschen Inden" an die Gemeinden Pommerns zu wenden, und, nachdem er Zweck und Aufgaben dieser Institution in trefflicher Weise anseinandergesetzt hatte, die anwesenden Gemeindevertreter um Entgegenkommen und Unterstützung zu ersuchen, was durch Annahme einer diesbezüglichen Resolution geschah. Zum Vertrauensmann für Pommern hat sich Dr. Worms bereit erklärt. Nachdem noch Lehrer Simon über die seitens des Verbandsausschusses bisher erfolgten Bemühungen um Regelung der Pensionsverhältnisse der jüdischen Beamten Pommerns kurz referiert hatte, wurden die Verhandlungen, die von IOV2 vormittags bis 53/4 Uhr nachmittags gedauert hatten und nur durch ein gemeinsames Mittagsmahl unterbrochen waren, geschlossen. — Zugleich sei hier einer Institution gedacht, die vor einigen Wochen auf Anregung der Frau Oberkantor Sarasohn und durch tatkräftige Unterstützung seitens der Frau Rabbiner Dr. Vogelstein begründet wurde, nämlich eines Asyls für die durch unsere Stadt durchreisenden armen russischen Juden. Sauber eingerichtet und sorgfältig durch eine Oekonomie verwaltet, gewährt dieses Russenheim mit ca. 25 Betten den unglücklichen russischen Brüdern und Schwestern sür die Stunden oder Tage ihres hiesigen Aufenthaltes unentgeltlich Verpflegung und Herberge, und man sieht es diesen Unglücklichen an, wie dankbar sie für diese vorübergehende Erleichterung ihres Wanderlebens sind. Mehrere Damen unserer Gemeinde lösen sich alltäglich in der Aufsicht ab und sehen nach dem Rechten. Die Kosten für dieses Asyl werden vorläufig durch freiwillige Spenden hochherziger Männer und Frauen unserer Gemeinde bestritten. Das Kuratorium besteht aus den Herren Henry Cohn, Justizrat Dr. Mann und Rabbiner Dr. Vogelstein, der Vorstand unter anderen aus den Damen Frau Dr. Vogelstein, Frau Justizrat Lurje und Frau Sarasohn. n. Breslau, 9. Dezember. Am 5. d. M. starb hier der Privatd ozent an der Universität und Primärarzt der chirurgischen Abteilung am hiesigen jüdischen Krankenhause Dr. Georg Reinbach, infolge eines Schlaganiatts, in dem jugendlicher Alter von 34 Jahren. Er war ein Sohn des bekannten Sanitätsrats Dr. Reinbach. Reich begabt, wurde er früh Assistent des berühmten Professors Mikulicz, der ihn 1901 der neuerbauten Anstalt warm empfahl. Bald erfreute er sich hier größtens Ansehens und größter Beliebtheit, nicht nur in der hiesigen Gemeinde, sondern auch bei vielen Auswärtigen, besonders den russischen Juden, von denen er so vielen durch seine bewundernswerte manuelle Geschicklichkeit Heilung brachte. Allgemein war daher auch die Teilnahme an seiner Beerdigung. Am Donnerstag wurde er aus dem neuen Friedhof in Cosel zur letzten Ruhe gebettet. Trüb und regnerisch war der Tag, und düster und ernst die Stimmung derer, die erschienen waren, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Tief ergreifend war der Anblick des gebeugten greisen Vaters und der trauernden Schwester. Zahlreiche Professoren der medizinischen Fakultät, unter der Führung des Dekans Geheimrat Dr. von Strümpell, die Aerzte und Assistenten des Krankenhauses, Vertreter der Chewra Kadischa und vieler Vereine, sowie viele seiner Freunde und Patienten, die er geheilt hatte, wären erschienen. Unter zahllosen Kränzen war der schlichte Sarg aufgebahrk. Nach einem Gesang ergriff Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort. Er rühmte in kurzen Worten seine Tüchtigkeit und Menschenfreundlichkeit und schloß mit dem üblichen Gebete. Dann hielt Herr Sanitätsrat Dr. Sandberg -als dirigierender Arzt des Krankenhauses dem' Freunde und Kollegen einen warm empfundenen Nachruf. Als letzter sprach Geheimrat Professor Dr. von Strümpell im Namen der Fakultät und gedachte seiner als einer Zierde der medizinischen Wissenschaft. Leider habe er die Früchte seiner reichen Ernte nicht mehr erblühen sehen. Sein Andenken werde jedoch in der Fakultät nicht vergessen werden. Nach einem Gesang wurde der Sarg der Erde übergeben. Ehre seinem Andenken! — Der Vorstand der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt hat zum Primärarzt der chirurgischen Abteilung seines Krankenhauses an Stelle des verstorbenen Dr. Reinbach Herrn Privatdozent Dr. Gottstein gewählt. Derselbe verdankt ebenso wie Dr. Reinbach seine Ausbildung als Chirurg Professor Mikulicz und war jahrelang Assistent desselben. Kp. Aus -er Provinz Posen, im Dezember. Kreisarzt Medizinalrat Dr. Michaelsohn in Wr eschen ist zum Ratsherrn daselbst neugewählt worden. — Kaufmann Jakob Schlimmer in Obersitzko ist zum Magistratsmitglied daselbst neugewählt worden. — Kaufmann Hermann Magnus in Hammerstein ist zum Ratsherrn daselbst neugewählt worden. — Kaufmann Moritz Nathan in Samter ist neulich zum Mitglied der Posener Handelskammer neugewählt worden. — Die Synagogengemeinde in Bütow beging kürzlich feierlichst das Jubiläum des 50jährigen Bestehens ihres Gotteshauses. — In La bisch in ist kürzlich der Kaufmann M. Marcus zum Magistratsmitgliede gewählt worden. — In Schokken starb neulich das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde, Rentier Abraham Loszynski, im Alter von 97 Jahren. Er hatte viele Jahre dem Repräsentantenkolleginm angehört. — Rechtsanwalt Dr. Pink in Flatow ist zum Kreistagsabgeordneten daselbst neugewählt worden. — Bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen in der Provinz Posen sind fast in sämtlichen Stadtgemeinden jüdische Wähler gemeinsam mit den übrigen deutschen Wählern gegen die Polen vorgegangen. Durch diesen Zusammenschluß gelang es den Deutschen, ihre Gegner zu besiegen. n. Effen, 15. Dezember. Das Jubelfest unserer Chewra Kadischa am 2. Dezember verlief in glänzender Weise. Rabbiner Dr. Samuel, der seit 1894 bei den allsabbatlichen Versammlungen der Mitglieder im Betsaale des Gemeindehauses einen Vorkag hält, hat eine lesenswerte Festschrift verfaßt, die der Nachwelt Kunde gibt, welch frommer Geist bereits vor 50 Jahren die Gründer beseelt hat, mit welcher Hingabe andere später die Leitung übernommen haben. Hier sowie in der Festpredigt beim Morgengottesdienste, gedachte Dr. Samuel neben anderen verdienten Männern ganz besonders des ehemaligen Hauptlehrers und Predigers Moses Blumenfeld, ließ neben der Würdigung der Hauptaufgaben und Bestrebungen des Jubelvereins dessen wichtigste Momente am geistigen Auge der Gemeinde vorüberziehen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die von der Chewra der Gemeinde gestiftete kostbare, silbervergoldete Thorakrone, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, ihrer Bestimmung übergeben. In dem geschmückten Saale des Kasinos wurde am Sonntag die weltliche Feier des 50 jährigen Jubelfestes begangen. Dort fand ein Festessen statt, an dem sich gegen 300 Personen beteiligten. Nach dem ersten Gange brachte Kommerzienrat Hirschland einen Trinkspruch aus den Kaiser aus. Der Vorsitzende der Chewra richtete herzliche Begrüßungsworte an die Festteilnehmer. Herr I. Geldern, der nunmehr über 30 Jahre den Verein leitet, war an diesem Abend wiederholt der Mittelpunkt zahlreicher Ehrungen und Glückwünsche, die von Korporationen und Brudervereinigungen dem Jubelverein dargebracht wurden. Namens des Vorstandes, des Repräsentantenkollegiums und der ganzen Gemeinde brachte Herr Hermann Herz der Chewra und ihrem wackeren Vorstand die herzlichsten Glückwünsche dar. Nun kam namens des Frauenvereins Frau Witwe Blumenfeld zum Wort. Als die 78jährige, geistig und körperlich rüstige Dame daran erinnerte, wie sie vor einem halben Jahrhundert an der Seite ihres unvergeßlichen Mannes das Werden des Vereins miterlebt, da durchzuckte Wehmut manches Herz der Anwesenden, dann aber begleitete lauter Jubel die von der liebenswürdigen

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