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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-21 · Heft 51 (21.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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z Greisin chargebrachten Glückwünsche.- Am Aufträge der Loge „Glückauf" ^sprach Dr. Mendel, der die inneren-Beziehungen zwischen Leiden Bereiften betonte. Herr Rechtsanwalt Dr.- Herzfeld, der seit kurzem den Vorsitz in der Armenverwaltung führt, pries die erprobte Freundschaft der Chewra und ihr einmütiges Zusammenwirken mit dem Frauenderein und der Armenkommission, das dahin führe, die Bedrückten in den Stand zu setzen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Es sprachen sodann noch die Herren Dr. Schopp namens des neugegründeten Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Dr. Cohen für den Verein für Ferienkolonien und Hauptlehrer Graf im Namen der Schule. Nachdem Herr Rechtsanwalt Abel den anwesenden Damen in gebundener Rede ein Hoch geweiht, Herr Kanzleirat Hirsch im Aufträge des Vereins all denen gedankt, die zur Verschönerung des herrlich verlaufenen Festes beigetragen, namentlich aber Herrn Dr. Samuel für die Abfassung der schönen Festschrift, ferner den Ehrengästen und sodann den beiden ältesten Mitgliedern, den Herren Sal. Kaufmann und Herz Bendix, ein Glas geweiht, wurde die Festtafel geschlossen. Nun traten die Musen in ihre Rechte. Ein schwungvoller Prolog leitete den zweiten Teil des Abends ein, dessen Programm eine reiche Abwechslung hatte. ---- M.-Gladbach, 14. Dezember. Das Zentrum ist hier bei den Stadtverordnetenwahlen in der zweiten Abteilung unterlegen. In der Wirt über die Niederlage hat diePartei für einen Augenblichvergessen, daß die Toleranz der politischen Güter Höchstes ist, und furchtbare Anklage erhoben gegen diejenigen, die den Mißerfolg des Zentrums verursacht haben. Die Schuldigen sind natürlich die Juden — und ihre Schuld ist, daß sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. In einer Versammlung, in der die „katholischen Mitbürger M.-Gladbachs" eingeladen waren, führte der Redner des Abends, Arbeitersekretär Wessel, nach dem — übrigens sehr abgeschwächten — Bericht des „Gladbacher Merkurs" unter anderem aus: „An unserer Niederlage sind zu einem großen Teile auch unsere jüdischen Mitbürger schuld. Ich möchte vorausschicken, daß wir keine Antisemiten sind. Aber wenn wir alle Momente, die in diesem Jahre mitgespielt haben, ins Auge fassen, dann muß man sich sagen, wie ist es möglich, daß die jüdischen Mitbürger uns diese Niederlage bereiten konnten. Wir sind stets für ihre Rechte eingetreten. Wir haben ihren Dank nun empfangen. Ist die „Kölnische Volkszeitung" nicht jederzeit für die Juden eingetreten, wenn es galt, die Rechte der Juden zu wahren? Von den 59 Inden, welche wahlberechtigt waren, haben nur 9 loyal gewählt; 6 davon haben nicht gewählt, die übrigen 3 nur den Stadtverordneten Jonas. Wir haben von den Juden absolut nicht verlangt, daß sie Zentrum wählen sollten. Wir wollten nur Wahlenthaltung der Juden. Das ist kein übermäßiges Verlangen, wenn wir bedenken, daß M.-Gladbach eine Stadt ist, die zu fünf Sechstel katholisch ist." Es ist wirklich hübsch vom Herrn Wessel, daß er nur seine mäßigen Wünsche vorgebracht hat. Denn wenn man den jüdischen Bürgern schon das Wahlrecht nehmen will, so wäre eine Steigerung nur noch durch einen kleinen Pogrom herbeizuführen, wie die „Frankfurter Zeitung" treffend bemerkt. In der Tat, das Verbrechen der Juden, den'jüdischen Stadtverordneten Jonas wiedergewählt zu haben, anstatt sich zugunsten des Zentrums der Wahl zu enthalten, ist ein furchtbares! Gesterretch-Mnsarn. □ Wien, 17. Dezember. Die Regierung hat den Christlich- Sozialen abermals eine wichtige Konzession gemacht, indem sie den schwarzen Prinzen Alois Lichtenstein zum Landtagsmarschall von Niederösterreich ernannt hat. In der Sache selbst bedeutet diese Ernennung wenig, da die christlich-soziale Richtung der Landtagsmajorität ja doch notorisch feststeht. Aber für die Lage der Verhältnisse ist es leider sehr charakteristisch, daß die Regierung fortwährend sich genötigt sieht, gerade dieser Partei große Zugeständnisse zu machen. — In der österreichischen Delegation hat der unermüdliche Verfechter unserer guten Sache, der Abgeordnete Dr. Straucher, den Minister gebeten, für die Juden in Rußland bei der russischen Negierung einzutreten. Eine Antwort hat der neue Minister des Aeußern bisher nicht gegeben. Es ist auch ganz gleichgültig; geschehen wird ja doch nichts. —- Die ungarische Orthodoxie ist ein ganz besonderes Gewächs. Das ist ihnen ja wohl bekannt. Den Trumpf hat aber doch jetzt die größte orthodoxe Gemeinde Ungarns, Großwardein, ausgespielt; indem sie jür ihr neues Krankenhaus einen getauften Juden als dirigierenden Arzt wählte. Der Mann hatte selbst den guten Geschmack, abzulehnen. — Am Tage nach dem Leichenbegängnis des Oberrabbiners S. B. Schreiber in Preßburg ist der Kandidationsausschuß (bestehend aus Vorstand, Repräsentanz, Rabbinat und fünf von letzterem designierten Talmudgelehrten) einberufen worden. Dieser Ausschuß beschloß einstimmig, den Sohn des Verstorbenen, Akiba Schreiber, der Generalversammlung als Oberrabbiner vorzuschlagen. Die Jeschiwa, die 300 Hörer zählt, hat schon am Todestage'den Gemeindevorstand gebeten, Rabbi Akiba Schreiber, der seit sechs Jahren die Jeschiwa leitet, auch weiterhin an ihre Spitze zu stellen. So bleibt die Dynastie erhalten. * Vmi Aah und ssern. ----- Ueber die Entwürfe für das neue jüdische Krankenhaus hat das Preisgericht nunmehr sein Urteil abgegeben. Den ersten Preis erhielten zu gleichen Teilen die Firma Reimer & Körte und der Münchener Architekt Bonck. Den zweiten Preis erhielt der bei Berlin wohnende Architekt Klewe. Der Wettbewerb war mit 57 Entwürfen beschickt worden. — Neue Preisaufgaben für 1907 werden von der Berliner Universität aus der Dr. Paul Schultze-Stiftung gestellt. Die theologische Aufgabe lautet: „Inwieweit ist inderBerkündigung der Propheten von Amos an bis auf das Exil eine Verkündigung der vergebenden Gnade Gottes enthalten?" — Im Jahre 1904 sind in Deutschland 52 Personen aus der evangelisch en Kirche aus und zum Judentume übergetreten. Die Zahl der Uebertritte hat sich gegenüber dem Jahre 1901, in dem 24 Evangelische den Uebertritt zum Judentume vollzogen, mehr als verdoppelt. Von Interesse ist auch, daß von den 52 Uebertritten 48 in Preußen und von diesen 34 in Berlin stattgefunden haben. — Der Begründer und Ehrenvorsitzende des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Bäckermeister Simon Josef, ist am 10. d. M. gestorben. Durch die Begründung und stete Förderung dieses Vereins hat er sich ein ehrenvolles Andenken gesichert. — Bei der Mittelschullehrer- und Rektorenprüfung in Magdeburg wurde u. cn folgendes Thema gestellt: Welche Bedeutung ist dem Priesterstande in der religiösen Entwicklung des israelitischen Volkes beizulegen? — Dem Vernehmen nach beabsichtigt Herr Moritz Mannheimer, der das Ferienhaus für jüdische Kinder in Elmen erbaut hat, auf seinem Grundstück in der Lindenstraße zu Groß-Salze ein Altersheim errichten zu lassen. — In Köln ist nach den Reprnsentantenwahlen die liberale Majorität in der Repräsentanz unverändert geblieben. — In Frankfurt a. M. hatte bei den Stadtverordnetenwahlen die antisemitische Mittelstandspartei sieben Sitze zu verteidigen; sie hat sämtliche sieben Sitze eingebüßt. — Kommerzienrat Ernst Tuch man n in Nürnberg hat anläßlich seines 70. Geburtstages zu der bereits von ihm früher gemachten Stiftung noch eine Zustistung von 10000 Mark gemacht, aus deren Zinsen taubstumme oder schwach befähigte Kinder ohne Unterschied der Konfession bedacht werden. — Der Großherzog von Hessen hat seinen Rechtsbeistand Justizrat Bernhard Langenbach in Darmstadt zum Geheimen Justizrat ernannt. — Der am 11. September d. I. in Breslau verstorbene Geheime Medizinalrat Professor Dr. Hermann Cohn vermachte der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen 10 000 Mark; die Zinsen sollen zu Preisen für die Bearbeitung von Aufgaben aus dem Gebiete der Augenheilkunde Verwendung finden. — Bis jetzt sind in Frankreich 1060 Kultusvereinigungen gebildet worden, und zwar 80 katholische. 902 protestantische und 78 jüdische. — In Bologna ist der angesehene Bankier und Senator Sanguinetti im 50. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung nicht nur der Bevölkerung von Bologna, sondern der ganzen Provinz. Die Verdienste des Heimgegangenen wurden auch ehrend in einem Telegramm hervorgehoben, das der König von Italien durch feinen Minister an die Hinterbliebenen richtete. — Die russischen Zeitungen bringen die Nachricht, daß die Regierung beschlossen habe, die Fleisch- und Lichtpacht wie andere spezielle jüdische Steuern abzuschaffen. Bekanntlich ist die Fleischpacht ungemein drückend für die

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