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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-13 · Heft 19 (13.2.1838) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 19 (13.2.1838)
Date
1838-02-13
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 rath in Gunzenbausen versucht, weshalb er in Ruhestand versetzt wurde, mag ich auch nicht berühren. Run ist es besonders zu bemerken, daß vr. StephM gar nicht als Judenfeind, noch als ein engherziger Theologe bekannt ist, und die gewöhnlichen Triebfedern' zu dergleichen Schmähschriften sind ihm, das glaube ich aus näherer Bekanntschaft mit ihm versichern zu können, völlig fremd. Ihn bewog die leidige Gelehrteneitelkeit, die Vorliebe zu einer vorgefaßten, höchst beschränkten Idee von der mosaischen Offenbarung, und der Wunsch, eine unbeachtet gebliebene Schrift von ihm .auf den Markt zu bringen, zur Abfassung des gedachten Schristchens. Hr. Stephani hat nemlich vor einigen Jahren unter dem Titel: „Moses und Christus" ein Werk geschrieben, in welchem er zu beweisen sucht, Moses habe wenig von Religion und Moral (!!) gewußt, woraus er dann Folgerungen für die christliche Religion zog, die wenig christliche Theologen gut heißen werden, uns aber gar nicht berühren. Das Buch aber will trotz alles Ausposaunens Niemand lesen, da Stephani in der theologischen Welt nie einen großen Kredit besessen. Nun sollen andere Etiketten demselben ins Publikum verhelfen, besonders die der Juden- Emancipation, weil bei der Regsamkeit, die auf diesem Gebiete herrscht, sich eine große Zahl Käufer erwarten ließ. Dies der Ursprung der gedachten Broschüre. Aber wenn der Herr Kirchenrath nur seine eigene Ueberzeugung, die er, durch nähern Umgang mit Juden aller Klassen *) gewonnen, nicht gewaltsam hatte verlaugnen wollen, so würde er nicht nur das ächt staatsbürgerliche Streben seiner jüdischen Umgebung z. B. in den. Orten: Wurmbach, Kronheim, Altenmuhr haben bekennen müssen, er würde auch die vielen jüdischen Familien, die dort ausschließlich vom Ackerbau und von Handwerken aller Art sich redlich nähren, sich in Erinnerung gebracht, und würde wahrgenommen haben, daß leider seine christl. Gemeinde, deren Seelsorger er. war, Beweise von „laxer Moral" "gegeben. Beispielsweise erwähne ich nur die hundert und abermals hundert von Forstfrevel, die zahlreichen, nächtlichen Einbrüche, und den auf offner Straße unternommenen Mordversuch auf den ausgezeichneten Landrichter Klingsohr, bei welchem Allen die Juden so wenig betheiligt waren, als sie die Erbauung einer eigenen Frohnveste daselbst nöthig machten. Ich hatte bereits eineRecension der Stephanischen Schrift abgefaßt, als ich aus der Zeitung entnahm, daß Sie selbst, die Abfertigung übernommen. Vielleicht gestatten Sie, daß ich folgenden Schluß meinerRec. hier noch hinzufüge: „Alter Mann! Einst standest Du durch Deine Leistungen auf dem Gebiete der Methodik hoch in der Achtung des deutschen Volkes; Du hast Dir aber durch mancherlei unrühmliehe Erscheinungen, namentlich auch durch die Verunglimpfung Pestalozzi's einen großen Theil dieser Achtung verscherzt. Da wolltest Du als ein Reformator, als ein zweiter Luther glänzen; die Welt kennt das klägliche Ende die¬ *) Der Anstand verbietet mir, die Männer zu nennen, mit welchen der Herr Kirchenrath in den nächsten Geschäftvberührungen stand, Männer, welche durchaus nicht zu den sogenannten Erleuchteten gehören, und deren Rechtlichkeit. und Solidität er schriftlich und mündlich stets das reichste Lob gespendet hat. D. Correspond. ses Versuches. Noch blieb Dir der Ruhm eines aufgeklärten Theologen, eines Kämpen für religiöse und bürgerliche Freiheit für Alle, und insbesondere wir vielfach bedrängten und angefeindeten Juden waren gewohnt. Dich als Freund, als Verfechter unsres guten Rechts anzusehen; durch vorliegende Schrift aber hast Du Dir diesen Rest von Lorbeeren vollends gar vom Haupte gerissen." Bitlenz (Saazer Kreis in Böhmen), 31. Jan. (Privatmitth.). Am Sabbat Par. Noach fand hier die feierliche Einweihung einer neu erbauten, stattlichen Synagoge statt, für welche. Feierlichkeit der durch seine Uebersetzung deö Jesaja im neuen Prager Tenach (beiLandau) bekannte Kreisrabbine des saazer und ellbogner Kreises, Herr S. Sachs, einige hebräische und deutsche Gesänge verfertigte. Es nahmen an dieser Feierlichkeit auch die Gemeinden Eidlitz und Horzenz Antheil, indem sie diesen Freitag in feierlicher Prozession, die Tora tragend mit Musikdcgleitung, nach Billenz zogen. Der genannte Herr Sachs hielt am Sabbat früh in der alten Synagoge eine kleine, aber rührende Abschiedsrede, von wo der Zug sich nach dem neuen Gebäude begab. Nach den Chorgesängen hielt der Rabbine die Einweihungspredigt. Besonders ergreifend war der Akt der Einweihung der h. Lade durch die Tora. Unter den Anwesenden befanden sich viele Geistliche und Beamten. Die Synagoge verdankt ihre Vollendung besonders dem rastlosen Eifer des Herrn G. Feldmann. —. Auch in hiesiger Gegend verbreitet sich derWunsch, regelmäßig deutsche Predigten zu hören, immer mehr. So hielt in Eidlitz am vergangnen Schemini Azeret Feste Herr Moritz Konirsch, der eben aus Pesth zurückgekehrt, wo er vier Jahre Lehrer war, eine sehr eindringliche deutsche Predigt, die jenen Wunsch in den Herzen seiner Zuhörer sehr rege machte. Baiern, 25. Januar. (Prkvatmitth.). In Ihrem allgemein verbreiteten Blatte N. 114 liefert Ihr Korrespondent, aus München 5. December 1837., über die Angelegenheit des Herrn D- Lövi, Rabbiner in Fürth, eine Nachricht, wodurch er das jüdische unh christliche Publikum auf ein Ergebniß der 12 begutachtenden Rabbinen aufmerksam machen will.. Dieser Artikel ist nicht ohne Befangenheit geschrieben, und veranlaßt mich, Ew. Wohlgeboren um die Aufnahme nachstehender Bemerkung zu bitten. In den ersten Monaten des Jahres 1836 wurden in den Kreisen des Königreichs Baiern verschiedene Rabbinen nach dem Ermessen der einschlägigen Regierungen zur Begutachtung in benannter Sache aufgefordert; dabei wurde denselben weislich, zur Verhinderung noch größerer Aufregung, jede ungeeignete Mittheilung zu vermeiden, zur Pflicht gemacht. Diese Moderation sollen auch alle Mitglieder der zu Fürth vom k. Regierungs-Commissair beigezogenen Mitglieder der Commission beobachtet haben, und es ist daher unbegreiflich, wie nur auf den Grund jener Arbeiten der Berichterstatter rangirend aufzuführen vermag! — Gesetzt — der f. Regierungs - Commissair habe sich ähnlicher Art geäußert (?), käme dadurch den Mitgliedern der Commission das Recht der Publication zu? — Ueberhaupt scheint es auffallend, in einem Akte, bei welchem fast alle

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