Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWMWWW^MMD^ Synagoge bereitet worden waren. — Der weit und breit bekannte Hetzredakteur Hugo Röhl, der zuletzt, von all seinen Freunden verlassen, dem Schicksale, in das Armenhaus zu kommen, nur dadurch entging, daß ein Herzschlag seinem Leben ein Ende machte, hat das Mitleid des größten Teils der pommerschen Lehrerschaft erregt. Die Röhlspende — veranlaßt durch den Fall Pötter — floß reichlich. Der Witwe sind schon seit dem Tode des Mannes namhafte Beträge überwiesen worden. — In dem Städtchen Pollnow ist seit vielen Jahren an den diesjährigen hohen Feiertagen zum erstenmal wieder ein Gottesdienst in der dortigen Synagoge abgehalten worden. H. Posen, 6. Dezember. Der Tod des Erzbischofs Dr. von Stablewski erweckt Erinnerungen an denselben, die beweisen, wie tolerant und beliebt der Dahingeschiedene gewesen. Bei Beginn der Judenbewegung warnte er als Probst in Wreschen von der Kanzel herab die Versammelten vor Unfrieden mit den jüdischen Miteinwohnern. Es dürfte auch Ihre Leser interessieren, Kenntnis von einem Schreiben zu haben, welches Herr Probst Dr. von Stablewski an die Witwe des verstorbenen Königlichen Kreisphhsikus Dr. Paradies in Wreschen richtete. Genanntes Schreiben, wovon ich eine Abschrift besitze, hat folgenden Wortlaut: „Sehr geehrte Frau! Es gibt Schmerzen, wo jeder menschliche Trost vergeblich wäre und die nur lindern kann ein Aufblick nach oben! Und doch, sehr 'geehrte Frau, kann ich mir nicht versagen, Ihnen in dieser traurigen Stunde zu erklären, daß Ihr Schmerz auch unser Schmerz ist, daß, wenn Sie in dem Verblichenen mit Recht einen innig geliebten Gatten betrauern, wir einen menschenfreundlichen, uneigennützigen Arzt und edlen Mitbürger betrauern. Er fiel wie ein tapferer Soldat, als Opfer seines erhabenen Berufes. An seinem Grabe darf ihm deshalb das Zeugnis nicht versagt werden, daß er in seinem reinen, aufrichtigen Herzen weder die Schranken der Religion, noch der Nationalität kannte, um seine Menschenliebe zu betätigen. Dies war das Geheimnis, durch welches sich der Verblichene die Achtung und die Liebe so weiter Kreise erworben hat. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frau Kreisphhsikus, um den Verlust eines solchen Gatten möge, wenn nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung in dem Glücke finden, daß das Andenken Ihres teuren Verstorbenen bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird. Mit der Versicherung des aufrichtigsten Mitgefühls zeichne ich hochachtungsvoll Dr. von Stablewski." Hamburg, 7. Dezember. Am 24. v. M. hielt die Gesell - sch aft für jüdische Volkskunde im „Logenheim", Hartungstraße, ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem Jahresberichte, den der Vorsitzende Dr. Rieger erstattete, war zu entnehmen, daß die Gesellschaft jetzt 351 Personen und Vereine zu ihren Mitgliedern zählt. Die Sammlungen (jüdisches Museum) sind vor allem durch die Reliefs des Professors Schatz, die Herr L. Friedenheim anläßlich der vierzigsten Wiederkehr seines Hochzeitstages geschenkt hat, durch eine Reihe wertvoller Ritualien aus dem Besitze des Herrn L. Hirsch, sowie durch viele Einzelschenkungen bereichert worden. Nachdem der Kassenwart, Herr Leibowicz, den sorgfältigen Kassenbericht erstattet hatte, wurde Herr Louis Ascher zum Ersatz für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied zum zweiten Schriftführer gewählt. Die Herren Dr. Rieger (Schröderstiftstraße 5) und Dr. Loewenthal (Bornstraße 2) sind gern bereit, Gegenstände für das Museum der Gesellschaft entgegenzunehmen und Auskunft über die Zwecke der Gesellschaft zu erteilen. n. Fürth, 7. Dezember. Dieser Tage hat ein Sohn hiesiger Stadt, der in Reichenhall wohnende Rechtsanwalt Alfred Nathan, seiner Vaterstadt 300 000 Mark zur Gründung eines Wöchnerinnen- und Säuglingsheims geschenkt und nur die Bedingung daran geknüpft, daß die Stadtverwaltung den Bauplatz dafür kostenlos hergebe und der Bau im Laufe des kommenden Jahres begonnen werde. Diese großartige Spende hat der hochherzige und edle Geber zum Andenken seiner verstorbenen Eltern Siegmund und Amalie Nathan gestiftet und außerdem am Begräbnistag der Ende letzten Monats verstorbenen Mutter je 3000 Mark zur Verteilung an jüdische und christliche Arme gespendet. Rechtsanwalt Nathan, eine edel und hochherzig angelegte Natur, hat von jeher bei allen Gelegenheiten eine offene Hand für Arme und Bedrückte gehabt, und mancher arme Student, gleichviel welcher Konfession er war, hat Herrn Alfred Nathan zu verdanken, daß er seine Studien beendigen konnte. Von den Verwaltungskörpern hiesiger Stadt wurde in dieswöchentlicher Sitzung beschlossen, Herrn Alfred Nathan das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. In gleich hochherziger Weise hat Herr Nathan auch die Stadt Bad Reichenhall bedacht, welcher er 30 000 Mark gespendet und auch ain Begräbnistag seiner Mutter 3000 Mark zur Verteilung an die Armen übergab. Auch diese Stadt hat Herrn Nathan das Ehrenbürgerrecht verliehen. Gesterreich-Mngsrn. A, Wien, 10. Dezember. Die Wahlen in die israelitische Kultusgemeinde haben am 2. d. M. stattgefunden. Die Wahlbeteiligung war eine rege; es wurden 4421 Stimmen abgegeben. Gewählt erscheint die Liste des Zentralwahlkomitees, nur bei zwei Kandidaten ist eine engere Wahl notwendig. Es kamen nämlich die offiziellen Kandidaten Kommerzialrat Leopold Simon und Herr Adolf Schramek in die engere Wahl mit den Kandidaten der Opposition, d. h. den Zionisten, den Herren Dr. Isidor Schalit und Adolf Brecher. Gewählt erscheinen mit sechsjähriger Funktionsdauer die Herren Dr. Alfred Berger, Emanuel Hoffmann, Dr. Gustav Kohn, Universitätsprosessor Dr. Joses Pollak, Dr. Maximilian Steiner, Dr. Alfred Stern; mit vierjähriger Funktionsdauer Bankier kaiserl. Rat Leopold Langer, mit zweijähriger Funktionsdauer die Herren Max Frank, Handelsgesellschafter, Dr. Hermann Löwy, praktischer Arzt, Samuel Steiner, Bauunternehmer. Wenn man ehrlich sein will, so muß man sagen: Die Zionisten haben eigentlich gesiegt. Und weun die Untätigkeit auf der anderen Seite fortdauert, so werden sie das nächste Mal vollständig siegen. — Die orthodoxe Judenheit hat einen schweren Verlust erlitten: Der Preßburger Oberrabbiner S. B. Schreiber ist am 2. d. M. in einem Frankfurter Sanatorium im Alter von 63 Jahren gestorben. Die Ueberführung der Leiche nach Pretzburg fand am 3. d. M., die Beerdigung am 5. unter allgemeiner Teilnahme statt. Mehr als hundert Rabbiner aus allen Teilen Ungarns waren anwesend; zehn Redner sprachen am Sarge. Der Verstorbene war der Sohn seines Vaters — mehr kann wohl niemand zu seinem Ruhme sagen. Im übrigen war er ein frommer und talmudgelehrter Mann. — Einer alten Sitte genläß, wurden auch diesmal von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinde in Preßburg „Martinigänse" für den Hof in Wien geliefert. Am Martinstage fuhren zwei Herren und zwei Damen als Vertreter der genannten Gemeinde bei der Hofburg vor und begaben sich unter Führung eines Hausoffiziers in die kaiserliche „Kammer". Sie überbrachten vier Gänse, die in weiße Linnen gehüllt und mit Bändern in den österreichischen und ungarischen Farben geschmückt waren. England. 1. London, 6. Dezember. Herr Dr. Albert Löwy feierte am 8. d. M. seinen 90. Geburtstag. Vor zehn Jahren schied er als Prediger der New-West-Shnagoge nach 50 jähriger Tätigkeit aus seinem Berufe, dem er mit dem Aufgebot aller Hingebung und Pflichttreue Vorstand. Um jene Zeit legte er auch seine Stelle als Sekretär der Anglo Jewish Association nieder.und wurde als Vizepräsident der Gesellschaft gewählt. Während seiner 40jährigen Amtierung in der Anglo Jewish Association stellte er sein Wissen und Können in den Dienst der Nächstenliebe und stand stets als Vorkämpfer für die Förderung der Interessen der Glaubensgenossen in erster Reihe, insbesondere wirkte er in den der Kultur entrückten Ländern auf das ersprießlichste durch Errichtung von Unterrichtsanstalten und Handwerkerschulen. Durch seine Beziehungen zu hervorragenden Männern der englischen Gesellschaft, die inniges Verständnis und Teilnahme für die Glaubensbrüder besaßen, die unter dem Drucke der Knechtschaft speziell im Orient zu leiden hatten, wurde es ihm ermöglicht, mächtig einzugreisen, die Lage der Armen zu verbessern. Der Gefeierte genießt das seltene Glück bewunderungswürdiger geistiger Elastizität; um so mehr kommen ihm die Erinnerungen aus seinem tatenreichen Leben, den Tag der Wiederkehr des Wiegenfestes zu verschönern. Und noch ein Lichtstrahl beleuchtete diesen schönen Tag, ein Lichtstrahl, der von der Heimat ausgeht und in die schöne Häuslichkeit des Geburtstagskindes dringt, den eine innige Jugendfreundschaft mit dem in Berlin lebenden Orientalisten Professor Dr. M. Steinschneider verbindet. Albert Löwy hat im Jahre 1835 :n # n;; ::4 I ’•