Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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70. Jahrgang. No. 50. Berlin, 14. Dezember 1906. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. korrrlpondknrm und Sschrichten. Deutschland. Berlin, 9. Dezember. Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden ist für Sonntag. 30. Dezember 1906 nach Berlin eingeladen. Aus der reichen Tagesordnung wird insbesondere hervorgehoben, daß über die nächste Hauptversammlung, welche statutenmäßig 1907 abzuhalten ist, Beschluß gefaßt werden soll. Ueber Zeit, Ort und die Namen der Referenten werden wir, sobald Näheres seststeht, der Oeffentlichkeit Mitteilung machen. — Das Urteil der Strafkammer zu Hamburg vom 30. November 1906, durch welches der antisemitische Redakteur Siering wegen Beleidigung des Verbandes und seines Redners, des Justizrats Tr. Fuchs, zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt war, hat die Rechtskraft beschritten. s. Berlin, 10. Dezember. Der Rabbinerverban d in Deutsch - tand hat die Einladung zur Generalversammlung auf Mittwoch, den 2. und Donnerstag, den 3, Januar 1907 nach Berlin verschickt. Die Beratungen finden im Saale der Gesellschaft der Freunde statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des geschäftssührenden Vorstandes (Maybaum); 2. Kassenbericht (Werner); 3. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: „Der Anteil der Wissenschaft des Judentums an der Emanzipation der Juden" (Jacob); 4. Bezirksrabbinnte (Kopfstein); 5. Reliktenkasse (Freudenthal); 6. Sabbatheiligung (Horovitz); 7. Schechita-Angelegenheit (Cohn-Kattowitz); 8. Neuwahl der Mit- 1 glieder des Zentralausschusses und deren Stellvertreter, sowie der! Kassenrevisoren; 9. Eventuelle Anträge. 8. Berlin, 7. Dezember. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt gestern Professor Dr. Martin Philippson einen höchst interessanten und fesselnden Vortrag über seine Reiseerinnerungen aus dem Orient. Der gefeierte Historiker führte seine Hörer durch die Türkei, Aegypten und Palästina. Er erzählte von den Verhältnissen und der Lage der Juden im Orient und entwickelte seine Gedanken über die notwendigen Reformen, um jene aus ihrer Lethargie zu menschenwürdigerem Dasein zu erwecken. Vor allem betonte er die Notwendigkeit der Begründung höherer Schulen, um Bildung zu verbreiten, durch die die Juden des Orients allein den Griechen und Türken im Kampfe ums Dasein sich ebenbürtig erweisen könnten. Herr Professor Philippson konnte denn auch seinen Hörern die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Alliance die Errichtung eines Realgymnasiums in Salonichi als erste der jüdischen höheren Schulen im Orient beschlossen habe. Was Pros. Philippson aber nicht erwähnte, ist die Tatsache, daß er die erste verdienstvolle Anregung zu diesem Werk gegeben hat. Der hochinteressante Vortrag fand allgemeinen und lebhaften Beifall seitens des zahlreich versammelten Publikums. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Tilsit sprach Dr. Ludwig Cohn-Berlin über „Das Judentum als Born der Philosophie", in Stettin Dr. Guttmann-Culm über „Manasse ben Israel", in Graudenz Geheimer Sanitätsrat Dr. Wolfs über „Naturwissenschaftund Judentum", in Culm Rechtsanwalt Blumenthal über „Falsche Messiasse", in Sch wetz Dr. M. Friedländer-Berlin über „Idee und Werk der Alliance Isra&ite Universelle", Lehrer Dahl über „Unsere Gebete", Dr. Guttmann-Culm über „Schopenhauer und sein Verhältnis zum Judentum", ^nSchockenDr.Dünner-Rogasenüber „JüdischeKunde im deutschen Munde", in Küstrin Dr. L. Neustadt-BreSlau über „Was uns not tut", in Schlochau Herr Albert Katz über „Die moderne hebräische Literatur", in Bernstadt Dr. Braunschweiger-Kattowitz über „Jehuda Halevi als Dichter der Welt und der Religion", in Hattingen Lehrer M. Ste in Hardt-Magdeburg über „Die Juden im alten Germanien", in Unna Dr. Ludwig Goldstein über „Buddhismus und Judentum", in Elberfeld derselbe über „Spinoza", in Bremerhaven Dr. Rosenak-Bremenüber seine Reise nach Amerika, Dr. Ma nh eimer-Oldenburg über den Humor im Judentum, in Osnabrück Dr. Ackermann-Brandenburg über „Judentum und Christentum", in Hamburg Herr Albert Katz über „Christen und Juden als Förderer der hebräischen Literatur", Dr. N. Birnbaum-Wien über „Hebbels Judendramen", in Würzburg Redakteur M. A. Klausner-Berlin über die „Alliance Isra^lite Universelle, deren Zwecke und Ziele", in Mülhausen i. E. Divisionspfarrer Dr. Pörner über „Das Heldentum der Makkabäer". 8. Berlin, 11. Dezember. Wie alljährlich, veranstaltet auch in diesem Jahre das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, welche im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstr. 9, abends 8 Uhr gehalten werden, sind folgende: Ani 7. Januar: Herr Rabbiner Dr. Ignaz Ziegler (Karlsbad): „Universitätsprofessuren für die jüdische Theologie/ Am 21. Januar: Herr Rabbiner Dr. H. V ogelstein (Stettin): „Ein Staatsmann und Gelehrter des 15. Jahrhunderts Minister in drei christlichen Reichen. (Isaak Abrabanel)." Am 4. Februar: Herr Archivar Dr. E. Zivi er (Pleß): „Ueberblick über die Geschichte der Juden in Rußland bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts." Am 18. Februar: Herr Rabbiner Dr. M. Warschauer: „Ueber das Gebet." Am 4. März: Herr Dr. Jsmar Freund: „Die Idee des christlichen Staates und die Emanzipation der Juden in Preußen." Am 18. März: Herr Rabbiner Dr. Felix Perles (Königsberg i. Pr.): „Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum." -A- Berlin, 7. Dezember. . Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hat die Einladung zu der am 23. Dezember d. I. 11 Uhr hier in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35, stattfindenden Generalversammlung erlassen. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung des Vorstandes. 2. Rechnungslegung und Entlastung des Schatzmeisters. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl eines Mitgliedes zum Verbandsvorstand für die Zeit von 1908—1910 und Wahl eines Delegierten zum Verbandstage 1907. 5. Vortrag: „Die materielle Lage der jüdischen Lehrer in den östlichen Provinzen der preußischen Monarchie." Referent: Kollege Bernhard- Berlin, früher Tarnowitz. 6. Der Rosinsche Gesetzentwurf und die Wünsche der Lehrer. Referent: Kollege Goldschmidt-Königsberg N.-M. 7. Mitteilungen aus dem Verbände. 8. Anträge von Mitgliedern. 9. Freie Besprechungen. 10. Bestimmung über Ort und Zeit der nächsten Versammlung. Berlin, 10. Dezember. Die Generalversammlung des Vereins „Mädchenhaus Pankow" fand am 9. d. M. statt. Eingangs derselben gab Herr Rechtsanwalt Makower, der die Leitung auf Veranlassung der Vorsitzenden, Frau Landgerichtsrat Loewe, übernahm, einen kurzen Ueberblick über das letzte Geschäftsjahr. Aus diesem ging hervor, daß in demselben große Anforderungen an die Opserwilligkeit des Vereins gestellt worden sind, wofür der Grund hauptsächlich in der Steigerung der Lebensmittelpreise zu suchen ist. Darauf wurde dem Vorstand auf Veranlassung der Revisoren, Herren Otto Pariser und Karl Schiff, Entlastung erteilt. Bei der darauf folgenden Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. Ebenso wurden die Revisoren wiedergewühlt. Um den Segen des Mädchenhauses weiteren Kreisen zugängig zu machen, wurde beschlossen, fernerhin auch jüngere, noch schulpflichtige Mädchen, die nach vollendetem Schulbesuch, bei vorhandener Neigung, dem hauswirtschaftlichen Berufe zugeführt werden sollen, auszunehmen. Im Anschluß an die Generalversammlung fand eine Prämiierung an acht aus der Anstalt hervorgegangene, im Dienst bewährte Mädchen statt. Herr Waisenhausdirektor Grunwald hielt an dieselben eine eindrucksvolle Ansprache und hob hervor, daß im Sinne des Begründers der Anstalt, des Herrn Justizrat Makower, durch sie gezeigt sei, wie arme jüdische Mädchen bei bescheidenen Ansprüchen einem ehrenvollen Berufe zugeführt werden können, sie mithin zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft herangebildet seien.