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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-14 · Heft 50 (14.12.1906) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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MWSMWWDWWWW —— 600 MWWWW^WWWWWWWWWWW noch gänzlich abzuschütteln und sich alsdann über letztere hinauszu« schwingen". Diese und ähnliche Quälereien dauerten noch an, als es schon am Horizont in Frankreich wetterleuchtete und der Sturm der großen Revolution über die morschen Staatswesen Europas hereinbrach und die Lust wenigstens auf einige Zeit voll Engherzigkeit, Dünkel, Klassen- und Rassenhaß reinigte. Segensreich wurden für die Juden besonders die Regierungsjahre Karls von Dalberg, dessen Edikt vom 28. Dezember 1811 dem Frankstrrter Ghetto für immer ein Ende bereitete und den Juden die politischen und bürgerlichen Rechte verlieh. Damit beginnt die neuzeitliche Entwicklung und der große Aufschwung der Frankfurter Gemeinde. Kracauers Buch zeichnet sich vor anderen Bearbeitungen der Geschichte der Frankfurter Juden aus durch eingehende Berücksichtigung der Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens, die kleinen Striche und Verzierungen, die erst den großen Kulturbildern der Vergangenheit die Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Gegenwart verleihen. Interessant sind seine Schilderungen des Innenlebens der Gassen, der inneren Einrichtung und des künstlerischen Schmuckes der Häuser, der Ornamentik der Zimmer und des beginnenden Luxus, der sich bei Wohlhabenden schon damals bis zu seidenen Tapeten verstieg. Die Lebenslust regt sich auch in der düsteren Gasse; unter stetem Kampfe erringt man sich mehr Luft und Licht und Anerkennung: „Der Not entwachsen Flügel!" Wenn 1887 mit dem „Steinernen Haus" das letzte der Gasse lliedergelegt wurde, so hat der Verfasser mit seinem gediegenen Buche dem Ghetto ein Denkmal gesetzt, fester und dauernder als Stein. Rabbiner Dr. Ludwig Levh-Brünn. * Unaufhaltsam ergießen sich die Fluten der papiernen Aufklärung über den Büchermarkt, und unmöglich ist es für jeden, auch nur das, was seinem besonder» Wissensgebiete angehört, zu überschauen und das Hervorragendste kennen zu lernen. In dieser sinnverwirrenden Menge, in diesem Drängen und Stoßen von Büchern steht einem Leuchtturm gleich das Werk, das die ganze Weisheit des Tages in sich birgt, eine deutsche Erfindung, das Konversations- Lexikon. Soeben ist der „Kleine iBrockhaus" erschienen, der neben dem 17 bändigen großen Bruder mit seinen zwei Bänden eine bescheidene Rolle zu spielen scheint, der aber an Bedeutung für die große Masse des Volkes ihn übertrifft. Zur Lösung der schwierigen Aufgabe, auf jede vernünftige Frage sofort eine kurze, sichere Antwort zu geben, sind über 80 000 Stichwörter bereit, die durch 4 500 Abbildungen und Karten unterstützt werden, wo es im Interesse der größeren Klarheit und besseren Uebersicht des Textes nötig ist. Demselben Zweck dienen 168 Seiten Textbeilagen, auf denen ausführlichere Darstellungen Platz gefunden haben. Der „Kleine Brockhaus" bevorzugt kein Wissensgebiet. Er strebt vielmehr danach, einen möglichst gleichmäßigen Ueberblick über das gesamte Wissen und Können der Gegenwart zu bieten, und er hat sich unparteiische Darstellung zum obersten Gesetz gemacht. In unserer aufs Praktische gerichteten Zeit ergibt es sich aber von selbst, daß die exakten Wissenschaften, die Technik, Handel und Verkehr und das moderne Leben mit seinem vielgestaltigen Getriebe in erster Linie Berücksichtigung verlangen. Den sozialen Fragen sind viele Artikel gewidmet, die durch Beilagen (Arbeiterversicherung, Genossenschaften, Streik usw.) eine wertvolle Erweiterung erfahren. Kurzum, wohin wir blicken, finden wir das Resultat sorgfältigster Zusammenarbeit der Redaktion des „Kleinen Brockhaus" nnb der Hunderte von Mitarbeitern, unter denen sich die ersten Vertreter ihrer Fächer befinden. Nicht vergessen darf dabei werden, daß ein solches Werk nur von einer Firma herausgegeben werden konnte, die auch auf dem Gebiete buch gewerblicher Technik über die ersten Kräfte verfügt und die in der Lage ist, ein so umfassendes, ungemein reich ausgestattetes Werk zu dem so erstaunlich billigen Preise von 24 Mark für die zwei Bände dem Publikum zu liefern. Wir sind überzeugt, daß sich der neue „Kleine Brockhaus" bald in jeder deutschen Familie einbürgern und unentbehrlich machen wird. SMchsggl. , Sehr geehrter Herr Redakteur! n dem Aufsatz in Nummer 46 vom 16. November d. I. „Steinthals Aufsätze über Juden und Judentum" heißt es: „Im Jahre 1890 hatte er seine• erste Sammlung von Aufsätzen hinausgeschickt, in denen er über die Bibel sprach, und bis zum heutigen Tage haben sie noch nicht zum zweitenmal hinausgehen können — ein trauriges Zeichen der Zeit, die die rechten Bücher begehrt, aber sie nicht liest." Worin liegt hier eine Schuld? Ich bin fest der Meinung, daß recht Vieles geschrieben und dem Druck übergeben wird, was in sehr vielen Fällen zur Aufklärung, Bildung und Gesittung, zur Erhaltung des jüdischen Glaubens, zur Befestigung des gesamten Judentums und zur Belehrung derer dienen könnte, die anderen Glaubens sind, um endlich das Judentum und den Juden zu erkennen und zu begreifen lernen, daß alles, was dieselben gelitten haben und noch leiden müssen, doch nur deshalb, weil sie an den einen einzigen Gott glauben ohne jedwede Anhängsel, also rein ethisch und ideal; nicht um Reichtümer oder große einbringende Existenzstellungen dadurch zu erlangen, denn letztere Bedingungen wären ja viel leichter im Leben zu erringen, wenn die Juden umgekehrt denken würden. Aber der Hauptfehler liegt darin, die Bücher werden im Preise zu teuer verkauft; populäre Schriften müssen billig!,'.billig!, und nochmals zu billigstem Preise verkauft werden, können gar nicht billig genug hergestellt und abgegeben werden, damit dieselben eine recht große Verbreitung im Publikunr finden; heute heißt es nur: Je billiger im Preis, je mehr Absatz, und hauptsächlich bei derartig populär bildenden und wissenschaftlichen Büchern, Werken und Schriften. Es gehört heute zu viel zum Leben und zum Unterhalt, mithin ist es schon schwer, das Geld dafür zu beschaffen und zu verdienen; demgemäß können von einem sehr, sehr großen Kreis der Menschen nicht noch große Summen für derartige Schriften im allgemeinen hergegeben werden. Ich möchte den Vorschlag machen: Sollte sich nicht ein großer Verein von nur reichen Juden der ganzen Welt bilden lassen, die große Kapitalien und namhafte Vermächtnisse a fond perdu hergeben, um derartige Bücher zu Spottpreisen dem Publikum zugängig zu machen? Dann würde ein jeder, reich und arm, zu einer würdevollen, für die gesamte Menschheit nutzbringenden Bibliothek gelangen, und würde dieses nicht einen immensen Nutzen stiften? Wir sehen z. B., was kostet die englische Missions- und Bibelgesellschaft, und was werden da nicht für Millionen jährlich zusammengetragen, verausgabt für alle in dies Fach einschlagende Bücher, die zu enorm billigen Preisen dem Publikum abgegeben werden. Hamburg, 18. November 1906. Hochachtungsvoll Ein alter Abonnent. * Verehrliche Redaktion! ie von Ihnen in Nr. 49, S. 578 und 579 Ihres geschätzten Blattes aus Nr. 48 der „Deutschen Israelitischen Zeitung" abgedruckten Gesetzesartikel sind nicht im Gesetzentwurf über die Verfassung der israelitischen Neligionsgemeinden in Hessen enthalten, sondern sind der Umarbeitung dieses Gesetzentwurfes entnommen, die wir auf Anregung von Darmstadt aus vorgenommen haben. Regens bürg, 7. Dezember 1906. Hochachtungsvoll Die Redaktion der „Deutschen Israelitischen Zeitung", Dr. S. Meyer, Distrikts-Rabbiner. (Wir bedauern das Mißverständnis. Allein wir glauben trotzdem nicht, daß die in dem Artikel gemachten Vorschläge auch nur die geringste Aussicht auf Annahme haben. Die Red.) Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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