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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-14 · Heft 50 (14.12.1906) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
Seite 596 (sequence 8)
Language
German
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596 jetzt aber beide unglücklich sind, so müssen wir unser Leid mit vereinten Kräften tragen und wollen uns nicht mehr voneinander trennen. Gern will ich Dir zur Besiegelung unserer Freundschaft meine dritte Tochter zur Frau geben. Sie ist jünger als ihre beiden Schwestern, doch ist ihr Benehmen ein viel sittsameres, auch ist sie schöner als die beiden waren und ihr Charakter ist so geartet, daß sie Dich gewiß glücklich machen wird. Mein Haus soll das Deinige und nach meinem Tode sollt Ihr beide meine Erben sein." „O Herr," sagte ich zu ihm, „Eure große Güte setzt mich in Verlegenheit, denn nie werde ich imstande sein. Euch dafür nach Gebühr zu danken." „O bitte, laß das, wozu wollen wir die Zeit mit unnützen Reden verschwenden." Er ließ hierauf Trauzeugen kommen und die Heirat ging bald vor sich. Der Befehlshaber begnügte sich nicht allein mit der Bestrafung des Bösewichts, der mich fälschlich denunziert hatte, sondern ließ noch zu meinem Vorteil das sehr bedeutende Vermögen des böswilligen Angebers mit Beschlag belegen Uebrigens habt Ihr. o 'Herr und König, Euch selbst davon überzeugen können, da Ihr bei dem Befehlshaber aus- und eingeht, wie sehr ich bei ihm geachtet bin. Meine Oheime hatten kürzlich einen Mann nach Aegypten geschickt, mit der Mission, mich dort aufzusuchen. Als dieser hier durchreiste und in Erfahrung brachte, daß ich mich hier befinde, übergab er mir einen Brief von ihnen. Sie melden mir darin den Tod meines Vaters und fordern mich auf, seine Hinterlassenschaft in Mossul anzunehmen. Da mich aber die Verwandt' schaft und Freundschaft des Befehlshabers an ihn fesseln, was mir nicht gestattet, mich von ihm zu entfernen, so habe ich diesen Boten mit einer Vollmacht zurückgeschickt, damit er mir alles, was mir gehört, hierher überbringe. Nach all dem, was Ihr nun von mir gehört habt, werdet Ihr, mein lieber Doktor und Lebensretter, hoffentlich nicht zürnen, daß ich während meiner Krankheit so unhöflich war, Euch die linke Hand statt der rechten zu reichen." So erzählte in fesselnder Weise der jüdische Arzt dem Sultan von Kaschgar und fügte hinzu: „Ich blieb in Damaskus, solange der Befehlshaber lebte, da mich dieser nicht mehr von seiner Seite lassen wollte- Hierauf ging ich auf Reisen. Ich durchwanderte Persien, begab mich nach Indien und habe mich dann endlich in Eurer Hauptstadt, o Herr und König, niedergelassen, wo ich jetzt gleichfalls als Arzt praktiziere." «Forts, folgt., Nus trüber Leit. Eine historische Erzählung. XVI. 3ch begreife Deinen Entschluß," sagte der Mönch; „das Gefühl, das Dich zur rastlosen Tätigkeit anspornt, ist Deines Herzens würdig, aber Du darfst Dich deshalb nicht unnötigerweise der Gefahr aussetzen. Die Ereignisse drängen sich, denn der König ist ungeduldig. Ich glaube nicht, daß das heilige Offizium, um den Grafen mit Juanita zugleich zu verderben, warten wird, bis sie mit seinem Sohne verheiratet sein wird. Das arme Kind soll nur einige Tage inmitten der Familie leben, deren Mitglied sie durchaus werden soll — das wird sicher geschehen, sei es auch nur einige Zeit vor der ^Hochzeit — und dieser kurze Aufenthalt wird genügen. Man wird Juanita des Judaisierens anklagen; Zeugen fehlen der Inquisition niemals; man wird zugleich den Grafen anklagen, daß er eine Ketzerin nicht denunzierte, daß er ihr ein Asyl gewährte und sie den Verfolgungen der Inquisition habe entziehen wollen, und zwar nur in der Absicht, in den Besitz ihres Vermögens zu kommen. Dann kannst Du ungesäumt abreiseru Bereite wenigstens Deine Flucht vor; durcheile die waldigen Gebirgszüge, die unser Land von Frankreich trennen; suche verborgene Höhlen auf, die im Falle der Verfolgung als Zufluchtsorte dienen können; Dein Betragen wird niemanden wundernehmen; man wird es begreiflich finden, daß Du unter solchen Umständen mit Vorliebe die Einsamkeit wilder Gebirgslandschaften, aufsuchst; komme jeden Abend an die Tür der Aljaferia; Du kennst das Zeichen, wenn ich es Dir eines Abends gebe, so weißt Du, daß alles vorbereitet ist; dann fliehe sofort, denn Juanita wird nicht mehr im Gefängnis der Inquisition sein; ich werde sie retten .... oder wir werden beide sterben .... Tue also, wie ich Dich heiße, mein Sohn, Du weißt, daß ich recht habe." „Ich werde Dir gehorchen, mein Vater," sagte Fernando; „aber kennt Juanita die Gefahren, die sie Umgeben?" „Ich habe nicht mit ihr sprechen können; ich wollte es übrigens auch nicht, wie Du leicht begreifen wirst; ich habe ihr nur von weitem ein Zeichen gegeben, das sie bemerkt hat, denn sie hat darauf geantwortet. Aber Du kennst sie, ihr Verstand ist klar und scharf. Sie hat sicherlich den Zusammenhang der Ereignisse zu finden gewußt, und die Forderungen, die man an sie stellt, werden sie vollends aufklären. Aber daran liegt wenig, der Graf wird keine Zeit haben, zu dem Ziele, welches er verfolgt, zu gelangen, und ich halte getreu Wacht. Ich verlasse Dich jetzt, mein Sohn, warte hier so lange, bis ich Deiner Berechnung nach wieder in der Aljaferia sein kann. Sei umsichtig und kaltblütig, und namentlich vertraue auf Gott, den Hort Israels." Nach diesen Worten entfernte sich der Mönch und überließ Fernando seinen traurigen und peinigenden Betrachtungen. Indessen wurde Juanitas Lage von Tag zu Tag bedenklicher. Solange ihr Vormund nur andeutungsweise von der Heiratsangelegenheit gesprochen hatte, hatte sie auf seine Vorschläge nicht geantwortet. Aber eines Tages ließ ihr Herr von Tueno mit großer Selbstbefriedigung die Anzeige machen, daß er endlich eine annehmbare und standesgemäße Partie für sie gefunden habe; sie solle sich deshalb, setzte er hinzu, darauf vorbereiten, Alonzo, dem Sohne des Grafen von Ramira, ihre Hand zu reichen. Aber Juanita erklärte ihrem Vormund rund heraus, daß sie nur den von ihrem seligen Vater für sie auserlesenen Mann heiraten werde, daß sie nie einem andern als Fernando angehören wolle. „Wir werden Mittel finden. Deine Ansicht zu ändern," antwortete der Vormund kalt, „indessen hast Du Zeit, Dir die Sache reiflich zu überlegen." Und er ging fort, ohne der Angelegenheit weiter mit einem Worte Erwähnung zu tun. Dieser trockene und schneidende Ton erschreckte das arme Mädchen mehr, als es heftige Drohungen vermocht hätten; trotzdem beunruhigte sie dieser Umstand nicht so sehr, denn sie konnte und wollte niemals nachgeben. Aber die Superiorin des Klosters, die ganz unter der Leitung ihres Bruders stand, flößte ihr ernstere Befürchtungen einer ganz anderen Art ein.

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