Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 593 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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593 Medaille und eine Reisestipendium, das ihn nach dem Süden führte. Es würde zu weit führen, seinen Entwicklungsgang hier zu verfolgen; ich will nur einige Worte, die einer unserer größten Künstler in einem Nachrufe von seinem Freunde und Gesinnungsgenossen sagte, hinzufügen. „Nun ist er fort für immer, er, der in den bahnbrechenden achtziger Jahren das Zentrum der Neugestaltung unserer Kunst und Kunstverhältnisse war." Und ferner sagt er von ihm, daß er Josephson „für den bedeutendsten Maler dieser an großen Künstlern so reichen Zeit ansah". Der Präsident des Künstlervereins sprach am Grabe warme Worte, von denen ich folgende hervorheben möchte: „Von ihm sagte man, daß er die organisierende Kraft, die Seele bei der großen Arbeit der Renaissance Schwedens, der zentrale Punkt in einem großen Künstlerkreise gewesen war. Immer war er es, der die Parole, das erste Zeichen zum Kampfe gegeben hat. Alle Künstler unserer Zeit, sowohl die älteren, die an seiner Seite gekämpft, sowie die jüngeren, die ihn nie persönlich sähen, werden stets mit Liebe und Bewunderung das Andenken an sein Lebenswerk und an die Feuerseele Ernst Josephsons bewahren." Seine bedeutendsten Gemälde sind nach harten Kämpfen, die frühzeitig seine Kraft gebrochen, doch fast sämtlich vom Staate angekauft und den Nationalgalerien Stockholms, Christianias und Gothenburgs einverleibt. Ihm selbst aber war, wie der Rabbiner Professor Klein bei der Leichenfeier, die von Tausenden von Menschen besucht war, so schön sagte, nur eine kurze Sommernacht, gefolgt von einer langen Winternacht, beschert; aus ihn kann das talmudische Wort angewendet werden, daß „manche sich ihre Welt in einer Stunde erkämpfen". Seit dem Jahre 1888 litt Josephson an einer Augenkrankheit, die ihm die Malerei beinahe ganz verbot; dagegen sind im Laufe der Jahre mehrere Bände Gedichte erschienen, und auch der Musik und Komposition hatte er sich gewidmet, und dieses Talent hatte ihn bis in die letzten Lebensstunden oft seine Leiden vergessen lassen. 1. K. Bas Milche Element in dm Erzählungen non UHU flacht. Von Dr. Adolph Kohnt. ie berühmte alte Sammluttg morgenländischer Märchen und Erzählungen 1001 Nacht, die zu den köstlichsten Schätzen der Weltliteratur gehört, ist bekanntlich ihrem Grundstock nach indischen Ursprungs, aber in persischen und später namentlich in arabischen Ländern überarbeitet und erweitert. In der Gestalt, wie sie uns jetzt vorliegt, bietet diese klassische Sammlung ein sehr anschauliches und anziehendes Bild des arabischen Lebens aus der Blütezeit des Kalifats dar. Die Endredaktion von Tausend und eine Nacht scheint im 15. bezw. 16. Jahrhundert erfolgt zu sein. Auch ist es zweifellos, daß von der alten persischen Sammlung, die sich „Hesa Assan", das heißt „Tausend Märchen", betitelt, nur einige wenige Märchen und der Rahmen für die ganze dichterische Komposition übrig geblieben sind, daß aber der bei weitem größere Teil echt arabisch und neuen Ursprungs ist. Ganz davon abgesehen, daß in sehr vielen Märchen der Kalif Harun al Raschid vorkommt, werden Gegenstände erwähnt und Persönlichkeiten aufgeführt, die nur im 14. und 15. Jahrhundert eine Rolle spielten. Ist doch in einer Erzählung sogar von Tabak die Rede, der bekanntlich erst im 16. Jahrhundert im Osten geraucht wurde. Man geht also nicht fehl, wenn man behauptet, daß in unserer Tausend und einen Nacht die Sprache, Kostüme, Sitten und Lokalitäten ägyptisch und die Zeiten der späteren Mameluckensultane sehr treu und nach der Statur gezeichnet sind, selbst in den Fällen, wo der Verfasser oder die Verfasser den Schauplatz der Handlung nach Osten, wie nach Indien und China, verlegen. Was für uns Juden Tausend und ein Märchen ganz besonders anziehend macht, ist der Umstand, daß in dieser köstlichen Sammlung das Schönste, Poetischste und Gemütvollste, was die arabische Literatur aufzuweisen hat, worin sich die ganze Lebens- und Weltanschauung des Arabers ausprägt, niemals aber ein Hauch des moslemitischen Fanatismus zu spüren ist. Wie den Arabern, so wird den Persern, Christen und Juden, die zu den Untertanen des Kalifats gehörten, von den Sultanen das gleiche Recht zuteil; sie alle verkehren mit dem Beherrscher der Gläubigen, dem „Herrn der Zeiten", dem „Schatten Gottes auf Erden", mit größter Ungeniertheit; sie erzählen dem König von Persien, dem Kalifen von Bagdad, dem Kaiser von China und wie alle die Großherren und Großchane des Orients noch heißen, ihre Geschichten und ernten für die Früchte ihrer beweglichen Phantasie oder die Gaben ihres Scharfsinns bald Lob/ bald Tadel, je nachdem die betreffenden mehr oder weniger packenden Romane den Beifall der jeweiligen Herrscher finden. Wir ersehen aus Tausend und eine Nacht, daß die jüdischen Aerzte in Aegypten eine hervorragende Rolle spielten, daß sie ihre Kunst mit Geschick handhabten und nicht allein das Vertrauen der Sultane,- sondern auch des Publikums genossen, das sich mit Vorliebe an sie wandte, wenn es galt. Kranke zu heilen. Wir erkennen ferner, daß jüdische Kaufleute mit den christlichen in freundschaftlicher, ja harmonischer Weise verkehrten und rechtschaffenen Handel trieben. Während im christlichen Mittelalter und in der Neuzeit nicht allein im Leben, sondern auch in der Dichtung jüdische Händler und Kaufleute oft als Blutsauger und Wucherer hingestellt wurden und der höhere und niedere Pöbel gegen sie losgelassen wurde, wird hier der jüdische Geschäftsmann' als in jeder Beziehung treu, ehrlich und zuverlässig gezeichnet. Ja, wir finden sogar, daß er von findigen Köpfen einer anderen Konfession zuweilen übers Ohr gehauen und durch falsche Angeber unglücklich gemacht wird, so daß auch die Gesetzgebung, die sich in dem Kadi verkörpert, einen Fehlgriff begeht, und der eine oder andere Justizmord gegen den Anhänger des jüdischen Glaubens begangen wird. Fromme Israeliten, tugendhafte israelitische Paare, tugendhafte Frauen israelitischer Richter und andere Vertreter des Judentums treten auf, und die Autoren werden nicht müde, den Charakter und den Geist der Söhne und Töchter Israels zu verherrlichen. Wenn auch begreiflicherweise Mohammed als der Stifter des Islams, als das unerreichbare Vorbild für die Gläubigen gepriesen und der Grundsatz aufgestellt wird, daß außer ihm kein Heil sei und daß nur diejenigen, die an ihn und Allah glauben, ins Paradies eingehen und im Jenseits alle Wonnen der Houris genießen können, so ist dieser Standpunkt wohl ein einseitiger, aber er wird nie mit Fanatismus betont, und der alleinseligmachende Glaube des Mohammedaners artet nicht in Gehässigkeit und in Verfolgungswut der Andersgläubigen aus. Der Sinn für Gerechtigkeit, der edelste, aber zugleich der schwierigste Sinn des Menschen, tritt hier in wohltuender Weise zutage, und es dürfte nicht als Uebertreibung angesehen werden, wenn wir behaupten, daß Tausend und eine Nacht wesentlich dazu beigetragen hat, den Geist der Duldung, der