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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-07 · Heft 49 (7.12.1906) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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583 der bekannte stürmische Vertreter aller derer, die sich gegen die Revision deS Hilsnerprozeffes wehren; der Mann ist Professor und natürlich Antisemit. Dieser Mensch, der wahrscheinlich noch in den Windeln lag, als bereits die Juden dem deutschen Volke in Oesterreich selbstlose Dienste leisteten, wie Dr. Straucher kühn, ohne Uebertreibung, der Wahrheit gemäß behaupten konnte, dieser Herr Sturm — ich weiß nicht, welche Gegenstände er als Professor vorträgt, aber das weiß man, daß er mit seinem Antisemitismus kein schlechtes Geschäft macht — wagt es, Straucher zuzurufen: Die Juden haben den Deutschen gedient „wo es ihnen etwas eingetragen hat". Und Sturm und die Antisemiten? Was ist^s mit den Pfründen, wie Straucher richtig bemerkte, die sie einheimsen? Die Verhandlungen im Reichsrate, zusammengestellt mit den s bisherigen Resultaten der mährischen Wahlen, zeigen, wessen wir uns in der Zukunft zu gewärtigen haben. Wie viele oder wie wenige Juden in die künftige Reichsvertretung einziehen werden, sie werden stramm Zusammenhalten müssen, nicht so gegen die Tschechen, nicht einmal gegen die Klerikalen, wohl aber gegen die liberal sich gebärdenden, aber bis in die Knochen antisemitischen, sogenannten Liberalen, vom Schlage der Götz und Lemisch, denen wir Leute k la Sturm zugesellen. Das sind die „Gefärbten", von denen .schon unsere Alten sagten: „Sie verüben Taten wie Simri und verlangen Lohn wie Pinehas." Diesen „Gefärbten" muß endlich die heuchlerische Schminke weggewischt werden. Iwri. Die jüdische flusttellung in der Whitechapel Art Gallery?u London. Von Karl Schwarz-Berlin. m Dienstag abend, den 6. November, hatte sich in der Whitechapel Art. Gallery eine erlesene Gesellschaft zur feierlichen Eröffnung einer in ihrer Art einzig dastehenden Ausstellung versammelt. Infolge des glänzenden Erfolges der Anglo-Jewish Historical Exhibition im Jahre 1887 war der Gedanke einer jüdischen Ausstellung entstanden, der nun durch das eifrige Interesse, besonders des Herrn Canon Barnett, zur Tat reifte. Im Judenviertel Londons ist eine Ausstellung jüdischer Kunst und Altertümer eröffnet worden, die in allen Kreisen und^Ländern reges Interesse verdient, und die infolge ihrer Vielseitigkeit jedem Besucher einen Ueberblick über die Kunstentwicklung der Juden gewährt. Von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage erzählen uns die hier dargebotenen Schätze, Kunst und Kunstgewerbe laffen alle Epochen der jüdischen Geschichte an unserem Auge vorüberziehen. Alle Länder, in denen Juden leben und lebten, sind hier vertreten, vom biblischen Zeitalter und dem Bestehen des Tempels zu Jerusalem bis zu den Werken lebender Künstler. Das Verbot der Darstellung irgend eines Bildnisses unserer Religion ist die Ursache, daß erst in unseren Tagen die bildende Kunst auch von Juden betrieben wird. Für die früheren Jahrhunderte kommen fast nur kunstgewerbliche Gegenstände, die zu religiösen Handlungen benutzt wurden, in Betracht, aber, die feine Ausführung dieser beweist, daß das Verständnis und die Herstellung künstlerischer Gegenstände stets in unseren Kreisen bestanden hat. Zum Ersatz für die vernachlässigte Malerei und Skulptur hatte die Dichtkunst eine Blüte gezeitigt, wofür uns die Londoner Ausstellung in manchem prachtvollen Originalwerk den Beweis liefert. Das Programm der Ausstellung lautet : 1. Die in Synagogen, Vereinen und Privatsammlungen befindlichen Kultusgeräte und die auf die jüdische Geschichte bezüglichen Gegenstände zu vereinen; 2. eine Sammlung von Manuskripten und Büchern zu zeigen (soweit es der Raum gestattet), und vor allen Dingen 3. lebende und kürzlich verstorbene Künstler zu Worte kommen zu lassen (in erster Reihe englische), um somit ein möglichst getreues Bild heutiger jüdischer Kunst zu entwerfen. Diesen schließt sich als vierte Gruppe eine Auswahl von Porträts und interessanter Drucke, bezüglich auf die Geschichte der englischen Juden seit Cromwell, an, die aus der einzigartigen Sammlung des Herrn Israel Salomons, London stanunen. Den weitaus größten Raum nimmt die unter Nr. 3 rubrizierte Darstellung der Werke der Jetztzeit ein, und dieser wollen wir zuerst unter Vorausschickung einiger nicht uninteressanter geschichtlicher Bemerkungen uns zuwenden. Die ältesten Berichte, daß Juden sich der Kunst befleißigten, reichen bis in das Jahr 1270 zurück. Es wird uns berichtet, daß „Meier, der Braune, der Jude" 1270 für den Prinzen Eduard ein Bild gemalt,habe, und es verlautet, daß Lucas van Leyden (1494—1533) eigentlich Lucas Jacobß geheißen und der jüdischen Gemeinde angehört haben soll. Die meist neutestamentlichen Darstellungen seiner Bilder und Kupferstiche lassen mich dieses für sehr unwahrscheinlich ansehen, denn eine jüdische Gemeinde ist mir erstens in dieser Zeit in Holland noch nicht bekannt — am 22. April 1593 kamen die ersten Marannen unter Jakob Tirado nach Amsterdam — zweitens hätte eine Gemeinde ein solches Mitglied sofort ansgestvßen?) Der erste uns bekannte jüdische Maler ist Salomon Hart in England (1806—1881), und hier setzt nun die Ausstellung ein. Hart tritt uns hauptsächlich als Historienmaler entgegen. „Torquemada vor Ferdinand und Jsabella", „Menasse ben Israel und Oliver Cromwell" beweisen seine kraftvolle Darstellungsweise, und sein „Prophet Ezekiel" und „Salomon" seine weniger glücklichen Bibelszenen. Abraham Salomon (1824—1862) ist hauptsächlich durch seine Radierungen bekannt geworden, ist aber auch als Porträtist geschätzt, wofür wir hiev manchen Beleg finden. Bedeutender war sein Bruder Simeon Salomon (gest. 1905), der mit zirka 60 Werken prachtvoll vertreten ist. Leider ist er zu früh aus seinem Schaffen geriffen worden, das zu den höchsten Hoffnungen berechtigte. Seine Zeichnungen und Gemälde stehen unter dem Einfluß der sogenannten Präraffaeliten, hauptsächlich unter dem des Dante Gabriel Rossetti, mit dem er manchmal zu verwechseln ist. In seinen jüdischen Darstellungen ist sein inniges und liebevolles Eingehen von ergreifender Wirkung, so in dem „Rabbiner", der in den Armen eine Thorarolle hält, und deffen geistvoll blitzende Augen und sorgenvoll gefurchten alten Züge die Leiden seines ganzen Stammes verkünden. Drei Engländer lassen sich unter einer Gruppe zusammenfassen: William Rothenstein, Alfred Wolmark und Jsaac Snowman. Sie sind die jetzigen Vertreter der jüdischen Schule in England und schaffen unter dem gleichen künstlerischen wie ästhetischen Standpunkt; alle drei behandeln hauptsächlich das arme, gequälte und verfolgte Judentum, das t) Wir bemerken hierzu, daß in zeitgenössischen Chroniken auch von einem jüdischen Maler in Spanien im Mittelalter die Rede ist, und daß im Zeitalter Tizians der jüdische Illustrator Mose del Castellazzo neben dem großen Künstler in dem farbenfrohen Venedig in Ehren bestehen konnte. Die Red,

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