Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-581 - England, wo er bis zu seinem' Lebensende verblieb. Größer schon als die Zahl der jüdischen Senatoren war die Zahl der jüdischen Kongreßmitglieder, deren es im ganzen 40 gab. Gegenwärtig zählt das Unterhaus zü Washington vier Juden, nämlich Henry M. Goldfogle und Lucien N. Littauer sür NewAork, Julius Kahn für Kalifornien und Ad. Meyer für Louisiana- Die geringe Zahl der jüdischen höheren Beamten und Volksvertreter in einem Lande, in welchem weder nach Religion, noch nach Abstammung eines Menschen gefragt wird, erklärt sich leicht aus der Tatsache, daß von den eineinhalb Millionen Juden, die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten von Nordamerika wohnen, kaum 300 000 seit mehr als 25 Jahren im Lande ansässig sind. VamihilksvrrrindkrDeutlchrnZuden. m 25. v. M. fand unter dem Vorsitz von Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftssührenden Ausschusses des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" statt, die besonderes Interesse dadurch hat, daß über das umfangreiche Hilfswerk für Rußland Bericht erstattet wurde. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat nach diesem Bericht in dem „Pogromjahr", beginnend mit den furchtbaren Judenmetzeleien in den Oktoberlagen 1905, sehr erhebliche Summen für das russische Hilfswerk ausgegeben. Rach London und Petersburg an die gemeinsame Kasse der großen jüdischen Organisationen wurden zur Verteilung in Rußland abgeführt.. 1 350 000 Mark Nach Odessa direkt. 111000 „ Nach verschiedenen anderen russischen Städten . 106 700 „ An einzelne Institute und Gemeinden wurden gezahlt.. 21 500 „ Die Fürsorge sür Emigranten erforderte . . 486 000 „ Zur Versorgung von Witwen, Waisen, Krüppeln und Kranken und. ferner zur Unterstützung geschädigter Christen wurden ausgeweudet . 54 800 „ Insgesamt also wurden für das russische Hilfswerk verausgabt. 2180000 Mark. Insbesondere ist hervorzuheben, daß infolge der in Rußland geschaffenen Organisation die Verteilung der Gelder an die Betroffenen sich ohne jeden Zwischenfall abgespielt und zu begründeten Beschwerden absolut nicht geführt hat. In der Sitzung wurden ferner für eine Reihe von Wohlfahrtsinstitutionen in Minsk. Kowno, Wilna, die durch die Zustände in Pußland in Verfall zu geraten drohen, 5033 Rubel bewilligt. Zur Verteilung an die Opfer einer Brandkatastrophe, die im Oktober in Novo Bychow, Gouvernement Mohilew, stattgefunden und die 48 Familien in Mitleidenschaft gezogen hat, sollen 1000 Rubel überwiesen werden. Die Gesellschaft zur Unterstützung der Juden, Ackerbauer und Handwerker, in Syrien und Palästina, mit dem Sitz in Odessa, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Auswanderung aus Rußland nach dem Orient in rationelle Bahnen zu lenken, zu überwachen und an den Plätzen, die für die Auswanderer in Betracht kommen, Jnformationsbureaus einzurichten, unterstützt der Hilfsverein der Deutschen Juden durch Finanzierung des Jnformationsbureaus in Jaffa. Für dieses Bureau, das dadurch in ein engeres Verhältnis zu dem Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins tritt, sind für das Jahr 1907 7500 Franken gewährt worden, so daß dies Bureau, das für die Auswanderung nach Palästina die größte Bedeutung hat, nunmehr ersolgreich zu arbeiten in der Lage ist. Damit ist ein neuer Schritt vorwärts getan, entsprechend dem Programm, das vom Hilfsverein der Deutschen Juden auf der Konferenz zu Frankfurt a. M. am 4. und 5. Dezember 1904 aufgestellt worden ist. Es wurde damals beschlossen, die von den üdischen Auswanderern aus dem Osten hauptsächlich benutzten Routen mit Jnformationsbnreaus zu besetzen, so daß die Auswanderer vor Ausbeutung geschützt und mit dem nötigen Tatsachenmaterial sür ihre Reise versehen werden könnten. Für Deutschland ist dieses Werk durch den Hilfsverein in allen Teilen durchgeführt worden. Für den Osten kann nur langsam an die Verwirklichung des Planes herangetreten werden. Durch das Vorgehen des genannten Vereins in Odessa rückt die Lösung der Aufgabe nunmehr sür die orientalischen Länder in greifbare Nähe, und durch die Gewährung der finanziellen Unterstützung für das Jaffaer Znformationsbureau wird es dem Odessaer Komitee möglich sein, ganz Südrußland mit den erforderlichen Nachrichten über Palästina zu versehen, und alle jene jüdischen Auswanderer, die sich alsdann nach Palästina begeben, werden bei ihrer Landung in Jaffa durch das Bureau selber in entsprechender Weise unentgeltlich zurechtgewiesen werden können. Aus dem Gebiete des Erziehungswesens in Palästina ist ein weiterer Schritt vorwärts gemacht worden. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat von Beginn seiner Tätigkeit in Palästina an das Prinzip betätigt, mit der Begründung von Kirldergärten den Anfang zu machen. Die praktischen Erfahrungen, die der Hilfsverein in Jerusalem, Jaffa und Safed gemacht hat, bestätigen, daß die Errichtung von Kindergärten die Grundlage für eine ersprießliche Jugendbildung im Orient sein muß, und es ist besonders erfreulich, daß infolge der in den Zentralen des jüdischen Lebens Palästinas erzielten Erfolge die Notwendigkeit und der Segen dieser Institute in immer weiteren Kreisen erkannt wird. Es lagen Anträge aus Beirut und Haifa betreffs Bewilligungen zur Begründung eines Kindergartens vor. Das Komitee, das sich zur Einrichtung eines Kindergartens in Haifa gebildet hat, schrieb in seinem Gesuch u. a.: „Der Ruf der segensreichen Erziehungstätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Palästina ist auch nach unserer Stadt gedrungen. Speziell haben wir teils direkt, teils indirekt die schönen Resultate ihrer Kindergärten in Jerusalem, Jaffa und Safed kennen gelernt und sehen in dieser Institution die richtige Basis einer gesunden, einheitlichen Jugenderziehung in unserem Lande. Als Einwohner dieser Stadt, der eine große Zukunft bevorsteht und deren jüdische Gemeinde durch Zuzug sowohl aus andern Gegenden Palästinas, als auch aus Osteuropa stark zu wachsen beginnt, streben wir dahin, dem guten Beispiele der größten jüdischen Gemeinden Palästinas zu folgen und auch einen Kindergarten ins. Leben zu rufen." Auf Grund der weiteren Berichte, die eine sachverständige, in Palästina ansässige Persönlichkeit erstattet hat, sind zur Eröffnung eines Kindergartens in Beirut und Haifa je 2000 Franken für das Jahr 1907 zur Verfügung gestellt worden. Um möglichst gute Lehrkräfte sür das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden zu erhalten und um die tüchtigen Lehrkräfte, die bereits am Seminar wirken, an das Institut zu fesseln, setzte der Hilfsverein der Deutschen Juden eine Gehaltsskala fest unter Zugrundelegung der Etatjätze für die gleichqualifizierten Lehrer in Deutschland. Die Pensionsverhältnisse sowie Witwen- und Waisenversorgung usw. ,-wurden nach den gleichen Grundsätzen geregelt. In das Kuratorium des Frankfurter Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, dessen Institut in Jerusalem, die Lämelschule, der Hilfsverein mit 5000 Mark subventioniert, sind vom geschäftssührenden Ausschuß, auf liebenswürdige Aufforderung der Frankfurter Herren, die Herren James Simon \mb Dr. Paul Nathan delegiert worden. Es wurden alsdann noch Bewilligungen für Schulen in der Türkei, Bulgarien und Rumänien vorgenommeu. Die Subvention der Or-Thora-Schule in Konstantinopel, die nach dem Vorbilde einer deutschen Volksschule ausgestaltet werden soll, wurde erneuert. Der Schule des deutsch-israelitischen Schulvereins in Rustschuk, die im Oktober eine erfreuliche Ausgestaltung erfahren hat, ist ein höherer Zuschuß als bisher — 1000 Mark — und ferner ein Betrag von 500 Mark zur Deckung eines Defizits bewilligt worden. Die Schule Reschith-Daath in Bukarest, die den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung betreffend Erteilung deutschen Sprachunterrichts gerecht