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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-30 · Heft 48 (30.11.1906) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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m 570 Das Schreiben des vorbereitenden Komitees des Palästina- Jndustrie-Shndikats hat folgenden Wortlaut: Berlin, im November 1906. IV. 15, Uhlandstraße 175. Ew. Hochwohlgeboren erlauben wir uns hierdurch die Mitteilung zu machen, daß das Unterzeichnete Komitee die Gründung eines Industrie-Syndikats für Palästina und die Nachbarländer vorbereitet unter der Firma: Palästina-Jndustrie-Syndikat G. m. b. H. Zweck. Das Syndikat bezweckt die Vorbereitung, Einführung und Finanzierung von industriellen und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina und den Nachbarländern. Arbeitsplan. Es wird sowohl aus eigener Initiative versuchen, jüdische Kapitalisten zu chancenreich erscheinenden Unternehmungen heranzuziehen, als auch im Aufträge und für Rechnung Dritter die nötigen Vorarbeiten zur Gründung von Unternehmungen leisten. Seine Tätigkeit wird demnach bestehen in: 1. Feststellung der wirtschaftlichen Verhältnisse und geschäftlichen Chancen durch Einholung von fachmännischen Gutachten. 2. Erwerbung von Konzessionen und Terrains, sowie Abschluß von Optionsverträgen. 3. Ausarbeitung von Projekten, Kosten- und Nentabilitätsanschlägen. 4. Finanzierung der zu gründenden Unternehmungen. Das Syndikat wird sich seine Auslagen und Spesen unter Aufschlag eines entsprechenden Gewinnes teils in bar, teils in Anteilen der neuen Unternehmungen zurückerstatten lassen. Eine weitere finanzielle Unterstützung der neu gegründeten Unternehmungen soll nur ausnahmsweise und dann nur gegen genügende Sicherheiten gewährtwerden. Projekte. Das Syndikat wird zunächst nur solche Projekte bearbeiten, deren schnelle Verwirklichung wahrscheinlich ist. Es liegen uns schon Angebote verschiedener Fachleute vor, die in den betreffenden Unternehmungen Mitarbeiten ^und sich an ihnen auch mit eigenem Kapital beteiligen wollen. Kapital. Das Grundkapital des Syndikats ist vorläufig auf , Mark 100000 (hunderttausend) in Stammanteilen von mindestens Mark 1000 stausend) festgesetzt. Zirka 50000 Mark finb bisher schon gezeichnet, auch hat die Anglo- PalestineCo. durch Ihre Filialen in Palästina und Syrien uns ihre bereitwillige Unterstützung zugesagt. Der Sitz der Gesellschaft wird Berlin sein; als ehrenamtliche Geschäftsführer sind zwei erfahrene Kausteute in angesehener sozialer Stellung in Aussicht genommen, während als Vertreter des Syndikats in Palästina ein mit langjähriger kaufmännischer Praxis ausgerüsteter Nationalökonom, der gleichzeitig Jurist ist, ausersehen ist. Als Bankstellen notieren wir die Jüdische Kolonialbank, London, sowie die Bankfirma A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59. Beitritts-Anmeldungen wolle man an den Endesunterzeichneten senden. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, das Reüssieren derartiger Syndikate in überseeischen Ländern zu verfolgen. Im Orient haben besonders belgische und französische Syndikate sehr bedeutende Unternehmungen (Hafenbauten, Eisenbahnen, Versorgung von Städten mit Licht und Wasser, Fabriken usw.) auf diese Weife in die Wege geleitet. Wir sind überzeugt, daß ähnliche Bestrebungen in unserer Interessensphäre Palästina bei vorsichtiger Geschäftsführung gleichfalls Erfolg haben werden. Wir hoffen, daß auch Ew. Hochwohlgeboren die Gelegenheit nicht versäumen werden, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das geeignet erscheint, jüdische Interessen in Palästina aufs wesentlichste zu fördern, und daneben nicht unerhebliche geschäftliche Chancen bietet. Zu weiteren Auskünften sowie zur Uebersendung der Programme des Syndikats ist die Kommission zur Erforschung Palästinas, Berlin W. 15, Uhlandstraße 175 (Pros. Dr. O. Marburg), gern bereit. Iüdilche Oberlehrer an dm höheren Lehranstalten Kreutzens. n de»! Bestand der jüdischen Oberlehrer an den höheren (Knaben-) Lehranstalten Preußens ist, wie wir dem soeben erschienenen „Kunze-Kalender" für das höhere Schulwesen Preußens üsw. (Schuljahr 1906) entnehmen, in dem verflossenen Schuljahre kaum eine Veränderung eingetreten. Ein Oberlehrer einer städtischen Realschule in Berlin ist an das neubegründete Mädchenrealgymnasium in Berlin übergetreten, dafür ist ein Neuphilologe, der bis dahin an einerjüdischen Lehranstalt (außerhalb Preußens) beschäftigt war, an der neuen (3.) Oberrealschule als Oberlehrer angestellt worden, und zwar, was für Berliner Verhältnisse sehr bemerkenswert ist, unter Anrechnung seiner gesamten Dienstjahre. Somit waren, wie bei Beginn des Schuljahres 1905/06, am 1. Mai 1906 63 jüdische Oberlehrer an städtischen höheren Knabenschulen vorhanden, und zwar 1 in Westpreußen (Danzig), 3 in Brandenburg (Charlottenburg), 46 in Berlin, 1 in Posen (Bromberg), 8 in Schlesien (5 in Breslau), 1 in Sachsen (Magdeburg), 3 in Hessen-Nassau (Frankfurt a. M.). Die Zahl der jüdischen Oberlehrer an staatlichen Anstalten hat sich um einen vermehrt. Nach einer Pause von fünf Jahren hat der Staat wieder einmal einen Juden angestellt und zwar an einem Gymnasium Schlesiens (Breslau). Die Zahl der königlichen Oberlehrer jüdischen Glaubens beträgt nun wieder 11, wie bis zum 1. Mai 1904 (Ostpreußen 1, Westpreußen 3, Brandenburg 2 (darunter 1 in Berlins, Posen 4, Schlesien 1). Verhältnismäßig ist die Zähl der jüdischen Oberlehrer etwas zurückgegangen. Unter 7176 Oberlehrern, die am I.Mai 1905 an preußischen höheren Knabenschulen angestellt waren (die an den beiden jüdischen Lehranstalten in Frankfurt a. M. beschäftigten Oberlehrer sind dabei nicht mitgerechnet), waren 73 Juden (1,02 Prozent), unter 7481 am 1. Mai 1906 74 Juden (0,98 Prozent), darunter 33 Professoren. Am Philanthropin in Frankfurt a. M. sind seit dem I.Mai 1905 nur noch jüdische Oberlehrer (10, darunter 7 Professoren), an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft ebendaselbst unter 11 Oberlehrern 8 Juden (darunter 3 Professoren). An der letzteren Anstalt sind zwei neue Oberlehrer angestellt worden; der eine von diesen hatte schon seit Jahren eine Oberlehrerstelle an dieser Schule kommissarisch verwaltet und ist trotzdem nur mit dem Anfangsgehalt angestellt worden. Der andere war vorübergehend an einer äußer-preußischen höheren Mädchenschule als Oberlehrer beschäftigt. Von den 8 anstellungsfähigen Kandidaten, die der vorjährige Kalender aufführte, sind also 2 Oberlehrer geworden, 2 haben sich streichen lassen, 3 sind in Frankfurt a. M. an privaten Anstalten beschäftigt, 1 an einer deutschen Auslandsschule (Konstantinopel). Zu den anstellungsfähigen Kandidaten hinzugetreten sind die 4 Probanten des vorigen Jahrgangs, von denen keiner zum Oberlehrer ernannt worden ist. Doch sind 3 von ihnen vollbeschäftigt (2 in Schlesien, 1 in Brandenburg), der vierte ist in der Nähe von Berlin stundenweise beschäftigt. Von den drei Seminarkandidaten des vorigen Schuljahres sind zwei als Probanten in der Provinz Brandenburg (1 in Berlin) vollbeschäftigt, der dritte ist von der Provinz Posen nach der Provinz Sachsen übergegangen und war am I.Mai 1906 nicht gegen eine Remuneration tätig. Neu hinzugetreten sind 5 Seminarkandidaten (Gesamtzahl 591), 2 mit der Lehrbefähigung in neueren Sprachen, 3 in Mathematik und Physik; 3 sind in Berlin, 2 in Frankfurt a. M., 1 von ihnen, ein Neuphilologe, ist in Berlin fast vollbeschäftigt.

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